Nichts entzweit ein Volk so sehr wie Steuern und Orden. Von den einen nimmt man an, dass sie zu Unrecht verlangt, von den andern, dass sie zu Unrecht gegeben werden. Terence Frisby, *1932, englischer Schriftsteller

4 Europa

Wohin führt die Geldschwemme?

Wie angekündigt schwemmt die EZB die Märkte mit Geld. Diese Maßnahme ist aus meiner Sicht nicht notwendig, aber sie muss nicht schädlich sein und bietet auch Chancen. Um diese zu nutzen, bedarf es weiterer Reformen und zwar nicht nur im Süden Europas sondern auch in Deutschland.

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Begründet wird die Geldschwemme mit der Deflationsgefahr, die sich aus den derzeit sehr geringen Inflationsraten im Euroraum ergibt. Ich halte diese Gefahr für ausgesprochen gering, da die niedrigen Inflationsraten zum Teil auf zurückgehende Energiepreise zurückzuführen sind und zum Teil aus erwünschten Preisrückgängen, die aus Anpassungsmaßnahmen in Südeuropa folgen. Insofern glaube ich nicht, dass die Maßnahmen notwendig war, dies bedeutet aber nicht, dass sie notwendig negative Konsequenzen hat.

Betrachten wir die Länder, die schon Erfahrungen mit der exzessiven Geldpolitik haben. Blickt man auf Japan, auf das bei Deflationsgefahren immer wieder verwiesen wird, so muss man deutlich feststellen, dass die ausgeprägte Geldschwemme dort nichts Positives bewirkt hat. Betrachtet man die USA, so ist es dort gelungen die Krise zu überwinden und wieder beachtliches Wachstum zu generieren. Was ist der Unterschied zwischen den USA und Japan? Ich glaube, der große Unterschied liegt in Wirtschaftsstrukturen und langfristigen Perspektiven. Die USA haben flexible Arbeitsmärkte: In der Krise hat es einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, der zu erheblichen Lohnanpassungen geführt hat. Viele Unternehmen wurden geschlossen, andere konnten entstehen und die Beschäftigung wurde zwischen Unternehmen, Sektoren und Regionen verlagert. So etwas generiert langfristige Wachstumsperspektiven, die durch eine wachsende und jung-bleibende Bevölkerung verstärkt wird. Ganz anders in Japan: Dort altert die Bevölkerung, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und es fehlt an Dynamik.

Der Vergleich zwischen den USA und Japan macht auch deutlich, dass die Heterogenität des Wirtschaftsraums kein Problem für die Geldpolitik sein muss und Homogenität kein Garant für eine effektive Geldpolitik ist. In Japan ist der Wirtschaftsraum sehr homogen, wohingegen es in den USA im Jahr 2013 Staaten gab, deren Bruttoinlandsprodukt zurückgegangen ist während es in anderen Staaten mit fast 10 Prozent gewachsen ist.

Wird der Euroraum sich eher wie die USA und eher wie Japan entwickeln? Ich halte dies für eine offene Frage. Einerseits hat es im Euroraum erhebliche Reformen gegeben – in Deutschland in den Jahren vor der Krise, in anderen Länder in und nach der Krise. Positiv ist auch festzuhalten, dass die Mobilität der Arbeitskräfte in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Andererseits kommen insbesondere Frankreich und Italien mit ihren Reformen nicht richtig voran und in Deutschland werden diese zum Teil zurückgedreht. Dabei besteht auch in Deutschland kein Grund sich zurückzulehnen. Angesichts der niedrigen Zinsen, der niedrigen Ölpreise und des schwachen Euros sind Wachstumsperspektiven zwischen einem und zwei Prozent ausgesprochen mau. Um auch in Deutschland Wachstumsraten wie in den USA möglich zu machen, braucht es mehr Zuwanderung und höhere Erwerbsquoten. Insofern kommt es darauf an den Schub durch die Geldpolitik für weitere Reformen zu nutzen – dann kann er langfristig Wachstum generieren.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Bräuninger

    ist als Professor an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und als freier Autor und Berater im Bereich Economic Trend Research tätig.

