Individuelles Zockertum ist jedem unbenommen, aber es darf nicht sein, dass der Staat diesen Zockern bei Verlusten unter die Arme greift: Der Markt kann Gier belohnen, der Staat darf es nicht. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

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Verantwortung braucht Freiheit

Die politische Diskussion kreist um Vorhaben, die den Menschen die Verantwortung für sich selbst und damit ihre Freiheit nehmen. Genau dies zeigt, wie sehr wir den Liberalismus eben doch brauchen.

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Der Liberalismus hat es in Nachwahlgetöse schwer. Bereits vor der Bundestagswahl zeichnete sich ab: Es dreht sich alles um Verteilungsgerechtigkeit, Mindestlohn oder Reichensteuer. Der Staat kümmert sich um alles. Eigenverantwortung und Freiheit dagegen erodieren zusehends.

Um scheinbare Ungerechtigkeiten zu beseitigen, werden immer neue Interventionen vorgenommen und Wohltaten versprochen, wozu noch mehr Steuergeld gebraucht wird.

„Leben Sie – wir kümmern uns um Details“, so das Versprechen der Sozialpolitiker oder der Eurokraten. Doch dieses Angebot birgt Gefahren. Was die einen als Sicherheit empfinden, stößt den anderen als Bevormundung auf. Sie können die Verantwortung für ihr eigenes Leben in den überregulierten Bereichen nicht übernehmen.

Genau dafür aber tritt der Liberalismus ein: für verantwortliches Handeln, das die Freiheit dazu voraussetzt. Freiheit, die auf verantwortlichem Handeln beruht, ist indes nicht schrankenlos im Sinne eines „survival of the fittest“. Der Liberalismus kennt die Grenzen individueller Freiheit, wo es zu Konflikten mit den Rechten anderer kommt. Hier findet er Lösungen in einer Sozialpolitik mit Augenmaß.

Wir sollten immer daran denken: Nicht Bevormundung, Staats- und Planwirtschaft haben Deutschland zu einem der reichsten Länder der Erde gemacht, sondern liberale Prinzipien wie Freiheit, Haftung  und Eigenverantwortung. Der Liberalismus ist keineswegs am Ende, sondern notwendiger denn je.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf WiWo.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

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  • Dan Chris

    “Wir sollten immer daran denken: Nicht Bevormundung, Staats- und
    Planwirtschaft haben Deutschland zu einem der reichsten Länder der Erde
    gemacht, sondern liberale Prinzipien wie Freiheit, Haftung und
    Eigenverantwortung.”

    Lesen sie ruhig das aktuelle Buch von Ulrike Herrmann. Eine Kombination aus beiden Staatswirtschaft und Privatwirtschaft hat Deutschland reich gemacht. Die Infrastruktur wird und wurde durch den Staat bereit gestellt. Große Unternehmen werden nicht zerschlagen, sondern gefördert. 1% der Unternehmen erzeugen 65% des Umsatzen. Wo ist da der Wettbewerb.

    Die genannten liberalen Prinzipien sind Floskeln. Sie haben keine Substanz und werden von Leuten verbreitet, welche entweder wohlhabend oder staatlich alimentierte Professoren sind.

    Freiheit ohne eine gewisse ökonomische Unabhängigkeit ist nicht möglich. Armut schränkt immer die Freiheit ein.

    Haftung funktioniert teilweise. Ab einer gewissen Größe oder einem gewissen Vermögen funktioniert sie nicht mehr. Die Finanzkrise zeigt wie wenig die Verantwortlichen herangezogen werden.

    Eigenverantwortung ist eine Worthülse. Was bringt es eine private Pflichtkrankenversicherungen auszusuchen, wenn es eine deutlich effektiveres System in Form einer gesetzlichen Krankenkasse gibt? Wo ist die Verantwortung, wenn Renten und Krankenversicherung Pflicht sind? Der Aufwand wird erhöht, die Qualität leidet. Eigentverantwortung im liberalen Sinne heißt in vielen Fällen, dass wohlhabende bevorzugt werden und Sozialleistungen gestrichen werden.

    Mehr Eigentverantwortung könnte man auch für Reiche fordern. Schützt euer Eigentum selber, wenn ihr Steuern hinterzieht. Tragt die Verluste von Finanzkrisen und nehmt keine Erbschaften an.