Unsozial sind öffentliche Verschwendung, das Setzen von Fehlanreizen und Leistungsversprechen zulasten unbeteiligter Dritter. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

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Inflation: Angst ist kein guter Ratgeber

Die Inflation in der Eurozone sinkt. Aber droht eine Deflation?Die Jahresinflationsrate in Deutschland ist im Oktober auf 1,2 Prozent gefallen. Und doch sitzt die Angst vor der Inflation bei den Deutschen tief. Dahinter stehen vor allem Reflexe auf längst überholte Wirtschaftsmechanismen.

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Auf den ersten Blick spricht alles dafür, dass die Geldentwertung bald kommen wird: gewaltige Staatsschulden, niedrige Zinssätze und die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei den Vermögenswerten ist die Inflation sogar schon zu beobachten: Aktien, Immobilien und Rohstoffe jagen von Rekord zu Rekord, beflügelt vom billigen Geld und Inflationserwartungen.

Und dennoch: Nicht die Inflation ist die Gefahr in Deutschland und Europa. Die Jahresinflation liegt  im Euro-Raum bei 0,7 Prozent. In Deutschland ist sie von 1,4 Prozent im September auf 1,2 Prozent im Oktober  gefallen.  Dies ist weit weg von der angestrebten Zwei-Prozent-Marke. Vielmehr muss Südeuropa die Deflation fürchten. So ist auch die jüngste Zinsentscheidung der EZB zu deuten, auch wenn für einige Ökonomen diese Entscheidung ohne Notwendigkeit getroffen wurde. Wie aber wird die Preisentwickung langfristig aussehen?

Nach dem Lehrbuch steigen mit der stark gestiegenen Geldmenge die Inflationserwartungen und damit – mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung – auch die tatsächlich gemessene Inflation. Soweit die Theorie. In der Realität hat die Europäische Zentralbank jedoch durchaus Möglichkeiten, Inflationserwartungen die Grundlage zu entziehen: Sie kann weniger Kredite an die Banken vergeben oder ihnen einen so attraktiven Zins für Terminanlagen anbieten, dass das EZB-Geld schnell wieder zurückfließt. Die Geldbasis und damit das Inflationsrisiko bliebe in beiden Fällen stabil.

Im Übrigen kann frisch gedrucktes Geld allein keine Inflation auslösen. Der Geldschöpfungsmechanismus der Kreditwirtschaft ist dazu erforderlich . Auch hier gibt es Entwarnung: Die für die Inflation maßgebliche Geldmenge ist im August 2013 gegenüber dem Vorjahr um nur 2,3 Prozent gewachsen und damit deutlich geringer als die kritischen 4,5 Prozent.

Schließlich leben wir heute nicht mehr in der nationalen Abgeschlossenheit der 1920er-Jahre. Geldmenge und Kreditwachstum hängen in einer global stark verflochtenen Weltwirtschaft heute weit weniger von der Geldpolitik ab als früher. Der virtuelle Zahlungsverkehr, weltumspannende Finanz- und Kapitalmärkte und die Eigendynamik des Hochfrequenzhandels haben Real- und Finanzwirtschaft entkoppelt – und damit die monetaristische Theorie infrage gestellt.

Vor diesem Hintergrund wird klar: Die Angst vor der Inflation beruht auf einem Mythos, der aus den Erfahrungen der Zwischenkriegszeit im vergangenen Jahrhundert gespeist wird. Ein guter Ratgeber für die heutige Gelpolitik ist er offensichtlich nicht mehr.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung auf WELT.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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  • Helmuth Schrickel

    Ist nicht Angebot und Nachfrage die Preisentwicklung ? Was soll ich mit Gütern die ich mir nur ansehen darf ,das Geld habe ich nicht um diese Güter zukaufen . Geld leihen ohne vorher ein Teil des Kaufpreises zusparen macht keinen Sinn mehr . Zinsen werden für Banken über die EZB nicht mehr bezahlt ;0,25 % für das Leihen von Banknoten . Der Endverbraucher bezahlt über Kredite das ganze Bankwesen und bekommt ein Haus mit Schulden ohne Gewähr auf Eigentum . Dienstleistungen über Lohnleistungen werden abgeschöpft mit Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern mit der Garantie das auch der verbleibende Verdienst in die Wirtschaft zurück fließt .Wo ist da das Kapital der Banken , hier werden über Zinserträge keine Sozialversicherungsleistungen erbracht . Ist das Soziale Marktwirtschaft oder ist die Nachfrage nicht vorhanden ..

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  • Thomas Kirchner

    “Der virtuelle Zahlungsverkehr, weltumspannende Finanz- und Kapitalmärkte und die Eigendynamik des Hochfrequenzhandels haben Real- und Finanzwirtschaft entkoppelt”
    Oh je. In dieser Aufstellung fehlen nur noch die Freimaurer und Bilderbergteilnehmer. Was, bitte sehr, haben denn Hochfrequenzhandel oder virtueller Zahlungsverkehr mit der Geldmenge zu tun? Das ist ja schon fast auf dem Niveau von Paul Krugman.