Diejenigen, die mit Blick auf die Finanzkrise voreilig von Licht am Ende des Tunnels gesprochen haben, müssen nun feststellen, dass das in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug war. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

42 Ordnungspolitik

Wirtschaftsliberale in die Politik! – Oder: Warum es gut ist, dass Ludwig Erhard kein Unternehmer wurde

So lange sich Unternehmer und Wirtschaftsliberale nicht stärker in der Gesellschaft engagieren, wird sich der politische Trend der Regulierung und Umverteilung nicht ändern. Ein Aufruf.   (mehr …)

Für Wirtschaftsliberale geht nichts über den Unternehmer. Er wird – oft zu Recht – als Quell aller Innovation und Wertschöpfung gefeiert. Er ist der Pin-up-Boy der Marktwirtschaftler. Die Berufe Politiker, Verwaltungsbeamter, Lehrer und öffentlich-rechtlicher Journalist werden von Wirtschaftsliberalen dagegen weniger geschätzt.

Für viele der ökologisch-sozial gesinnten Mitbürger stellt sich die Lage anders da: Für sie sind Unternehmer nicht die Wertschöpfer, sondern eher das Übel unserer Zeit. Sie würden Menschen ausbeuten, die Umwelt verschmutzen und gefährliche, ungesunde oder zumindest unnütze Produkte produzieren, wo immer ihnen fehlende Regulierung Platz dafür lässt. Bewundernswert seien dagegen Menschen, denen es nicht um die Geldvermehrung, sondern um die Geldverteilung gehe.

Während sich die Unternehmer mit ihren Mitarbeitern den Kopf zerbrechen, wie sie ihre Produkte verbessern und vermarkten können, machen “grüne” Journalisten mit Artikeln und Reportagen Meinung, sichern sich umverteilungsaffine Politiker Mehrheiten, bringen sozialbewegte Lehrer Schüler frühzeitig auf Linie, mobilisieren und demonstrieren antikapitalistische Aktivisten medienwirksam und gießen Verwaltungsbeamte politische Vorgaben in Gesetze.

Das Ergebnis: Die einen bestimmen den Zeitgeist, die Meinung und die Politik. Die anderen versuchen, in der Wirtschaft das Beste unter den gegebenen Bedingungen rauszuholen.

Um eine solche Politik und den Zeitgeist zu ändern, müssten Wirtschaftsliberale ihre Scheu überwinden und sich in den Redaktionen, in den Parlamenten, in den Klassenzimmern, auf den Straßen und in den Ministerien für freiheitliche Rahmenbedingungen engagieren.

Die frei gewordenen Plätze in den Vorstandsetagen, Werkshallen und Forschungslabors würden sich wieder füllen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, gibt es immer auch findige und geschäftstüchtige Menschen, die die unternehmerischen Freiheiten zu nutzen wissen. Welche politische Einstellung diese Menschen haben, spielt für ihre wohlstandsstiftende Arbeit – anders als bei den Meinungsmachern – keine Rolle.

Bei aller Frustration: Es lohnt sich als Freiheitsfreund, Gleichgesinnte nicht nur für das Unternehmertum, sondern auch für die Politik, den Journalismus oder die Verwaltung zu begeistern. Wer weiß, ob es das deutsche Wirtschaftswunder so gegeben hätte, wäre Ludwig Erhard wie sein Vater Textilwarenhändler geworden.

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  • Autor

    Dr. Nils Hesse

    ist Volkswirt und Politologe, lebt in Berlin und arbeitet als wirtschaftspolitischer Referent.

    Alle Beiträge

  • Jans vom Eck

    Super Artikel. Es freut mich sehr, dass man im Internet noch vereinzelt auf Menschen trifft, die ihre Stimme gegen den Kontrollwahn und die Hetzerei der “Umverteilungsfanatiker” erheben. Die Politik braucht bürgerliche Liberale, die der breiten Masse, der Mitte der Gesellschaft vermitteln, dass Wirtschaftsliberalismus der gesamten Nation zu Wohlstand und Fortschritt verhilft. Sonst wird die BRD in wenigen Jahren ihre herausragende Position im internationalen Wettbewerb an schnell wachsende Schwellenländer verlieren.

