Die moderne Gesellschaft mit marktwirtschaftlicher Ordnung ist ein Positivsummenspiel, was Eigennutzstreben rechtfertigt. Karl Homann, *19. April 1943, deutscher Ökonom

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Gegen Armut hilft vor allem Arbeit

Jeder Sechste in Deutschland gilt als von Armut bedroht: Das klingt nach einem Aufreger. Doch das Armutsrisiko ist weder gewachsen noch spiegelt die Zahl die tatsächlichen Armutsverhältnisse wider. Die Statistik zeigt aber, dass Bildung und Arbeit der beste Schutz gegen Armut sind.

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Armut ist relativ. Jedenfalls nach den Maßstäben der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen. Demnach gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens im jeweiligen Land verdient.

Die Nachricht, dass sich die Zahl der relativ Einkommensarmen auch in wirtschaftlich relativ guten Zeiten nicht merklich verringert hat, ist deshalb kein Skandal. Denn selbst wenn sich durch einen rasanten Aufschwung die Einkommen aller Bürger verdoppeln würde, bliebe die Zahl der Einkommensarmen gleich.

Das alles heißt aber nicht, dass die Politik dieses Niveau des Armutsrisikos als gegeben nehmen sollte. Die Ansätze für eine Senkung des Armutsrisikos sind offensichtlich: Besonders häufig sind Alleinerziehende, Arbeitslose und Menschen mit Migrationshintergrund von Armut bedroht – alles Gruppen mit Schwierigkeiten, einen Vollzeitjob zu finden.

Mehr Plätze für eine qualifizierte Ganztagsbetreuung würden Alleinerziehenden helfen, Familie und Vollzeittätigkeit unter einen Hut zu bringen und die Startchancen für Kinder mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Elternhäusern verbessern. Auch eine unkompliziertere Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse und der Ausbau gezielter Nachschulungen würden das Armutsrisiko von Personen mit Migrationshintergrund verringern. Und Un- und Angelernte hätten mit zertifizierten Teilqualifikationen, die sich bis zu vollwertigen Berufsabschlüssen kombinieren lassen, bessere Beschäftigungs- und Aufstiegschancen.


Einen weiteren Namensartikel zu diesem Thema finden Sie hier.

  • Autor

    Christoph Schröder

    ist Senior Researcher beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

    Alle Beiträge

  • Dan Chris

    Mit solchen Beiträgen wird man Senior Forscher?

    “Gegen Armut hilft Arbeit”
    Was ist an dieser Aussage falsch?
    1. Sie behauptet implizit, dass das Alleinerziehen von Kindern keine Arbeit ist.
    2. Auch Sklaven wären nicht arm.

    Es muss also lauten Erwerbsarbeit mit hinreichend hohem Einkommen hilft gegen Armut.

    “Die
    Nachricht, dass sich die Zahl der relativ Einkommensarmen auch in
    wirtschaftlich relativ guten Zeiten nicht merklich verringert hat,
    ist deshalb kein Skandal. ”

    Es ist ein Skandal. Denn die Einkommen haben sich nicht verdoppelt und/oder gleichmäßig erhöht. Sie haben sich vor allem an der Spitze erhöht.

    “Denn selbst wenn sich durch einen rasanten
    Aufschwung die Einkommen aller Bürger verdoppeln würde, bliebe die Zahl
    der Einkommensarmen gleich.”

    Das ist also die volkswirtschaftliche Spitzenforschung in Deutschland? Die Aussage ist 100% richtig und 100% unbrauchbar.

    Warum?
    Folgen wir der präsentierten Logik des Seniorforschers. Verdoppeln wir die Bildung aller Menschen im Land. Dann sind alle relativ zueinander immer noch gleich schlau. Es hat sich also nichts geändert, da der Arbeitsbedarf sich nicht wesentlich geändert hat. Nur weil alle besser gebildet sind, wird man nicht mehr Manager oder Spitzenkräft brauchen. Nur wird dann ein Bauarbeiter ein Masterabschluss haben.
    Im vorgebrachten Beispiel würde man zu Recht behaupten, dass es Unsinn ist. Die Analogie zur Einkommenssteigerung sollte aber einleuchten.

    Die präsentierten Lösungsansätze sind dann nicht einmal so schlecht. Allerdings wird ein wesentlicher Punkt vernachlässigt. In Deutschland gibt es nicht genug Arbeitsplätze. Bei 3 Millionen offiziellen Arbeitslosen (es sind definitiv mehr) gibt es 0.5 Millionen freie Stellen. Das heißt 16% der offiziellen Arbeitslosen können überhaupt nur eine bezahlte Arbeit finden. Das Thema fehlt vollkommen.

  • Helmuth Schrickel

    Richtig ist nur eines : Armut ist eine gewollte Sache ,denn ohne Armut wird der Reiche nicht reicher . Wenn die Lohnsumme nicht ausreicht um Miete und Ernährung zu bezahlen und der Rest nur für die Gesundheitskosten drauf geht ,ist der Staat ein Ausbeuter und lässt über Gesetze das auch in Privater Hand zu . Wir wollen kein Kommunismus ,aber wir wollen Gleichheit vor den Gesetz !!! Eine Besteuerung muss Personen bezogen bleiben ,die Bereicherung durch Beschäftigung von anderen Personen mit Gewinn muss anders versteuert werden !!! Die Kontrolle von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung muss besser überwacht werden , denn eine Eigentumswohnung und ein Einfamilienhaus ist schnell vermietet und diese Einnahmen werden in einer Einkommen-Steuerveranlagung wohl schnell übersehen von den Herren der Finanzverwaltung …