Verfüge nie über Geld, ehe du es hast. Thomas Jefferson, 1743-1826, US-amerikanischer Politiker

5 Umwelt

Moratorium für Erneuerbare zum Netzausbau nutzen

Die Energiewende wird für die Verbraucher immer teurer.An der Börse gibt es Strom zu Schleuderpreisen. Trotzdem bezahlen private Haushalte inzwischen 25 Cent und mehr für die Kilowattstunde Strom. Und für die meisten Verbraucher wird Strom fortwährend teurer, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht ausgesetzt und schließlich durch ein effizienteres Fördersystem ersetzt wird.

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Die Stromkosten für Haushalte und Wirtschaft steigen unaufhörlich, obwohl Strom an der Strombörse zurzeit außergewöhnlich günstig ist. Ein Hauptgrund dafür ist die Förderung der Erneuerbaren Energien durch das  Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), das für ein wachsendes Angebot an Ökostrom sorgt – häufig auch zu Zeiten, in denen die Nachfrage gering ist. Die Folge sind niedrige oder gar negative Strompreise an der Börse. Dann muss der überflüssige Strom sogar gegen Gebühr ins Ausland entsorgt werden.

Bedauerlicherweise entlasten sinkende Börsenstrompreise die meisten Stromverbraucher jedoch nicht. Im Gegenteil: Sinkende Börsenpreise führen sogar zu steigenden Stromrechnungen bei privaten Haushalten und jenen Unternehmen, die nicht von der sogenannten EEG-Umlage befreit sind.

Der Grund: Je niedriger der Preis ist, zu dem Strom an der Börse angeboten und verkauft werden kann, umso mehr müssen die Verbraucher für die Förderung von Ökostrom bezahlen. Durch die EEG-Umlage wird nämlich genau die Differenz zwischen staatlich garantiertem Abnahmepreis und tatsächlich erzielten Verkaufserlös für Ökostrom ausgeglichen. Sinkt der Strompreis an der Börse, wird diese Differenz größer und die Umlage steigt. Das ist paradox und alles andere als effizient, aber solange das EEG in der jetzigen Form beibehalten wird, wird sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern.

Das käme die Verbraucher aus weiteren Gründen teuer zu stehen: Durch die staatlich garantierte Abnahme wird grüner Strom produziert, egal, ob er gebraucht wird oder nicht. Und ohne dass die Voraussetzungen für eine zuverlässige Versorgung mit dem schwankend anfallenden Ökostrom gewährleistet sind. Dazu müssen aber die Netzkapazitäten massiv ausgebaut werden – auch über Grenzen hinweg. Zudem gibt es zu wenige Speichermöglichkeiten und auch ein Lastmanagement ist in Deutschland kaum entwickelt. All dies sorgt dafür, dass wir regelmäßig Strom ans Ausland verscherbeln müssen, damit bei uns die Netze nicht zusammenbrechen. Das freut nicht jeden unserer europäischen Nachbarn, denn dadurch kann auch deren Netzstabilität gefährdet werden.

Weil mit jedem Tag die Kosten weiter steigen, ist es höchste Zeit für ein Moratorium, mit dem das EEG so lange ausgesetzt wird, bis es durch ein neues, besseres Fördersystem abgelöst werden kann. Wichtige Kriterien für ein neues System sind neben der Kosteneffizienz zum einen, dass der avisierte Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch punktgenau erreicht werden sollte, um die Verbraucher nicht über Gebühr zu belasten, und zum anderen, dass das Angebot sich nach der Nachfrage richtet. Gleichzeitig sollte der weitere Ausbau der Erneuerbaren mit dem Ausbau der Stromnetze harmonisiert werden.

Kernbestandteil eines solchen Systems sollte das Quotenmodell sein, das Energieversorgern einen bestimmten Anteil an Erneuerbaren an ihrem Strom-Mix vorschreibt. Da Ökostromproduzenten sich bei einem solchen Fördersystem an den Marktpreisen orientieren müssten, würde nur noch in die effizientesten Technologien investiert. Und zwar nur so lange, bis die Zielquote für Erneuerbare erreicht ist. Den Verbrauchern blieben im Vergleich zum EEG langfristig Kosten im mehrstelligen Milliardenbereich erspart.

  • Autor

    Prof. Dr. Manuel Frondel

    ist außerplanmäßiger Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI.

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  • Dan Chris

    “Da Ökostromproduzenten sich bei einem solchen Fördersystem an den
    Marktpreisen orientieren müssten, würde nur noch in die effizientesten
    Technologien investiert.”

    Dann müssten vorher Marktpreise entstehen. Sie vernachlässigen

    1. die direkten oder indirekten Subventionen der anderen Kraftwerkstypen
    2. das heutige Großkraftwerksinvestionen die Energiepolitik für Jahrzehnte beeinflussen. D.h. heutiger billiger Strom wird eventuell durch teureren zukünftigen Strom getragen.

    3. das viele Länder (so weit ich gelesen habe) das deutsche Modell übernommen haben, da ein marktwirtschaftliches Quotenmodell nicht richtig funktioniert hat.

  • Eulenspiegel

    Können Sie für Ihre dritte Behauptung (vile Länder …)
    wenigstens ein Beispiel nennen?

  • Dan Chris

    Bitte sehr. Sicher wird es Variationen geben. Das letzte Zitat zeigt die Probleme der Quotenregel auf. Es werden nur die im Moment besten Technologien gefördert. Offshore hätte somit faktisch keine Chance, obwohl es ein hohes Potential hat.