  • Ralph-M. Weiss

    Mindestens ein feines Gespür für Satire kann man dem Autor nicht absprechen: “Die einen bestimmen den Zeitgeist,… Die anderen versuchen, in der Wirtschaft das Beste …rauszu-holen.” In der Tat holen viele namhafte Wirtschaftsführer der BRD, daß Beste heraus – für sich !! Z.B. IBH-Chef H.D.Esch (Untreue, Betrug, 6,5 Jahre Haft), z.B. Thomas Middelhoff
    (Untreue, Steuerhinterziehung, 3 Jahre Haft), z.B. Bernhard Tapie (Untreue, 2 Jahre Haft), Niels Stolberg (Verdacht auf schweren Betrug), z.B. Flow-Tex Schmieder (Betrug, 11,5 Jahre Haft) u.v.a.m….

  • Hubert Daubmeier

    Die 10 Gebote wurden geschaffen, weil man irgendwann realisierte dass der Mensch ein Sünder sein kann. Insofern hilft der Hinweis es habe schon mal einen Sünder gegeben nicht weiter wenn er bedeuten sollte das alle Menschen nun die Hände in den Schoss legen sollten um weitere Sünden zu vermeiden.

  • Ralph-M. Weiss

    Diese Aussage zu den 10 Geboten ist ebenso fundiert, wie die statements von Dr. Nils Hesse zum Unternehmertum. Professionelle Hilfe, oder wenigstens autodidaktische Fortbildung, könnte weiterhelfen ;)

  • Pingback: Wirtschaftsliberale in die Politik! – Ein Aufruf » Ludwig Erhard Stiftung()

  • “machen “grüne” Journalisten mit Artikeln und Reportagen
    Meinung, sichern sich umverteilungsaffine Politiker Mehrheiten”

    Und? Was ist an Aktivisten so schlecht? Was ist generell an Umverteilung und Umweltschutz schlecht?

    “Das Ergebnis: Die einen bestimmen den Zeitgeist, die Meinung und die Politik. Die anderen versuchen, in der Wirtschaft das Beste unter den gegebenen Bedingungen rauszuholen.”

    Sie setzen voraus, dass die gegebenen Bedingungen die bestmöglichen darstellen. Ich finde das erstaunlich. Nach ihrer Logik dürfen sich die gellschaftlichen Zustände und gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ändern. Die Frage ist warum. Hat mehr Umweltschutz nicht zu sauberer Luft und sauberen Wasser geführt? Hat eine bessere Bildung nicht zu mehr Produktivität geführt? Hat die Möglichkeit eine Unternehmen zu gründen (ja auch das wurde irgendwann einmal erlaubt) nicht zu Wohlstand geführt. Änderungen müssen erlaubt sein.

    “freiheitliche Rahmenbedingungen engagieren.”
    Warum schreiben sie freiheitlich und meinen wirtschaftsfreiheitlich? Freiheitlich heißt für micht, dass ich ohne Not tun und lassen kann was ich will, ohne jemandem zu schaden. Kann ich das, wenn ich arm bin? Sicher nicht. D.h. über Freiheit des Einzelnen kann man die Einschränkung der Unternehmen ebenso argumentieren, wie sie es gegen diese Einschränkung.

    “Die frei gewordenen Plätze in den Vorstandsetagen, Werkshallen und Forschungslabors würden sich wieder füllen.”
    Ist mir neu, dass wir einen Mangel hätten. Die Vorstandsetagen sind gefüllt. Die Löhne in Werkhallen und Laboren sind nicht gerade üppig. Gerade in der Forschung sind Zeitverträge die langfristige Forschung unmöglich machen die Regel. Die Entwicklung ersten Computer haben mehr als 1-3 Jahre gebraucht (eine übliche Laufzeit der Verträge). Sie schreiben davon, dass unternehmerisches Risiko der Quell des Wohlstands ist. Ich halte das für eine eingeschränkte Sicht. Apple kann nur erfolgreich sein, weil Leute sich langfristig mit der Technologieentwicklung beschäftigt haben. Das kann ein Unternehmer nicht leisten. Er nimmt einen attraktiven Ist Zustand und vermarktet ihn. Im besten Fall gewinnen so der Risikofreund (Unternehmer) und der Risikoscheue (Entwickler). Eine Seite hervorzuheben ist in etwa so sinnvoll, wie bei einem Auto Motor über das Fahrwerk oder Lenkrad zu heben. Nur in der Gesamtheit kann es laufen.

