Wenn wir die D-Mark noch hätten, wäre unser Export zusammengebrochen. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

5 Ordnungspolitik

Der Markt macht’s

Die Klage ist der Gruß des Kaufmanns. Die Landwirte jedoch werden durch den goldenen Zügel permanenter staatlicher Subventionen und Interventionen geradezu zum Jammern erzogen. Besonders laut scheint das Wehgeschrei der Bauern alljährlich im medialen Sommerloch, wenn entweder die Ernte durch das Wetter beeinträchtigt wird oder wieder einmal die Milcherlöse hinter den Erwartungen zurückbleiben. “Der niedrige Milchpreis bedroht die wirtschaftliche Existenz die Bauern” titelte von wenigen Tagen sogar die F.A.Z.

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Der Preis ist jedoch nicht die Bedrohung für die Produzenten. Bedrohlich wird es vielmehr, wenn die Erzeuger die Signale des Preises ignorieren. Milch ist derzeit billig, weil offensichtlich das Angebot die Nachfrage übersteigt oder Wettbewerber preiswerter produzieren. Das Signal an die Milchbauern ist also, die Produktion einzuschränken oder ihre Effizienz zu seigern. Dabei geht es den deutschen Landwirten doch letztendlich nicht anders als anderen Unternehmern in Deutschland: Sie sind Produzenten und als solche müssen sie sich nun mal auf schwankende Märkte einstellen.

In der Sozialen Marktwirtschaft wird wirtschaftliches Handeln durch den Markt koordiniert. Märkte, Preise, Gewinne, Verluste, Anreize und Belohnungen bestimmen darüber, was, wie und für wen produziert wird. Unternehmen erzeugen die Güter, die den höchsten Gewinn erwarten lassen, mit den kostengünstigsten Produktionsmethoden. Für seine Entscheidungen trägt jeder Unternehmer das Risiko selbst. Er soll von seinen Erfolgen profitieren und muss aber auch für seine Verluste allein haften. Die Übernahme des Haftungsrisikos durch den Staat ist der schwerste Verstoß gegen die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. Das gilt für alle Unternehmen, ob Banken oder Bauern.

Schwankende Preise sind ein Zeichen von funktionierenden Märkten. Unternehmerisch handelnde Landwirte haben viele Möglichkeiten, hierauf zu reagieren. Wenn mit konventioneller Milch kein Geld mehr zu verdienen ist, müssen sie andere Milchprodukte anbieten, beispielsweise auf Bio-Milch umstellen oder die Direktvermarktung in den Fokus stellen. So funktioniert Wettbewerb und am Ende profitiert der Verbraucher mit guten Preisen und vielen Produktvarianten.

Die Politik muss den Rufen nach staatlicher Hilfe widerstehen. Wettbewerb schafft Innovationen und ist die Triebfeder unseres Wohlstands. Wohin Staatseingriffe führen können, haben wir ja bei der Milchquote gesehen. Butterberge und Milchseen sind noch nicht lange passé und nicht einmal stabile Preise konnten damit erreicht werden. Politiker sollten den Fehlgriff Milchquote als Mahnmal dagegen sehen, was passiert, wenn es der Staat besonders gut meint – und es dann nur schlimmer macht.

Der Ausgleich von Angebot und Nachfrage über den Preis macht unser Wirtschaftssystem aus. Ob auf dem Milchmarkt, dem Arbeitsmarkt, dem Strommarkt, etc. Was soll der deutsche Staat denn noch regulieren?

Dieser Artikel ist am 28.08 in der Welt als Gastkommentar in gekürzter Fassung erschienen.

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  • Autor

    Hubertus Pellengahr

    ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • Ist das wirklich so einfach, wie hier dargestellt? Wenn Milch durch Großverteiler über tausende von Kilometern herangefahren wird und dort Kapazitäten aufgebaut werden, kann man dann von Überproduktion auf dem heimischen Markt sprechen? Was geschieht mit der Nahrungsmittelversorgung Deutschlands, wenn z.B. Frankreich und Polen nicht mehr liefern würden? Landwirtschaft als Rückgrat der nationalen Versorgung NUR dem freien Wettbewerb zu unterwerfen, birgt Risiken.

  • Hallo Walter Helbling, ein Patentrezept gibt es natürlich nicht. Nur muss es auch der heimische Milchbauer schaffen, seine Arbeit an die momentane Marktlage anzupassen. Von ausländischen Anbietern wird doch gar nicht gesprochen im Blog, oder? (kun)

  • Jochen NV Böhrer

    Was für ein Binsenweisheitengeschwurbel ohne jegliche Kenntnisse eines oligoplen Marktes. Mal eben auf Bio oder Direktvermarktung.. LOL. Wieso schreibt dieser Herr über eine Branche, von der er NULL Ahnung hat? Bio bedeutet 2 Jahre Vorlaufzeit und aufwändige Umstellung…dabei ist der Markt völlig gesättigt. Und Direktvermarktung bedeutet Investitionen im weit 6-stelligen Bereich und hohen Personalbedarf. Was soll das den Familienbetrieben im Allgäu bringen, wenn der Verbraucher im Ruhrpott hockt? Herr Pellengahr.. was hat Sie veranlasst, sich hier dermaßen lächerlich zu machen? Sie kennen nichtmal die wahre Angebots- und Nachfragesituation und schreiben trotzdem drüber. Milchproduktion hat eine lange Vorlaufzeit, lässt sich nicht von heute auf morgen stoppen und man ist unter Lieferzwang. Man MUSS die Ware an dem Tag abliefern, dan dem sie erzeugt wurde. Eine schlechte Verhandlungsposition. Die von den Disxountern schamlos ausgenutzt wird. Da hocken im Einkauf auch so kurzfristig
    nicht nachhaltig denkende “Betriebswirtschaftsexperten” wie SIE, denen es moralisch am Allerwertetsten vorbeigeht, wenn Familienbetriebe verrecken. Denen ists scheißegal, wenn die Milch dann irgendwann mal von 10000-Kuhbetrieben in Russland kommt.

  • Nein, wird nicht gesprochen, aber dadurch entsteht erst der Preisdruck. Beispiel REAL mit Einkauf in Frankreich, wo derzeit die Preise pulverisiert werden sollen. Eine Lösung auf den ersten Blick wäre: Verknappung der Güter. Funktioniert aber ohne Regulative, was Importe betrifft, auch nicht.

  • Gunter Grigo

    Ohne Regulierung / Quoten wären die Meere längst leergefischt. Also völliger Humbug was Herr P da so Allgemein behauptet. Der Markt macht´s – kaputt, wenn man ihn nicht zügelt!
    S. auch letzte Finanzkrise – Und? Es wird schlimmer gezockt als vorher, die Boni sind höher denn je – und die nächste Krise zeichnet sich bereits ab – weil nix gelernt!!!!!