Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

45 Steuern und Finanzen

Wider die Erbsünde: Warum erben gerecht ist

Ist Erben gerecht? Nein, meint Julia Friedrichs in Ihrem neuen Buch und einem Essay im  Zeit-Magazin. Doch, antwortet Gerd Maas, weil wir uns nicht anmaßen dürften, den letzten Willen des Menschen zu hintergehen. Eine Replik.  (mehr …)

Wir Erben. Was Geld mit Menschen machtVergangenen Monat ist „Wir Erben. Was Geld mit Menschen macht“ von Julia Friedrichs erschienen. Das Zeitmagazin vom 12. März 2015 hat dafür mit der Titelgeschichte die Werbung übernommen (allerdings gab es in der Zeit eine Woche später eine Replik von Jens Jessen). In einem langen Essay fragt die Autorin, ob Erben eigentlich gerecht ist? Und sie weiß freilich, wen wundert’s bei dieser Frage, auch die Antwort. Das heutige Erben ist natürlich nicht gerecht. „Noch nie wurde in Deutschland so viel Vermögen vererbt“, das kann ja wohl gar nicht gerecht sein.

Ach wie wunderbar, wären doch an anderer Stelle „noch nie“ und „so viel“ auch hinreichende Gerechtigkeitskriterien. Noch nie wurde in Deutschland so viel Geld sozial umverteilt. Ungerecht. Noch nie gab es so viele Regeln im deutschen Steuerrecht. Ungerecht. Noch nie wurden deutsche Unternehmer mit so vielen arbeitsrechtlichen Bestimmungen gegängelt. Ungerecht. Die Liste wüsste ich noch um einiges zu verlängern. – Doch wie ist es mit: Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ungerecht? Noch nie waren die deutschen Steuereinnahmen so viele wie heute (maßgeblich getrieben von der Lohnsteuer, also steigenden Arbeitseinkommen). Ungerecht? Noch nie wurde in deutschen Arbeitnehmerhaushalten netto so viel verdient. Ungerecht?

Bitte schön, das ist nicht einfach Polemik. Das ist Bloßstellung des wackeligen Fundaments auf dem Friedrichs ihr absurdes Gerechtigkeitskonstrukt aufstellt.

Die ganzen bildreichen Ausführungen ließen sich sparen, wenn man erst einmal die Axiome diskutieren würde. Und da braucht sie gleich mehrere, um ihren roten Faden nicht zu verlieren. Fadenscheinige Axiome.

Zum einen ist da einmal mehr die genauso berühmte wie leicht dahinbehauptete „mehr aufklaffende Schere“ zwischen Arm und Reich. Nur unter der Damokles-Schere lassen sich Begehrlichkeiten auf rechtschaffend erarbeitetes und versteuertes Privatvermögen überhaupt irgendwie begründen. Dementsprechend heißt es auch bei Friedrichs: „Je tiefer die Kluft zwischen Arm und Reich ist, desto unzufriedener sind die Bürger mit der Demokratie, desto weniger trauen sie den politischen Institutionen, desto niedriger ist die Wahlbeteiligung.“ Und dunkel orakelt sie daraus, dass „die Erbengesellschaft eines Tages im großen Knall einer Revolte auseinanderbrechen“ wird.

Der Gini-Koeffizient des Nettoäquivalenzeinkommens in Deutschland ist aber tatsächlich ziemlich konstant und im OECD-Vergleich durchschnittlich. Gleiches gilt für die 80/20-Relation der Nettohaushaltseinkommen, nach der sich die Ungleichheit seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 stetig verringert hat. Beides Indikatoren dafür, ob breite Bevölkerungsschichten eines Landes am materiellen Wohlstand teilhaben. Jeder kann sich also auch heute in Deutschland sein Vermögen selbst verdienen. Was sollte es einen dann scheren, dass andere erben?

Vielleicht hat sich das ja Friedrichs auch gefragt, sonst hätte sie wohl nicht ein zweites Axiom in die Hinterhand genommen: Die Schere muss gar nicht aufklaffen. Ungleich ist allein schon ungerecht: „Deutschland wird sich in den kommenden Jahren zur Erbenrepublik wandeln. Und die wird vor allem eines sein – ungerecht. Die eine Hälfte der Deutschen wird voraussichtlich gar nichts erben …“.

Falls nicht beabsichtigt, ist Friedrichs da auf einen alten sozialistischen Trick hereingefallen. Weil Gleichmacherei den Menschen naturgemäß eher verdächtig erscheint, nennt man es einfach Gerechtigkeit. Bei Gleichheit kämen so manchem vielleicht die Guillotine der Jakobiner oder Stalins GULag in den Sinn. Für Gerechtigkeit hingegen ist jeder zu haben. Wenn gerecht aber nichtsdestoweniger faktisch gleich bedeutet, dann bleibt die Moral auf der Strecke. Moralisches Verhalten oder Fehlverhalten macht dann keinen Unterschied mehr.

In der Gleichheit wird das Gemeinwesen bedingungslos. Die Gesellschaft verabschiedet sich dann davon, einen ethischen Anspruch an den Zusammenhalt zu haben. Das, meine ich, wird eine deutliche Mehrheit der Deutschen so nicht wollen. Nach meinem Empfinden gelten hierzulande noch Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Schaffenswille, Risikobereitschaft gepaart mit Haftung und Verantwortungsbewusstsein. „Das hat er sich verdient“, ist in Deutschland nach wie vor ein Ausdruck von Gerechtigkeit.

Aber auch für diesen Einwand hält Friedrichs ein Reserveschirm-Axiom bereit. Sie dividiert Erblasser und Erben auseinander und fragt bei der Gerechtigkeit allein nach denen, die „ohne zu arbeiten viel Geld kriegen und dafür kaum Steuern zahlen“ – den Erben – und lässt das Schaffen und die Steuerleistungen der Erblasser unter den Tisch fallen.

Zum einen ist aber das Erben doch per se erst einmal eine Verfügung des Erblassers. Dem Erblasser gilt es gerecht zu werden. Im Rahmen der gesetzlichen Regelungen verfügt der Erblasser über die Weiterverwendung seines Vermögens. Wenn jener der Gemeinnützigkeit seines Eigentums durch die entsprechenden Steuern nachgekommen ist, wäre jeder weitere Eingriff eine unlautere Einschränkung seiner Verfügungsgewalt über sein Eigentum. Simpel ausgedrückt: Was maßen wir uns an, den letzten Willen eines rechtschaffenden Bürgers zu hintergehen.

Zum anderen untergräbt es die Familie als subsidiäre Einheit der Gesellschaft. Die eigenverantwortliche Zukunftsvorsorge wird konterkariert. Eigentlich sollten wir doch froh sein, wenn sich Mitbürger nicht nur um sich selbst kümmern, sondern auch durch Leistung und Verzicht vorsorgen, dass ihre Nachkommen nicht dem Gemeinwesen zur Last fallen. Gerade wenn der Nachlass durch Konsumverzicht – wie vielfach geschehen – mühsam zusammengefügt wurde, dann ist es geradezu unmoralisch, Hand an diese Vermögen zu legen. Egal wie groß sie geworden sind.

