Inflationen sind wie Diktaturen. Wenn sie erst einmal an der Macht sind, wird es um so schwieriger, gegen sie anzukämpfen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

11 Europa

Wir stehen hier am Anfang der Finanzkrise

Fast 1.500 Milliarden Euro Kreditzusagen wurden im Zuge der Euro-Rettung ausgesprochen.Die Beschlüsse des Bundestages vom 18. April stellen nicht mehr als eine weitere Wegmarke der Finanzkrise dar. Eine Maßnahme nach der anderen wird als notwendig, alternativlos und problemlösend verkauft, helfen wird das alles jedoch nicht. Das Problem liegt viel tiefer – unser Geldsystem ist ein planwirtschaftliches Relikt. Vereinfacht gesagt: Ein Zentralkomitee setzt den Preis, in diesem Fall die Zinsen, fest und den Menschen geht mehr als nur die Bananen aus.

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Übereinkünfte zur Rettungspolitik haben in Europa eine stetig sinkende Halbwertszeit. Am 29. Juni 2012 wurde die Einrichtung des ESM im Bundestag unter der Bedingung ratifiziert, dass nur solche Rettungsmaßnahmen eingeleitet würden, die für den Fortbestand der Eurozone notwendig wären. Im Falle Zyperns eine absurde Überlegung.

Die Absurdität, dass eine Bank, kleiner als die Hamburger Sparkasse, systemrelevant sein soll, zeigt die Entschlossenheit der Rettungseuropäer. Die zyprische Nationalbank hat der Laiki Bank seit September 2011 bis zu 9,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die zyprische Nationalbank müsste für ihre leichtfertige Kreditvergabe haften, nicht die Einleger der Laiki. Die zyprische Zentralbank ist es, die durch die jetzigen Maßnahmen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden soll.

Die Vorgänge in Zypern, in Portugal, in Irland und vielen anderen Ländern Europas zeigen eines klar auf: nichts wird wirklich besser. Vielmehr muss immer mehr durch Flickschusterei und ad-hoc Maßnahmen eingegriffen werden. Grund dafür ist, dass immer nur versucht wird, Symptome zu bekämpfen.

Kern der Probleme, Kern der Krise an sich ist, dass wir es nicht schaffen, dass staatliche Geldmonopol abzulegen und endlich eine marktwirtschaftliche Geldordnung einführen, wie beispielsweise F. A. von Hayek sie vorgeschlagen hat. Das jetzige Problem, dass im Rahmen des planwirtschaftlichen Geldsystems durch simplen Knopfdruck Geld erschaffen wird, erzeugt Blasen. Sie müssen platzen, weil sich die angeregten Investitionen unter normalen Bedingungen nie getragen hätten. In einem marktwirtschaftlichen Geldsystem hätte eine derart entwertete Währung keine Chance und würde durch gute Währungen ersetzt werden.

Das Schneeballsystem Euro, mit seinen ungedeckten Forderungen, platzt nun an vielen Stellen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Folgen nicht mehr mit halbseidenen politischen Maßnahmen überdecken lassen. Die Folgen der derzeitigen Krisenpolitik, die Krise mit noch mehr Geld zu bekämpfen, lassen sich in einer kurzen Formel zusammenfassen: Je mehr Geld, desto größer der Knall.

Wir stehen erst am Anfang der Krise, und mit jedem Euro, der zusätzlich aus dem Nichts in die Eurozone gepumpt wird, wird der Knall an ihrem Ende größer werden.

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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  • Wie Recht Sie doch haben Herr Schäffler. Leider verschließen die meisten Ihrer Parteifreunde vor den Kosequenzen die Augen.

  • Ich würde mir wünschen, dass Sie , Herr Schäffler, zur AfD wechseln würden, nach allem, was ich bis jetzt von Ihnen gelesen und gehört haben, würden Sie wohl dort eine echte politische Heimat finden. Wenn wir nur Leute wie Sie im BT hätten, würde es die AfD nicht geben.

  • Herr Schäffler, wenn Sie den Euro ein “Schneeballsystem” bezeichnen – wie lautet dann Ihre Bezeichnung für den US-Dollar? Ich meine, einen Vorteil hat der Euro immerhin: Er ist goldgedeckt! Der Dollar nicht.

    Und lassen Sie mich wetten: Genau das wird sehr bald den entscheidenden Unterschied ausmachen. Denn: Wer das Gold physisch besitzt, kann es auch neu bewerten. Er muss, im besten Falle, nur darauf warten, bis die US-amerikanische Derivate-Blase platzt. Und notfalls hilft er etwas nach. Durch etwas Zukauf von Gold. 1.200 bis 1.300 t dürften genügen.

    In der Zwischenzeit reiben sich natürlich diejenigen, zu denen das Gold fließt, die Hände: der Osten. Russland. China. Vietnam. Indien.

    Doch recht so. Wenn nur so die Spekulation zu ihrem Ende findet, soll uns dieser Preis recht sein. Unter den Voraussetzungen eines *ehrlichen* Geldes fließt Gold sowieso zu den Händen, die stark sind und prosperierend.

