Nicht alle Reformen kosten Geld, und nicht alles, was Geld kostet, ist deshalb schon eine Reform. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

10 Arbeitsmarkt

Mindestlohn: Diskussion mit grotesken Zügen

Der Mindestlohn kommt – so viel scheint nach den jüngsten Runden der Koalitionsverhandlungen sicher. Warnungen vor negativen Folgen für den Arbeitsmarkt werden von den Befürwortern eines Mindestlohns beiseitegeschoben, ohne dass sie bislang den Nachweis erbracht hätten, dass der Mindestlohn „Arm trotz Arbeit“ gezielt bekämpft. Es bleibt zu hoffen, dass die künftigen Regierungspartner zumindest bei der Höhe Augenmaß zeigen.

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Niemand weiß genau, wie viele Arbeitsplätze durch einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro verloren gehen. Befürworter und Gegner eines Mindestlohns streiten vehement über die Qualität von Simulationsrechnungen, nach denen Arbeitsplatzverluste in einer Größenordnung von einigen Zehntausend bis hin zu über einer Million drohen. Gestritten wird auch darüber, welche internationale Studie die Beste ist, um positive oder negative Auslandserfahrungen mit einem gesetzlichen Mindestlohn zu belegen. Abseits dieses wissenschaftlichen Methodenstreits reichen zur Abschätzung des arbeitsmarktpolitischen Risikos zwei einfache Fakten, die über die Eingriffsintensität eines Mindestlohns Auskunft geben.

Der erste Fakt betrifft die Zahl der Betroffenen. Je nach Berechnung ergibt sich auf der Basis des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für das Jahr 2011 (neuere Daten liegen bislang nicht vor) eine Bandbreite von 5,5 bis 6 Millionen. Das sind 17 bis 19 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW ) müssten die Entgelte dieser Personengruppe  im Schnitt um 37 Prozent angehoben werden. Besonders betroffen wären der Osten der Republik, wo fast  jeder Dritte eine Lohnerhöhung bekäme, und Jugendliche (unter 25-Jährige), von denen jeder Zweite einen Anspruch auf bessere Bezahlung hätte. Zahlen müssten diese Lohnsteigerungen entweder die Verbraucher, weil die Preise vor allem für Dienstleistungen steigen, oder die Unternehmen. Ob die vielen Kleinbetriebe  ─ allein von den Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern wären rund 40 Prozent betroffen ─ über so auskömmliche Gewinne verfügen, dass dies für sie kein Problem darstellt, ist fraglich.

Der zweite Fakt betrifft die relative Höhe. Es gab in den 1990er Jahren eine Faustregel, nach der ein Mindestlohn arbeitsmarktpolitisch gefahrlos ist, wenn er etwa ein Drittel des Durchschnittslohns ausmacht. Um abzuschätzen, wie hoch ein Mindestlohn im internationalen Vergleich ist, wird der Mindestlohn ins Verhältnis zum Durchschnittsverdienst oder zum mittleren Verdienst einer Volkswirtschaft gesetzt (Kaitz-Index).  Dabei ist es üblich, nur das Grundgehalt (ohne anteilige Sonderzahlungen wie das Weihnachts- oder Urlaubsgeld) zu betrachten und den Vergleich auf Vollzeitbeschäftigte zu beschränken. Auf dieser Basis stellen Eurostat und die OECD jeweils internationale Vergleiche der relativen Mindestlohnhöhe an. Nach den OECD-Berechnungen kamen Frankreich und das Vereinigte Königreich 2011 auf einen Kaitz-Index (bezogen auf den Durchschnittsverdienst) in Höhe von 49 und 38 Prozent. Die Spanne dieser beiden Länder ist deshalb interessant, weil der französische Mindestlohn kontroverser als der britische Mindestlohn bewertet wird. Für Deutschland ergäbe sich auf der Basis des SOEP ein Kaitz-Index von 53 Prozent, also ein höherer Wert als in Frankreich. Diese und ähnliche Berechnungen haben zu einer schon fast grotesken Diskussion geführt, die sogar ins jüngste Jahresgutachten des Sachverständigenrates eingeflossen ist. Stein des Anstoßes ist hierbei Folgendes: Rechnet man auf der Basis von Angaben des Statistischen Bundesamtes, errechnet sich für 2011 ein Wert von rund 46 Prozent, aktuell käme man aufgrund des gestiegenen Durchschnittsverdienstes auf etwa 44 Prozent. Bei diesen im Vergleich zum SOEP geringeren Werten ist zu berücksichtigen, dass sich die Berechnungen des Bundesamtes auf Angaben von Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten beziehen. Durch das Abschneiden von Kleinbetrieben wird der Durchschnittsverdienst über- und der Kaitz-Index unterschätzt. Insofern geben die errechneten Werte einen Korridor an. Unabhängig davon, wie emotional oder detailliert diese Diskussion geführt wird: Die relative Höhe des geforderten Mindestlohns von 8,50 Euro ist ambitioniert, egal ob der untere Rand treffsicherer ist oder der obere.