  • Gunter Grigo

    “Das Ergebnis: Die einen bestimmen den Zeitgeist, die Meinung und die
    Politik. Die anderen versuchen, in der Wirtschaft das Beste unter den
    gegebenen Bedingungen rauszuholen.” Was ist daran verkehrt? Es ist zumindest besser, als wenn die Wirtschaft den Zeitgeist, die Meinung und die Politik bestimmt – wie in dem Artikel gefordert.

  • Gunter Grigo

    Die Strategie ist also, dass die jetzigen “LEADER” der Wirtschaft, die Posten der sie jetzt gängelnden Jounalisten, Politker etc. übernehmen, oder diese entsprechend beeinflussen (Lobbyismus, Subminierung der Medien). Damit sei dann der Wirtschaft der Weg bereitet um “die unternehmerischen Freiheiten zu nutzen”. Das ist eine klare Kampfansage an freien Journalismuis und Politik die der Gesellschaft dient. Ist das “Mein Kampf” auf neoliberal?

  • Hubert Daubmeier

    Ist das nicht eine überzogen negative Interpretation? Die wohl nur dann funktioniert wenn man annimmt der Unternehmen sei vom Grunde seines Wesens ein räudiger Ausbeuter. Das fällt schon dann in sich zusammen, wenn man sich mal vorstellen mag der Unternehmer kann auch das andere Extrem eines Gründers sein.

  • “der Unternehmen sei vom Grunde seines Wesens ein räudiger Ausbeuter.”
    Da bin ich bei Ihnen. Unternehmer können Ausbeuter sein, müssen aber nicht. Sie können Innovationen und Wohlstand schaffen, müssen aber nicht. Die Frage ist, wie man die positiven Beispiele eines Unternehmers belohnt, sodass sich diese gegen die negativen Auswüchse durchsetzen.

  • Gunter Grigo

    Natürlich ist das überzogen – so wie die Forderungen der INSM eben auch überzogen sind. Dan Chris bringt es auf den Punkt.
    Was halten Sie davon? Wir geben den Banken und Investoren die griechischen Schulden wieder zurück. Was dann kommt überlassen wir den Märkten. Gleichzeitig rufen wir zu Spenden auf, bei denen jede an eine leidende griechische Familie geht und organisieren Privatkredite für gute grichische Geschäftsideen. Nebenher erforscht die EZB bzw. die Bankenaufsicht wie viel von dem verliehenen Geld tatsächlich in die EU-Wirtschaft gegeben werden und knüpft zukünftige Kredite an diese Bedingung. Klar hat sich die EZB im Grunde raus zu halten. Wenn sie sich aber schon mit solch extrem riskanten Verhalten (1,1 Billionen in die Märkte zu Niedrigstzinsen – zweckungebunden!!!) einmischt, dann aber bitte auch zielführend – fördern und fordern.

  • Hubert Daubmeier

    “The purpose of business is business” – weiß nicht von wem es stammt, trifft den Nagel aber ziemlich auf den Kopf. Den Gedanken eines sozial agierenden Unternehmens halte ich bestenfalls für ein neumodisches Hirngespinst, muss aber spontan an Venezuela denken: zu gut gemeint und doch unvorstellbar grottenschlecht.

  • Hubert Daubmeier

    Tut mir leid, damit kann ich nichts anfangen. Ein Unternehmer ist seinen Geldgebern, seinen Kunden und nicht zuletzt seinen Mitarbeitern was schuldig. Wenn er dann noch einer irgendwie gearteten moralischen Instanz was schuldig wäre wird es irgendwann des Guten zu viel.

  • “Wenn er dann noch einer irgendwie gearteten moralischen Instanz was schuldig”
    Das ist nicht was ich meine. Wenn es zum Beispiel einen hohen Mindestlohn gäbe, dann wäre das Interesse eines Arbeitgebers sein Personal zu qualifizieren sehr hoch. Er bräuchte eine hohe Produktivität, um die zusätzlichen Kosten zu kompensieren. Gleichzeitig hätte er ein Interesse daran seine Angestellten an das Unternehmen zu binden. Schließlich hat er die Ausbildung bezahlt. Jeder der das nicht könnte würde in diesem Fall verlieren. D.h. der Rahmen kann den Arbeitgebern mit positiven Eigenschaften für die Allgmeinheit durchaus einen Vorteil geben. Sie müssen sich vor niemandem Verantworten. Die Selektion erledigt den Rest.
    Heutzutage werden im Niedrigstlohnbereich gegenteilige Tendenzen belohnt. Wer die Löhne drückt, unbezahlte Überstunden erzwingen kann hat einen Vorteil.

