Wenn ich ein Dienstmädchen einstelle, das im Jahr 2000 Franken kostet, geht das Bruttosozialprodukt hinauf - heirate ich dann das Mädchen, kommt es wieder herunter. Nello Celio, 1914-1995, schweizerischer Bundespräsident

3 Wachstum

Schützt den Freihandel vor den Populisten

Deutschlands wichtigste Handelspartner.Bei der Europawahl haben Nationalisten große Erfolge gefeiert. Mit ihren Forderungen nach wirtschaftlicher Abschottung bedrohen sie den Wohlstand der EU. Gegen die Bewegung muss ein starker Kommissionspräsident antreten.

(mehr …)

Rechtspopulisten und Linke sind sich manchmal sehr ähnlich. Wenn Marine Le Pen gegen das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) wettert, klingt das genauso wie in einer Ortsgruppe der Globalisierungskritiker von Attac.

Zwei unterschiedliche politische Richtungen haben dieselbe falsche Idee: Sie glauben, dass man die Wirtschaft durch Abschottung stärkt. Wohlstand schafft man aber durch Produktivität und Innovation – und die entstehen durch Wettbewerb. Um Konkurrenz zu fördern, müssen Handelshürden abgerissen und nicht aufgebaut werden.

Beispiel TTIP: Das Abkommen mit den USA könnte die Produktivität in einigen Sektoren um 3,5 Prozent erhöhen. Das Pro-Kopf-Einkommen in der EU würde dann um bis zu fünf Prozent steigen.

Außerdem verschafft ein freier Handel Europa Zugang zu neuen Absatzmärkten. Mit mehreren Schwellenländern verhandelt die EU deshalb über sogenannte Economic Partnership Agreements (EPAs). Die Abkommen würden die schnell wachsenden Exportmärkte für die von Jugendarbeitslosigkeit geplagten Staaten am Rande Europas öffnen.

Europa steht beim Thema Freihandel vor wichtigen Entscheidungen und bräuchte starkes Führungspersonal, das sich für das Thema begeistert. Doch die EU-Kommission scheint durch das Geschacher um Jean-Claude Juncker geschwächt. Zudem bestimmen die populistischen Globalisierungskritiker nach ihren Wahlerfolgen zunehmend die Agenda. Die europäischen Entscheidungsträger dürfen vor ihnen nicht einknicken. Sie müssen mit guten Argumenten überzeugen und die Märkte der EU weiter öffnen.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung zuerst auf WiWo.de erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

    Alle Beiträge

  • Dustin Hoffmann

    Ein Freihandelsabkommen an sich würde nicht so viele verärgern. Was aber verärgert ist, das es unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Und das Dinge beschlossen wurden, die die meisten und ich nicht wollen. Das Gen verändertes Lebensmittel ohne genaue Kennzeichnung auf den Markt kommen soll (Ich will wissen was ich esse), das Unternehmen leichter den Staat anklagen können, wenn durch Gesetze und Vorschriften der Umsatz geschmählert wird,usw…

    Und wir brauchen nicht mehr Produktivität, denn wer soll das alles überhaupt kaufen? Unsere Müllberge wachsen und wachsen wären die Firmen immer mehr Produkte in die Welt schütten, die heutzutage kurz nach Ablauf der Gewährleistung den Geist aufgeben und die Müllberge weiter wachsen lassen.

    Ich möchte Ihnen mahl etwas mitteilen was Ihnen vermutlich entgangen ist. Wir leben auf einem BEGRENZTEN Planeten.
    Und auf diesem begrenztem Planeten wollt Ihr unbegrenzten Wachstum.
    Aber das geht nicht. Und das brauchen wir auch nicht. Wir haben genug Wohlstand, genug Produktivität. Jetzt sollte es unsere Aufgabe sein das gerecht zu verteilen.
    Denn während wir hier tausende Tonnen genießbare Lebensmittel einfach so wegschmeißen verhungern in anderen Ländern die Menschen.

    Aber Euch interesiert das nicht, Ihr wollt immer mehr und es ist NIE genug. Schön, TTIP bringt eventuell 3,5% Wachstum. Aber für wen?
    Sicher nicht für die Arbeitenden, die teilweise für einen Gehalt arbeiten, von de,m man nicht leben kann.
    Aber einen Mindestlohn haben die ja auch nicht verdient, obwohl unsere Wirtschaft wächst. Oder vieleicht gerade weil sie wächst.
    Wen wollt Ihr mit diesen Zahlen wie Wachstum und BiP überzeugen?
    Euch selbst? Denn die die von ihrem Gehalt nicht leben können überzeugt Ihr nicht. Und mich auch nicht.

  • Pingback: Noch mehr Freihandel wagen? Für und Wider TTIP()

  • Dan Chris

    “Beispiel TTIP: Das
    Abkommen mit den USA könnte die Produktivität in einigen Sektoren um
    3,5 Prozent erhöhen. Das Pro-Kopf-Einkommen in der EU würde dann um bis
    zu fünf Prozent steigen.”

    Das sind Milchmädchenrechnungen und das wissen sie. Freihandel ist eine gute Sache. Er sollte aber nicht dafür verwendet werden den niedrigsten Standard als gemeinsamen Nenner durchzudrücken sondern den höchsten. Im Mittelpunkte sollte der Wohlstand der Menschen stehen.

    Die Behauptung, dass die Produktivitätssteigerung an die Löhne weitergereicht werden würde, wurde in Deutschland widerlegt. Ihre Aussage ist also heiße Luft mehr nicht.

    Auch die Aussage, dass die europäischen Länder neue Märkte erschließen können. Das mag zwar stimmen, gilt für das Gegenüber auch. Das Resultat der Öffnung ist somit nicht abschätzbar. Aus diesem Grund sollte das Ganze offen diskutiert werden. Die Ängste und Befürchtungen der Menschen müssen berücksichtigt werden. Sie sind es schließlich, die mit den Resultaten leben müssen.

    “und bräuchte starkes Führungspersonal, das sich für das Thema begeistert.”

    Eben das bräuchte es nicht. Es bräuchte ein Personal, welches den Menschen die Vorteile erläutert und an der Diskussion teilhaben lässt. Ein Diktat von Oben ist in der Demokratie immer schlecht.

    “populistischen Globalisierungskritiker nach ihren Wahlerfolgen zunehmend die Agenda. Die europäischen Entscheidungsträger dürfen vor ihnen nicht einknicken. Sie müssen mit guten Argumenten überzeugen und die Märkte der EU weiter öffnen.”
    Kritik am Freihandel ist also nicht erlaubt. So viel zur Freiheit der Meinung. Populismus liegt immer im Auge des Betrachters. Freihandel wird immer wieder hochgejubelt und nachdem die Verträge unterschrieben sind kommt oft genug das böse erwachen.

    Einige hier aufgezählt. Es ist geplant, dass einmal privatisierte Unternehmen nicht rekommunalisiert werden dürfen, egal wie viel besser das für die Bevölkerung wäre. Unternehmen dürfen gegen Staaten klagen, wenn die Gesetzgebung eventuell Gewinne verhindert haben. Die Klage findet nicht vor einem Gericht statt. Das ist die schöne neue Welt und sie sollte offen diskutiert werden.