Jeder Befürworter eines Mindestlohns sollte dabei bedenken, dass in Frankreich zur Abfederung der Beschäftigungsrisiken jene Unternehmen, die Beschäftigte zum Mindestlohn einstellen, eine Lohnsubvention erhalten. Ob das der bessere Weg ist als geringe Markteinkommen aufzustocken, darf zumindest bezweifelt werden. Die Alternative besteht vielmehr darin, geringe Markteinkommen aufzustocken. Dieser Logik folgt auch der britische Mindestlohn. Er wurde 1999 im Zusammenhang mit dem „working families tax credit“ vor allem deshalb eingeführt, um Trittbrettfahrerverhalten von Unternehmen zu bekämpfen. Der Umverteilungsgedanke stand hierbei nicht im Vordergrund.

Es muss deshalb erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass ein Mindestlohn kein erstbestes Instrument ist, um „Arm trotz Arbeit“ zu vermeiden. Entsprechend kommen Untersuchungen zu den Verteilungswirkungen eines Mindestlohns zu einem ernüchternden Befund. Sofern alle Arbeitsplätze bestehen bleiben, würde die Lohnsumme nach Schätzungen des DIW um 3 Prozent steigen.  Nach Verrechnung mit Transferleistungen und höheren Steuerlasten bliebe davon aber nur ein Viertel zur Steigerung der Kaufkraft übrig. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl der Geringverdiener mit ihren Arbeitseinkommen nur einen kleinen Teil zum Haushaltseinkommen beitragen. Bei den Arbeitnehmern mit einer Stundenverdienstgrenze von 8,50 Euro sind das im Schnitt 38 Prozent. Die Armutsgefährdungsquote liegt in dieser Gruppe bei 18 Prozent. Im Umkehrschluss heißt das: 82 Prozent sind nicht armutsgefährdet. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich nach der Einführung eines Mindestlohns besser stehen würden. Die Frage ist aber, ob dies zulasten von Menschen gehen darf, die nach Einführung eines Mindestlohns keinen Arbeitsplatz mehr haben.

Ernüchternd fällt auch der Einfluss eines Mindestlohns auf die Zahl der Aufstocker aus, von denen mehr als die Hälfte weniger als 15 Stunden pro Woche arbeitet. In dieser Personengruppe ist die geringe Arbeitszeit und nicht der niedrige Stundenlohn der Grund fürs Aufstocken. Die rund 280.000 sozialversicherungspflichtigen Aufstocker, die Vollzeit arbeiten, verdienten laut DIW im Jahr 2011 im Schnitt 8,66 Euro je Stunde. Sie erhielten vor allem ergänzendes ALG II, weil sie weitere Haushaltsmitglieder mitversorgten. Viele würden auch nach Einführung eines Mindestlohns aufstocken müssen.

Die Regierung wäre also gut beraten, wenn sie schon einen Mindestlohn einführen will, mit einem deutlich niedrigeren als 8,50 Euro je Stunde einzusteigen. Auch für Jüngere und Arbeitnehmer in Ostdeutschland sollte es ein reduziertes Mindestentgelt geben, das zum einen die geringere Berufserfahrung und zum anderen das Lohngefälle widerspiegelt. Damit könnte auch vermieden werden, dass der Mindestlohn 41 Tarifverträge außer Kraft setzt, die Arbeitgeber und Gewerkschaften ausgehandelt haben.

  • Autor

    Dr. Hagen Lesch

    ist Leiter des Kompetenzfeldes Strukturwandel, Verteilung und Lohnfindung beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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  • Dan Chris

    “Für Deutschland ergäbe sich auf der Basis des SOEP ein Kaitz-Index von 53 Prozent, also ein höherer Wert als in Frankreich.”

    Lieber Dr. Hagen Lesch sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Frankreich hat einen Mindestlohn. Das heißt, dass der Durchschnittslohn höher ist, da die 20% unterhalb des Mindestlohns fehlen. Rechnet man sie mit ein, dann liegen die 8.50 Euro im Bereich der französischen Löhne.

    “Zahlen müssten diese Lohnsteigerungen entweder die Verbraucher, weil die Preise vor allem für Dienstleistungen steigen, oder die Unternehmen.”
    Wer zahlt denn die Steuern die verwendet werden, um die Löhne aufzustocken. Für eine Organisation die sich dem Abbau von Subventionen verschrieben hat, ist der Wunsch nach mehr Lohnsubvention schon ein wenig komisch.

    “Die Schwierigkeiten vieler Ökonomen, Forschungsergebnisse zu
    akzeptieren, die nicht in ihr Weltbild passten, würden noch
    offenkundiger in einer Zusammenfassung der Evaluation von sechs
    Branchenmindestlöhnen in Deutschland vom Institut der deutschen
    Wirtschaft. Alle Studien zeigten, dass die Mindestlöhne der
    Beschäftigung nicht geschadet hätten. Beim IW lese man jedoch, dass 47 Prozent der Messungen negative Wirkungen signalisierten.”
    Gerd Bosbach
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=19345#h05

  • Ludwig

    Grade die SPD als eine Partei, die von sich behauptet, das Wohl der Migranten im Auge zu haben, wird mit dieser politischen Initiative, die alle wenig Qualifizierten trifft, die Integration und das Wohlergehen ihrer Klientel beschädigen.

    http://aktuellednachrichten.wordpress.com/2013/11/20/der-mindestlohn-pro-oder-contra/

  • Dan Chris

    Das Fundament dieser Argumentation wird immer wackeliger. Gut das die meisten Menschen sich die Orginalstudien nicht ansehen. Es gibt aber einige.

    Kluve – und mit ihm der Sachverständigenrat – blendet völlig aus,
    dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Der Wert von Frankreich
    (60,1 Prozent) liegt nämlich nur deshalb unterhalb des deutschen Werts
    (“bis zu 62″ Prozent), weil bei Frankreich Sonderzahlungen in die
    Berechnung des Medianlohns einflossen, beim deutschen Wert dagegen
    nicht.

    Hinzu kommt, dass der deutsche Wert auf der Basis effektiver
    Stundenlöhne, der französische hingegen auf der Basis vereinbarter
    Stundenlöhne berechnet wurde. Beides führt rechnerisch zu einem
    gegenüber Frankreich überhöhten Wert für Deutschland.

    Kluve greift auf Daten aus 2011 zurück. Da der mögliche deutsche
    Mindestlohn von 8,50 Euro seither eingetretene Lohnsteigerungen nicht
    berücksichtigt, die mit ihm verglichenen Mindestlöhne in anderen Ländern
    hingegen schon, führt dies gleichfalls zu einem im Vergleich überhöhten
    Wert für Deutschland.

    http://www.annotazioni.de/post/1269

  • Lothar Funk

    Insgesamt ein sehr gelungener Kommentar meines früheren Kollegen und Koautors Dr. Hagen Lesch. Er beruht auf nach den üblichen Regeln recherchierter Empirie u.a. des DIW und eigenen Berechnungen des IW.

    Tatsächlich können sich Messverzerrungen zwischen Ländern ergeben, wie ein Kommentar zum Beitrag von Dr. Lesch nahe legt, die einen gesetzlichen landesweiten Mindestlohn haben (und dafür eventuell weniger Beschäftigung bei gering Qualifizierten) sowie den Staaten, die darauf verzichten. Sie können unter anderem daraus resultieren, dass die Unternehmen mit staatlich gesetzten relativ hohen Mindestlöhnen tendenziell mehr Rationalisierungsinvestitionen vornehmen oder die Verlagerung ins Ausland unter sonst gleichen Bedingungen stärker forcieren. All dies dürfte naturgemäß wiederum Rückwirkungen auf die Lohnstruktur und den damit verbundenen Durchschnittslohn haben. Trotz solcher und ähnlicher Probleme können die Berechnungen von Herrn Dr. Lesch aber dennoch sehr wichtige Hinweise geben. Oder wäre es wirklich eine überlegene Alternative, überhaupt keine solchen Abschätzungen mehr vorzunehmen und weitgehend dem Wunschdenken freien Raum zu lassen? Die sinnvolle Schlussfolgerung kann doch wohl nur lauten, dass die bisherigen Ansätze konstruktiv verfeinert werden, was offensichtlich zu begrüßen wäre und möglicherweise auch von einem Kommentator intendiert ist.