  • Gunter Grigo

    Eben, weil das business nur sich selbst dient haben insbesonders wirtschaftsliberale “Abgesandte” nichts in Politik, Medien, Schulen verloren.

  • Hubert Daubmeier

    Nette Idee. Geht nur leider total in die falsche Richtung. Und nebenbei mein Hauptkritikpunkt an der ganzen ML Gesetzgebung.

    Erste Annahme: alle Arbeitnehmer sind voll leistungsfähig und leistungswillig (vom Können, Wollen [möglichen Zeitinvestment], Erfordernis [volles Einkommen notwendig], etc.). Das entspricht alles nicht die Realität.

    Zweite Annahme: der Arbeitgeber ist das grundsätzliche Problem. Folglich bräuchte es ein AG Disziplinierungsgesetz. Problem liegt aber dummerweise beim Menschen, sprich auf der AN Seite. Will nicht die ganze Diskussion neu aufrollen. Aber dass diese ganze Gutmeinerei den schwächsten der Gesellschaft das Wasser abgräbt ist haarsträubend.

    NB: Arbeitgeber haben keine Pflichten für die Allgmeinheit (siehe oben).

  • Hubert Daubmeier

    Nein. Wo Sozis wirtschaften geht über kurz oder lang alles den Bauch runter und den Menschen geht es nicht besser, sondern schlechter (im harmlosen Fall – im schlimmen Fall müssen sie mit Mord rechnen). Venezuela, DDR. Oder im kleinen Bremen, Berlin, etc.

  • Gunter Grigo

    Die Meinung sei Ihnen belassen, auch wenn sie sehr pauschal ist. Ich halte mal ebenso pauschal dagegen:

    Wo Wirtschaftsliberale agieren geht es auch den Bach runter, wie gesagt verteilt sich der Wohlstand inzwischen wie im Mittelalter (im schlimmsten Fall müssen Sie mit Volksaufständen rechnen), wie zu Zeiten der Feudalherrschft, Bauernaufstände etc.
    Im Grunde geht es immer um Ausgewogenheit, sowohl bei der Verteilung der Macht, als auch beim Wohlstand. Momentan haben wohl eher das Kapital und die Großkonzerne das Sagen. Teilweise kooperieren ja Politik und Wirtschaft unverantwortlich (s. Griechenland). Insofern sind einseitige Schuldzuweiseungen nicht dienlich. Die Schaffung einseitiger Machtverhältnisse ebenso wenig. Beste Grüße

  • Gunter Grigo

    Verzeihen Sie meine Einmischung, aber wer glaubt “Arbeitgeber haben keine Pflichten für die Allgmeinheit” darf sich nicht wundern wenn der Staat (den die Allgemeinheit nun einmal bildet) die Arbeitgeber mit Regeln, Verordnungen, Gesetzen, Verpflichtungen, Kontrollen, Strafen etc. (zum Schutz von Umwelt, der AN, etc.) belegt. Er hat den Staat (die Allgemeinheit) mit derlei Dreistigkeit letztlich sogar dazu genötigt. Allein das ist sträflich.

  • Hubert Daubmeier

    Bitte im Kontext lesen. War so nicht gemeint.

  • Hubert Daubmeier

    Ich habe meine Antwort dazu wieder gelöscht. Das bringt uns so nicht weiter. Also lassen wir es mal gut sein.

  • Gustav_Obermeyer

    Das ungute Gefühl der Manipulation durch Meinungsmacher, die Zeit dafür haben, weil sie nichts leisten, habe ich schon lange. Aber wo ist die wirtschaftsliberale Partei? Erst wenn das letzte Unternehmen die Segel streicht, werden diese Typen merken, dass man Bäume nicht essen kann.

  • Wer beurteilt die Leistungsfähigkeit eines Menschen? Welches Teil in einem Auto leistet mehr? Das linke vordere Rad oder das rechte hintere. Sie können Leistung nicht messen. Wie wollen sie es also objektiv bewerten.
    Wenn man weiterhin über Leistung argumentiert, dann sollte man alle höheren Einkommen an der Spitze deutlich hinterfragen. Niemals bringt ein Manager das 100fache an Leistung. Vor allem, wenn er vor 40 Jahren diese scheinbar noch nicht gebracht hat. Die Produktivität in diesem Bereich ist eher nicht so stark gestiegen wie durch die Automatisierung in der Fertigung. Leistung ist kein wirkliches Argument, um Löhne zu argumentieren.