Recht will ich der Julia Friedrichs abschließend ausdrücklich geben, wenn sie in der Vermögensbildung zu Lebzeiten eine Unwucht zwischen der Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit und Konsum einerseits und andererseits den Erträgen aus Kapital beklagt. Hier kann man nun wirklich von ungerecht sprechen – leistungsungerecht. Die gegebene Bevorzugung vom passiven Geld-Geben im Verhältnis zum aktiven Schaffen wird von unserem herrschenden Wertesystem nicht gedeckt. Die Schwierigkeiten der Einbringlichkeit dürfen hier nicht als Feigenblatt dienen. So wird die Moral der bürokratischen Disposition geopfert. Mehr ethische Konsequenz bei der einheitlichen Einkommensbelastung würde uns das nicht zu gerechtfertigende Streiten über das Erben ersparen.

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  • Gunter Grigo

    Hier wird aber mal wieder ziemlich dick aufgetragen.

    “Noch nie wurden deutsche Unternehmer mit so vielen arbeitsrechtlichen Bestimmungen gegängelt. Ungerecht.” Auf Nichtumsetzung von Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung erfolgt eben Zwang – was ist daran ungerecht, wenn man Unternehmen zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung (= Freiheit) zwingen muss – das ist eher traurig und nicht gerade vertrauenserweckend.

    “dass ihre Nachkommen nicht dem Gemeinwesen zur Last fallen”, es geht um Erbschaftssteuer nicht um´s Enterben.

    Der Staat benötigt zunehmend Geld, was er zugegebener Massen eben teilweise auch leider verschwendet, weil die Anforderungen an ihn stetig steigen. Dies kann er sich nur dort holen wo es welches gibt, also auch bei den Erben. Das mag zwar nicht “gerecht” erscheinen, ist aber gerechtfertigt.

  • Ich habe mehr als eine Frage an den Autor.
    Ist es gerecht, wenn ich auf 50 tausend Euro Jahreseinkommen höhere Steuern zahlen muss, als auf 50 tausen Euro Erbschaft. Beides stellt ein Einkommen dar. In einem Fall arbeite ich dafür, im anderen erhalte ich es leistungslos. Die Bedingung, dass ich Erben darf ist gesetzlich geregelt. Die Aussage

    “Zum einen ist aber das Erben doch per se erst einmal eine Verfügung des Erblassers”

    ist insofern falsch, als das wir als Gesellschaft das Erben erlauben. So wie während des Feudalismus die göttliche Gnade den Titel und das Land legitimierte, legitimiert es jetzt der Rechtsstaat und die Bevölkerung. D.h. die Frage ist nicht ob man Erben besteuern darf oder nicht. Die Frage ist wie viel wir den Erben zugestehen wollen.
    Vor allem bei den wirtschaftsliberalen Vorkämpfern wird von Leistungsgerechtigkeit gesprochen. Wie kann man davon reden und gleichzeitig irgendein Erbe zulassen? Wenn nur Leistung zählen darf, dann müssen alle gleich starten und danach darf es beliebig auseinander laufen.

    Interessant ist, wenn ein neoliberaler Schreiber nicht mehr weiter weiß, werden keine Argumente, sondern die Moral vorgeholt.

    “Was maßen wir uns an, den letzten Willen eines rechtschaffenden Bürgers zu hintergehen.”
    Der Tote wird sich nicht beschweren. Die Frage ist, wem schadet man mehr durch eine Steuer, einem Lebenden oder Toten?

    Am Rest ist sehr viel falsch.
    “Zum anderen untergräbt es die Familie als subsidiäre Einheit der
    Gesellschaft. ”
    Wer nicht vererben kann, unterstütz also seine Kinder nicht?!

    “Die eigenverantwortliche Zukunftsvorsorge wird
    konterkariert. Eigentlich sollten wir doch froh sein, wenn sich
    Mitbürger nicht nur um sich selbst kümmern, sondern auch durch Leistung
    und Verzicht vorsorgen, dass ihre Nachkommen nicht dem Gemeinwesen zur
    Last fallen.”
    Genau diese Annahme ist eben falsch. Reiche Menschen fallen dem Gemeinweisen zur Last. Sie leben von ihrem Vermögen (Zinsen). Wer produziert die Güter von denen sie leben? Das tun sie nicht selbst. Sie nehmen Ressourcen in Anspruch,.

    “Gerade wenn der Nachlass durch Konsumverzicht – wie
    vielfach geschehen – mühsam zusammengefügt wurde, dann ist es geradezu
    unmoralisch, Hand an diese Vermögen zu legen. ”
    Ist es nicht. Moral wird gesellschaftlich definiert. Folglich kann eine Gesellschaft auch sagen, dass Erben unmoralisch ist. Schließlich gibt man einer Minderheit einen Vorteil über die Mehrheit. Nach dieser Argumentation wäre der Feudalismus ebenso moralisch richtig. Eine kleine Gruppe lässt sich durch die Mehrheit versorgen, da es ein Recht gibt welches ihnen dies zusagt.

  • Gerd Maas

    @dan_chris:disqus: Tatsächlich finde ich, die Antworten auf Ihre Fragen stehen alle bereits in meinem Text. Mir scheint allerdings, wir haben zwei grundsätzlich verschiedene Perspektiven – für mich ist Gesellschaft ein von Einzelnen getragenes Gemeinwesen und nicht umgekehrt, der Einzelne Untertan der Gesellschaft. – Und: Umso freiheitlicher eine Gesellschaft organisiert ist, umso mehr ethische Auseinandersetzung ist erforderlich. Es fehlen ja dann die staatsideologischen Glaubenssätze. Sie müssen sich also nicht wundern, dass so ein böser Neoliberaler wie ich über Moral nachdenkt.
    @guntergrigo:disqus: Zum einen tragen die rund dreieinhalb Millionen Unternehmer bereits sehr bereitwillig das Gros der gesellschaftlichen Verantwortung (von den Arbeitsplätzen bis zum regionalen ehrenamtlichen Engagement) und zum anderen meine ich, dass weniger Bürokratie und staatliche Gängelung, noch viel mehr gemeinnützige Potenziale erschließen würden.

  • Gerd Maas

    Noch eine Ergänzung aus F. A. Hayeks “Verfassung der Freiheit” (besten Dank an Prof. Habermann für den Denkanstoß). Neben der über Generationen kulturschaffenden Wirkung von Familien, die sich nicht sinnvoll auf immaterielle Überlieferungen und Vererbungen beschränken lässt, merkt Hayek an: ” Es gibt noch eine andere Überlegung, die, wenn sie auch etwas zynisch erscheinen mag, nahelegt, daß wir die Vererbung von Vermögen nicht ausschließen sollten, wenn wir von der natürlichen Parteilichkeit der Eltern für ihre Kinder den besten Gebrauch machen wollen. Unter all den verschiedenen Methoden, mit denen die Erfolgreichen und Einflußreichen für das materielle Wohl ihrer Kinder vorsorgen können, ist die Vererbung von Vermögen bei weitem die billigste. Wo diese Möglichkeit nicht besteht, werden solche Personen andere Wege suchen, z. B. sie in Stellung bringen, die ihnen dasselbe Einkommen und Prestige sichern, das ihnen ein Vermögen gesichert hätte; und das würde zu einer Verschwendung von Mitteln führen und eine Ungerechtigkeit darstellen, die viel größer ist als Vererbung von Vermögen. Das ist in allen Gesellschaften der Fall, in denen es keine Vermögensvererbung gibt, die kommunistische nicht ausgenommen.” (6. Kap., 4.) Ich sehe nicht, dass der Mensch seit den Sechzigerjahren dahingehend “besser” geworden wäre. Bei einem realistischen Blick auf die menschliche Gesellschaft ist also auch heute dieses Argument in Erwägung zu ziehen.

