Geld ist die Garantie dafür, daß wenn wir etwas wollen, wir es in Zukunft haben können. Auch wenn wir im Moment nichts brauchen, sichert es die Möglichkeit, einen neuen Wunsch zu befriedigen, wenn er auftaucht. Aristoteles, 384-322 v. Chr., griechischer Philosoph

5 Umwelt

Energiewende: Mehr Markt könnte helfen

Die Sonne scheint nicht umsonst. Über die Hälfte der EEG-Subventions fließt in Sonnenenergie.Alles spricht dafür, das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) abzuschaffen. Es hat alle Hoffnungen enttäuscht: Weder haben deutsche Unternehmen einen Wissensvorsprung erreicht, noch retten wir das Klima. Doch die Politik will von einer vernünftigen Alternative nichts wissen.

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So wird aus der Klimarettung nichts: Stromverbraucher in Deutschland geben jährlich fast 20 Milliarden zur Förderung von Erneuerbaren Energien aus. Doch die bittere Wahrheit ist: Den Subventionsmilliarden in Deutschland steht unter dem Strich kein Gramm weniger  CO2 gegenüber. Der CO2 Ausstoß von Kraftwerken ist über den europäischen Handel mit Verschmutzungsrechten ohnehin schon gedeckelt. Die geringere Nachfrage nach Verschmutzungsrechten hierzulande sorgt für niedrigere Preise an der CO2-Zertifikatebörse. Die Emittenten anderer Länder können also billiger die Luft verschmutzen.

Nun mögen vielleicht noch andere Gründe dafür sprechen, sich von fossilen Energiequellen unabhängigerer zu machen. Will man das – und dies scheint in Deutschland der Fall zu sein – muss man zusehen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien möglichst effizient abläuft. Das EEG ist aber genau das Gegenteil von Effizienz. Die teuerste Energieform erhält die höchste Förderung. Nur so konnte Deutschland zur Photovoltaiknation Nummer 1 aufsteigen. Das macht die Energiewende teurer als notwendig.

All diese Defizite könnte eine Quotenregelung beheben. Für Stromversorger würde eine Quote für Strom aus erneuerbaren Quellen gelten. Sie könnten selbst entscheiden, mit welchen Energieträgern sie sie erfüllen – Grundlage dürften die Kosten sein und damit Effizienz anstelle von Subventionen.

Die Politik sträubt sich jedoch gegen solch eine vernünftige Lösung. Sie mag keine Marktmodelle, weil sie weniger Eingriffsmöglichkeiten erlauben. Zudem hat das EEG eine Reihe sehr gut organisierter Interessengruppen geschaffen: Bauern, die mit Erneuerbaren ein einträgliches Geschäft machen, Gemeinden, die von den Gewerbesteuern leben, und Technologieproduzenten, die das Arbeitsplatzargument auf ihrer Seite haben. Das Scheitern des Großprojekts wird die Bundesregierung darüber hinaus nicht eingestehen.

Daher bleibt es bei leichten Korrekturen des EEG, die aber nicht geeignet sind, die Energiepolitik auf eine nachhaltige, umweltfreundliche, sichere und bezahlbare Basis zu stellen. Mehr Markt könnte hier helfen. Aber die Politik verteufelt ihn lieber und opfert das Geld der Bürger weiter für ineffiziente Subventionen.


Dieser Text ist in einer längeren Fassung auf wiwo.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

  • Chris76

    Die Analyse, auf deren Grundlage eine Quotenregelung gefordert
    wird verkennt aus meiner Sicht völlig die Tatsachen. An der „Vernunft“ zerren bedauerlicherweise nicht nur die Betreiber von Solaranlagen. Gerade die konventionellen Energieversorger nehmen massiv Einfluss auf den Markt und die Politik auf allen Ebenen. Gerade gegen die wirklich sehr gut als Alternative geeignete Windkraft mach z.B. RWE Druck und schickt zu Veranstaltungen Haufenweise eigene Mitarbeiter um die Stimmung zu kontrollieren. Von dieser Seite kommt nach meiner Wahrnehmung im Übrigen auch die Drohung vor Arbeitsplatzverlust (siehe die aktuelle Diskussion um Garzweiler II).

    Die Solarenergie war schlichtweg über Jahre hinweg der Weg
    des geringsten Widerstands und nicht der Vernunft. Dem ist aber nicht durch eine Quotenregelung sondern allein durch vernünftige ordnungspolitische Maßnahmen zu begegnen. Gleichzeitig wird die EEG-Umlage als regelrechtes Instrument negativen Marketings eingesetzt.