    Falsch ist es zu behaupten, wie ein Kommentar zum Beitrag von Dr. Lesch es tut, dass eine marktwirtschaftlich fundierte Argumentation, wie sie charakteristisch für das Institut der deutschen Wirtschaft ist, prinzipiell sämtliche Subventionen ablehnt. Vielmehr können staatliche Subventionen in gewissen Situationen sehr wohl wohlfahrtssteigernd sein, wie unter anderem in jedem Buch zur Theorie der Wirtschaftspolitik und der Wohlfahrtsökonomik nachlesbar ist und auch in Publikationen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Richtig ist nur, dass staatliche Subventionen wegen der Gefahr des Staatsversagens nur mit großer Vorsicht erfolgen sollen und ständig im Hinblick auf ihre effiziente Zielerreichung zu prüfen sind. Denn einmal eingeführt, lassen sie sich nur sehr schwer wieder beseitigen – auch wenn die ökonomischen Gründe dafür entfallen sind.

    Es bleibt allerdings die Frage offen, inwiefern die im Beitrag von Herrn Dr. Lesch (und vom DIW) erwähnte Lohnsummenänderung – unter sonst gleichen Bedingungen – ein guter Indikator in der Debatte ist. Grundsätzlich könnte man nämlich einwenden, dass ein Lohnsummenanstieg eventuell überhaupt keinen Anstieg des privaten Konsums bewirken kann (wenn nur hochbezahlte Manager höhere Löhne beziehen, die nur mehr sparen und mehr Steuern zahlen) oder aber stark den privaten Konsum steigern können, wenn die zusätzlichen Löhne Menschen mit sehr geringer Sparneigung und geringen Steuern zufließen. Zusätzlich wären natürlich auf der Nachfrageseite Effekte auf die Investitionen zu berücksichtigen, die sehr wohl kurzfristig positiv sein können (steigende Rationalisierungsinvestitionen im Inland bei unklaren Erweiterungsinvestitionsentscheidungen) oder aber extrem negativ (Desinvestition im Inland; substituierender Investitionsaufbau im Ausland). Möglicherweise kommt es eventuell auch zu einem Rückgang der Exportnachfrage, wenn aus ausländischer Perspektive die Preise unserer Güter infolge der ausgelösten Kosteneffekte steigen (etc.). Der kurzfristige gesamtwirtschaftliche Nachfrageeffekt ist folglich theoretisch zunächst unbestimmt.

    Die Angelegenheit ist also insgesamt komplex. Faustregeln basierend auf empirischen Erfahrungen aus früheren Zeiten und auch aus anderen Ländern, wie Herr Dr. Lesch sie hier verwendet, können dennoch wichtige Hinweise bei der politischen Entscheidungsfindung unter Unsicherheit liefern.

    Sein Beitrag weist zu Recht darauf hin, dass die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns, der Gefahr läuft, über den Gleichgewichtslöhnen an verschiedenen Teilarbeitsmärkten für Personen mit niedriger faktischer Qualifikation zu liegen, allenfalls mit großer Vorsicht erfolgen sollte. Warum wird dies hier von dem ersten Kommentator des Textes und an anderen Stellen vehement angegriffen, während ähnliche Befunde von Autoren des DIW in der Regel keineswegs in gleichem Ausmaß kritisiert werden? Zudem fragt man sich, warum im Gegensatz zum Beitrag von Herrn Dr. Lesch wenig oder gar nicht empirisch fundierte pauschale Kommentare gegen Mindestlöhne auf verschiedenen ordnungspolitischen Blogs nicht stattdessen aufs Korn genommen werden.

  • H. Lesch

    Sehr geehrter Kommentator,

    Sie lenken mit ihrem Äpfel-Birnen-Vergleich meines Erachtens ab. Es muss erlaubt sein, die Eingriffsintensität zum Zeitpunkt einer Mindestlohneinfühung abzuschätzen. Und diese Eingriffsintensität ist recht hoch. Natürlich ändern sich nach der Einführung die Löhne und die Lohnstruktur. Dabei kann auch der Durchschnittslohn steigen. Nicht nur, weil die Löhne am unteren Rand zunehmen, sondern auch, weil schlechter bezahlte Arbeitsplätze wegfallen oder sich die Lohnstruktur nach oben verschiebt.

    Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie riskant die diskutierte Mindestlohnhöhe ist, halte ich die verbreitete Vorgehensweise (auch von Herrn Bofinger im Ratsgutachten praktiziert) für sinnvoll.

    Noch etwas:

    “Frankreich hat einen Mindestlohn. Das heißt, dass der Durchschnittslohn
    höher ist, da die 20% unterhalb des Mindestlohns fehlen. Rechnet man sie
    mit ein, dann liegen die 8.50 Euro im Bereich der französischen Löhne.”

    Das würde ich gerne einmal vorgerechnet bekommen. Es würde meine Befürchtung, nach der Deutschland im internationalen Vergleich recht hoch liegt, ja geradzu bestätigen! Vielen Dank für diese Unterstützung, denn am französischem Mindestlohn möchte ich mich nicht unbedingt orientieren.
    H. Lesch

  • H. Lesch

    Der IW-Vergleich zum Kaitz-Index stützt sich auf die OECD-Datenbank. Dort ist nachzulesen, dass sich Mindestlohnvergleiche auf die Grundlöhne beziehen sollen. Insofern sollten die Daten auch gut vergleichbar sein. Zum Beleg Ihrer Behauptung, bei den Franzosen seien im Durchschnittslohn Sonderzahlungen, sollten Sie ein Zitat des verantwortlichen französischen Statistikamtes einholen, dass Ihre Aussage stützt. Sie sollten aber auch um Erlaubnis bitten, diese Aussage im Internet zu veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wäre dann zu prüfen, wie viele Prozentpunkte das ausmacht. Eine spannende Diskussion.

  • Dan Chris

    “Sein Beitrag weist zu Recht darauf hin, dass die Einführung eines
    allgemeinen Mindestlohns, der Gefahr läuft, über den
    Gleichgewichtslöhnen an verschiedenen Teilarbeitsmärkten für Personen
    mit niedriger faktischer Qualifikation zu liegen, allenfalls mit großer Vorsicht erfolgen sollte.”

    Da sehe ich eben schon ein zentrales Problem. Es wird über einen Gleichgewichtslohn argumentiert. Niemand weiß wie hoch er und/oder ob es eine reine Modellgröße ist.

    “Lesch wenig oder gar nicht empirisch fundierte pauschale Kommentare gegen Mindestlöhne auf verschiedenen ordnungspolitischen Blogs nicht stattdessen aufs Korn genommen werden.”

    Vielleicht sollte sich Herr Lesch nicht nur auf Blogs äußern, wo seine Aussagen akzeptiert sind. Der Punkt ist, dass allgemeine Aussagen in der Ökonomie nicht möglich sind. Man kann wenn-dann Aussagen unter bestimmten getroffenen Annahmen treffen. Daran ändert auch eine empirische Analyse nichts. Auch dort werden Annahmen getroffen und Dinge vereinfacht.

    Aktuelle Studien zum Mindestlohn und einem umfangreiche Kritik an der Kritik findet man hiert.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=20002

  • “Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns
    zu Jahresbeginn trägt Ökonomen zufolge zu den deutlichen
    Verdienstzuwächsen bei. So kamen Beschäftigte mit eher
    unterdurchschnittlichen Löhnen auf ein besonders deutliches Plus.
    Ungelernte Arbeitnehmer hatten beispielsweise im dritten Quartal 3,9
    Prozent mehr in den Taschen, die Beschäftigten insgesamt dagegen nur 2,6 Prozent.”

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/statistisches-bundesamt-kaufkraft-stieg-2015-im-rekordtempo-a-1068867.html

    Und die Massenarbeitslosigkeit ist auch nicht wie beschworen eingetreten.

  • Hallo Dan Chris,
    Noch treibt der Mindestlohn nur die Preise. Aber er ist ein schleichendes Gift. Doch schon bald werden steigende Lohnkosten und mehr Bürokratie auch den Arbeitsmarkt belasten. Bis zu 570.000 Stellen sind gefährdet – wenn die Politik nicht reagiert, so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung “Die Welt”.
    http://www.insm.de/insm/kampagne/mindestlohn/standpunkt-ein-schleichendes-gift.html

  • “Noch treibt der Mindestlohn nur die Preise.”
    Die Inflation liegt unter die EZB Zielgröße von 2%.

    “Bis zu 570.000 Stellen sind gefährdet”
    Das kann ich zu jedem Gesetz schreiben. Es sind immer Arbeitsstellen gefährdet. Gefährdet heißt, dass sie wegfallen können oder auch nicht.

    “Aber er ist ein schleichendes Gift”
    Das ist das Niveau auf dem argumentiert wird? Ich denke es tut der INSM weh, dass die Prognosen wie von Herrn Sinn (knapp 1 Millionen Stellen werden wegfallen) nicht eingetreten sind. Was müsste passieren (ein definierter Grenzwert den man abgleichen kann), damit die Wissenschaftler, welche die INSM begleiten einsehen, dass der Mindestlohn nicht schadet. Erst wenn das definiert ist, können sie abgleichen ob ihr Kriterium greift oder auch nicht.

    Ein Beispiel wäre die genannte Prognose. Sie trat nicht ein. Offensichtlich sind die kurzfristigen Auswirkungen nicht so wie gedacht. Als Wissenschaftler muss man zu einer solchen Aussage fähig sein. Stattdessen wird munter interpretiert und der Mindestlohn als Gift bezeichnet. Grandios.