Kann sich irgendwer erinnern, daß die Zeiten einmal nicht hart waren und das Geld nicht knapp? Ralph Waldo Emerson, 1803-1882, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph

12 Umwelt

Weil die Politik profitiert: Wie das EEG immer größere Abhängigkeiten schafft

Ein neues Paper zeigt die Geldflüsse in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es legt den Verdacht nahe, dass zahlreiche Politiker das EEG deshalb unterstützen, weil es ihrem eigenen Landkreis nützt. Die Folge: Ein ineffizientes Umverteilungssystem wird aufrechterhalten. (mehr …)

Im ersten Heft 2015 der „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“ findet sich der interessanter Artikel „Regionale Verteilungswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes“ von Christian Growitsch, Helena Meier und Sebastian Schleich. In diesem Artikel werden die Verteilungswirkungen des EEG analysiert und anhand einiger Beispiele illustriert. Neben der Umverteilungswirkung von ärmeren zu reicheren Haushalten und zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren geht vom EEG auch eine regionale Umverteilungswirkung aus, welche im vorgestellten Papier besonders beachtet wird.

Die regionale Umverteilungswirkung beruht dabei auf zwei Aspekten: Einerseits auf der Zahlung der EEG-Umlage und andererseits auf dem Zufluss von Zahlungen aus dieser Umlage.

Beispielsweise wurde schon früher ein deutlicher Geldfluss von Nordrhein-Westfalen nach Bayern nachgewiesen. Neu an der vorgestellten Studie ist jedoch die Granularität der Ergebnisse auf Landkreisebene. Die Ausführungen legen dabei die Frage nahe, ob möglicherweise zahlreiche Politiker das EEG deshalb unterstützen, weil es ihrem eigenen Landkreis nützt und deshalb ein an sich ineffizientes Umverteilungssystem aufrechterhalten wird.

Die Nutzung von Windenergie findet vor allem im windreicheren Norden und in landwirtschaftlich geprägten Gegenden statt, da hier die nötigen Flächen vorhanden sind. Die Biomassegewinnung findet ebenfalls stärker in ländlichen Gegenden statt. Dachphotovoltaikanlagen werden vor allem auf Dächern von Einfamilienhäusern in einkommensstarken Regionen installiert. In ärmeren Regionen sind nur wenige Haushalte in der Lage die notwendigen Investitionen aufzubringen.

Die Einspeisung von Sonnenstrom konzentriert sich vor allem auf Bayern, Baden-Württemberg und den Nordwesten. Mehr als die Hälfte des Sonnenstroms stammt aus Bayern und Baden-Württemberg, vier Fünftel des Windstroms werden in Nord- und Ostdeutschland gewonnen. Die Einspeisung von Strom aus Biomasse ist über die ländlichen Regionen verteilt.

Auf Bundeslandebene erhalten Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein die höchsten Mittelzuflüsse. Nordrhein-Westfalen hingegen zahlt mit Abstand am meisten, gefolgt von Hessen und Baden-Württemberg.

Darüber hinaus fällt auf, dass ein Großteil der Mittelzuflüsse in dünn besiedelten ländlichen Kreisen stattfindet. Mit zunehmender Besiedelungsdichte nimmt der Mittelzufluss hingegen ab. Es ergibt sich somit eine eindeutige Subventionierung der Landbewohner auf Kosten der Stadtbewohner.

Berlin, Hamburg und München sind demnach die großen Verlierer der Energiewende – neben den Städten im Ruhrgebiet und im Rheinland sowie im Südwesten.

Landkreise mit den höchsten Mittelzuflüssen befinden sich entlang der Küsten und im ländlichen Bayern. Eine Detailanalyse zeigt, dass Landkreise mit starker landwirtschaftlicher Nutzung und mit höherem Bruttoinlandsprodukt deutlich stärker profitieren.

