Dass Haftung und Risiko zusammengehören, ist keine linke Idee, sondern ein Grundprinzip der Marktwirtschaft. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

19 ArbeitsmarktSoziales

Stellschrauben des Wachstums

Die Fertilitätsraten in Deutschland sind zu niedrig, um die Bevölkerungszahl auf konstantem Niveau zu erhalten.Will man verhindern, dass der demografische Wandel auf die Wachstumsstärke der  Volkswirtschaft durchwirkt, so muss man an drei Stellschrauben drehen: Köpfe, Zeit und Produktivität.

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Der demografische Wandel gehört zu den zentralen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft bei gleichzeitiger Schrumpfung der Bevölkerung drohen schon heute Fachkräftemangel, Erhöhung der Fehlzeitenquote, steigende Personalkosten und Know-how-Verlust. Um die Produktivität und das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft trotz dieser demografisch bedingten Herausforderungen zu erhalten, muss man an drei Stellschrauben drehen:

Köpfe
Ziel ist die grundsätzliche Erhöhung der Erwerbsbevölkerung. Dabei gilt: Die  Bevölkerung kann man nicht zu mehr Zuwachs zwingen. Doch man sollte zumindest die bestehenden Geburtenwünsche bestmöglich unterstützen. Der Schlüssel zur Stabilisierung der Geburtenrate liegt in der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Tatsächlich trägt gerade dabei die Zeitsouveränität und  Flexibilität der Eltern in und nach der Phase der Familiengründung für selbige eine hohe Bedeutung. Familienpolitische Leistungen allein sind demgegenüber weniger erfolgreich.

Die Erwerbsbevölkerung lässt sich außerdem über eine gesteuerte Zuwanderung erhöhen. Die seit dem Jahr 2000 zugewanderten Menschen bringen bessere technisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen mit als die heimische Bevölkerung. Nur ein zügiger und transparenter Prozess der Anerkennung und der Arbeitserlaubnis ermöglicht, diese Fähigkeiten auch zu nutzen.

Zeit
Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen lässt sich mit Hilfe zweier Maßnahmen steigern: die Erhöhung der Erwerbsquote und die Verlängerung der Arbeitszeit. Dank der Arbeitsmarktreformen wechseln seit 2005 immer mehr Arbeitslose zurück in die Beschäftigung. Eine weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenzugangsalters – in der Tat höchst strittig diskutiert –  würde  die Erwerbsquote noch zusätzlich steigern.

Nicht nur die Lebens- sondern auch die Jahresarbeitszeit offenbart Spielraum. Mit Blick auf Nachbarländer, wie z.B. die Schweiz, ist grundsätzlich über eine generelle Erhöhung der Jahresarbeitszeit nachzudenken. Darüber hinaus bietet der hohe Anteil an Teilzeitarbeitenden Potenzial  für eine Steigerung des Arbeitsvolumens. Viele Frauen würden ihre Arbeitszeit gerne ausweiten. Die erfolgsversprechenden Stichworte sind auch hier: Zeitsouveränität und flexible Arbeitszeiten. Kombiniert mit verlässlichen Angeboten für die Kinderbetreuung, können sich so auch Alleinerziehende wieder für eine Vollzeittätigkeit entscheiden.

Produktivität
Das individuelle Leistungsvermögen des Einzelnen in seinem Erwerbsleben lässt sich effizient über Bildungsinvestitionen und eine präventive Gesundheitsförderung im Lebensverlauf fördern. Hier ist nicht nur der Staat in die Pflicht genommen – auch die einzelnen Unternehmen können ihre Mitarbeiter über eine lebenszyklusorientierte Bildungspolitik unterstützen, indem sie die spezifischen Phasen des Erwerbslebens berücksichtigen und sich individuell auf die Leistungsfähigkeit ihre Mitarbeiter  einstellen.

Drehen Politiker, Unternehmen und Bürger gemeinsam an diesen drei Stellschrauben, dann lässt sich der Lebensstandard nicht nur sichern, sondern sogar erhöhen. Modellrechnungen zeigen, dass das Arbeitsvolumen bis zum Jahr 2030 trotz der rückläufigen Erwerbsbevölkerung durch eine Kombination aus verlängerter Erwerbsphase, höheren Beschäftigungsraten und einer höheren Arbeitszeit pro Kopf sogar noch steigen kann. Der Produktivitätsfortschritt kann so auch in Zeiten einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft wirtschaftliches Wachstum ermöglichen.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung zuerst im Handelsblatt erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Klingt für mich nach Allem, nur nicht nach Sozial. Der Mensch wird im Text als Teil der Produktion gesehen. Es wird gefragt: Wie also kann man ihn optimieren, damit die Wirtschaft wachsen kann? -> Der Mensch ist also Mittel zum Zweck des Wirtschaftswachstums. Rückkehr zur Sklaverei olè olè….