    Mindestlohn:
    Diese können festgelegt werden. Auflagen für den Umweltschutz werden ebenso festgelegt. Ich sehe da kein Problem. Unternehmen deren Innovationskraft daraus bestand Löhne zu drücken, sind nicht überlebensfähig. Unternehmen die innovativ und produktiv sind schaffen es. In den USA sind die Städte mit den höchsten Mindestlöhnen diejenigen denen es sehr gut geht (Seatle zum Beispiel). Das Problem vieler Unternehmer ist, dass sie ihre betriebswirtschaftliche Sicht auf die Volkswirtschaft ausweiten. Das funktioniert aber nicht. Das Modell ist dort nicht gültig. Die Summe der Zellen in einem Körper verhält sich eben auch anders als eine einzelne Zelle.

    “der Arbeitgeber ist das grundsätzliche Problem. Folglich bräuchte es ein AG Disziplinierungsgesetz.”

    Es hat etwas mit Macht zu tun. Ein Arbeitgeber hat in der Regeln mehr Macht zur Verfügung als ein Arbeitnehmer. Somit muss er vor Missbrauch geschützt werden.

    “NB: Arbeitgeber haben keine Pflichten für die Allgmeinheit”
    Doch haben sie. Sie haben sich an die Gesetze zu halten und Steuern zu zahlen.

  • Frank Höhnisch

    Wir haben bzw. hatten ja mal eine solche “liberale” Partei, die ihre Chance in der letzten schwarz-gelben Koalition hatte. Sie konnte ihre Gestaltungsmöglichkeiten nicht nutzen, was nicht alleine an unseren rot-grünen Meinungsmachern in den Medien, Schulen und Universitäten liegt.

    Konkrete liberale Wirtschaftspolitik hieße nämlich grob formuliert: Mehr arbeiten bei gleichen Lohn; höhere Zuzahlung bei medizinischen Leistungen; U.u. Abschaffung wirkungsloser “sozialer” Leistungen wie Kindergeld; Erhöhung des Renteneintrittsalters; etc. Das alles ist wie Sport und gesunde Ernährung: Es ist vernünftig, aber ist und bleibt unpopulär.

    Wer das nicht glaubt, dem möchte ich an die letzte Gesundheitsreform und die zehn Euro Praxisgebühr erinnern. Der Volkszorn kochte total über und der Hass auf die gesamte politische Kaste wuchs ins Unermessliche. Was wäre wohl passiert, wenn man statt dieser Flickschusterei eine richtig tiefgreifende Reform des Gesundheitswesens durchgeführt hätte? Vielleicht ähnliche Volksaufstände wie in Griechenland?

    Unsere Mutti wusste sehr wohl was ihr blüht, hätte sie die FDP ihr Programm umsetzen lassen. Deshalb blieb alles beim Alten. Linke Politik ist deshalb auch viel populärer, weil sie an unseren inneren Schweinehund appelliert. Sowenig wie möglich arbeiten, soviel wie möglich verdienen und sowenig wie möglich für etwas bezahlen.
    Könnten liberale Meinungsmacher etwas daran ändern?

  • Gunter Grigo

    Können Sie nicht, denn im Grunde wollen Sie genau das Gleiche für sich: So wenig wie möglich arbeiten, so viel wie möglich verdienen und so wenig wie möglich für etwas bezahlen (an der Kasse, oder an Löhnen). Das wollen nämlich ALLE Menschen, nicht nur “LINKE”.
    Der Unterschied ist nur, dass liberale dabei möglichts ungestört / unreglementiert agieren wollen. Also staatliche Eingriffe bzgl. Umwelt-, Arbeits-, Verbraucherschutz etc. als “Bevormundung” ablehnen. Freiwillig auch hierfür Verantwortung zu übernehmen sind sie jedoch nicht bereit, wie die Vergangenheit/Realität leider zeigt.

  • Hubert Daubmeier

    Das ist doch grobe Unlogik. Nach der Theorie würden Linke (die genau wie alle anderen arbeiten/verdienen/bezahlen wollen) für Umwelt-, Arbeits-, Verbraucherschutz etc. sorgen und alle anderen nicht. Tatsächlich haben die – wie sie ja selbst sagen – auch nur den eigenen Vorteil im Sinn. Und für die Gesellschaft als ganzes, genauso wie für den Einzelnen, bringt der ganze Käse rein gar nichts. Thema hatten wir beim Mindestlohn: ein paar werden vielleicht einen Euro mehr kriegen. Aber zu viele werden gar keine Arbeit mehr haben und sozial ausgegrenzt. Lässt sich an eine Unzahl weiterer Beispiele problemlos belegen. Linke und Grüne sind für Bevormundung gut, aber die denken selten von Zwölfe bis Mittag (um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen).