Besondere Beachtung wird dem ohnehin strukturschwachen Ruhrgebiet in dem Papier zuteil. Das Ruhrgebiet ist ein großer Verlierer der Energiewende. Hohen Mittelabflüssen stehen hier nur geringe Mittelzuflüsse gegenüber. Darüber hinaus sind die Kommunen stark an RWE beteiligt, einem der großen Energieversorger, der sehr stark unter der Energiewende gelitten hat und daher weniger Geld an die kommunalen Eigner ausschüttet.

Fazit: Die Energiewende verursacht erhebliche (ungewollte) Umverteilungswirkung, die bislang keine oder nur wenig Beachtung in der Öffentlichkeit und der Politik findet. Ein erster Schritt ist, diese Umverteilungseffekte transparent zu machen. Im nächsten Schritt müsste diskutiert werden, ob es eine Rechtfertigung für derartig starke Umverteilungswirkungen gibt. Dies kann bezweifelt werden, da das EEG eine klare Umverteilungswirkung zuungunsten ärmerer Haushalte und Landkreise und dichter besiedelter städtischer Regionen stattfindet. Die großen Profiteure sind demgegenüber ohnehin reichere Regionen und Haushalte sowie ländliche und stark landwirtschaftlich genutzte Regionen. Wieso diese subventioniert werden, ist schwer nachvollziehbar.

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  • Autor

    Dr. Markus A. Hessler

    studierte, lehrte und forschte in Bochum, Hagen und Hamburg. Er arbeitet aktuell als Strategieberater für Digitalisierung, Strategieentwicklung, Marketing-Management, Finance und Projektmanagement und lehrt in betriebs- und volkswirtschaftlichen Schwerpunkten an verschiedenen Hochschulen.

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  • Frank Müller

    Leider greift diese Analyse viel zu kurz, denn die Anlagen im ländlichen Bereich müssen nicht im Eigentum der Menschen vor Ort sein. Die EEG-Vergütungen und -Prämien fließen letztlich nicht in die Standorte der Anlagen, sondern in die Orte, in denen die Eigentümer der Anlagen leben. Erst wenn man diese Zweitrundeneffekte betrachtet, kann man Aussagen treffen.

  • EmTee

    “eindeutige Subventionierung der Landbewohner auf Kosten der Stadtbewohner”
    Die Landbevölkerung bekommt die (Windenergie-)Anlagen in ihre Landschaft, ist ein Gegenwert dafür nicht angebracht?

    Außerdem: Es sind gerade die strukturschwachen Räume die profitieren, ist das wirklich ungewollt? Oder nicht ein positiver Nebeneffekt?

  • Frank

    Die Aussage des Autors bezüglich der Geldflüsse in Richtung der Wohlhabend stimmt. Jedoch Heißt wohlhabend, die großen europäischen Kapitalgeber.

    Der Autor vergisst vollständig die Berücksichtigung der Netzentgelte, aus denen die Kosten des EVU an die Kunden des Netzgebietes für den Netzausbau, Erhalt und Wartung umgelegt werden.

  • Hallo Frank, es gibt einiges an Zuschlägen. Wir haben mal versucht einen kompletten Überblick:
    Der Strompreis wird in den nächsten Jahren spürbar ansteigen. Der größte Kostentreiber ist dabei der Staat, der an unterschiedlichsten Stellen Steuern und Abgaben erhebt. Dr. Hubertus Bardt vom IW Köln erklärt, wie sich die Preise für einen Vier-Personen-Haushalt entwickeln werden und wie sich der Strompreis zusammensetzt.
    http://www.insm.de/insm/kampagne/chance2020/strompreis-check-video.html (chs)

  • Thomas v. Sarnowski

    Man kann die Schlussfolgerung genauso gut umdrehen: Die Daten legen nahe, dass ein notwendiges und richtiges Technologiewandel-Projekt wie das EEG nur deswegen blockiert wird, weil lokale Partikularinteressen dabei nicht bedient werden, obwohl es der Allgemeinheit dient. Alles nur Ansichtssache.

