Arbeit ist häufig der Vater des Vergnügens. François-Marie Arouet Voltaire, 1694-1778, franz. Philosoph und Dichter

7 Soziales

Alles medizinisch Mögliche für alle ist nicht finanzierbar

Jedes Jahr steigen die Ausgaben der gesetzlichen KrankenversicherungSo glänzend die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) derzeit scheint – zwei parallele Entwicklungen machen ihre Finanzierung für kommende Generationen schon bald zur Zumutung: die demografische Entwicklung und der medizinisch-technische Fortschritt. Wird weiterhin alles medizinisch Mögliche für alle finanziert, könnten die Beitragssätze bis 2050 womöglich auf 30 Prozent klettern.

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Die bisherigen Reformvorschläge der Politik taugen kaum als Ausweg aus dem Dilemma, dass dann fast doppelt so viele Gesundheitsausgaben von nur noch vier Fünfteln der heutigen Beitragszahler gestemmt werden müssen. Weder die bislang übliche Mischung aus Beitragserhöhungen und Leistungssenkungen noch eine Bürgerversicherung sind hilfreiche Alternativen.

Wer die Privatversicherten in die GKV einbeziehen will, wie es bei der Bürgerversicherung der Fall wäre, verkennt, dass ein Großteil der Privatversicherten Beamte sind. Die sind im Schnitt knapp 10 Jahre älter als GKV-Versicherte und haben damit ein höheres Krankheitsrisiko. Und auch die Gruppe der Selbstständigen würde die Finanzlage der GKV eher noch verschärfen: Verfassungskonform wäre die Bürgerversicherung nämlich nur, wenn sie die Bestände der heutigen Privaten Krankenversicherung unangetastet ließe. Damit wäre aber kurzfristig nicht nur nichts gewonnen. Langfristig würde damit die Quersubventionierung der GKV durch die Privatpatienten fehlen. Das Ergebnis: Das GKV-System wird noch teurer.

Was ist also zu tun? Auf der Einnahmenseite wäre es sinnvoll Lohn und Gesundheit voneinander zu entkoppeln. Mehr Gehalt macht nicht kranker. Deshalb brauchen wir eine Gesundheitsprämie wie sie in der Schweiz oder  in Holland als Kopfpauschale bereits existiert. Uns muss jedoch klar sein, dass das Nachhaltigkeitsproblem damit nicht gelöst wird.

Das eigentliche Problem liegt auf der Ausgabenseite. Hier haben wir im Kern ein Steuerungsproblem. Die GKV kann auf Dauer nicht allen alles medizinisch Machbare finanzieren – wir müssen rationieren. Im Bürgerpauschalenmodell zahlt jeder eine Pauschale für die Basisversorgung. Darüber hinausgehende Leistungen müssten über Zusatzversicherungen oder Eigenbeiträge abgedeckt werden. Dadurch entstünde eine 20/ 30/ 40-Klassenmedizin mit egalitärer Basisversorgung, welche durch die Basispauschale finanziert wird. Wer mehr Gesundheitsleistung als den Basistarif möchte, kann und darf sich mehr leisten. Über die Bürgerpauschale und Steuern zur Subventionierung Bedürftiger, sichern die Reichen dennoch den sozialen Ausgleich.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Dan Chris

    Interessant
    ist dabei das Wort womöglich. Es bedeutet so viel wie; vielleicht,
    vielleicht aber auch nicht. Auf dieser Basis zu argumentieren, ist
    bestenfalls fragwürdig.

    Es wird keine Inflationsbereinigung verwendet. Es wird 38 in die Zukunft extrapoliert 38 Jahre. 1910 hätte dies die Vernachlässigung zweier Weltkriege bedeutet. 1970 hätte man die Wiedervereinigung vergessen. Produktivitätszuwächse gibt es nicht. Das die Alterung in den letzten 100 Jahren stärker zunahm als die jetzt prognostizierte und das Abendland nicht untergegangen ist, wird nicht thematisiert. Billiger Populismus. Vor allem das Argument gegen eine Zusammenlegung der Kassen. Es würde Beamte betreffen. Wer ist ein Beamter? Wer wettert doch gleich gegen die staatlichen Ausgaben? Ich wüsste wo man sofort sparen könnte.