  • Gunter Grigo

    Wozu Hayek? Niemand will die Menschen komplett um ihr Erbe bringen. Es ging doch um die Erbschaftssteuer, oder?

  • Gerd Maas

    Julia Friedrichs geht es darum, Erben generell als ungerecht zu diskreditieren.

  • Gunter Grigo

    Es ist offensichtlich immer noch en vogue, aus Unternehmertum und Ehrenamt das Recht auf Steuerfreiheit ab zu leiten. Dass aber das Groß der Arbeiter mit ebenfalls ehrenamtlichen Tätigleiten mindestens ebenso, aber definitiv klagloser zum Allgemeinwohl und Steueraufkommen beitragen macht dieses Gejammere hier auf hohem Niveau umso peinlicher.
    Die Annehmlichkeiten der amerkanischen Wirtschaftliberalität hat man hier gerne ankommen, die damit verbundene “Charity-Mentalität” ist jedoch jenseits des Atlantiks verblieben. Zudem fühle ich mich in der Fürsorge des Staates besser aufgehoben, als in der eines wohlmeinenden Reichens. Ich käme mir minderwertig vor, wenn ich in einer hilflosen Lebenssituation auf Almosen angewiesen wäre.

  • Gunter Grigo

    Sie ist schon etwas hysterisch, oder?

  • Gerd Maas

    Jetzt geht’s aber arg durcheinander: Keiner jammert und es ging zuletzt um Bürokratie und staatliche Gängelung von Unternehmertum, nicht dass Unternehmer sich nicht angemessen am Steueraufkommen beteiligen wollen (wobei man an anderer Stelle durchaus mal nachfragen könnte, welchen Sinn es macht, thesaurierte Gewinne versteuern zu müssen). – Was die gesellschaftliche Verantwortung betrifft, ist meine Erfahrung eine andere: Ich meine, dass Unternehmer insgesamt deutlich mehr öffentliche Verantwortung übernehmen als der Durchschnitt. – Und schließlich: Auch einer Plutokratie hat hier niemand das Wort geredet. Ich bin aber überzeugt, dass, wenn der Staat sich mehr auf saubere Ordnungspolitik konzentrieren würde – statt Absurditäten von Arbeitsrecht bis Arbeitsstättenverordnung stetig zu vertiefen – letztlich mehr für die Gesellschaft gewonnen wäre, als durch eine Erbschaftsteuer.

  • “für mich ist Gesellschaft ein von Einzelnen getragenes Gemeinwesen”
    Ich sehe keinen Widerspruch. Einzelne Personen organisieren sich in einem Gemeinwesen. Dort leben sie unter einem Konsens –> Staat, Gesetze oder Moral.

    “Umso freiheitlicher eine Gesellschaft organisiert ist, umso mehr
    ethische Auseinandersetzung ist erforderlich.”
    Mich stört, dass Freiheit immer mit wirtschaftlicher Freiheit definiert wird. Wenn man Reichtum nicht begrenzt, dann schränkt er automatisch die Freiheit aller anderen ein. D.h. je konzentrierter und verfestigter die Vermögen sind, desto unfreier wird eine Gesellschaft; Stichwort Feudalismus.

    Ethik und Moral ist eine gute Sache. Allerdings werden diese Dinge allzuoft ausgehebelt. Beispiel: Wenn bestimmte Unternehmen moralisch vernünftige Löhne zahlen und ihre Mitarbeiter nicht ausbeuten, können diese Unternehmen durch ausbeuter verdrängt werden. Mit Moral hat das nichts zu tun, sondern mit dem Zwang Gewinne zu erwirtschaften. D.h. es werden immer Gesetze benötigt die einen Rahmen vorgeben.

    “Sie müssen sich also nicht wundern, dass so ein böser Neoliberaler wie ich über Moral nachdenkt.”
    Leider kann sich Moral wandeln und ist keine definierte Größe auf die man sich verlassen kann. Es ist unmoralisch, wenn Menschen hungern und nebenan wird Essen für den Export produziert. Es ist ebenso unmoralisch Wanderarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen wie Sklaven arbeiten zu lassen. Trotzdem passiert es.

    Auf Moral zu pochen macht das Leben einfach. Man braucht ja nichts ändern. Mit Moral wird die Überwachung der NSA ebenso legitimiert wie die Kritik daran (und zwar mit den gleichen moralischen Werten “Verteidigung der Freiheit”).

  • Gunter Grigo

    Darf man davon ausgehen, dass Arbeitsrecht und Arbeitsstättenverordnungen eher dem Arbeitnehmer (dessen Schutz) dienen, anstatt dem Arbeitgeber? Ich würde auch nicht von Vertiefung, sondern von Anpassung reden. Wo ist unsere Ordnungspolitik denn unsauber? Dass sie Ihnen zu weit geht habe ich längst verstanden.

    Bzgl. der gesellschaftlichen Verantwortung bezweifle ich ihre Erfahrung. Die Prozentzahl innerhalb der jeweiligen Gruppen (Unternhmer – Rest der Bevölkerung) dürfte tatsächlich zugunsten der Unternehmer ausfallen, insgesamt wird das Ehrenamt jedoch überwiegend von der “normalen” Bevölkerung ausgefüllt – dies jedoch ohne daraus irgendeinen Anspruch für sich zu formulieren. Und allein das ist ein “feiner” Unterschied.

  • “Zum einen tragen die rund dreieinhalb Millionen Unternehmer bereits sehr
    bereitwillig das Gros der gesellschaftlichen Verantwortung “(von den
    Arbeitsplätzen bis zum regionalen ehrenamtlichen Engagement)””

    Woran machen sie das Gros denn fest? Sie unterschlagen den Rest der Bevölkerung. Diese haben vielleicht kein eigenes Unternehmen. Sie sorgen aber dafür, dass die Unternehmen laufen, das Recht und Gesetz eingehalten werden, das Kultur existiert, das Menschen ausgebildet werden, das ehrenamtliche Vereine existieren und funktionieren und vieles mehr.
    Natürlich Engagieren sich Unternehmer.

    Allerdings ließt es sich so, also ob es eine Gnade des Unternehmers wäre, dass er andere für sich arbeiten lässt. Er gewinnt dabei auch etwas, sonst würde er es eben nicht tun. Unternehmer sind ein Teil der arbeitsteiligen Gesellschaft in der wir leben. Sie gehören dazu und sind nicht besser oder schlechter zu werten als alle anderen auch. Sie tragen vielleicht ein höheres Risiko. Dafür bekommen sie aber auch etwas, sonst würden sie es nicht tun.

    “und zum anderen meine ich, dass weniger Bürokratie und staatliche Gängelung,
    noch viel mehr gemeinnützige Potenziale erschließen würden.”

    Wer definiert was zu viel Bürokratie und Gängelung ist? Ich denke Unternehmer sind da schlecht geeignet. Das sieht man daran, dass die Unternehmerverbände das Dokumentieren der Arbeitsstunden im Rahmen der Mindestlohngesetze für eine Zumutung halten. Wieso aus einem Abbau von Bürokratie gemeinnützige Potenziale entstehen ist mir nicht klar. Niemand wird gehindert sein Geld zu spenden, oder ehrenamtlich zu arbeiten. Die Frage ist wieviel Stiftungstum gut für eine Demokratie ist. Einzelpersonen können beliebig ihre Vorlieben fördern. Bestimmte ungeliebte oder unbeachtet Probleme werden nicht angegangen. Wieviele Stiftungen gibt es im Bereich Familienförderung, Armenhilfe, Förderung von normalen aber ärmeren Kindern, etc. Wie viele Stiftungen der Kunst und Kultur stehen dagegen?

