Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal. Roman Herzog, 1934-2017, Alt-Bundespräsident

5 FinanzmarktOrdnungspolitik

Inflation ist die Enteignung durch den Staat

Das einfachste Mittel für Regierungen sich ihren Staatsschulden zu entledigen ist Inflation. Doch die Entwertung des Geldes hat starke Nebenwirkungen. Darunter leiden vor allem die Armen.

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Das Statistische Bundesamt hat in dieser Woche die Inflationsrate  veröffentlicht. Man könnte meinen: alles wird gut! 2012 lag sie noch bei 2 Prozent, 2013 nur noch bei 1,5 Prozent.

Inflation fällt nicht vom Himmel, sondern hat immer ihre Ursache in der Geldpolitik der Notenbanken. Die EZB plant ihre Geldpolitik mit einer mittelfristigen Entwertung von 2 Prozent pro Jahr. Das bedeutet im „Idealfall“ eine Enteignung von einem Drittel in 20 Jahren, 45 Prozent in 30 Jahren und 55 Prozent in 40 Jahren. Doch wie berechnet sich eigentlich die Inflationsrate und ist sie wirklich ein verlässlicher Indikator für jeden Einzelnen? Und welche Folgen hat diese Planwirtschaft des Geldes? Geht es allen gleich gut, wenn die Notenbanken den Zins und die Geldmenge manipulieren, um damit 2 Prozent Inflation zu produzieren?

Das Statistische Bundesamt misst die Inflationsrate als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HPVI). Dieser „misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden.“

Doch es gibt nicht die Durchschnittsfamilie, den Durchschnittsrentner oder den Durchschnittsstudenten. Jeder ist anders und konsumiert anders. Der eine isst jeden Tag Fleisch, der andere ist Vegetarier und mag lieber Gemüse. Einer trinkt Wein, ein anderer bevorzugt lieber ein kühles Bier und ein weiterer trinkt gar keinen Alkohol. Diese Individualität pressen die Bürokraten im Amt in Wiesbaden in eine Zahl – Jahr für Jahr.

Aber nicht nur das. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass die Inflationsrate der Orientierungspunkt der EZB für die Vermehrung der Geldmenge und damit der Entwertung des Geldes ist.

Denn diese Vermehrung der Geldmenge hat nicht nur Folgen für die Sparer, sondern auch für Investoren, Steuerzahler, Konsumenten, Unternehmer, Rentner, Schüler und Studenten, Banker, Arbeitnehmer, Beamte und alle anderen am Gesellschaftsleben beteiligten. Denn deren Preise, die sie im täglichen Leben bezahlen, erhöhen sich.

Dieser Sachverhalt ist nicht neu. Bereits der irische Ökonom Richard Cantillon (1680-1734) untersuchte die Folgen einer Veränderung der Geldmenge für die Marktteilnehmer. In seinem postum veröffentlichten Werk „Abhandlung über die Natur des Handels im allgemeinen“ beschreibt Cantillon, welche Auswirkungen eine Geldmengenerhöhung auf die Geldhalter hat. Keineswegs ist dieser Vorgang – die Inflation – für alle Geldhalter gleichermaßen von Vorteil.

„Wenn die Vermehrung des Bargeldes von Gold- oder Silberminen ausgeht, die sich in einem Staate befinden, so werden der Eigentümer dieser Minen, die Unternehmer, die Schmelzer, die Raffinierer und überhaupt alle jene, die dort arbeiten, jedenfalls ihre Ausgaben entsprechend ihren Gewinnen erhöhen. Sie werden in ihren Haushalten mehr Fleisch und mehr Wein oder Bier verbrauchen als früher, sie werden sich daran gewöhnen, bessere Kleidung und schönere Wäsche zu tragen, besser eingerichtete Häuser und andere erlesenere Bequemlichkeiten des Lebens zu besitzen. Sie werden daher einigen Handwerkern Beschäftigung geben, die vorher nicht soviel Arbeit hatten und die nun aus dem gleichen Grund auch ihre Ausgaben erhöhen werden; alle diese Vermehrungen der Ausgaben für Fleisch, Wein, Wolle usw. vermindern notwendig den Anteil der anderen Bewohner des Staates, die zunächst nicht an den Reichtümern der fraglichen Minen teilnehmen.“

Die Erkenntnis von Cantillon ist heute noch gültig. Durch eine steigende Geldmenge erhöhen sich die Preise nicht gleichzeitig, sondern sehr unterschiedlich. Davon profitieren der Staat über seine Notenbank und die Geschäftsbanken, die das frische Geld durch die Kreditvergabe schaffen. Sie können mit dem neuen Geld sofort arbeiten und Gewinne erzielen. Die Bürger können dies nicht. Sie müssen die Geldmengensteigerung durch höhere Preise für Konsum- und Vermögensgüter bezahlen.

Sie können dies sehr gut an ihrer eigenen Lohntüte und an dem abmessen, was am Ende des Monats übrigbleibt. Daher gilt: Inflation ist immer die Enteignung durch den Staat und eine Umverteilung von unten nach oben.