    Die CO-Zertifikate (oder richtiger: die CO-Äquivalenz-Zertifikate)
    sind überhaupt kein Kriterium, da das Instrument schon vor der ersten Ausgabe kaputt entschärft wurde. Aus meiner Sicht ist der Fehler, dass alternative Energien ohnehin nach anderen Kriterien bemessen werden als der konventionelle Strom.

    Würden alle Energieträger an den selben Maßstäben im Rahmen
    eines ganzheitlichen Systems im Sinne eines integrierten Kostenmanagements nach gesamtgesellschaftlichem Nutzen und Risiko Gewichtet und einem echten Marktpreis unterworfen wäre z.B. die Braunkohle überhaupt kein Thema mehr.

    Schlicht gesagt: in der Energiewirtschaft hat NOCH NIE Markt
    geherrscht! Auch die Quotenregelung bringt nicht mehr Markt sondern verteilt nur die Tortenmesser etwas um.

  • Dan Chris

    Solaranlagen sind also die teuerste Energieform? Eine Studie der Fraunhofer Gesellschaft widerspricht ihnen

    http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.pdf

    S.18

    Offshore Windenergie, Biogas sind deutlich teurer Steinkohle nur leicht billiger und Gas- Dampf Kraftwerke im gleichen Rahmen. Das heißt die von ihnen verteufelte EEG Umlage hat dafür gesorgt, dass die Kosten dramatisch gesunken sind (52 auf 7.8 cent/kWh http://de.wikipedia.org/wiki/Stromgestehungskosten). Wie viel besser soll eine Förderung denn noch aussehen? Das alternative Energien teuer sind und bei der EEG höher einschlagen liegt unter anderem an den Kernkraft- und Kohlekraftwerken. Da diese kaum regelbar sind, müssen die alternativen Ernergieernter abgeschaltet werden. Das Gesetz sieht vor, dass die Energie abgenommen werden müsste. Da zur Spitzeneinspeisung die Energie der Großkraftwerke teurer wäre als die der alternativen, könnte man diese Energie nicht verkaufen. Das muss aber geschehen, da man die Kraftwerke nicht schnell abschalten kann. D.h. ein guter Teil der Kosten ist dem alten Kraftwerkspark geschuldet.

    Auch tauchen in den Kosten für Kohle die Altlasten im Ruhrpott oder bei den Braunkohletagebauten nirgendwo auf. Für die Kernkraftwerken gibt es keine Atommülllagerstrategie. Die Kosten hierfür trägt der Steuerzahler. Diese kleinen Beispiele zeigen, dass sie Herr Freytag mit Kosten argumentieren, aber die Gründe für die Kosten verschleiern. Schließlich steht ja EEG drauf, dann werden es sicher nur die erneuerbaren sein. Genau wie die Rentenkasse nur die Rente bezahlt. Von einem Wirtschaftsprofessor sollte man mehr erwarten.

  • Dan Chris

    “ein technologischer Durchbruch ist nicht in Sicht”
    Wir sind mitten drin. Die Technologien entwickeln sich rapide. Man muss es nur sehen wollen. Allein die Preisreduktion und Wirkungsgradsteigerungen bei den Solaranlagen zeigen das. Bei Windanlagen sieht es ähnlich aus.

  • Stefan Siewert

    Die Technologien entwickeln sich, richtig. Ein technologischer Durchbruch ist, dass sie ohne Subventionen auskommen und auf dem Markt ohne politische Flankenhilfe bestehen können. In diesem Fall müssten erneuerbare Energien bei vielleicht der Hälfte der Kosten der fossilen Energien liegen. In diesem Fall wäre die Diskussion, wie schnell veraltete Anlagen abgeschaltet werden und wer wie von den neuen Märkten profitiert. Dem ist nicht so.

    ausführlicher hier:

    http://asymmetrieundgleichgewicht.blogspot.de/2014/03/warum-die-gescheitere-deutsche.html

  • Dan Chris

    Da keine der Energietechnologien ohne Subventionen auskommt ist der Vergleich müßig. Die Erneuerbaren sind kurz davor ohne auszukommen. Ein Repowering älterer Anlagen passiert im Moment. Was man braucht sind planbare Zeiträume. Das führt zu nachhaltigen Investitionen. Niemand hätte ohne diese Zeiträume irgendein Großkraftwerk gebaut.