  • Hubert Daubmeier

    Annahme 1: “Der Staat benötigt zunehmend Geld”. Jede schwäbische Hausfrau weiß, dass sie – im Regelfall – nicht mehr ausgeben kann als sie einnimmt. Im Fall Griechenland versucht sich die Nation gerade darin die Griechen zum vernünftigen Wirtschaften anzuhalten. Für uns selbst soll das alles nicht gelten?

    Annahme 2: “Dies kann er sich nur dort holen wo es welches gibt, also auch bei den Erben”. Wie ich eben an anderer Stelle geschrieben habe (und wie oben ebenfalls vertreten): Erben muss man aus Sicht des Erblassers sehen. Wenn ich weiß, dass mein Erbe nicht dem Zugute kommt der es wertschätzen kann, dann finde ich Mittel und Wege es dem vorzuenthalten, der es nicht wertschätzt.

  • Hubert Daubmeier

    (wie an anderer Stelle schon geschrieben): Die Annahme “Der
    Tote wird sich nicht beschweren” ist falsch. Wenn absehbar ist, dass mein Erbe nicht
    wertgeschätzt werden wird, dann find ich Mittel und Wege es dem vorzuenthalten,
    der es nicht wertschätzt.

  • Gunter Grigo

    Ad 1: Leider steigen die eben auch Pflichten des Staates – und damit die Ausgaben. Die Verschuldung ist zweifelsohne unverantwortlich. Vielleicht sollten wir auch hier mehr dafür sorgen, dass die Steuern auch gezahlt werden (Amzon, IKEA, Apple etc., Steuerfahnder – viel zu wenige). Geld wäre ja genug da.

    Ad 2: Der Staat/die Gesellschaft würde das Erbe sehr wohl wertschätzen. Er/sie will ja im Moment nur einen Anteil – und das weiss jeder der etwas vererbt. Aber offensichtlich ist selbst das schon zuviel.

    Viele Spenden inzwischen ihr Vermögen – das sind aber überwiegend Amerikaner. Bei uns hat man zwar die unbegrenzten Möglichkeiten/Freiheiten gerne adaptiert, aber das mit der “Charity” dann doch lieber vergessen.

  • Hubert Daubmeier

    Zu 1a: die Kehrseite von Einnahmen erhöhen ist Ausgaben runterfahren. Beide Optionen sind gleichwertig und gleichermaßen valide.

    Zu 1b: Amazon, IKEA, etc ist ein anderes Problem/Thematik.

    Zu 2: Bestätigt meine Vermutung in jeder Hinsicht: niemand schmeißt sein Geld gerne zum Fenster raus. Auch nicht nach dem eigenen Ableben. Die reichen Amis geben es gezielt. Für Projekte die einen Sinn ergeben. Für Leute, die es brauchen. Es dem Staat zum Verprassen zu geben ist die weltfremdeste Idee.

  • Gunter Grigo

    “Es dem Staat zum Verprassen zu geben ist die weltfremdeste Idee.” – “niemand schmeißt sein Geld gerne zum Fenster raus”. Diese Staatsffeindlichkeit geht mir echt auf den Zeiger. Ich finde auch nicht alles richtig und gut was der Staat macht – aber der Staat sind auch wir selbst und wir können Einfluss nehmen.

    Die Selbständigen rechtfertigen immer ihre teilweise bis in´s unwirtschaftliche und sogar in´s kriminelle gehenden Bemühungen ihre “Steuerlast” zu “kürzen” mit der Unfähigkeit des Staates. Sie halten sich einfach für die besseren Menschen.

    Diese Arroganz ist ein Schlag in´s Gesicht für jeden dem seine Steuern gleich vom Gehalt abgezogen werden.

    Ich z.B. bin beides, selbständig und angestellt. Ich zahle meine Steuern gerne, weil wir in einem der reichsten und freiheitlichsten Ländern der Welt leben.

    Jeder von uns hat schon mal den Staat / die Gesellschaft betrogen, aber die Grundhaltung, die hier an den Tag gelegt wird ist mehr als beschämend.

  • Hubert Daubmeier

    Sorry, die aufgesetzte Erregung hilft hier nicht viel weiter. Normalerweise lernen schon kleine Kinder, dass sie mit ihrem Taschengeld haushalten müssen. Setzt sich im Studentenleben fort und erst recht im Berufsleben. In keiner Firma, keiner Familie, keinem Verein gibt es unendliche Budgets (einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel). Warum sollte was für uns alle gilt, nicht auch für den Staat gelten: komm mit dem vorhandenen Budget aus?

    Und ich hoffe der Hinweis auf die Zahlweise der Steuern dient jetzt nicht als schale Begründung dafür dass man dem, der vernünftig in seinem Leben gewirtschaftet hat, sein bereits versteuertes Einkommen problemlos ein zweites Mal versteuern könnte!? “Ich habe schon mal Steuern bezahlt” taugt nicht als Ausrede für unendliche Abzocke. Stirbt ein Mann, erbt die Frau. Peng Steuern blechen. 10 Jahre später geht es an die Kinder. Peng Steuern fällig. Und so kann locker jede Generation alle 30 Jahre das Geld dreimal versteuern und schafft es so auch den letzten Cent durch zu bringen und jeden funktionierenden Betrieb an die Heuschrecken zu verscherbeln!!

  • Gunter Grigo

    Au Mann, die (staatstreuen) Arbeiter gehen voll ab gegen die Abzocke und Ausbeutung der Wirtschaft – die Unternhemer und selbständigen mit derselben Vehemenz gegen den Staat. Da ist keine Seite besser. Wie wär´s denn mit ein bischen mehr Zufriedenheit und Mässigung – auf beiden Seiten? Wie Sie Eingangs anführten – “die aufgesetzte Erregung hilft hier nicht viel weiter”. Bis jetzt haben wir auch die Mehrfachbesteuerung seit Generationen überlebt. Dass wir jedoch unseren Kindern ökologisch und auch okonomisch mehr Zwänge als Freiheiten aufbürden und auf DEREN Kosten leben ist schlichtweg unverantwortlich und der reine Egoismus.
    Hier die notwendige Entlastung herbei zu führen wird wohl niemand freiwillig vorantreiben – am wenigsten wohl die Wirtschaft. Wenn sich der Staat dies zum Ziel setzen würde gäbe es sicherlich wieder 1000 Argumente dagegen. Die Energiewende und auch die Beendigung der Neuverschuldung sind aber auch als solche Massnahmen zu verstehen. Das Schulden wir unseren Kinder einfach!!
    Vielleicht erben die Kinder reicher Eltern lieber eine intakte Welt, als ein umfassendes Vermögen.

  • Hubert Daubmeier

    Kommen Sie mir nicht mit den Kindern. Es reicht der Unfug den wir denen hinterlassen; irgendwann muss mit den “Wohltaten” auch Schluss sein, die sie alle ausbaden müssen. Über Energiewende fang ich gar nicht an mich aufzuregen.