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

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  • Dan Chris

    “Inflation fällt nicht vom Himmel, sondern hat immer ihre Ursache in der Geldpolitik der Notenbanken.”
    Wenn das so wäre Herr Schäffler, wieso hat es Japan 20 Jahre lang nicht geschafft aus einer Defaltion heraus zu kommen. Weiterhin müssten sie zeigen können, welche Preissteigerungen aus Angebot und Nachfrage resultiert und welche aus einer gestiegenen Geldmenge. Das werden sie nicht können. Somit ist ihre Aussage Lichtjahre von der Praxis entfernt.

    “Bereits der irische Ökonom Richard Cantillon (1680-1734) untersuchte
    die Folgen einer Veränderung der Geldmenge für die Marktteilnehmer”

    Ein schönes Beispiel, dass sie nicht einmal erwägen, dass es Fortschritte in der Ökonomie gab. Sie zitieren 400 Jahre alte Ökonomen. Dabei stellt sich die Frage, ob deren Erkenntnisse heute noch anwendbar sind. Die Geschichte zeigt, dass eine moderate Inflation deutlich besser war als eine Deflation. Sie behaupten das Gegenteil. Sie meinen Geld müsste wertstabil sein. Allein diese Forderung ist dermaßen absurd. Womit wollen sie denn den Wert des Geldes messen? Die Gütermenge die man für eine fixe Menge Geld bekommt ist nicht geeignet. Denn wenn sie es wäre, dann wäre Angebot, Nachfrage, Fortschritt vollkommen egal.

    Noch absurder ist, dass man den Wert des Geldes immer über Geld beschreibt. Denn der Wert der Güter wird auch so beschrieben.

  • Michael Rebhan

    Interessant wird es wenn man die Geldmengenentwicklung in Deutschland und in der Eurozone hinzuzieht. Dann sieht man das von 2012 auf 2013 ein Geldmengenzuwachs M1 von 10% zu verzeichnen ist. Deshalb stütze ich auch ihre These das die Warenkörbe nicht repräsentativ sind und das wir eine wesentlich höhere Inflation haben. Das fällt nur nicht auf, da viele Produkte nicht mehr vergleichbar sind und durch Automatisierungsprozesse Güter günstiger hergestellt werden können. Was man aber messen könnte sind Produktqualitäten und diese haben sich massiv verschlechtert. Heißt Preise sind stabil, in einigen Bereichen sinken sie sogar, dafür brauche ich dann in vergleichbaren Zeiträumen mehr davon. Ich finde es schön das sie die Umverteilung von unten nach oben durch diese Mechanismen anerkennen. Es gibt doch noch Hoffnung für die FDP. Ein Tip bündeln sie die liberalen und libertären Kräfte in ihrer Partei, schicken sie die Feudalisten nach Hause, denn wir brauchen eine freiheitliche Kraft in diesem Land.

  • Dan Chris

    Das Problem ist, dass die Geldmenge M1 wenig ausagt. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist sehr wichtig. Diese kommt in der Geldmenge nicht vor, beeinflusst aber die Güterpreise.

    Die These zur Umverteilung und Enteignung sind falsch. Ich habe x Euro. Egal wie hoch die Inflation ist, ich behalte x Euro. Das heißt mir wird nichts weggenommen, also werde ich auch nicht enteignet. Enteignen kann man nur reale Ansprüche und nicht Konstrukte wie Kaufkraft. Auch mit der Umverteilung gehe ich nicht mit.

    1. Setzt es voraus, dass man die Inflation über die Geldpolitik stark beeinflussen kann. Japan zeigt, dass dem nicht so ist.
    2. Setzt es voraus, dass in einer Deflation die Arbeitsplätze und erhalten bleiben. Das ist auch nicht der Fall wie man an Griechenland heute und Deutschland in en 30er Jahren sieht.

    Denn das muss klar sein. Es gibt nur die zwei Möglichkeiten. Es kann zu einer Deflation und zu einer Inlation kommen. Die Punktlandung wird nicht machbar sein, da man den Wert eines Gutes nicht messen kann, um daran die Geldmenge auszurichten.

    “wir brauchen eine freiheitliche Kraft”
    Da stimme ich ihnen zu. Aber es sollte eine Kraft sein, wo der Verstand über Konstrukten aus dem Elfenbeinturm steht.

  • Ralph Krachen

    Abgesehen von der Geldmarktpolitik ist der Staat Preistreiber Nr. 1.
    Egal ob Erhöhung der Mehrwertsteuer, LKW-Maut, Mineralölsteuer, EEG-Umlage etc., all das führt zur Verteuerung der Güter und Dienstleistungen.

  • Dan Chris

    Die Binnennachfrage ist der Preistreiber Nummer 1. Darum ist die Inflation in Deutschland auch so niedrig. Sicherlich gibt es Bereiche wo die Preise stärker gestiegen sind. Im Vergleich zur restlichen Eurozone ist Deutschland unterhalb der Zielinflation von 2% geblieben. Inflation ist im Prinzip kein Problem, wenn die Löhne entsprechend steigen. Das ist nicht passiert. Das stagnierdene Löhne auf eine zu Hohe Inflation oder zu Hohe Belastung durch den Staat zurückzuführen seien ist absurd. Denn die Gewinne sind im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen.