Die Soziale Marktwirtschaft ist ohne eine konsequente Politik der Preisstabilität nicht denkbar. Nur diese Politik gewährleistet auch, dass sich nicht einzelne Bevölkerungskreise zu Lasten anderer bereichern. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

10 Soziales

Die fetten Jahre sind vorbei

Die gesetzliche Rentenversicherung schreibt nach jahrelangen Überschüssen wieder rote Zahlen. Und die Ausgaben werden noch weiter steigen.
(mehr …)

Bereits in diesem Jahr könnte die Rentenversicherung in die roten Zahlen rutschen.Das Rentenpaket war ein üppiges Wahlgeschenk der großen Koalition. Mit 9 Milliarden Mehrausgaben rechnet die Bundesregierung. Andere Berechnungen kommen auf deutlich höhere Kosten. Allein auf die gute Lage am Arbeitsmarkt und auf das üppige Finanzpolster ist es zurückzuführen, dass das Rentenpaket bisher nicht zu steigenden Rentenbeiträgen geführt hat.

In diesem Jahr dürfte die gesetzliche Rentenversicherung in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen trotz steigender Einnahmen ein Defizit von rund 2,4 Milliarden Euro aufweisen. Die kräftigen Lohnsteigerungen und die zunehmende Beschäftigung können die größere Zahl an Rentnern und die zusätzlichen Ausgaben für das Rentenpaket nicht ausgleichen. Während das Beitragsaufkommen um 5,5 Milliarden Euro steigt, nehmen die Ausgaben um 12 Milliarden Euro zu und erreichen damit rund 282 Milliarden Euro.

Im nächsten Jahr sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil: Mit fast vier Milliarden Euro dürfte das Defizit sogar noch größer ausfallen als im Jahr 2015.

Noch kann die Rentenversicherung auf üppige Rücklagen zurückgreifen. Ein höherer Beitragssatz ist nicht erforderlich. Doch damit wird bald Schluss sein. Schon heute steht fest, dass mit Renteneintritt der Babyboomer die Rentenausgaben stark steigen werden. Laut Planungen der Bundesregierung muss der Beitragssatz Anfang 2019 angehoben werden. Allerdings wird im Jahr 2017 ein neuer Bundestag gewählt werden. Es könnte sein, dass -wie oft vor Bundestagswahlen- Rentengeschenke verteilt werden. Dann wäre bald nach der Wahl mit einer Anhebung des Beitragssatzes zu rechnen.

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter, abonnieren Sie unseren RSS-Feed oder unseren Newsletter.

  • Autor

    Dr. Alfred Boss

    war langjähriger Wissenschaflter im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

  • Axel Sänger

    Das eigentliche Problem liegt doch wohl darin, dass die Unternehmen mit dem Geld, das die abhängig Beschäftigten erwirtschaftet haben, “in die Globalisierung geflüchtet” sind. Der angebliche “Solidarpakt” hat so – offensichtlich – nie bestanden. Und nun fällt den Unternehmern nichts anderes ein, als die Bindung der abhängigen Arbeit an die Sozialversicherung zu betonen. Dieses System gehört in die Moderne. Wir leben aber bereits lange in der Postmoderne. Die Sozialversicherungsbindung der Arbeit hat jämmerlich versagt, sonst würden nicht viele mächtige Interessenten die aufkommende “Altersarmut” thematisieren. Zum Glück kann die Regierung Tumult um Griechenland machen und von den “eigenen Sprengsätzen”, die sie unter ihren “Schemeln” hat, damit ablenken. Wir haben zu sehr das amerikanische Modell nachahmen wollen, das aber nur dadurch funktioniert, dass es nicht krampfhaft auf die Sozialversicherungen zurückgebunden ist. Was wir für die Postmoderne brauchen, ist die Erkenntnis, dass unsere Jugend nicht “arbeitslos” sein und wegen Hartz IV “jede zumutbare Arbeit annehmen” muss. Das ist kein Arbeitsmarkt, sondern eine kapitalistische Planwirtschaft. Wer Menschen zwingt, jede Arbeit zu jedem Preis anzunehmen, der hat von der Marktidee nichts verstanden. Für alle gilt eher: keine Sozialversicherungen, die Bezahlung nur zu geringen Teilen in Geld, den Rest in Eigentumsrechten an den Produkten der eigenen Arbeit. Und das möglichst alles in genauen Dokumenten verschriftlicht und bei einem Notar hinterlegt. Nur so entlasten wir den Fiskus. Der Unternehmer, der das nicht will, soll seine “Arbeit” selber machen. Dann wird er schnell sehen, wie weit er kommt. Ist das nicht genau die passende Methode, um sich der Wirklichkeit der Postmoderne anzupassen?