    Was mich dann ab und zu froh stimmt, sind Leute die es besser drauf haben zu beschreiben was das Land braucht. So was zum Beispiel (eine bessere Gründerkultur) http://de.irefeurope.org/Bessere-Rahmenbedingungen-fur-Grundungen,a1049

    Und meine Vermutung, dass Geld weder das erste, noch das einzige Problem in diesem Land ist, ist finde ich hier bestens beschrieben.
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article139174824/Die-neue-Armut-der-Deutschen.html

  • Gunter Grigo

    Danke für die Links: Aber bereits der erste – zu Herrn Lindner versetzt mich in Rage – obwohl ich exakt das Gleiche erlebt habe wie er persönlich – dennoch sieht er es ab einem bestimmten Punkt, wie ein, sorry für den Begriff, Riesenarschloch. Ich glaube an mich und meine Idee und gehe das Risiko ein sie zu verwirklichen. Sie funktioniert aber nicht und ich scheitere. Nun werde ich zum Sozialfall oder ich versuche es anders. Ich bin zwar nicht komplett gescheitert aber ich kann davon auch nicht leben. Herr Lindner ist jedoch komplett gescheitert und in die Politik gegangen, wo er sich nun darüber beklagt, dass – wenn er nicht gescheitert, also erfolgreich gewesen wäre, jetzt Steuern zahlen müsste. Was ist das denn für eine gottverdammte Scheiße!

    Den 2. Link kenne ich schon und habe ihn auch schon kommentiert. Man kann Armut (Grenzwerte für Armut) auch so definieren, dass man sie nirgendwo mehr findet. Umgekehrt kann man Cholesterin, oder PSA-Werte so definieren, dass jeder 3. Cholesterinhemmer und jeder 5. Mann PSA-Inhibitoren benötigt (natürlich nicht rezeptfrei). Also kommen Sie mir nicht mit Definitionen nichtstaatlicher Organisationen. Es war die größte Frechheit von Frau Süssmuth, dass man HIV-Tests bei Blutkonserven den Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumuten wollte, wohl aber die HIV-Infektion, sowie den unweigerlichen Tod von Bedürftigen.

    Ebenso hat die Pharmaindustrie erfolgreich verhindert, dass ein Zytostatikum, das neben Krebs auch gegen die weit berbreitete Makuladegeneration hilft nicht mehr ärztlich verschrieben werden darf, weil sie ein neues – unwesentlich verändertes Produkt des Krebsmittels – zum 50-zig-fachen Preis auf den Markt gebracht haben, das zudem noch privat bezahlt werden musste.

    Sollen wir solche “Freiheiten ” unseren Kindern vererben, ja sie sogar dazu erziehen solche Machenschaften im Sinne einer “Liberaliserung” zu akzeptieren? Doch, Herr Daubmeier, ich komme Ihnen mit “unseren” Kindern.
    Und bzgl. der Energiewende. Wie würden Sie sie denn anders machen/gestalten? Ich bin überzeugt davon, dass ein Manager in der Rolle eines Politikers in weiten Teieln ähnlich, wenn nicht sogar gleichermassen entscheiden würde. Die Politiker habe bzgl. der Deregulierung/Liberalisierung auf die Wirtschaft vertraut – und? Sie pumpen weiter Geld in die Banken, aber die pokern lieber mit der Geldschwemme anstatt sie in die EU-Wirtschaft fließen zu lassen. Das Vertrauen ist verspielt – in die Wirtschaft und in die Politik. Jetzt einzig die Politik dafür zu verurteilen und dafür der Wirtschaft mehr Macht zu zu gestehen wäre völlig abwegig. BEIDE müssen sich GEMEINSAM wieder unser und das gegenseitige Vertrauen erarbeiten.

  • “dann find ich Mittel und Wege es dem vorzuenthalten, der es nicht wertschätzt.”
    Wenn ich keine Erbschaftsteuer zahlen muss wird es ebenso vorenthalten. Ich finde das ein schwaches Argument. Wenn das Erbe vorher verprasst wird, dann ist es auch nicht weg. Es wurde von jemandem konsumiert, bzw. jemand konnte etwas verkaufen.

  • “Was die gesellschaftliche Verantwortung betrifft, ist meine Erfahrung eine andere:”

    Das ist der Punkt. Es ist ihre Erfahrung. Sie sind Unternehmer und engagieren sich. Folglich treffen sie andere Unternehmer die das gleiche tun. Die Menschen die jeden Abend Sportvereine am laufen halten, welche 10% ihres Einkommens spenden, auf die Kinder ihrer Nachbarn aufpassen, treffen sie vielleicht nicht. Jeder leistet etwas nach seinen Möglichkeiten. Es ist statistisch nachgewiesen, dass bezogen auf ihr Einkommen ärmere Menschen deutlich mehr Spenden als Reiche.
    Absolut spendet ein Reicher natürlich mehr. Nur tut es ihm nicht so weh. Ihn dafür hervorzuheben finde ich unnütz. Wenn er spendet ist das gut, mehr aber auch nicht.

  • “Jede schwäbische Hausfrau weiß, dass sie – im Regelfall – nicht mehr ausgeben kann als sie einnimmt.”
    Leider gilt das für Staaten nur für den Außenhandel. Schließlich sind die Ausgaben eines Staates auch gleichzeitig seine Einnahmen. Nicht umsonst gibt es nachweißlich Multiplikatoreneffekte. Diese fallen unterschiedlich aus. In Krisenzeiten bewirkt jeder staatlich eingesetzte Euro eine Erhöhung des Steuereinkommens von mehr als einem Euro. In Boomzeiten kann sich es darunter liegen.

    “es dem vorzuenthalten, der es nicht wertschätzt.”
    Wo ist der Unterschied zu einer Nichtbesteuerung? Was gewinnen wir als Gesellschaft dabei?

  • “Es reicht der Unfug den wir denen hinterlassen; irgendwann muss mit den
    “Wohltaten” auch Schluss sein, die sie alle ausbaden müssen.”

    Mein Problem ist folgendes. Sie beziehen Wohltaten auf Sozialleistungen, etc. Allerdings gehören zu diesen Wohltaten auch Infrastruktur. Erstaunlich ist, dass sie staatliche Schulden nicht an die nächste Generation weiter reichen wollen. Die Vermögen aber schon. Das ist ein Widerspruch. Die Schulden des Staates muss irgendjemand als Vermögen halten. D.h. Wenn Schulden in die nächste Generation übergeben werden, dann passiert das auch mit den Vermögen. Will man die Schulden des Staates reduzieren, so muss man die Vermögen reduzieren. Das ergibt sich aus unserem Geldsystem und der Art wie wir bilanzieren zwingend.

  • Hubert Daubmeier

    Der Lindner beschwert sich – vollkommen zu Recht, wie ich meine – darüber dass, er egal wie es ausgeht (Erfolg oder Mißerfolg) er immer die A-Karte zieht. Das mag für ihn persönlich betrüblich sein; sein Schicksal juckt die Welt aber nicht. Es ist für uns als Gesellschaft kontraproduktiv, weil wir Gründer brauchen und die eher motivieren sollten als sie schon zu verscheuchen.

  • Hubert Daubmeier

    Das ist ein haarsträubender Gedanke: die Schulden löschen sich, sobald jener der den Vertrag unterschrieben hat, von uns geht? Und auf der Basis bauen Sie den Rest der Schlussfolgerungen auf?