    “Im Jahr 2012 sind in rund 20 EU-Staaten Einspeisevergütungen für Erneuerbare Energien eingeführt,[2] während andere Fördermodelle für Erneuerbare Energien wie die Quotenregelung oder das Ausschreibungsmodell deutlich weniger verbreitet sind. Einen Überblick über die Höhe der jeweiligen Einspeisevergütungen in der EU liefert eine Online-Datenbank des Bundesumweltministeriums.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Einspeiseverg%C3%BCtung

    http://www.res-legal.eu/

    “Das Quotenmodell z.B. wurde von marktgläubigen Ökonomen schon immer bevorzugt, da es auf dem Papier und theoretisch effizienter scheint. Es
    hat sich aber in der Praxis herausgestellt, dass es in der Wirklichkeit (speziell Großbritannien) nicht nur ineffektiv ist, sondern sogar ineffizient ist, jedenfalls bezogen auf die gleiche Technologie. Es gibt
    eine Serie von Studien, die zeigen, dass beispielsweise die Windenergieförderung auf die erzeugte kWh gerechnet, im Quotensystem
    wesentlich teurer ist als im Einspeisesystem. Und die Praktiker bestätigen das seit Jahren. Das hängt vor allem damit zusammen, dass der künftig erzielbare Preis im Quotensystem sehr unsicher ist, und dass die Investoren daher eine wesentlich höhere Mindestrendite ansetzen. Das wirkt sich besonders kostentreibend bei einer kapitalintensiven Technologie aus. Hinzukommen die Transaktionskosten für die Zertifikate,
    d.h. die Courtagen und Spekulationsgewinne der Zertifikatshändler.

    Das EEG hingegen hat die Zielsetzung, eine Reihe von Technologien gleichzeitig zu fördern, und bietet daher differenzierte Einspeisevergütungen. Das wäre beim Quotenmodell nicht so angelegt, was
    in der Praxis dazu geführt hat, dass z.B. in GB in Bezug auf Technologien gar nichts passiert ist. Die Quote wurde möglichst mit der Wiederbelebung alter Kleinwasserkraftwerke erfüllt. GB hat daher seit einigen Jahren die Förderpolitik (unter Einführung von differenzierten Quoten) geändert, da a) die allgemeine Quote nie zielgerecht erfüllt
    wurde, b) keine Erneuerbare-Energie-Technologieentwicklung stattfand, und c) das dann auch noch relativ teuer war.”
    Zitat: http://www.nachdenkseiten.de/?p=14990

  • EEGFan

    Interessanter Weise vertritt das DIW/Berlin eine diametral andere auffassung als das RWI. Prof. Kemfert schreibt:
    “Wie das DIW Berlin bereits in einer Studie im Herbst 2012
    umfassend deutlich gemacht hat, ist das Quotenmodell
    kein geeigneter Ersatz für das EEG und kann auch die
    geforderten Effekte nicht erreichen, aus den folgenden
    Gründen:
    1. Durch das Quotensystem steigt das Investitionsrisiko.
    Investoren werden Risikoaufschläge verlangen,
    weil sie keine Planungssicherheit mehr haben. Dadurch
    erhöhen sich die Kosten und somit die Strompreise.
    2. Das EEG gibt feste Vergütungssätze vor, die sich im Zeitablauf
    vermindern. Dadurch sinken die Kosten, es entsteht ein
    Kostendruck auf die Produzenten. Zusammen mit der Zunahme
    von Skaleneffekten führt dies zu technologischem
    Fortschritt und Lernkurveneffekten, die die Kosten weiter
    senken. Beides konnte man in den letzten Jahren bei der
    Windenergie und – besonders eindrucksvoll – bei der Photovoltaik
    beobachten. Dies ist gut für die Verbraucher, erhöht
    jedoch den Wettbewerbsdruck auf die Produzenten.
    3. Ein deutlicher Ausbau erneuerbarer Energie, der unterschiedlichste Technologien einsetzt und langfristig stabil ist, lässt sich mit einem Quotensystem kaum erreichen.
    Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass weder Ausbauziele
    noch Kosteneffizienz, noch Innovationen, noch Systemflexibilität
    erreicht werden konnten. In England haben
    Stromkonzerne zunächst Strafzahlungen geleistet, ohne
    erneuerbare Energien auszubauen. Erst mit erhöhten Forderungen
    seitens der Regierung kam es zu einem Ausbau
    von Offshore-Windenergie, allerdings zu deutlich höheren
    Kosten als in Deutschland. Aus diesem Grund hat sich
    England schrittweise vom Quotensystem verabschiedet und
    führt nun ein Einspeisesystem wie in Deutschland und dem
    Großteil aller EU-Länder ein. In Schweden wird ein Großteil
    des Stroms aus Wasserkraft hergestellt. Das Quotensystem
    hat nur zu einem geringen Zuwachs neuer Anlagen geführt,
    aber zu erheblichen Extragewinnen (Windfall-Profits) der
    Stromerzeuger und Zusatzkosten für die Verbraucher. Ein
    Quotensystem führt also nicht automatisch zu niedrigeren
    Strompreisen für die Verbraucher.”

  • ThomasGerke

    Laut mehreren Studien (EWI, Agora, DIW) führt selbst ein schleppender Netzausbau zu kaum Mehrkosten.

    Wer auf dieser Grundlage ein Moratorium für Neu-Investitionen in Erneuerbare Energieerzeugungsanlagen fordert, der hat noch nicht begriffen, wie relevant dieser Export-Orientierte Industriesektor für unsere Wirtschaft ist.

    Einfach mal dem produzierenden Gewerbe Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe zuzufügen ist wenig volkswirtschaftlich.

    Außer Technologieführer im Bereich Windkraft, Bioenergie und Co. betriebswirtschaftlich zu ruinieren, kommt bei so einer Aktion wenig raus.