Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen. Aristoteles Onassis, 1906-1975, griechischer Reeder

3 Umwelt

Hände weg vom EU-Emissionshandel!

Die Europäische Kommission hat kürzlich den EU-Emissionshandel reformiert und die Einführung einer Marktstabilitätsreserve beschlossen. Sinnvoller wäre es gewesen, den EU-Emissionshandel in seiner Reinform zu belassen und negative Entwicklungen durch einen einmaligen Eingriff zu beseitigen.

(mehr …)

Die Preise für Verschmutzungsrechte sind seit Jahren niedrig – zwischen 3 und 8 Euro – und bieten den Unternehmen so kaum Anreize, innovative Technologien zur Emissionsvermeidung zu entwickeln. Die Europäische Kommission hat zur Reformierung des Emissionshandels die Einführung einer Marktstabilitätsreserve beschlossen, um damit den CO2-Preis auf einem höheren Niveau zu stabilisieren. Die Marktstabilitätsreserve sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2019 Zertifikate aus dem Markt genommen und auf Halde gelegt werden, wenn ihre Anzahl eine Obergrenze überschreitet. Umgekehrt werden dieser Reserve Zertifikate entnommen und auf dem Markt angeboten, wenn eine bestimmte Grenze unterschritten ist.

Marktstabilitätsreserve – kein Königsweg

Doch bereits jetzt ist klar: Die Marktstabilitätsreserve ist nicht effektiv genug! Denn nach einem Positionspapier des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) würde die Reform erst stark zeitverzögert wirken. Daher ist die Marktstabilitätsreserve nicht geeignet, um kurzfristig ein gewünschtes Preisniveau zu stabilisieren. Die Höhe der Obergrenze, ab der Zertifikate in der Reserve geparkt werden, wäre zudem permanent politischen Interventionsversuchen ausgesetzt – was zu Unsicherheiten bei den Unternehmen führen dürfte.

Emissionshandel funktioniert

Es ist ohnehin nicht klar, weshalb der Zertifikatehandel so weitreichend reformiert werden muss. Die hohen Überschüsse an Zertifikaten auf dem Markt und der dadurch niedrige Zertifikatpreis liefern jedenfalls keinerlei Beleg dafür, dass der Emissionshandel grundsätzlich nicht funktioniert. Die hohe Zahl an Überschuss-Zertifikaten ist vielmehr das Resultat der Finanz- und Wirtschaftskrise des vergangenen Jahrzehnts, unter deren Folgen viele europäische Länder noch immer zu leiden haben, sowie das Ergebnis fragwürdiger internationaler Klimaschutzprojekte. Unternehmen, die diese Projekte finanzieren, um Treibhausgase kostengünstig außerhalb der Europäischen Union zu reduzieren, erhalten dafür Gutschriften, die sie im Rahmen des Emissionshandels einlösen können.

Der Schlüssel: einmaliger Eingriff

Warum also wurde der EU-Emissionshandel nicht in seiner Reinform belassen und warum wurden Fehler aus der Vergangenheit, wie die übermäßige Anrechnung aus fragwürdigen Klimaprojekten, nicht durch einmalige Eingriffe korrigiert? Das wäre viel sinnvoller und effektiver gewesen! Beispielsweise sollten die 900 Millionen Zertifikate, deren Versteigerung auf die Jahre 2019 und 2020 verschoben wurde und die nun in die Marktstabilitätsreserve aufgenommen werden sollen, endgültig gelöscht werden. Dies könnte schon kurzfristig einen deutlichen Effekt auf den Preis haben. Außerdem könnte, falls nötig, die Emissionsobergrenze ab 2021 stärker gesenkt werden, als es derzeit mit 2,2 Prozent pro Jahr vorgesehen ist. Damit würde der Preis weiter gefestigt. Das Beispiel der Einführung der Marktstabilitätsreserve zeigt einmal mehr, dass die Politik in Zukunft besser die Hände vom Emissionshandel lassen sollte: Aller Erfahrung nach kann nur so Verlässlichkeit für Unternehmen gewährleistet werden.

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, abonnieren Sie unseren RSS-Feed oder unseren Newsletter.

  • Autor

    Prof. Dr. Manuel Frondel

    ist außerplanmäßiger Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI.

    Alle Beiträge

  • Iconoclast

    Sind die Preise für die Emmisionspapiere zu niedrig, dann ist doch klar das die Nachfrage fehlt, weil ohnehin wenig Emmisionen über dem Grenzwert ausgestoßen werden. Also einfach mal die Daumenschrauben seitens der Grenzwerte anziehen und schwubs werden die Zertifikate teurer weil mehr Nachfrage.

    Problem gelöst. You’re welcome.

  • Hallo Iconoclast,

    um den Ausstoß von Treibhausgasen möglichst kosteneffizient einzuschränken, hat die Europäische Union 2005 ein Handelssystem für CO2-Emissionen eingeführt. Emittenten haben dadurch die Möglichkeit, die ihnen zugeteilten Verschmutzungsrechte entweder selbst zu nutzen oder über eine Börse an andere Emittenten zu verkaufen. Die Gesamtmenge der Verschmutzungsrechte ist gedeckelt.

    Warum hilft der Emissionshandel dem Klima? Ökonomisch gesagt ist das Gut „Klima“ bisher kostenlos nutzbar. Der Verbrauch geht nicht in das Kalkül der Produzenten und Konsumenten ein. Dies führt dazu, dass keine optimale Verwendung von Umweltgütern stattfindet. Kurzum: Sie verbrauchen zu viel des knappen Gutes „Klima“.

    Mit dem Handel von CO2-Zertifikaten erhält dieser Verbrauch einen Preis, durch den die Emission von CO2 die Produktionskosten erhöht. Dadurch ist gewährleistet, dass CO2 zu den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten vermieden wird. Denn die Emittenten wägen anhand der Kosten ab, ob es lohnenswerter ist, Emissionszertifikate zu erwerben oder in Technologien zur Einsparung von Emissionen zu investieren. (kun)

  • Iconoclast

    So weit so klar, aber im Artikel ging es doch darum die Preise derzeit zu niedrig seien um den gewünschten Effekt (investition in Klimaschutz) zu haben, oder hab ich das was falsch verstanden?

    Die Stelleschraube wäre dann demnach doch die Grenzwerte zu senken und so die Nachfrage nach Zertifikaten zu erhöhen, bzw. anreiz für Investitionen zu machen.

    Bleiben würde natürlich das Problem das große Unternehmen ihre Fabriken hier abbauen um dann irgendwo in Afrika oder Indien zu produzieren.