  • Gunter Grigo

    Wir haben doch die ganzen Arbeitslosen in die Selbständigkeit gedrängt (Ich-AGs) – mit welchem Erfolg denn? Zudem werde Unternehmengründungen gefördert. Und wie gesagt, wäre das doch wohl auch die Aufgabe von Banken und Investoren – die interessiert das aber einen Sch…. – die zocken lieber woanders.
    Den Sozialstaat und Subventionen ablehnen aber für sich risikofries Handeln fordern. Die Rahmenbedingungen in unserem Land sind bekannt. Wer dennoch scheitert hat eben kein Händchen oder Pech und er wird sogar vom Staat aufgefangen wenn er ganz unten aufschlägt. Dies aus Steuermitteln für die er im Falle

    eines Erfolges keinen Beitrag zu leisten bereit wäre. Das ist eine Ausbeutermentalität höchsten Grades – das sind die schlimmsten Sozialschmarotzer, schlimmer noch als jeder, der sich bewußt in die soziale Hängematte legt.
    Wer Steuern als Strafe für seinen persönlichen Erfolg empfindet ist kein scheues, sondern ein krankes Reh. Ich kann´s nicht mehr hören! Ja, verscheuchen wir solche asozialen Egoisten die nur nehmen wollen, aber nichts geben wollen.

  • Hubert Daubmeier

    Bleiben wir beim Lindner. Seine Aussage ist nicht dass er sich gegen Steuern wendet, sondern gegen die gesellschaftliche Ächtung der Erfolgreichen und die Ignoranz der Nicht-Erfolgreichen.

    Um im Kontext dieser Diskussion zu bleiben: die ganze Vererbungsdiskussion ist Spiegelbild dieser Haltung: der Erfolgreiche darf natürlich seine Steuern zahlen und seine Kinder dann auch nochmal. Um die Nicht-Erfolgreichen schert sich – wie gesagt – niemand. Auch schade.

  • “die Schulden löschen sich, sobald jener der den Vertrag unterschrieben hat, von uns geht?”

    Das schrieb ich nicht. Sie wollen die zukünftige Generation, so habe ich es verstanden, nicht mit weiteren Schulden belasten. Wenn sie das nicht wollen, dann müssen sie Schulden reduzieren. Soll heißen, reduziere ich Schulden, muss ich zwangsweise die Geldvermögen reduzieren.

    Weiterhin schrieb ich, dass neben den Schulden auch Vermögen weiter gereicht werden. Man kann beides nicht unabhängig voneinander betrachten. Wer Staatsschulden kritisiert, muss beantworten wer die Kredite vergibt. Das kann nur die Vermögensseite sein.

  • “Zu 1a: die Kehrseite von Einnahmen erhöhen ist Ausgaben runterfahren. Beide Optionen sind gleichwertig und gleichermaßen valide.”
    Das stimmt für Unternehmen, aber nicht zwangsläufig für eine Volkswirtschaft. Griechenland zeigt das aktuell überdeutlich. Die Ausgaben wurden drastisch reduziert, dadurch sank die Nachfrage und die Steuereinnahmen sanken. Die Schulden sind gestiegen. Deutschland hatte in den 30er Jahren das gleiche Problem.

  • “und seine Kinder dann auch nochmal.”
    Genau wie jeder der ein Einkommen bekommt. Wieso wird man bevorzugt, weil man glücklicherweise in die richtige Familie hineingeboren wurde? Das entspricht nicht der Leistungsgerechtigkeit die immer wieder gepredigt wurde. Ist es gerecht wenn alle 100m um die Wette laufen, aber einige bei 95m landen? Wieviel Risiko werden Erben eingehen? Warum ist eine Kapital = Machtkonzentration etwas wünschenswertes? Warum sollte die Gesellschaft nicht gegensteuern? Moral und Eigentum sind eine schlechte Begründung, da es gesellschaftliche Konstrukte sind, genau wie die gegenteilige Forderung die ich stelle. Ich sage nicht, das Nichts vererbt werden sollte. Eine komplette Freistellung halte ich für falsch und zwar aus sehr vielen Gründen. 2 kurze Punkte.

    1. Vermögen entstehen häufig durch das zerstören von bestehenden Strukturen (neue Technologien, etc.) Die Verluste trägt in aller Regel die Gesellschaft (Rückbau von Industrien, Arbeitslose, etc.)
    2. Staaten garantieren Eigentum und das Erbrecht. Warum sollte das nichts kosten?

  • Gunter Grigo

    Es gibt absolut hochanständige und ehrenwerte Erfolgreiche und es freut mich immer wieder sie zu finden. Mut Schmuh und Hinterfotzigkeit kommt man aber weiter, sofern es Anstand und Moral es eben zulassen. Die Menschen wissen sehr wohl zu differenzieren WIE jemand erfolgreich geworden ist – und wer dies auf anständige Weise ist dem zollt man echten Respekt und Anerkennung.

    Und die Diskussion / Argumentation um die Mehrfachbesteuerung bringt auch beim Erben nichts.

    Machen wir es doch mal auf Ihre Art. Wir lassen alle Steuern fallen und erwarten von den Bürgern einen freiwilligen Obulus an Vater/Mutter Staat. Wie würde das aussehen? Glauben Sie ernsthaft, dass der Staat das erhalten würde, was er benötigt.

    Und gehen wir noch einen Schritt weiter – auf welche Aufgaben müsste/könnte/sollte sich der Staat denn beschränken?

  • Hubert Daubmeier

    Aha – die “anständigen” Erfolgreichen sind ok. Ok im Sinne von die erhalten mindestens Anerkennung, bestenfalls keine Sondersteuer für ihren Erfolg. Die unanständig Erfolgreichen, genauso wie die egal wie anständig Nicht-Erfolgreichen sind nicht ok? Ich habe da eine simple Meinung: wir haben ein Rechtssystem innerhalb dem sich jeder zu bewegen hat. Tut er es nicht muss es Sanktionen geben. Alles andere geht eigentlich niemand was an.

    Freiwillige Steuern sind – egal wie – immer Käse. Selbst jene die gerne behaupten sie würden gerne freiwillig zahlen, tun es am Ende doch nicht. Wenn ich das Problem hätte, dann würde ich es jemand geben vom dem ich weiß der kann es brauchen. Schätze
    da könnten andere ähnlich denken.

    Zur Diskussion was der Staat benötigt mache ich eine spontane Negativliste auf: kein staatliches Glücksspiel. Keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sein Geld für Sportübertragungen ausgibt. Keine verbeamteten Lehrer. Keine staatlich verordneten Arbeitsverbote wie keine Beschäftigung von zwei Geschlechtern, wenn keine zwei Klos da sind. Oder den Mindestlohn, der für
    einige Zwang zur Arbeitslosigkeit bedeutet. Kein staatlichen Betriebe, die Privaten Konkurrenz machen. Einen Zwang zur Effizienz in allen öffentlichen Verwaltungen.

  • Gunter Grigo

    Na, da liegen wir doch garnicht mehr so weit auseinander. Bzgl. der Erfolgreichen habe ich meine Äußerungen auf die von Ihnen in´s Feld geführte gesellschaftliche Akzeptanz bezogen. Ich denke mal die richtet sich insgesamt gegen Unanständige, also Erfolgreiche und Nicht- Erfolgreiche. Man kann auch unanständig reich aber auch unanständig arm sein. Beides im Doppelsinn.

    Und dazu habe ich die Idee, die Sie, ebenso wie den Mindestlohn ablehnen werden, nämlich den Maximallohn. Warum? Ab einem bestimmten Punkt spielt Geld nämlich keine Rolle mehr – sowohl für jenen der zu wenig hat (dann isté eh´schon egal wieviel Schulden man – oder es eh´nie reicht), als auch für den der zu viel davon hat – bei Reichen sind das 45 t €/Monat.
    “Geld kann man nie genug haben” aber es hat darüber (45t/Monat) keinen Einfluss mehr auf´s Befinden. Den Erfolg- und Einflussreichen werden dann Werte wie Erfolg, Einfluss, Ansehen wichtiger als noch mehr Mammon an zu häufen – außerdem vermehrt sich der dann ja auch fast von selbst.

