Individuelles Zockertum ist jedem unbenommen, aber es darf nicht sein, dass der Staat diesen Zockern bei Verlusten unter die Arme greift: Der Markt kann Gier belohnen, der Staat darf es nicht. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

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Gebt den Kindern eine Stimme

Die Zahl der Rentner steigt stetig.Mit ihrer Rentenreform macht die Bundesregierung Politik für die Alten auf Kosten der Jungen. Kein Wunder: Die Stimmen der Senioren entscheiden jede Wahl. Die kurzsichtige Politik lässt sich stoppen – wenn das Wahlrecht bereits von Geburt an gilt.

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Union und SPD wissen, was sie für künftige Wahlsiege brauchen: die Stimmen der Rentner. Die Regierungsparteien machen deshalb eine höchst einseitige Politik. Ihre geplante Rentenreform nützt den Alten und belastet die Jungen. Gegen die Macht der Senioren lässt sich offenbar nicht mehr regieren. Deutschlands Zukunftsfähigkeit ist dadurch in Gefahr. Doch für das Problem gibt es eine einfache Lösung: Gebt Kindern das Wahlrecht!

Der Fokus der Politik verschiebt sich ansonsten immer weiter auf die Senioren. Bereits im Jahr 2030 wird die Hälfte der Bevölkerung hierzulande älter als 50 sein. Nicht Familien mit Kindern, sondern Rentner und Pensionäre bestimmen zunehmend stärker den Kurs. Die Folgen sind fatal. Investitionen in die Zukunft bleiben aus, konsumiert wird in der Gegenwart. Kinder haben keine Lobby. Weil sie kein politisches Gewicht haben, werden ihre Interessen ignoriert. Die Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 ist ein Paradebeispiel dafür, was das in der Praxis bedeutet: Schmusekurs mit den Senioren ohne Rücksicht auf kommende Generationen.

Um die Jungen vor der endgültigen Machtübernahme der Alten zu schützen, braucht es ein Gegengewicht. Das aktive Wahl- und Stimmrecht sollte deshalb bereits von Geburt an gelten. Für unter 18-Jährige würden die Erziehungsberechtigten abstimmen und dabei die Interessen ihrer Kinder vertreten. Die Änderung des Wahlrechts brächte aus Sicht der Generationengerechtigkeit enorme Vorteile: Die Politik von heute hätte plötzlich einen Grund, auch die Anliegen der Steuer- und Beitragszahler von morgen im Blick zu behalten. Wenn künftig neue Wohltaten für Rentner gefordert werden, müssten die Jungen nicht länger machtlos zusehen.


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  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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  • Dan Chris

    Klingt erst mal logisch. Eine Gegenfrage: Wieso steigen seit Jahren die Renten nicht? Wie sinken sie sogar. Nach der oben genannten These, dass man nicht gegen die Rentner regieren kann, müsste das Gegenteil der Fall sein.

    Alles in allem sehe ich in solchen Artikel billige Stimmungsmache. Wo ist die Kritik an der ungleichen Vermögensverteilung? Diese stellt ein wesentlich größeres Problem dar als Rentner.
    Denn das ältere Menschen nur kruzfristig denken und ihre Nachkommen nicht mehr berücksichtigen muss erst einmal belegt werden. Dann kommt man von Glauben weg zu Wissenschaft. Aber das scheint nicht im Interesse des Herrn Professor zu liegen.

  • steinweg

    Die Entscheidungs-Gewohnheiten in Gerontokratien sind beschrieben. Bei den Renten sollte man ins Detail gehen.

  • Ralph-M. Weiss

    Vermutlich handelt es sich beim Autoren um einen Fan von Herbert Grönemeyer. (“Kindern an die Macht”). Eine Nähe zu Herrn Edathy unterstelle ich tunlichst nicht..
    Deutschlands Zukunftsfähigkeit ist also durch daß Volljährigenwahlrecht in Gefahr!?
    Nun Tim Kretschmer war 17, vor 5 Jahren in Winnenden. Und Konrad Adenauer war 73, als er Bundeskanzler wurde. Hätte Prof.Dr.Straubhaar seinen Artikel früher veröffentlich, hätte unsere Geschichte vermutlich einen ganz anderen Verlauf genommen!
    Sorry, aber anders als mit Sarkasmus kann ich seinen Thesen nicht begegnen!

  • Gerd Bergmann

    Ich wusste gar nicht, daß ein Blick in die Glaskugel heute noch zu den Forschungsmethoden von Ökonomen zählt. Unsere Haushaltszahlen, die Demografie usw. sind doch keine in Stein gemeißelte Werke, sondern die Folge von Politik und wenn die Politik sich ändert, dann verändern sich auch diese Werte. Die Demografieentwicklung ist die Folge von verfehlter Familienpolitik. was wir also in unsere Situation brauchen, ist keine Veränderung des Wahlrechts, sondern eine vernünftige Familienförderung.
    Daß es mehr Alte gibt in unserem Land, darauf kann man doch stolz sein, es spricht für uns. Das ganze Gequatsche von der Rentnerdiktatur ist nur Demagogie und führt an den wahren Problemen vorbei.

  • Ralph-M. Weiss

    “Bereits im Jahr 2030 wird die Hälfte der Bevölkerung hierzulande älter als 50 sein” – wäre es fatal, wenn die(se) Mehrheit , in unserer Demokratie die Weichen stellt? Ob Herr Dr. Straubhaar bedachte, wer die meisten Kinder im Land hat? Für welche Interessen würde sich z.B. Bushido vermittels Wahlrecht für seine bislang 2 Kinder einsetzen?

  • Dan Chris

    Ich stimme ihnen zu. Vor allem die These das jüngere automatisch mehr in die Zukunft investieren und nahchhaltiger leben ist wahrscheinlich nicht haltbar. Sonst würden jüngere Menschen wohl kaum Risikosportarten betreiben. Bei Rentnern wird auch komplett ausgeblendet, dass diese auch Kinder haben und Enkel. Wieso sollte es in ihrem Interesse liegen, dass es diesen schlecht geht. Meine Erfahrung mit meinen Großeltern legt das Gegenteil nahe.
    Weiterhin sollte man sich den Anteil der Rentner an der Bevölkerung über etwas längere Zeiträume anschauen. Parallel dazu kann man sich dann die wirtschaftliche Entwicklung ansehen. Das eine steigende Rentnerzahl automatisch zu einem Verlust vom Wohlstand führt ist nicht automatisch gegeben. Das zeigen die 60er-70er. Stattdessen sollte man sich den wahren Problemen, wie der Steuerhinterziehung (hallo Herr Hoeneß), zuwenden.

  • Dan Chris

    “Die Entscheidungs-Gewohnheiten in Gerontokratien sind beschrieben”
    Beschrieben aber nicht belegt.

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