10 Soziales

Die gefährliche Rolle rückwärts bei der Rente

Mit Wohltaten für die ältere Generation riskiert die Bundesregierung die Erfolge früherer Reformen – und erhöht die Anfälligkeit der Altersversorgung für demographische Probleme dramatisch.

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So viele Beitragszahler kommen für einen Rentner aufFür den demographischen Wandel war die Altersversorgung in Deutschland eigentlich gut gerüstet. Doch mit ihrer Rentenreform setzt die große Koalition nun die Erfolge der Vergangenheit aufs Spiel. Geplante Wohltaten wie die Mütterrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 nutzen vorwiegend denen, die ohnehin bereits gut abgesichert sind. Altersarmut vermeiden sie nicht. Stattdessen wird das Rentensystem deutlich anfälliger für Probleme.

Union und SPD verabschieden sich damit von dem guten Weg, den die Vorgängerregierungen eingeschlagen hatten: Der 2004 eingeführte Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel garantiert, dass die Lasten des demographischen Wandels gerecht zwischen Alt und Jung verteilt werden. Die kurz darauf beschlossene Rente mit 67 trägt der stetig steigenden Lebenserwartung Rechnung. Zudem wird die gesetzliche Rentenversicherung zunehmend durch die private und betriebliche Altersvorsorge entlastet.

Die Kehrtwende vollzieht Merkels Kabinett nun ganz ohne Not: Die Armut im Alter ist weit niedriger als im gesellschaftlichen Durchschnitt. Die Jobchancen von Menschen zwischen 55 und 64 haben sich deutlich verbessert. Die Kassen der Rentenversicherung sind prall gefüllt – der Beitragssatz könnte ohne Weiteres gesenkt werden. Die Beitragszahler hätten sich diese Entlastung auch redlich verdient.

Doch stattdessen wird das Geld verwendet, um den mehrheitlich bereits gut dastehenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine verbesserte Rente zu liefern. So profitieren von der abschlagsfreien Rente mit 63 vor allem die überdurchschnittlich Verdienenden der älteren Generation. Der spektakulär angestiegenen Erwerbstätigkeit Älterer wird sie gleichzeitig einen kräftigen Dämpfer verpassen. Die Kosten des Vorhabens sind desaströs. Die zukünftigen Beitragszahler müssen die Rechnung begleichen.

Diese Rentenpolitik ist kurzsichtig und einseitig. Man kann der neuen Regierung nur wünschen, dass sie zur Weitsicht zurückfindet.

  • Autor

    Prof. Axel Börsch-Supan, Ph.D.

    ist Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) am Max Planck Institut für Sozialrecht and Sozialpolitik.

  • Ludwig

    Es ist eben keine Rente mit 63, sondern eine Rente nach 45 Beitragsjahren. Und wenn dabei nur Beitragsjahre gerechnet würden und nicht wie im Vorschlag auch bis zu 5 Jahre der Arbeitslosigkeit, so ist dies einfach nur fair. Denn der zeit werden diejenigen, die eine Ausbildung machen schlechter gestellt als Studenten: https://aktuellednachrichten.wordpress.com/2013/12/16/groko-45-beitragsjahre-danke-das-ist-genug/

  • Dan Chris

    “Die Kassen der Rentenversicherung sind prall gefüllt – der
    Beitragssatz könnte ohne Weiteres gesenkt werden.
    Die Beitragszahler
    hätten sich diese Entlastung auch redlich verdient.”
    Die Rentner haben also nicht verdient, dass sie steigenden Einkommen haben. Die Senkung des Beitragssatzes entlastet die Mehrheit der Menschen kaum. Es geht um 2-3 Euro je Monat. Da wären Rentensteigerungen sinnvoller. Vor allem, da diese Steigerungen direkt in die private Vorsorge flißen müsste, da das Rentenniveau stagniert. Tolle Entlastung.

    “Diese Rentenpolitik ist kurzsichtig und einseitig. Man kann der neuen
    Regierung nur wünschen, dass sie zur Weitsicht zurückfindet.”
    Ich sehe die Parallelen zu ihrer Argumentation. Allein das Bild mit dem Rentner/Beitragszahlerverhältnis ist lustig. Produktivitätssteigerungen werden vernachlässigt. Zusätzlich könnte man die Zahl der Beitragszahler steigern, indem man Beamte mit in die Rentenversicherung aufnimmt. Dann könnten Professoren endlich mal über etwas schreiben was sie betrifft.

  • Ralph Krachen

    Die Rentenkassen sind prall gefüllt ????
    dieses Falschmeldung ist leider oft zu hören.
    Der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung (also Steuergelder) die benötigt werden damit die Renten überhaupt ausbezahlt werden können, belaufen sich auf jhrl. über 60 Milliarden €, Tendenz steigend, eher explodierend. Die Rente kann schon längst nicht mehr aus den Beiträgen bezahlt werden. Wenn nun ein Überschuss ausgewiesen wird, so ensteht dieser weil gerade der Bundeszuschuss die Auszahlungen übersteigt, (Quelle Wiki)
    Tut mir leid dass ich keine positive Aussage über die Rentenkasse machen kann.

  • Dan Chris

    Woher kommen die 80 Mrd. Euro? Es sind 31 Mrd. laut dem Bundeshaushalt 2012.

    http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2012/html/ep11/ep11kp13nra0202.html

    Wenn man jetzt noch die versicherungsfremden Leistungen dagegenstellt, sind die Kassen gut gefüllt. Die Bilanzierung ist nur unglücklich. Denn die Zuschüsse sind für Leistungen die alle Menschen erhalten vorgesehen. Die Rentenbeiträge erhalten aber nur Menschen die einzahlen.

  • Ralph Krachen

    Bundes- ,Steuerzuschüsse zur ges. Rentenversicherung sind auf mehrere Posten verteilt diese werden oft nicht ausdrücklich als Bundeszuschüsse ausgewiesen.

    Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund (leider nur für 2012) :

    Bundeszuschüsse zur allgemeinen Rentenversicherung
    39,639,Mil. € zusätzliche Bundeszuschüsse zur allgemeinen Rentenversicherung
    19,220, Mil €

    Einnahmen d. Beiträge 192 Milliarden

    Ausgaben insgesamt (Renten+Verwaltungskosten+Sonstiges wie Teilhabe)
    249 Milliarden

    Wer seine Stromrechnung genauer ansieht bemerkt den Posten Stromsteuer zur Finanzierung der Rentenversicherung.

    Versicherungsfremde Leistungen sind: Ersatzzeiten, Renten nach dem Fremdrentengesetz, Anrechnungszeiten, die Höherbewertung der Berufsausbildung und der Sachbezugszeiten, die Rente nach Mindesteinkommen, abschlagsfreie Renten vor Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters oder besondere Regelungen in den neuen Bundesländern. Hinterbliebenenrenten und Kindererziehungszeiten.
    Diese kann man natürlich kürzen, was allerdings einigen Leuten nicht gefallen wird.

  • Dan Chris

    Bei ihnen sind es auch nur knapp 50 Mrd. Euro und keine 80 Mrd.
    Die versicherungsfremden Leistungen sollen nicht abgeschafft werden. Sie sind staatlich geforderte und geförderte Leistungen und müssen daher vom Staat gezahlt werden.

  • Ralph Krachen

    80 Mrd sind es wie beschrieben gesch. 2014, die 50 Mrd waren von 2012. Die Zahlen sind nicht von mir sondern von der Deutschen Rentenversicherung Bund

  • Brigitte Schubert

    Ich habe 10 Jahre 2 Kinder erzogen und werde dafür mit einer kleinen Rente bestraft. Meine beiden Kinder zahlen schon jahrelang ein. Die ohne Kinder bekommen die doppelte Rente. was ist hier ungerecht? Da schwafeln Leute die nie einbezahlt haben mit hohen Pensionen.