    Bzgl. Ihrer staatlichen Negativliste muss ich Ihnen in allen Punkten – ausser beim Mindestlohn – zu stimmen.
    Er mag vielleicht wirklich einige der Schwächeren in die Arbeitslosigkeit überführen. Demnach haben diese aber davor extrem wenig verdient, bzw. extrem länger gebraucht als andere. Wer sozial ist und kann wird diese mit druchziehen.

  • Axel Sänger

    Herr Maas, das Erben ist ein Sachverhalt, der nicht unbedingt auf dem Hintergrund einer Vorstellung von “Gerechtigkeit” untersucht werden sollte. Ebenso ist es unsinnig dafür einzutreten, dass die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten irgend etwas positiv aussagen könnte. Genau betrachtet ist schon die Notwendigkeit einer Sozialversicherung für arbeitende Menschen ein Merkmal dafür, dass der Ertrag ihrer Arbeit durch andere abgeschöpft wird, während man sie letztendlich auf ein “Sozialsystem” verweist. Wenn das dann auch noch als eine “Errungenschaft gefeiert” wird, muss das Publikum, dem Sie das als “Errungenschaft” anpreisen, und das Ihnen dies glaubt, äußerst dumm sein. Arbeit, wie Sie sie verstehen, ist etwas, was den Arbeiter Zeit seines Lebens “im Uterus fixiert” und ihn erst dann in Ihre Welt gebärt, wenn Sie ihn nicht mehr brauchen. Und in dieser Lebenswelt, die sie ihm vorab zusammengeschustert haben, erwartet ihn ein “Sozialsystem”, das sie ebenfalls konstruiert haben. vorsorglich thematisieren Sie an anderer Stelle schon einmal die Altersarmut, die die “Ausgeworfenen” stigmatisiert. Die so Stigmatisierten werden dann durch die neu eingerichteten “Seniorenbüros” in den Städten bevormundet und ggf. durch Ärzte zielgerichtet “behandelt”. Bei alledem diskutieren sie dann das “Problem”, ob “Erben gerecht” sei. Durch die Produktionsverhältnisse, die die Wirtschaft eingerichtet hat, sind diese instrumentalisierten Arbeitnehmer am Ende Ihres Arbeitslebens zu großen Teilen in die Altersarmut, zuvor aber längst auch schon in ein “Single-Dasein” abgeglitten, weil Armut und Nähe zu den Sozialleistungen nun einmal nicht den familiären Zusammenhalt fördern, den Sie für Ihr Klientel als ein hervorstechendes soziales Merkmal benennen. Möglicherweise habe ich Ihnen – ebenso wie Prof. Habermann – einen Denkanstoß mit meinen Ausführungen gegeben, den Sie in Ihre Reflexionen einbeziehen könnten…

  • Axel Sänger

    Herr Maas, wenn die Unternehmer nach ihrer Darstellung “bereitwillig das Gros der gesellschaftlichen Verantwortung tragen […]”, dann könnte das auch als Ignoranz der Freiheit Anderer gedeutet werden. Stimmen sie mit mir darin überein?

  • Hubert Daubmeier

    Zum Gedanken des Maximallohn muss ich an eine längere (über Monate) Diskussion (in G+) über das BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) denken. Letztlich konnten wir keine für mich irgendwie griffige Problemdefinition, oder das Gegenteil (was wäre besser) erarbeiten. Die prinzipiellen Unterschiede der beiden Denkrichtungen (die einen wollen nur verteilten, natürlich “gerecht” ohne definieren zu können was sie darunter meinen – den anderen [dazu zähle ich mich] geht es auch um die Frage, wo das Geld herkommt) lassen sich damit nicht überbrücken. Oder wir haben es nicht geschafft. Kurzum: braucht viel Zeit und Ergebnis fragwürdig.

  • Gerd Maas

    Der Beitrag ist eine Replik auf Julia Friedrichs, die das Erben als Gerechtigkeitsfrage formuliert hat. Was die Frage der angeblichen Armut betrifft, gestatten Sie den Verweis auf ein anderen Artikel von mir: http://blog.insm.de/8856-schaffen-wir-die-relative-armut-ab/

  • Gerd Maas

    Nein.

  • Axel Sänger

    Herr Maas, “Armut” erkenne ich in der Tat in Bezug auf die Höhe der verfügbaren Geldmittel als relativ an. Andererseits wirkt die Beigabe des Begriffs “Armut” als solche in jedem Kontext, in dem Kategorien wie “Wohlstand” und “Status” hervorgehoben werden, als stigmatisierend für alle die, die aus dem Zusammenhang der marktvermittelten Arbeit in “Sozialsysteme” übergehen. Genau dieser Übergang als eine Differenz befeuert bzw. dynamisiert einen weiteren Arbeitsmarkt, der auf die Beweggründe geht, aus denen heraus solche Sozialsysteme erdacht worden sind. Wenn hier zirkuläre Vorgänge stattfinden, lassen die sich nur durch die grundlegende Frage nach dem Sinn durchbrechen. “Sinn” als solcher ist nur aufzufinden, wo “Sinn” gemeinschaftlich und gleichberechtigt und in Bezug auf zeitliche und inhaltliche Präferenzen aufgefunden werden kann, “Sinn” erfordert also den breiten intersozialen Konsens. Nun steht dem aber der Anspruch der Unternehmer entgegen, dass sie es sind, die “das Gros der sozialen Verantwortung wahrnehmen”. Methodisch ist das inkommensurabel, also miteinander unvereinbar. “Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten”, “wer bietet mehr?…., Herr Maas?

  • Gerd Maas

    Ich rede von keinem Anspruch, sondern von der IST-Situation, die sich gerne ändern darf, wenn sich mehr eigenständig zum Sinn-Suchen und Sinn-Schaffen aufmachen.