    Lesen Sie FOFOA. Was jetzt geschieht, konnte man dort schon vor Jahren erfahren. Und schon Jahrzehnte zuvor bei denen, denen er Tribut zollt.

    (( Für die Praktiker hier eine kleine Nachhilfe: Wenn die Derivateblase platzt, wird der Preis von “Gold” (GLD) dramatisch abstürzen. Das Papier verliert seinen Wert. Gold (phys.) wird konsequenterweise verschwinden: sich verstecken. Die besitzenden Zentralbanken – allen voran die EZB – werden dann Gold neu bewerten. Wenn alles geregelt abläuft, schön ordentlich bei einer regulären MtM-Sitzung. Und die Welt wird endlich mit einem demonetarisierten “Focal Point”, mit einem zu Währungen über freie Wechselkurse definierten “Store of Value” leben können: Gold. Freies Gold. “Freegold”. (Paranthesen googeln. ))

    Á propos Spekulation:

    http://demonocracy.info/infographics/usa/derivatives/bank_exposure.html

  • Dan Chris

    “einen Vorteil hat der Euro immerhin: Er ist goldgedeckt! Der Dollar nicht.”
    Der Euro ist nicht goldgedeckt.

  • Dan Chris

    Herr Schäffler, wenn sie recht hätten, dann hätte es vor dem Fiat Money keine Finanzkrisen geben dürfen. Die gab es aber. Die konsequente Folgerung ist, dass das Geldsystem nicht die Ursache des Problems ist.

    Davon abgesehen kann in einem marktwirtschaftliches Geldsystem munter spekuliert werden. Aus diesem Grund hat die Schweiz ihren Wechselkurs festgelegt. Sie wäre dafür bestraft worden, dass sie eine stabile Währung hat. Anleger flüchten sich in den Franken und der Preis steigt. Dadurch werden Exporte sehr teuer. D.h. die heile Welt erzeugt man nicht durch die Privatisierung der Währung ganz sicher nicht.

    Ein letzter Punkt ist der folgende. Wo ist der Unterschied zwischen dem aktuellen System und einem privaten? Sie können heute die Währungen von anderen Ländern tauschen. Geld wird gegen Sicherheiten von Privatbanken erzeugt. Auch Staaten müssen solche Sicherheiten erbringen. Bei Privatgeld würde das nicht anders sein.

  • Off_On

    Der Staat hat das Währungsmonopol, d.h. der Staat darf bestimmen, welche Währung in seinem Hoheitsgebiet immer akzeptiert werden muß. Das heißt: Der Staat bestimmt, in welcher Währung er seine Rechnungen und Löhne zahlt.

    Müßte der Staat einen nennenswerten Teil seiner Rechnungen und Löhne plötzlich in einer privaten Hartwährung zahlen, wäre es für ihn plötzlich sehr viel teurer.

    Die eigene Währung kann ein Staat immer inflationieren. Aus diesem Grund hassen Staaten private Währungen wie die Pest.

  • Dan Chris

    “Der Staat bestimmt, in welcher Währung er seine Rechnungen und Löhne zahlt.”
    Daran würde sich nichts ändern, wenn die Währung privat wäre. Der Staat hat einen großen Anteil an der Wirtschaft, über Löhne und Investitionen. Somit kann er die Währungen stark beeinflussen. Es ist ein absurdes Wunschdenken, dass der Wettbewerb zwischen den Währungen Probleme lösen würden.

  • Off_On

    Komisch nur, daß kein Staat jemals freiwillig auf sein Währungsmonopol verzichten würde, wenn sich doch angeblich so wenig ändern würde.

    Nein, Staaten haben natürlich Angst vor dem Verlust des Währungsmonopols. Inflationierung ist und bleibt eine Lieblingsgaunerei von Staaten.

  • Mag ja sein, dass die Einleger teilweise haften, aber die eigentliche Haftungsreihenfolge [Eigenkapitalgeber, dann Anleiheeigner nach aufsteigendem Rang, dann erst, nachdem all diese ihr Kapital verloren haben, die Einleger] ist ausser Kraft gesetzt worden. Und warum? Weil die Zyprische Nationalbank dann Bankrott gewesen wäre. Diese “deposit insurance” wollte man gar nicht nutzen, nur durch öffentlichen Druck ist die zyprische Regierung von ihrem Plan abgewichen. Weiterhin wäre die Einlagensicherung im Falle einer Sondersteuer gar nicht aktiv geworden.

    Die Laiki Bank ist für den Fortbestand der Euro-Zone (und das ist die Systemrelevanz im Sinne des ESM) nicht überlebenswichtig. Die Bank ist vehältnismäßig klein, der Vergleich mit der Hamburger SK verdeutlicht das nur. Was an dem Vergleich, und allgemein an der Argumentation, erbärmlich sein soll, sollten Sie mal expliziter beschreiben.

  • Dan Chris
  • thomas

    Herr Schäffler sie sind der einzige der das ungerechte Geldsystem
    wirklich versteht. Gehen sie in die AFD und räumen die BRD mal auf.
    Die meisten Politiker haben leider keine Ahnung von Wirtschaft.