Sparmaßnahmen muss man dann ergreifen, wenn man viel Geld verdient. Sobald man in den roten Zahlen ist, ist es zu spät. Jean Paul Getty, 1892-1976, US-amerikanischer Industrieller und Kunstmäzen

5 EuropaWachstum

Es braut sich etwas zusammen

Die Investitionstätigkeit in Deutschland bleibt hinter dem europäischen DurchschnittDie deutsche Volkswirtschaft befindet sich nur scheinbar auf einem stabilen Wachstumskurs. Die guten Zahlen am Arbeitsmarkt und die Konsolidierungserfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland weitere Reformen benötigt.

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Wie gut geht es Deutschland? Schaut man auf die im Wahlkampf vorgetragenen Fakten, geht es uns gut. Die Arbeitslosigkeit konnte in den vergangenen acht Jahren deutlich reduziert werden. Die Erwerbstätigkeit liegt stabil auf dem Rekordniveau von über 41 Millionen. Auch bei der Daueraufgabe Schuldenabbau ist man vorangekommen. Gleichzeitig schreitet das deutsche Wirtschaftswachstum unbeirrt von den Problemen unserer europäischen Nachbarstaaten voran. Diese Erfolge sind beachtlich und auf konsequente Reformprogramme der Vergangenheit, insbesondere am Arbeitsmarkt, zurückzuführen.

Man muss schon genauer hinsehen, um etwas Negatives zu finden. Was man aber findet, ist besorgniserregend. Denn es braut sich was zusammen: Die Bundesrepublik befindet sich inmitten einer Investitionsschwäche. Nachdem schon 2012 die Ausrüstungsinvestitionen um vier Prozent geschrumpft sind, ist auch in diesem Jahr mit einem Rückgang von 2,5 Prozent zu rechnen. Schon im Zeitraum von 2001 bis 2012 wies Deutschland gegenüber dem Euro-Raum-Durschnitt eine Investitionsschwäche auf, die im Jahresdurchschnitt bei 2,9 Prozent des BIP lag und aktuell nur aufgrund der Schwäche bei den europäischen Partnern verschwunden ist.

Die Investitionen der energieintensiven Unternehmen beispielsweise, sind geringer als deren Abschreibungen. Das bedeutet nichts anderes als dass diese Branche ihren Kapitalstock nicht mehr erhalten kann und von der Substanz lebt. Obwohl die anderen Branchen kräftig investiert haben bleibt unterm Strich eine Verringerung des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Volkswirtschaft, der seit der Weltwirtschaftskrise von 1,5  auf ein Prozent zurückgefallen ist.

Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Die Alterung der Bevölkerung ist mittelfristig nicht aufzuhalten und stellt uns in Zukunft vor erhebliche Probleme. Das Erwerbspersonenpotential sinkt. Unternehmen werden es in Zukunft schwerer haben Arbeitskräfte zu finden. Auf die Sozialversicherungen rollen erhebliche Kosten zu, wenn weniger Junge mehr ältere Menschen finanzieren müssen.

Der Schlüssel zur Lösung liegt in der Steigerung der Produktivität. Ein hoher Strompreis und eine hohe Steuerbelastung belasten aber den Industriestandort Deutschland. Die Förderung der erneuerbaren Energien muss dringend reformiert werden. Eine Erhöhung der Einkommenssteuer und die Wiedereinführung der Vermögenssteuer sind vermeidbare Belastungen. Denn Geld hat der Staat genug: Bis 2017 steigen die Steuereinnahmen im Jahresdurchschnitt um 3,3 Prozent. Genug für öffentliche Infrastrukturinvestitionen. Die Ankündigung von Substanzbesteuerung zur Verbesserung der Staatseinnahmen ist angesichts staatlicher Rekordeinnahmen nicht nur widersinnig, sondern klingt für Investoren wie eine Drohung. Damit bewirkt man genau das Gegenteil dessen, was Deutschland eigentlich braucht: Reformen die Innovation und Wachstum schaffen.


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  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Geomann

    ja die Alterung der Gesellschaft kommt in jedem Fall. Ganz genau. Wir brauchen Investitionsanreize damit Geld in die Kasse kommt. Stimmt auch es sieht gut aus mit den Finanzen aber 2050 muss das auch so sein und dafür müssen wir jetzt vorsorgen.

  • Dan Chris

    Eigentlich sollte die Überschrift lauten,

    Investitionstau trotz steigender Gewinne, sinkender Unternehmensbesteuerung, sinkender Löhne. Alles was von neoliberalen Ökonomen gefordert wurde, wurde durchgesetzt. Es wurde behauptet, dass eine zu hohe Besteuerung der Gewinne die Investitionsbereitschaft hemmt. Es wurde behauptet, dass niedrige Löhne das Wachstum und die Investitionen steigert. Nun stellt sich heraus, dass die Herren Ökonomen falsch lagen. Das ist nachvollziehbar. Wieso sollten deutsche Unternehmen investieren? Durch sinkende Löhne brauchen sie die Produktivität nicht steigern. Durch sinkende Steuern auf Gewinne brauchen sie nicht mehr verkaufen. Es wird ihnen förmlich die Motivation genommen.

  • Dan Chris

    Die Finanzen sind egal. Die Produktivität 20xx muss stimmen.

  • Geomann

    stimmt, dann sollen sich mal unsere gewählten Politiker einen Kopf machen

  • Geomann

    Dan Chris, das stimmt natürlich. Wer wollte es so? Das wissen wir jetzt auch. Es war so gewollt.