  • “ein paar werden vielleicht einen Euro mehr kriegen. Aber zu viele werden
    gar keine Arbeit mehr haben und sozial ausgegrenzt. Lässt sich an eine
    Unzahl weiterer Beispiele problemlos belegen”

    Belegen und Behaupten sind nicht das Gleiche. Niemand hat nachgewiesen, dass der Mindestlohn zu Entlassungen führt. Es wird immer nur von Interessensgruppen behauptet und mit Hilfe von absurden Wirtschaftsmodellen “belegt”.

    “Und für die Gesellschaft als ganzes, genauso wie für den Einzelnen, bringt der ganze Käse rein gar nichts. ”
    Ich denke das ist die Krux an der ganzen Sache. Wann bringt es der Mehrheit etwas und wann nicht. Wenn die Entlastung der Reichen nachweislich etwas für alle bringt, dann kann man es machen. Allerdings spricht einiges gegen den Trickle Down Effekt. Das Umwelt-, Arbeitsstandards und die Sozialgesetzgebung nicht gebracht hätten bezweifle ich. Man muss nur in Länder schauen wo solche Systeme nicht existieren. Dann wird einem schnell klar was wir gewonnen haben und sei es nur der soziale Friede.

  • Gunter Grigo

    Ah, Hallo Herr Daubmeier – und gleichsam kampfeslustig wie allgemein diffamierend gegen Linke und Grüne. Ihre Deutung der “linken” Theorie dürften Sie ebenso schwerlich belegen können, wie den Verlust von Arbeitsplätzen durch den Mindestlohn (die Arbeit wird durch den Mindestlohn ja nicht weniger, sondern eben nur besser bezahlt und evtl. anders verteilt). Dass es dabei manchen “MINDERLEISTER” negativ trifft sei Ihnen auch hier zu gestanden.

    Wenn Sie Umwelt-, Arbeits- und Verbraucherschutz als nichtsbringenden Käse betrachten, haben Sie wohl gerade ein “Hängerchen” oder sich offenbar in ein seelenloses Monstrum verwandelt.

  • Hubert Daubmeier

    Wollen wir jetzt aufrechnen wessen Aussage mehr diffamierend ist und wessen Antwort Wortverdreherei ist – nee das bringt nichts.

    Aber an den “Minderleistern” störe ich mich schon. Es steht dem Staat und der versammelten Schar an Gutmeinern NICHT zu, darüber zu urteilen wer arbeiten darf und wer nicht. Schon gar nicht in dem pauschalen Umfang wie es bei ML geschieht. Da überzeugt mich auch eine Ausrede von wegen akzeptabler Kollateralschaden oder so ähnlich nicht.

  • Hubert Daubmeier

    Und – wenn also dann in 2, 3 oder 5 Jahren die unwiderlegbaren Beweise auf dem Tisch liegen, wird a) niemand den ML Unfug zurückdrehen und b) war dann natürlich niemand für den ML und Ersatzschuldige werden sich – wie immer – finden lassen. Dann sind es die Bürokraten (ich mag sie auch nicht, aber …) oder Lobbyisten, Spekulanten, Konzerne, Banker (und fragen Sie mich nicht, wie die Unlogik begründet wäre).

  • Gunter Grigo

    Da ist der Wurm drin. Der Staat beurteilt doch nicht wer arbeiten darf und wer nicht. Wenn “Minderleister” (für den Mindestlohn) zu langsam arbeiten, dann obliegt die Entscheidung doch dem Unternehmen sie zu entlassen oder nicht.
    Das Problem tritt doch nur dort auf wo die Arbeitsleistung nicht nach Stunden, sondern nach Stückzahl, Umsatz o.ä. vergütet wurde/wird. Und dann auch nur, wenn die langsamen (= Minderleister) unter den jetzigen Mindestlohn kamen.
    In Bereichen, in denen grundsätzlich nach Stunden gezahlt wird haben wir doch ebenso Minderleister – da wirkt sich das aber nicht auf´s Gehalt aus.
    Waren wir beide nicht schon vor der Frage gestanden ob der Aufwand der leistungsgerechten Vergütung nicht höher sein dürfte als der “Verlust” der durch Minderleistung entsteht? Und ist nicht jeder in schlechteren Phasen auch mal ein Minderleister?
    Man müsste doch auch zwischen ungewollter und beabsichtigter Minderleistung differenzieren. Das ist doch alles Supercontrolling wie wir es jetzt bei den Fitness-Apps sehen. Wenn jetzt neben den Versicherungen auch die Arbeitgeber damit anfangen wollten, wandere ich aus. Denn dann überwachen uns die Unternehmen definitiv stärker als es der Staat jemals tun würde.