  • Cord-Henning Betzemeier

    Willst du nochmal krank sein???

    Ich bin gesund und werde 100 Jahre alt…alles andere entscheidet der “Liebe Gott”…so denke ich.. Cord-Henning Betzemeier..und gehe nur zum Arzt wenn es wirklich nötig ist..also gar nicht… :):):)

    Wie Ihr wisst… fängt der Fisch zuerst am Kopf an zu stinken…lasst es nicht soweit zu und geht nur hin wenn irgendwelche “Gräten” gebrochen sind..das kann man dann verstehen…

    ansonsten geht es der Menschheit wirklich gut…sogar sehr gut !!

    Jeder Mensch,ja jeder Mensch ist in der Lage sich als gesund zu manipulieren…genauso wie sich jeder Mensch heutzutage als krank manipulieren lässt…
    von den Ärzten und der Pharmaindustrie…und sich als Werkzeug derer Profitgier krank machen lässt und das noch glaubt !!!!

    Lasst es nicht soweit kommen und glaubt an Euch und Eurer Gesundheit ! Ihr seid nicht krank…Krank ist unser System und unsere Denkweise…Du nicht..

    bis denne..und gute Besserung :) :) :)

    Herzlichst Cord-Henning Betzemeier

  • Dan Chris

    Es gibt genug Krankheiten wo man sich nicht gesundmanipuliert. Ein Blinddarm der entzündet ist, kann zum Tod führen. Ein gebrochener Arm kann besser und schneller heilen, wenn er behandelt wird. Impfungen haben viele Krankheiten fast ausgerottet.

  • Pingback: Gesundheitsausgaben, wer explodiert? Wir haben zu viel Arbeit, Herr Raffelhüschen? | libri logicorum - Wirtschaft und Politik.... logisch()

  • Helmuth Schrickel

    Was wirklich krank ist -das ist das Sozialgesetzbuch V – gehet hin und liest dieses Buch und ich stelle fest – Du sollst keine anderen Bücher lesen . Hier werden alle Kosten auf die Mitglieder abgewälz und geleistet wird nur Papier mit Vorschriften . In diesem Buch werden nur Kranke beschrieben und wie die Kosten zubehandeln sind . Einnahmen und Einnahmen sind keine Gesundheitfragen doch das scheint das Wichtigste zusein und Nicht zu Leistende Leistungen ist auch ein sehr Großes Anliegen in diesem Buch . Änderungen sich hier Ratsam . Plötzlich ist alles bezahlbar wenn die Konzerne verschwinden mit den vielen Aktionären des Geldes ….

  • Tim Schmidt

    die leute müssen gesünder leben , die krankenkassen entlassten , nicht wegen jeden furz zum arzt gehen , sich selber bei kleineren beschwerden helfen . augen auf die pharmaindustrie . aber auch dank , alles wichtig solange es im korrekten rahmen läuft

  • Dan Chris

    Im Gesundheitsbereich gibt es keine Marktwirtschaft. Billiger wird es auch nicht, wenn man den Krankenhäusern den Auftrag gibt Überschüsse zu erwirtschaften. Es gibt Zielvereinbarungen in den einzelnen Kliniken. Dort wird definiert wieviele Fälle behandelt werden sollen. Diese werden dann auch bearbeitet, selbst wenn es manchmal Zweifel an der Sinnhaftigkeit gibt. Um das Murren zu unterdrücken werden die Chefärzte einfach beteiligt und schon sind sie als letzte Instanz ruhig gestellt. Wenn alle Kliniken Gewinn machen sollen ist das netriebswirtschaftlich vielleicht sinnvoll, global ist es aber Irrsinn. Es gibt mehr Fälle, mehr Kosten, mehr kranke Menschen.