Wieso soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat? Angela Merkel, *1954, erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

7 Bildung

Fachkräftemangel können wir uns nicht leisten

131021_BildungsmonitorDie Bildungspolitik hat in den letzten Jahren große Fortschritte im Wettrennen gegen den demografischen Wandel gemacht. Die Bildungsarmut konnte reduziert werden und mehr junge Menschen erreichen höhere Bildungsabschlüsse. Damit konnte das Fachkräfteangebot verbessert  und künftigen Engpässen entgegengetreten werden, wie der Bildungsmonitor 2013 zeigt. Doch es gibt immer noch eine Menge Hausaufgaben, die die Bildungspolitiker erledigen müssen.

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Die Bildungssysteme von Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg sind am ehesten geeignet, die Herausforderungen in zwölf untersuchten Handlungsfeldern zu meistern. Das zeigt der Bildungsmonitor 2013, die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Studie stellt fest, dass es in der deutschen Bildungslandschaft verschiedene Leuchttürme gibt. Sachsen weist eine exzellente Förderinfrastruktur auf, überzeugt durch eine hohe Schulqualität und vermeidet sehr erfolgreich die Entstehung von Bildungsarmut. Thüringen gibt Bildung bei den Ausgaben eine hohe Priorität und überzeugt durch gute Betreuungsrelationen. Bayern verwendet die Mittel sehr effizient und hat unter anderem ein leistungsstarkes System der beruflichen Bildung. Auch Bundesländer, die nicht ganz vorne liegen, können in Teilbereichen überzeugen und anderen Ländern ein Vorbild sein: so liegt Rheinland-Pfalz bei der Integration vorn, Bremen im Bereich Hochschule/MINT, Berlin bei der Forschung und Schleswig-Holstein beim effizienten Umgang mit Zeit im Bildungssystem.

Die Entwicklung des Fachkräfteangebots in den vergangenen Jahren lässt hoffen, dass sich die Impulse hieraus für das Wirtschaftswachstum auch in Zukunft fortsetzen werden. Der Anteil junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist zwischen 2005 und 2011 von 16,5 auf 13,4 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum ist die Quote der Studienabsolventen von 17 auf 31 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg hat sich 2011 in einer Wertschöpfungssteigerung um 14,7 Milliarden Euro ausgedrückt.

Dennoch stehen angesichts des demografischen Wandels Engpässe bei Fachkräften bevor. Deshalb sollte der Ausbau der Ganztagsangebote für Kinder ganz oben auf der Liste stehen. Zudem sollten mehr junge Menschen aus dem Ausland für ein Studium an deutschen Hochschulen gewonnen werden. Untersuchungen belegen, dass fast jeder zweite Absolvent aus dieser Gruppe in Deutschland bleibt und anschließend vor allem in Engpassberufen tätig ist. Eine weitere wichtige Zielgruppe für politisches Handeln sind ältere Fachkräfte: Über eine Stärkung der Bildung in der zweiten Lebenshälfte können sie länger am Arbeitsmarkt gehalten werden. Ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung ist zudem das Abitur nach zwölf Schuljahren oder acht Jahren Gymnasium (G8), denn durch den früheren Übergang in den Arbeitsmarkt kann das Fachkräfteangebot langfristig deutlich erhöht werden. Wenn schließlich der bereits erwähnte Anteil junger Erwachsener ohne Berufsausbildung weiter gesenkt werden kann, kann Deutschland im Wettrennen gegen den demografischen Wandel bestehen.

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

  • Dan Chris

    “Der Anteil junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist
    zwischen 2005 und 2011 von 16,5 auf 13,4 Prozent gesunken.”

    Das wird im wesentlichen die Umstellung auf das Bachelor Mastersystem gewesen sein. Die Menschen sind jünger, aber nicht unbedingt besser ausgebildet.

    “Im selben
    Zeitraum ist die Quote der Studienabsolventen von 17 auf 31 Prozent
    gestiegen. ”
    Da würde mich interessieren wie diese deutliche Steigerung zustande kommt. Wird wieder nur diese Gruppe betrachtet, werden Bachelor und Masterabschlüsse zusammengefasst?

    “Dieser Anstieg hat sich 2011 in einer
    Wertschöpfungssteigerung um 14,7 Milliarden Euro ausgedrückt.”
    Ich kann mir vorstellen wie in Wirtschaftsforschungsinstituten gearbeitet wird. Es kommen einige Leute zusammen und Würfeln. Das Ergebnis wird dann mit der Steigerung der Abschlüsse multipliziert und fertig. Die wirtschaftliche Entwicklung in einem halben Jahr kann man kaum vorhersagen. Aber der Effekt der Bildung ist bis auf die Kommastelle bekannt.

  • Joerg Fichl

    Wieso schlägt sich der so oft postulierte Fachkräftemangel nicht auf das Gehaltsniveau nieder?
    Scheint ja doch nicht so dringend zu sein – selbst in der IT-Branche bekomme ich meistens Wechselangebote von Headhuntern mit einem Gehalt wie vor 15 Jahren?

  • Dan Chris

    Schade das die Autoren solch berechtigten Fragen nicht beantworten. Mir wäre auch nue, dass die Gehälter der Ingenieure in den letzten Jahren des Mangels stark gestiegen wären.

  • Michael Schygulla

    Warum schreit da unsere Wirtschaft immer wieder Alarm, angesichts Zehntausender Akademiker in der Arbeitslosigkeit, warum auch immer, das uns Fachkräfte fehlen, das die Lehrlinge fast kein Naturwissenschaftliches Grundwissen besitzen, im übrigen auch die Studenten, siehe Südwestdeutsche im August und wir immer mehr Zuwanderer brauchen. Irgendwie widerspricht sich die Aussage des Autors mit der Realität.Diese ist weniger schön, wenn man die Meldungen der letzten Tage so verfolgt. Aber das Problem der Bildung ist genauso alt wie diese Republik und wird von solchen “Experten” auch noch beschönigt.

  • Dan Chris

    “Warum schreit da unsere Wirtschaft immer wieder Alarm”
    Weil Akademiker teuer sind. Wenn es mehr Akademiker gibt, dann kann man sie billiger bezahlen. Partiell wird es einen Mangel geben. Aber warum wird nicht ausgebildet, warum finanzieren Unternehmen nicht deutlich mehr duale Studiengänge, warum verdient man nicht deutlich mehr, warum gibt es so viele Leiharbeitsfirmen auch für Akademiker? Wenn ein Mangel herrscht, dann an billigen Fachkräften.

  • Ralph Krachen

    ja wir brauchen keine fachidioten -schnelles reduziertes abitur und studium. ich schätze humanistisch ausgebildete menschen die auch interdisziplinär denken können, vorbild und denker sind. so sollten eigentlich chefs sein.

  • Thomas Weiß

    Fachkräfte werden ja nicht dadurch gewonnen, dass man die Schulausbildung verkürzt. Die Mängel müssen dann später wieder ausgeglichen werden. G9 ist genau die richtige Antwort gegen den Fachkräftemangel.