  • Hubert Daubmeier

    An dem grundsätzlichen Konflikt kommen wir wohl nicht vorbei. Ihr Stil: der böse Unternehmer entlässt [die bedauernswerten] “Minderleister”. Mein Gedanke: wer sich nicht rechnet wird nicht eingestellt (oder ausgestellt), egal ob die/der schön/nett/sonstwas ist. Einfaches Rechenspiel halt und nix von Machtgehabe oder sonstigen Unterstellungen. Nur Ihr Gedanke läuft dann z.B. schnell gegen die Wand, wenn sie sich anschauen wie Vorzeigelinke wie Parteizentralen, Gewerkschaften u.ä. sich keinen Deut “besser” verhalten.

    Übrigens: schön wenn wir uns mal bei dem einem Gedanken nahe kommen, dass Totalüberwachung nicht so dolle ist.

  • Gunter Grigo

    Für mich sind nicht alle Unternehmer “böse”. Eben nur die, die ihre Mitarbeiter so schlecht bezahlen wollen, dass der Staat “aufstocken” muss und auch die, die ihr unternehmersiches Risiko auf die Mitarbeiter abwälzen (wer sich nicht – mehr- rechnet fliegt) oder auf den Staat (Investorenschutz – auch für entgangene Gewinne).
    Im Grunde ist der ML Notwehr des Staates. Es wird zwar immer auf ihn geschimpft, aber dass die Allgemeinheit Arbeit, die nicht zum Lebensunterhalt reicht aufstockt (subventioniert) wurde gerne und immer extensiver angenommen – Gewerkschaften und öffentlichen Dienst will ich von dieser Kritik garnicht ausnehmen – im Gegenteil! Also Schluss damit – und gut. Wer es mit dem ML nicht kann verschwindet vom Markt – völlig zu Recht.

    Ihr Grundgedanke ist nachvollziehbar, jedoch kurzfristig gedacht und er geht an der aktuellen Realität vorbei, denn das Blatt hat sich gewendet. Im Moment haben nämlich eher die Arbeitnehmer die Auswahl. Vielleicht würden Sie sogar heute wieder einen nehmen (müssen) den Sie einmal rausgeworfen haben – der würde aber bei Ihnen ganz sicher nicht mehr anfangen. Die Menschen merken sich wer “gut” und wer “böse” ist.

    Zur Totalüberwachung noch ein Wort: Die Kunden verkaufen ihrer Versicherung ihre Freiheit, indem sie sich – um Geld zu sparen – freiwillig überwachen lassen. Somit wird Freiheit ein handelbares Gut. Dagegen müsste ein freiheitlicher Staat doch sofort vorgehen, oder soll das der Markt regeln?

  • Gunter Grigo

    ” Manipulation durch Meinungsmacher” – was glauben Sie was INSM ist?

  • Hubert Daubmeier

    Halten wir doch mal die Dinge auseinander. Die Idee des Aufstockens wurde von Schröder und Mannen (m.E. zu Recht) eingeführt. Kann man jetzt lang und breit diskutieren ob man die Leute fürs Arbeiten bezuschusst oder fürs Nichtstun vollfinanziert. Fakt ist aber dass der ML das Aufstocken – wenn überhaupt – dann nur marginal verändert. Während der Gedanke der ML würde Aufstockern verhindern/ablösen einfach nicht aufgeht.

    Zweitens hatten wir den Part ja schon ein paar Mal, dass man den (oder Teile der) Unternehmer als [verbesserungsbedürftiges] Wesen sehen kann. Selbst wenn man das täte, bräuchte es doch ein Unternehmerverbesserungsgesetz und kein (um Ihre Worte zu nehmen) Minderleisterarbeitsverbotsgesetz.