  • Hans-Lothar Fischer

    Ein kurzer Aufriss der Verteilungswirkungen der Energiewende, allerdings fehlen darin einige wichtige Aspekte. Zwar werden
    windgünstig gelegene Gebiete vor allem im Nordwesten bzw. nahe der Küste und durch Solarvorteile geprägte Gebiete im Süden vom EEG-Geldsegen begünstigt. NRW und bedeutende Stadtregionen beispielsweise sind benachteiligte Zahler. Auch arme Haushalte tragen mit deutlich höheren Einkommensanteilen zur Finanzierung bei.

    Ein wichtiger Aspekt kommt in der Studie aber gar nicht vor. Die diversen EEG-Manager aus Politik, Wissenschaft und Bürokratie beziehen Einkommen aus Steuermitteln, richten aber eindeutig große volkswirtschaftliche Schäden an. In die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gehen die Gehälter an die unnütz Tätigen sogar als positive Beiträge zum Bruttosozialprodukt ein.

  • “Die diversen EEG-Manager aus Politik, Wissenschaft und Bürokratie
    beziehen Einkommen aus Steuermitteln, richten aber eindeutig große
    volkswirtschaftliche Schäden an.”

    Den Nachweis möchte ich gerne mal sehen. So eindeutig ist das in meinen Augen nicht.

  • Hallo Dan Chris, wir halten das gegenwärtige Erneuerbare-Energien-Gesetz auch für wenig zielführend, da es ineffizient ist und Fehlanreize schafft. Gerne diskutieren wir mit Ihnen unsere Position, die Sie hier sehen können: http://www.insm.de/insm/Publikationen/positionen/energiewende.html (kun)

  • Märkte schaffen auch Fehlanreize. Ich finde die Aussage
    “eindeutig große volkswirtschaftliche Schäden” für fragwürdig. Die Technologieentwicklung im Windenergiebereich ist sehr schnell. Viele neue Technolgien sind entstanden und man kann nicht absehen worfür sie noch alles gebraucht werden.

    Zum Thema Ineffizienz. Das mag sein oder auch nicht. Ohne eine Zielstellung, die Kosten zum Erreichen dieser Zielstellung, einer Alternative und die Kosten dieser Alternative kann man nichts über Effizienz aussagen. Beide Szenarien müssen mit der Realtität validiert worden sein. Ist das nicht der Fall ist es erst eimal eine Behauptung. Man kann im besten Fall sagen, dass es ineffizienter ist als die Modelle es vorhergesagt haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass irgendeine Alternative besser ist. Das weiß man erst, wenn man es geprüft hat.

  • Hallo Dan Chris, wir können mit den großen Schäaden auch bei den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land anfangen. Diese hohe Belastung durch das EEG ist nicht länger hinnehmbar und sollte schleunigst geändert werden. (kun)

  • “wir können mit den großen Schäaden”
    Welche Schäden? Bitte nicht so kryptisch.

    “hohe Belastung durch das EEG ist nicht länger hinnehmbar und sollte schleunigst geändert werden.”
    In Ordnung. Dann sollten die Kosten die von der Atomkraft auf uns zukommen auch mit eingerechnet werden (Stichwort Endlagerung).
    Bei Kohle, Öl und Gas sollten wir die gesundheitlichen Aspekte mit einrechnen. Nur dann wäre ein Vergleich sinnvoll. Wir könnten auch anfangen die energieintensiven Unternehmen am EEG zu beteiligen und weniger Ausnahmen zuzulassen. Wenn wir also die Kosten tatsächlich darstellen, dann können wir sagen ob es zu viel ist oder nicht. Davon abgesehen, sinken die Strompreise gerade.

  • Hallo Dan Chris, wir denken, dieser Blogbeitrag beschreibt ganz anschaulich, was wir meinen: http://www.insm-oekonomenblog.de/12441-warum-die-energiewende-nachhaltig-auf-dem-holzweg-ist/ (kun)