  • Epo

    Der Hüther merkt nicht mehr viel. Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen!

  • Tim Schmidt

    toller text größtenteils aber heißt das jetzt wir müssen noch mehr arbeiten um die fehlenden kinder aus zu gleichen oder habe ich das falsch verstanden ?
    ich denke wir brauchen da eine massive änderung , wie sie aus sieht weiß ich auch noch nicht . fakt ist , hauptsächlich “assis” bekommen kinder , und diese assis werden von generation zu generation nutzloser , da bringt auch kein bildungsfehrnsehen was oder kitas wenn diese kinder aufgrund der allgemeinen und familiensituation größtenteils gesellschaftunfähig werden . mütter die im leben nichts erreicht haben und dann kinder bekommen , dumm und scheiß werte vermittelnd das sehe ich fast jeden tag hier .. mein bruder und seine freundin die beide sehr gut verdienen und was im kopf haben , die warscheinlich sogar gute eltern wären entscheiden sich dagegen weil es zu viel stress bedeutet . was ich vollkommen verstehe .

    in diesen geregelten chaos das immer mehr an respekt und werten verliert hat man angst vor kindern :D
    die menschen brauchen mehr ruhe , frieden und wohlstand für die ärmsten ist der schlüssel

  • Tim Schmidt

    der mensch muss für seinen wohlstand etwas tun , das ist der sinn des textes :D

  • Schwachsinn und Halbwahrheiten – Zuwanderer sind besser ausgebildtet als deutsche Fachkräfte – wenn ja, ist es ein deutliches Zeichen der jämmerlichen Bildungs-u. Studienpolitik unseres Landes.Dem entgegen stehen aber zig Tausend Studienabgänger die keinen Job finden, weil sie nach geltenden Recht bezahlt werden müßten. Lieber lassen wir es zu, das diese Fachleute abwandern, Tendenz steigend. Länger arbeiten – schon heute sind nur noch 29% der 60-65 jährigen in einem Arbeitsverhältnis, wo sollen für diese geburtenstarken Jahrgänge,1950-75 die Jobs herkommen bei Erhöhung des Renteneintrittsalters? Erhöhung der Arbeitszeit – die Frage müßte heißen, wie kann man durch Innovation den Anteil der menschlichen Arbeit optimal senken, um die Produktivität zu erhöhen, um dadurch eventuelle Engpässe oder Tendenzen entgegen zu wirken – dafür brauche ich aber hochqualifizierte Bevölkerung, die ja leider angeblich rar am Arbeitsmarkt ist.
    Im übrigen, solange man fleißig nach dem PETERPRINZIP in diesen Land arbeitet, wird sich diesbezüglich auch nicht viel ändern.
    Noch etwas zu den Autoren, bei deren Flut von Titeln die meisten Bürger vor Erfurcht erstarren: Sie kochen ihren Kaffee auch nur mit Wasser und tragen eventuell Feinrippunterwäsche und der Realitätsgehalt ihrer Aussagen, ist abhängig von ihren Sponsoren und Geldgebern und damit mehr als fragwürdig, oder haben wir schon 2008 vergessen, als die meisten dieser netten Fachleute uns noch GOLDENE ZEITEN im August/ September prognostizierten!

  • Dan Chris

    “hauptsächlich “assis” bekommen kinder , und diese assis werden von generation zu generation nutzloser”

    Selten eine dümmere Aussage gelesen. Akademiker bekommen im wesentlichen später Kinder, aber nich deutlich weniger. Weiterhin ist eine Förderung aller Kinder möglich, wenn man es will. Das machen andere Länder vor. Durch Vorteilen, wie von Ihnen verbreitet, kommen wir nicht weiter. Das wir ein Bildungsproblem haben sieht man bei Ihnen.

  • Mark

    Selten so ein Blödsinn gelesen .. die einzige Stellschraube für mehr Geburten ist der Hypothekenzins. 2-5% minus (negative Hypothekenzinsen) dürften ausreichen, um komplett ausgebombte Regionen wieder zu revitalisieren

  • Pietia

    Der Verfasser hat das Thema total Verfehlt. 1. Der technologische Vortschritt beduetet die Wirtschaft braucht weniger Koepfe. Also das Gegenteil was dieser Professor (?) schreibt. 2. Wir sollen nicht laenger sonder kuerzer arbeiten. Ab ca. 60 Lebensalter ist der Mensch so wie so so weit kaputt, dass er meistens Arbeitsunfaehig ist. 3. Deustche sind genauso, wenn nicht besser, ausgebildet als die Zuwanderer. Finden aber keine Jobs, aus dem Grund verlassen das Land. Wo sind also die Arbeitsplaetze, die dieser Professor sieht? In einem Wort nichts als FDP -Schwachsinn.