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  • “Ich glaube, der große Unterschied liegt in Wirtschaftsstrukturen”
    Dieser Satz sagt so viel über die hier präsentierten Wirtschaftswissenschaften aus. Wenn man etwas nur glaubt, dann kann es stimmen oder eben auch nicht. Der Rest des Textes ist irrelevant. Der Autor weiß nicht warum sich die USA erholt haben und Japan oder Europa nicht. Er glaubt es zu wissen. Er kann seinen Glauben nicht belegen, sonst würde er es tun. Folglich ist die Analyse wissenschaftliche gesehen wertlos.

  • Kammerjäger

    “Ich glaube, der große Unterschied liegt in Wirtschaftsstrukturen und langfristigen Perspektiven. Die USA haben flexible Arbeitsmärkte: In der Krise hat es einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, der zu erheblichen Lohnanpassungen geführt hat.”

    Da glauben Sie falsch. Der wesentliche Unterschied ist, dass in den USA die Verschuldung der privaten Haushalte sehr hoch ist, während Japan vergleichbar mit Deutschland ein Sparerland ist. Die niedrigeren Zinsen haben in USA die privaten Haushalte davor bewahrt Bankrott anzumelden und ihnen geholfen ihre Schulden zu reduzieren. In Japan hat die Geldexpansion vor allem den Zusammenbruch des Bankensystems verhindert. Dementsprechend ist die Einschätzung

    “Blickt man auf Japan … so muss man deutlich feststellen, dass die ausgeprägte Geldschwemme dort nichts Positives bewirkt hat.”

    ebenfalls grundfalsch. Ohne die expansive Geld und Fiskalpolitik wäre es zu eine ausgeprägten Balance Sheet Depression (siehe Richard Koo) gekommen. Allenfalls kann man hier noch darauf verweisen, das die USA in Folge der Lehnmannkrise ihren Finanzsektor einigermaßen durchreguliert haben, etwas worauf Japan und Europa vollständig verzichtet haben.

    In den USA hat die expansive Geldpolitik auf der Nachfrageseite der Wirtschaft geholfen, in Japan wurde “nur” eine Bankenkrise verhindert. Deshalb war die amerikanische Politik auch erfolgreich, und die japanische auf der ersten Blick nur einflusslos.

    Deutschland befindet sich eher in der Lage Japans, während Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien nicht auf eine ähnliche Weise von der expansiven Geldpolitik wie in den USA profitieren können, weil diese in Europa von einer gegenläufigen Fiskalpolitik konterkariert wird. In den USA wurde für ein Land mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und hohe privater Verschuldung ein geeigneter Policymix gefunden, in Europa klappt das wegen der vorherrschenden und fortgesetzten ideologischen Verblendung in der Volkswirtschaftslehre nicht.

  • Hallo Dan Chris, dann mal los. Was ist denn Ihre Einschätzung dazu? (chs)

  • Ich habe meine Einschätzung gegeben. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage basiert immer auf empirisch ermittelten Daten. Die Interpretation sollte frei von Erwartungen sein. Das Wort “glauben” sollte nicht auftreten. Es bedeutet, dass man eigentlich keine Ahnung hat. Das ist die Kritik die ich an vielen Aussagen von Ökonomen habe. Auch in den Sozialwissenschaften kann man Studien bemühen und ein differenziertes Bild abgeben. Stattdessen werden selektiv, wenn überhaupt, Studien ausgewählt, um die gewünschten Behauptungen zu untermauern. Wenn man die unterschiedlichen Wirtschaftsräume und deren Entwicklung betrachten und analysieren möchte, dann muss man verschiedene ökonomische Schulen gegenüber stellen. Dann kann man sich die plausibelste Erklärung heraussuchen. Die muss dann immer noch nicht richtig sein, aber immerhin wird sie im Kontext anderer Ansätze dargestellt. Das wäre dann Wissenschaft. So ist es eine Verbreitung einer Ideologie unter dem Deckmantel einer Professur. Das Widerspricht eigentlich der wissenschaftlichen Ethik wie ich sie verstehe.