    Insofern ist die Vermutung mit der Notwehr des Staats schlicht hanebüchen: die Schwächsten brauchen keine Notwehr, sondern soziale Anerkennung und eine Arbeit. Sie brauchen keinen [gutmeinenden] Big Brother, sondern praktisch funktionierende Hilfe. An der Situation ändert sich übrigens mit der jeweiligen Konjunktur gar nichts.

  • Gunter Grigo

    Herr Daubmeier – ich geb´s auf. Sie stellen meine Worte anders dar als sie gemeint waren.
    Und Sie wollen den Schwächsten helfen indem Sie ihnen Arbiet anbieten. Gleichzeitig wehren Sie sich dagegen ihnen einen Lohn zu zahlen von dem sie auch leben können. Das darf die Gemeinschaft zuschießen, die Sie nicht zu unterstützen bereit sind. Das ist Minderleistung an der Gesellschaft und auch Schmarotzertum – auf der anderen Seite der Armut. Zum Glück sind nicht alle Unternehmer so, sondern zahlen gerne gut und lassen die Mitarbeiter am Erfolg teilhaben.

    Nicht umsonst wurde die INSM vorhin in der heute-Show so richtig abgewatscht. Dagegen bin ich ja noch harmlos und gnädig.

  • Hubert Daubmeier

    Auf die Gefahr hin, dass ich banalste Zusammenhänge wiederhole. Die Antwort auf “davon leben können” ist seit Schröder Aufstocken. Der ML ist keine Antwort auf “davon leben können”, was sich jeder mit einem Taschenrechner selbst ausrechnen kann. Verstärkend kommt hinzu dass viele auf die das “davon leben können” zutrifft, nicht Vollzeit arbeiten. Zum Doppelverstärker wird es wenn man berücksichtigt, dass viele die vermeintlich “davon leben können” müssten nicht tatsächlich davon leben müssen und trotzdem sozial ausgegrenzt werden.

  • Gunter Grigo

    Eben – selbst der ML reicht nicht um eine Familie zu ernähren. Sie glauben dass niemand vom Mindestlohn leben muss?

  • Hubert Daubmeier

    Ich habe gesagt und wiederhole es gerne: ML hat mit “davon leben können” nichts zu tun.

  • Gunter Grigo

    Das können Sie gerne auch weiterhin behaupten.
    Diejenigen, die dovon leben müssen (auch wenn Sie diese wegleugnen) sehen das sicherlich anders.
    Und warum sollte man jemanden der davon nicht leben muss (weil andere Einkünfte/Teilzeit/Jobs) weiterhin mies bezahlen dürfen? Was ist denn das für eine Argumentation?

    Woran sollte sich die Höhe des ML denn orientieren? An dem was der AG bereit ist zu zahlen?
    Wohl kaum, denn sonst hätten wir den ML jetzt ja wohl nicht.

  • “Und – wenn also dann in 2, 3 oder 5 Jahren die unwiderlegbaren Beweise auf dem Tisch liegen”
    Da kann ich sie beruhigen. Diese unwiderlegbaren Beweise wird es nicht geben. Es gibt viele Länder die haben bereits einen Mindestlohn. Eine endgültige Aussage positiv oder negativ konnte nicht getroffen werden. Woher nehmen sie also die Gewissheit?

  • “Die Idee des Aufstockens wurde von Schröder und Mannen (m.E. zu Recht) eingeführt.”
    Warum soll ich als Steuerzahler Unternehmen über diese Lohnsubvention quersubventionieren? Wenn Unternehmen die Arbeit erledigt haben wollen, dann müssen sie einen Preis zahlen. Wenn der Preis auf ein Niveau festgelegt wird, dass die Menschen davon leben können müssen die Unternehmen damit umgehen. Die Alternative wäre, dass man den potentiellen Arbeitnehmern die Wahlmöglichkeit gibt. Sie erhalten ein Grundeinkommen und können dann wählen ob sie die Arbeit annehmen oder nicht. Nimmt man ihnen die Wahlmöglichkeit und zwingt man sie in jede Arbeit, dann sinken bei hoher Arbeitslosigkeit die Löhne.
    Ich kann ihre Ansichten als Unternehmer verstehen. Allerdings sind Volkswirtschaften anders zu behandeln als Unternehmen.
    Beispiel: Wenn sie im Kino aufstehen, dann sehen sie besser. Würden sie allen raten aufzustehen? Natürlich nicht. Niemand sieht besser und alle haben es unbequemer. Da alle den Mindestlohn zahlen müssen hat niemand einen relativen Nachteil.