  • Axel Sänger

    Das ist – auf den Punkt gebracht – das Thema, Herr Maas. Die Situation der arbeitenden Menschen – und dazu gehören Sie ebenso, wie wir alle, die in irgendeiner Weise arbeiten und nicht nur “von einer wundersamen Geldvermehrung” leben, sind durch die angespannte Situation gerade dieser ewigen Pflichten, der Geldvermehrung anderer zu dienen, nicht zur Muße in der Lage. Was den Menschen bleibt, die in irgendeiner Weise in Produktionsprozesse eingebunden sind, ist lediglich eine Form der “Freizeit”, in der ihnen aber nicht viel anderes einfallen kann, als mit ihrem Geld Formen von “Zeitvertreiben” in Anspruch zu nehmen, wenn sie einmal dem ständigen “Hamsterrad” entwischen wollen. Nun haben Sie sich einfallen lassen, hier in diesem Forum zu diskutieren, und Sie weichen nicht den Argumenten aus, die uns allesamt zu neuem Denken und Handeln anreizen können. Mir zum Beispiel ist es in meiner langjährigen Beobachtung der Entwicklungen aufgefallen, dass Unternehmen auch enorm überfordert sein können, wenn ihnen z.B. die immer noch große Anzahl “Arbeitsloser” mit ständigen Bewerbungsschreiben förmlich “im Nacken sitzt”, nur weil die Arbeitsagenturen den Menschen die unbedingte Pflicht zur Arbeit setzen. Genau beobachtet kann es eine “Vollbeschäftigung” heute nicht mehr geben. Auch das sogenannte “Wirtschaftswunder” zu Zeiten Ludwig Erhards war eine Situation, in der die Reparationsleistungen an die Alliierten mit dem Bemühen der deutschen Unternehmer kumulierten, ihre durch den Zweiten Weltkrieg arg gebeutelten Vermögen zu sanieren. Damals gab es für die Arbeitnehmer, die voll beschäftigt und daher nicht zur Muße in der Lage waren, nur die bunten Kataloge der Versandwarenhäuser, die eine Kaufsucht herbeigeführt haben. Auch diese Kaufsucht – wie jede andere, z.B. Drogen- oder Alkoholsucht, ist ein Fluchtmittel, durch die die Menschen den Mangel an Muße zu ersetzen versuchen. Dadurch, dass dieser Konsum aber Methode hatte, wurde er zum Konsumzwang. Die sozialen Folgekosten für diese Art des Wirtschaftens waren hoch, denn es ergab sich dann die Praxis, dass die Arbeitnehmer das “sich kaputt-malochen” als ehrenhaft und unerläßlich ansahen, was die sozialen Kosten enorm erhöht hat. Im Grunde war schon das ein Entnehmen von Geld aus der einen Hosentasche, um es einfach in die andere Hosentasche zu stecken, wo alles auffindbare Geld einfach als “Zuwachs” bezeichnet wurde.
    Ein solches Wirtschaften wie in dieser Zeit ist heute nicht mehr möglich. Allerdings sind uns durch die postulierte “unbedingte Pflicht zur Arbeit aller” heute auch merkwürdige Entwicklungen beschert, die es genau zu untersuchen gilt.
    Um es ein wenig abzukürzen: Aus meiner Perspektive auf die Dinge halte ich es für ratsam, die Normierung aller Erwerbstätigkeit im Sinne der unbedingten sozialversicherungs-pflichtigen Arbeit auf den Prüfstand zu stellen. Sie wissen natürlich, was ich meine, Herr Maas. Gerade in kleineren Unternehmungen kann es durchaus fruchtbar sein, die alten Gehilfentraditionen wieder zu beleben, nach denen dem bewährten Gehilfen die Teilhaberschaft angeboten wird. Dem steht natürlich die Einbindung in die heute für notwendig erachteten Finanzierungskreisläufe der Unternehmungen entgegen. Im Grunde “kratzt” das alles, was ich hier expliziere auch sehr an den Praktiken der Konzerne, die den mittelständischen Unternehmungen Aufträge zunehmend durch Internetbörsen applizieren. Da ist die Kalkulation des ordentlichen Kaufmanns in vielen Fällen bereits von vornherein unmöglich. Die Frage ist nun, wie wir diese “Schere zugunsten des vorprogrammierten Unglücks” für alle arbeitenden Menschen – einschließlich der mittelständischen Unternehmer – “entschärfen” können. Wenn z.B. ein Handwerksbetrieb einen Industriekaufmann oder einen Technischen Zeichner (beide Inhaber eines Gehilfenbriefes) zu Teilhabern macht, so ist der Druck vollkommen ausgeschaltet, dass diese Gehilfen den Meister verdrängen. Allerdings können sie gewissermaßen als Intellektuelle wissenschaftliche Beiträge zum Wohle des Handwerksunternehmens leisten. Was das im einzelnen sein kann, muss ich an anderer Stelle explizieren, es würde sonst den Rahmen dieses Kommentars erheblich sprengen. Als ersten Hinweis empfehle ich dazu die Lektüre unseres BGB (Bürgerliches Gesetzbuch für alle die, die mit diesem Kürzel spontan nichts verbinden können). Dienstverträge, Anweisungen, Schuldscheine und Sicherungsübereignungen können wirklich selbständigen Industriekaufleuten und Technischen Zeichnern die Fantasie beflügeln, was für die Unternehmung ein Glücksfall wäre, weil der Meister als einzelne Person diese Bereiche nicht allesamt mit der unmittelbaren Produktion zur gleichen Zeit bewältigen kann. In diesem Zusammenhang wird dann auch wieder die Muße wichtig, denn die Gehilfen, die zu Teilhabern oder wirklich einen freien Beruf Ausübenden werden, brauchen das freie Denken, statt sich “kaputt zu malochen” und ansonsten nichts als ihre eigene Gesundheit zum Gegenstand der “Bearbeitung” zu degradieren.
    Bei alledem ist es notwendig, dass wir alle uns in dem Sinne solidarisieren, dass nicht das “Wachstum”, sondern der Qualitätszuwachs in unseren Arbeitsstrukturen uns mehr dient. Auch der kurzfristig erheischte wirtschaftliche (bloße Geldeinnahmen) Erfolg, der sich nur in die Ausübung eines erneuten Konsumzwangs ergießt, ist für alle wenig zielführend. Unser aller Lebensarbeit – so meine ich – ist zu schade dazu, dass wir sie nur darauf eingrenzen. Das BGB ist eine gesunde erste Quelle der Erkenntnis für alle, die miteinander neue und sinnerfüllte Wege gehen wollen. Ich denke, wir sollten darüber allesamt mehr miteinander diskutieren. Es ist wenig hilfreich, wenn sich alle Beteiligten durch Dritte polarisieren und instru-mentalisieren lassen.

  • Gerd Maas

    Ach, von “Kaputt-Malochen” kann doch hier und heute nirgends die Rede sein. Wir arbeiten so wenig, wie nie zuvor. Da wäre genug Raum für Muße. Und Konsum ist allemal noch eine Frage der Bedürfnisse und nicht des Systems. Genauso wie Verantwortung eine Frage der Bereitschaft und nicht der Übertragung ist. Wer bereit ist Verantwortung zu übernehmen, kann das in Demokratie und Marktwirtschaft umgehend machen. Und dann kann er sich einsetzen für geeignete Rahmenbedingungen für nachhaltige Wirtschaften. Im gegebenen Baukasten wäre schon alles drin, man muss es nur auch nutzen wollen. Und da liegt der Hund begraben: zu viel Müßiggang, nicht zu wenig Muße.

  • Axel Sänger

    Eigentlich eher kein “Müßiggang”, sondern pure Orientierungslosigkeit. In der Tat hilft es wenig, über “mächtige Interessenten” zu berichten, wenn die “weniger Mächtigen” kein eigenes Interesse formulieren wollen oder können. Leider beginnt das schon in den Schulen. “Kaputt-Malochen” wird gern als ein Scheinargument angeführt. In der Tat machen gewisse Arbeiten Menschen auf Dauer krank. Das ist nicht zu leugnen. Aber vieles wird auch durch sinnlose Gier befeuert und entspringt letztlich der Tatsache, dass sehr viele Menschen, wenn sie überhaupt etwas als einen Gegenstand außerhalb ihrer selbst denken, die eigene Gesundheit zu diesem Gegenstand machen. Der Arzt liefert die Diagnose als Argument dazu, so dass es überflüssig ist, dieses Argument selbst zu erdenken.
    Es ist eine Zeiterscheinung, dass viele gewissermaßen “ihr Segel nicht am Wind” haben, was die Reflexion der Entwicklungen betrifft. Das ist schade, denn auf diese Weise wird es unmöglich, z.B. die Möglichkeiten des BGB und andere gewissenhaft für die eigene Situation zu bedenken. Das hat aber zum Teil auch damit zu tun, dass lange Zeit und über viele Generationen die “abhängige” Arbeit die Möglichkeit des Denkens verstellt hat. Mir fällt übrigens auf, dass plötzlich keine Diskussionsbeiträge eingestellt werden, die sich auf unseren Dialog beziehen. Der ist doch offen für alle, die mitwirken wollen.