  • Welche fetten Jahre?
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/161331/umfrage/entwicklung-des-anteils-der-rentenausgaben-am-bip-in-deutschland/
    Die Alterung nimmt immer weiter zu und der Anteil der Rentenausgaben am BIP ist mehr oder weniger konstant. Wenn die Kassen als in negative Rutschen, dann liegt das daran, dass die Einnahmen zu gering sind. Folglich bekommen die Einzahler offensichtlich zu wenig Gehalt, d.h. der Lohnanteil am BIP sinkt. Wenn man dann die Freudenrufe der INSM und anderer wirtschaftsnaher Institutionen sieht (Arbeitsmarktwunder, kräftige Lohnsteigerung, etc.) dann ist das schon etwas merkwürdig.

    “Dann wäre bald nach der Wahl mit einer Anhebung des Beitragssatzes zu rechnen.”
    Und? Selbst wenn es so wäre ist es egal. Es geht um 0.5% Steigerung. Das sind für 60-70% der Bevölkerung unter 20-30 Euro im Monat. Parallel dazu wird immer wieder vor Altersarmut gewarnt und empfohlen privat vorzusorgen. Da liegt der Preis wohl erheblich über diesen 30 Euro + die Zuschüsse an die privaten Renten (Riester, etc.) müssen über Steuern ebenfalls bezahlt werden. Wenn schon eine dramatische Darstellung, dann bitte alle Aspekte.

  • Ralph-M. Weiss

    Ich verstehe nicht, worauf der Artikel hinaus will. Will man schlechte Stimmung, Unbehagen verbreiten? Möchte man zeigen, daß man sich mit der Materie beschäftigt? Mag sein, daß Dr. A. Boss mit seiner Prognose recht behält. Möglicherweise aber auch nicht, wegen unerwarteter Konjunkturentwicklungen in die eine oder andere Richtung…

  • Chris Pyak

    In zehn Jahren haben wir zehn Millionen (!) mehr Rentner als zur Wende 1989. Gleichzeitig werden wir fünf Millionen (!) weniger Arbeitskräfte haben.

    (Brauchen aber allein für die vielen Pflegefälle hunderttausende zusätzliche Arbeitskräfte)

    Wir brauchen dringend Einwanderung. Ich habe jedenfalls keine Lust die Renten der Babyboomer alleine zu bezahlen.

    http://www.pyak.com/a-glimpse-into-the-future-of-a-retired-nation/

  • Chris Pyak

    Schauen Sie sich bitte die Bevölkerungsentwicklung an. In zehn Jahren haben wir zehn Millionen mehr Rentner als zur Wende 1989. Gleichzeitig haben wir fünf Millionen weniger Arbeitskräfte.

    http://www.pyak.com/a-glimpse-into-the-future-of-a-retired-nation/

  • Chris Pyak

    Dan, de wesentliche Faktor ist der massive Anstieg an Rentnern. In zehn Jahren haben wir 10 Millionen (!) mehr Rentner als zur Wende 1989. Gleichzeitig aber fünf Millionen weniger Arbeitskräfte.
    http://www.pyak.com/a-glimpse-into-the-future-of-a-retired-nation/

  • Ralph-M. Weiss

    Nun, wie ich sehe, teilen Sie meine Meinung, d.h. können auch mit Dr. A.Boos Artikel wenig anfangen, sonst hätten Sie sich irgendwie auf ihn bezogen. Gleichwie, anscheinend sind Sie ja wohl auch ein Resultat des Babybooms, mind. indirekti :) .. Bt. berücksichtigen Sie, daß wir momentan 3 Mill Arbeitskräfte zuviel haben (=Arbeitslose), plus 10tausende Müßggänger (Boris B. + Co.), die in statistisch nicht erfaßt sind. Kurzum, der reine Bodycount bringt uns nicht weiter. Wäre doch markaber, wenn 5 Mill Niedriglöhner einwanderten, während qualifizierte Jobs weiterhin ins Ausland abwanderten..

  • Mordred

    nehmen wir mal an diese prognose trifft voll zu. dann weiß ich aber noch nicht, wie viele zuwanderer wir haben und wie viele pflegekräfte benötigt werden. was mir aber aus meinem beruflichen umfeld klar ist: die produktivität wird weiter steigen und gleichzeitig werden durch it und automatisierung sehr viele sachbearbeiterjobs wegfallen. wenn dann die arbeitnehmer zur abwechslung auch mal wieder angemessen am bip beteilgt werden, sehe ich da wenig probleme.

  • Na und? Wir hatte 1900 zu 2000 eine wesentlich dramatischer Änderung dieses Verhältnisses. Fünf Millionen weniger Arbeitskräft würde übersetzt Vollbeschäftigung bedeuten. D.h. die Löhne müssen steigen, d.h. die Einzahlungen für Rentenkassen steigen ebenfalls.
    Warum das ein Problem sein soll erschließt sich mir nicht. Die Wirtschaft wächst jedes Jahr zwischen 1-2%. Warum sollte dieses Wachstum langfristig nicht die Rentner auffangen können? Milliardäre können wir uns auch leisten. Da jammert niemand das deren Zahl zunimmt. Letztenendes findert dort auch ein massiver Transfer von Ressourcen statt.

  • Hier noch eine nette Analyse, warum ihre Angst unbegründet ist.