  • Für unseren Wohlstand sind arbeitsteilige Prozesse unerlässlich, daher arbeitet kaum jemand für seinen eigenen Verbrauch (ich wüsste auch nicht, wie ich mir ein Handy selber bauen sollte).
    Wirtschaftswachstum ist notwendig um den Wohlstand zu halten oder zu steigern. Die Wirtschaft sind die Menschen, die in ihr produktiv arbeiten, Angestellte, Arbeiter wie Unternehmer und Konzerne.
    Dieser Blog hat Wirtschaft als Thema, also wo ist das Problem, wenn hier Menschen unter dem Aspekt ihrer Wirtschaftlichkeit betrachtet werden?
    Klar muss die Wirtschaft dem Menschen dienlich sein, das kann sie aber nur, wenn sie effektiv funktionert.

    Und genau darum geht es hier.

  • Akademiker bekommen nachweislich weniger Kinder. Und selbst wenn sie sie “nur” später bekämen, hätten wir anschließend drei Generationen, wo andere vier realisiert haben. Führt unterm Strich eben doch zum gleichen Effekt.

  • In kurzer Zeit werden wir sehen, dass Millionen von Menschen nicht 10-11 Stunden, inklusive der Anfahrtszeiten, für Arbeit werden aufbringen wollen. Sie werden sich von der Arbeit erschöpft und müde fühlen. Und dann wird es an der Zeit der Politik und der Wissenschaft Arbeitsmodelle erschaffen, die Arbeitszeiten von 3-5-10 Stunden, je nach Bedürfnissen des einzelnen, zu organisieren. Es gibt Menschen, welche sehr gerne 12 Stunden arbeiten und sind nicht müde. Und es gibt andere die von Natur aus gerne nur 3-5 Stunde Arbeit leisten können, oder wollen. Das ist egal. Den Rest der Zeit verbringen sie in sozialen Projekten, sind mit der Eigenweiterbildung beschäftigt, so dass sie ihren Wünschen nachgehen. Einer will noch Musiker werden, ein anderer ein Schriftsteller. Es steht geschrieben, dass der Mensch stirbt, wo er nicht mal die Hälfte seiner Wünsche realisiert hat.

  • Dan Chris

    Hat es nicht. Wenn die Kohortenfertilität die gleiche ist, dann kommt pro Jahrgang der gleiche Output heraus. Davon abgesehen würde es keine Rolle spielen. Wieso ist ein Kind aus einem armen Haushalt denn weniger Wert als eines aus einem wohlhabenden?

  • Tim Schmidt

    vorurteile sind das letzte das ich verbreiten will . ich bin in meiner stadt in vielen schichten unterwegs und leider sehe ich nur so etwas . das diese kinder nichts wert sind will ich so auch nicht sagen , natürlich gibt es starke seelen die trotzdem einen guten weg gehen aber der großteil wird in der zukunft mehr schaden als sinnvoll beitragen davon gehe ich fest aus …

  • Dan Chris

    Wenn sie unterwegs sind, dann ist es immer eine selektive Wahrnehmung. So denken Polizisten auch eher, dass ein Sicherheitsproblem vorliegt.

    “aber die meisten werden durch diese umstände und diese gesellschaft gebrochen und können dann nicht mehr viel bei tragen”

    Die Frage ist wie man das ändern kann.

  • Das sind hier ja wirklich derbe Umgangsformen.

  • Alternativer

    Na also! Ich will von Natur aus garkeine Stunde Arbeit leisten sondern nur meinen Wünschen und Drängen nachgehen, wie z.B. den Montagsdemos oder dem Schottern von Castor-Gleisbettern. Das kostet ja Energie! Nebenbei habe ich noch eine Punkband, die regelmäßig antifaschistische
    Benefiz-Konzerte veranstaltet.

    Es versteht sich von selbst, dass ich dadurch keine finanziellen Nachteile gegenüber einem 12 Stunden arbeitendem Menschen haben darf. Das wäre ja ungerecht. Schließlich handeln wir beide nur nach dem Prinzip der Selbstverwirklichung.

  • Wolfgang Kohl

    Mal angenommen, alles was in dem Artikel steht WÄRE war. Würde die arbeitende Bevölkerung auch vom Produktivitätsfortschritt so profitieren, dass die Gewinnquote nicht weiter anstiege? Die in den letzten 30 Jahren gemachten Erfahrung lassen mich dies ernsthaft bezweifeln.

  • Wolfgang Kohl

    Sie können gerne kürzer Arbeiten, aber bitte erwarten Sie nicht dass andere Ihren vorgezogenen Ruhestand finanzieren!

  • Wolfgang Kohl

    Es ist aber schon Fakt, dass die Unterschicht eine höhere Kinderrate hat als die Mittelschicht.