Wieso soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat? Angela Merkel, *1954, erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

3 Steuern und Finanzen

Die Erbschaftsteuer verhindert Nachhaltigkeit

Wer Vermögen an kommende Generationen weitergibt, verhält sich vorbildlich. Das sollte nicht bestraft werden. Um Schwache zu unterstützen, bieten andere Instrumente viel bessere Möglichkeiten.

(mehr …)

Wenn es um Stars geht, scheint Ungleichheit allgemein akzeptiert. Sein außergewöhnliches Fußballtalent beschert Lionel Messi ein Jahreseinkommen von über 60 Millionen Euro. Die Sängerin Beyoncé profitiert von ihrer global vermarktbaren Stimme und Hollywoodstar Brad Pitt nicht zuletzt von seinem guten Aussehen. Dass andere das Pech haben, weder gut dribbeln noch singen zu können und auch nicht dem Schönheitsideal entsprechen, liefert keinen Stoff für Gerechtigkeitsdebatten bei „Günther Jauch“.

Das mediale Interesse steigt aber, wenn es um die Chancenungleichheit bei der Weitergabe von Vermögen von der einen an die nächste Generation geht. Da findet der Neid auf die Erbengesellschaft zur besten Sendezeit Platz. Während in den meisten Lebensbereichen niemand etwas gegen die Ungleichheit hat, die es von Geburt an gibt, hält der Staat es für nötig, beim Erben korrigierend einzugreifen.

Doch eine Schwächung der Starken macht die Schwachen nicht stärker. Die Enteignung der Familien durch die Erbschaftsteuer führt deshalb auch nicht zu mehr Wohlstand und Gerechtigkeit. Im Gegenteil. Wer etwas vererbt, verhält sich vorbildlich: Er zehrt nicht alles auf, was ihm zur Verfügung steht, sondern sorgt dafür, dass auch für kommende Generationen noch etwas übrig ist. Das zu bestrafen, ist paradox.

Besteuert werden sollte deshalb nicht die Erbschaft, sondern der Konsum der Erben. Denn Konsumsteuern verteuern den heutigen Genuss, dämpfen damit den Ressourcenverzehr und belohnen eine Zurückhaltung zugunsten künftiger Generationen. Und eine solche Steuer ist gerecht: Wer viel erbt und deshalb mehr ausgeben kann, wird stärker belastet, als diejenigen, die wegen kleinerer Erbschaften weniger zur Verfügung haben.

Weil höhere Konsumsteuern aber besonders stark auch arme Bevölkerungsschichten treffen, die unter Umständen gar nichts erben, müssen diese gleichzeitig bei der Einkommensteuer entlastet oder mit direkten Hilfen unterstützt werden. Das hilft den wirtschaftlich Schwachen deutlich mehr, als eine von Neid getriebene Erhöhung der Erbschaftsteuer.

Lesen Sie die Langfassung dieses Beitrags auf welt.de

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter, abonnieren Sie unseren RSS-Feed oder unseren Newsletter.

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

    Alle Beiträge

  • Diese Argumentation strotzt nur so von Widersprüchen

    Vererben ist nachhaltig, aber die Erben sollen dann viel konsumieren?
    Eine Einkommenssteuer soll den Ausgleich schaffen, aber die Erben mit sehr viel Geld beziehen ihr “Einkommen” aus Kapitalerträgen die wesentlich geringer versteuert sind.

  • Die Annahmen sind falsch: Es ist nicht das Talent eines Lionel Messi, dass zu einem Jahresgehalt von 60 Millionen führt. Ebenso wenig sind es Sang- und Schauspielfähigkeiten. Es sind die staatlich gestützten Eigentumsrechte, beziehungsweise das Gewaltmonopol, dass Menschen mit weniger Talent bewusst einen Anteil vorenthält. Es ist eine Entscheidung der Gesellschaft, ein Vertrag zwischen Herrschenden und Beherrschten, bestimmte Aktivitäten oder/und Fähigkeiten zu privilegieren und andere zu diskriminieren. In der Vergangenheit war dies, zumindest im Westen, ein Erfolgsrezept. Der Staat stellt für alle eine Infrastruktur zur Verfügung, einige profitieren davon besonders. König Zufall spielt eine große Rolle, persönliche Anstrengung auch, wenn auch weniger.

    Die Zeiten ändern sich. Märkte, bei denen der Gewinner alles nimmt, haben ihre Berechtigung, wenn es um etwas wirklich Neues geht. Inzwischen bedeutet dies, dass bis zu 90 % des Wachstums bei den reichsten 1 % verbleiben. Das ist wachstumshemmend. Mehr und mehr Studien, nicht nur von der Gewerkschaft, sondern selbst von der OECD und dem IMF, bestätigen dies. Weiter. 80 % der Werte börsengehandelter Unternehmen sind heute keine Maschinen und Anlagen, sondern Eigentumsrechte, also die staatlich verbrieften Erwartungen über zukünftige Einnahmen. Der diesen Annahmen zugrunde liegende Gesellschaftsvertrag ist nicht in Stein gehauen wie die 10 Gebote. Er kann neuen Realitäten angepasst werden. Dies kann geschehen, wenn politischer Widerstand überwunden wird, der von den Profiteuren gegenwärtiger Regelungen auf Kosten aller ausgeht. Ein Messi würde auch für 8 Millionen oder weniger überragend spielen, auch wenn er dann weniger Geld für juristische Beratung und akademische Bildung hätte. Mit dem eingesparten Geld könnte viele weitere Talente gefunden werden und Fußball wäre interessanter. Es ist ein Abwägung und man kann verschiedene Lösungen finden.

    Vielleicht kann die Diskussion um die Erbschaftssteuer als ein Ringen um das Für und Wider solcher Optionen geführt werden?
    Vielleicht brauchen wir diesmal keinen europäischen Bürgerkrieg 1914 – 1945, um die Eliten und ihre Verfechter zu überzeugen, dass Wandel im Interesse aller ist?

    Man kann ja mal ein Wunsch äußern, oder nicht?

  • Gunter Grigo

    “Besteuert werden sollte deshalb nicht die Erbschaft, sondern der Konsum der Erben.” Der Konsum wird doch sowieso besteuert – egal ob aus ererbtem oder erarbeitetem Geld. Das ist also weder ein Argument, noch eine Alternative – das ist einfach nur die Abschaffung der Erbschaftssteuer die der Herr Professor hier fordert und uns schlichtweg für dumm verkaufen will.