  • Axel Sänger

    Die Protagonisten der hier veranstalteten Show sind Vertreter einer Lobby, sei es der Versicherungswirtschaft, oder der jeweils anderen Zweige der Wirtschaft, einschließlich Banken, Industrie und auch mittelständisch organisierten Unternehmerschaften. Festzuhalten bleibt dabei, dass der “Mittelstand” objektiv kein “Stand”, sondern ein im marxistischen Sinne aus der Klassen- oder Schichtengesellschaft per Illusion abgeleiteter Status ist. Das Eigentum des Mittelstandes darf von den “Mittelständlern” nämlich nur unter der Bedingung genutzt werden, dass mächtige interessenten ihrerseits stets Nutzen aus allen Aktivitäten ziehen können, die dieser “Mittelstand” unternimmt. Dieses “Unternehmen” ist jedoch zunehmend durch Internetbörsen in der Weise reglementiert, dass den mittelständischen Unternehmungen vor aller Auftragsvergabe die Preise diktiert werden können. Daraus kommen die Dumpinglöhne der abhängig beschäftigte Arbeitnehmer hervor, denn die mittelständischen Unternehmer wollen ihrerseits wie zuvor leben und wirtschaften. Abhängige Arbeitnehmer werden jedoch zunehmend durch diese mittelständischen Unternehmungen und zunehmend weniger durch die Konzerne beschäftigt. Aus den zuvor beschriebenen Gründen ist die Fluktuation in der abhängigen Arbeitnehmerschaft sehr groß. Die Wirtschaftslobby will nun, unter Mithilfe der hier auftretenden Professoren, eine Propaganda verbreiten, die die “gebrochenen Lebensarbeitszyklen” der abhänig Beschäftigten Menschen thematisiert. Dabei beabsichtigt die Lobby, den jeweils lückenhaften Beschäftigungsverlauf der abhängig Beschäftigten zu einem Vorwand dafür zu erheben, dass diesen Menschen keine auskömmliche Rente beigegeben werden soll. Auffallend dabei ist aber doch, dass die gebrochenen Lebensarbeitszeiten der abhängig Beschäftigten ausnahmslos durch die Mitglieder dieser Lobby verursacht worden ist.
    Für die Rechtfertigung der zu Propagandamaßnahmen herangezogenen und interpretierten Statistiken will nun jeder professoraler Protagonist sich angeblich auf die “Vernunft” stützen. Vernunft kommt jedoch aus intuitivem Wissen hervor. Damit ist Vernunft nicht “objektivierbar”, sondern hier und an dieser stelle eindeutig als antriebsloses Vehikel eingespannt, das seine Dynamik nur durch den Propagandacharakter des Zusammenhanges gewinnt, in dem es angewandt werden soll.
    Weitaus wichtiger ist die Frage nach der Ethik, also zum Beispiel danach, was die Moral in solchen Vorhaben wie dem hier angezettelten betrifft. Die auftretenden Professoren selbst, wie aber auch ihre Auftraggeber, thematisieren sich selbst und ihre eigene Lebensdauer ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit Pensionen oder Renten, die für sie “zu lange” aufgewandt werden müssten. Sie sondern lediglich die abhängig Beschäftigten Menschen als eine Schicht im Schichtengefüge des Gerangels um das wohlleben ab und beziehen sich für diese auf Karl Marx. Karl Marx ist es aber nicht, den sie für die Begutachtung ihrer eigenen Lebenshaltungskosten im Alter heranziehen. Damit spalten sie sich selbst von der lebenden und älter werdenden Gesellschaft in der Bundesrepublik ab und kritisieren nur die Kosten, die Menschen außer ihnen im Alter verursachen werden. Natürlich verschweigen sie dabei stets, dass abhängige Beschäftigung, wie schon der Begriff sagt, abhängig von einer Beschäftigung ist, die nur sie den Menschen geben können. Das haben sie aber unterlassen und für erwerbslose Zeiträume in den Erwerbsbiographien aller Menschen sind nur sie alleine verantwortlich. Darum ist es in höchstem Maße unmoralisch, dass hier und heute so wie es hier geschieht die Bundesregierung für ihre Rentenpläne kritisiert wird, die keine Rücksicht auf die Krokodilstränen der Verursacher dieses Übels nehmen kann und nehmen wird. Eine Politik, die den Anliegen dieser Lobby und ihrer Propagandisten folgen würde, müsste es nämlich in Erwägung ziehen, die Menschen “rechtzeitig zu töten, bevor sie Kosten verursachen”. “Scheitern ist verunglückte Grenzsetzung” hat der Philosoph Helmuth Plessner einmal gesagt. Nicht die Politik, sondern die Wirtschaft ist mit ihren maßlosen Ansprüchen an die Globalisierung gescheitert und versucht nun, die Kosten dafür zu delegieren, also an die Gesellschaft als Ganze weiterzureichen. Auch die Diskussion darüber, dass nun vermehrt deutsche Soldaten in der Welt auftreten sollen, kommt daher zustande, dass Verträge in China oder asien oder sonstwo auf der Welt nur durchgesetzt werden können, wenn man den zugehörigen Zwang dazu anwenden kann. Was das betrifft, müssen wir als Deutsche nüchtern sein, denn die Prognose der Nazis “heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt” war und ist bleibend eine kollektive Geisteskrankheit, die nur wenig Wirkliches in sich birgt, ja, die eher unwirklich ist.
    Weil dies der Wirtschaft so nicht gefallen kann, und weil die Refinanzierungsmethoden, die sie im Moment aufwendet, auch nicht länger als einige Jahre greifen können und weil sonst alle Sicherheitsdienste der Republik sie als solche benennen und ahnden müssten, wirft sie hier und jetzt das “Störfeuer” der demographischen Entwicklung in die Diskussionsarena, um von den wirklichen Problemen, die sie selbst verursacht hat und immer noch verursacht, abzulenken.

  • Guido

    Dumm Beidel, in diese Kassen solte Jeder Erwerbstätige einzahlen auch Manager, Politiker usw. nur dann ist es eine Sozialkasse,
    Außerdem findet der demgraphische Wandel ja nur beim Ottonormalverbraucher statt, im Bundestag und den Landtagen merkt man nichts vom Bevölkerungsschwund. Oder ist die Anzahl der Abgeordneten reduziert worden.
    Die Bürger könne sich selbst für dumm verkaufen dafür brauchts keine Politiker und selbsternannte Sachverständige.#