2 4 Fragen an...

Hüther: “Freiheit heißt auch Freiheit zur Unvernunft”

Die Botschafter der INSM verbreiten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die Botschaft der Sozialen Marktwirtschaft. In der Serie “Vier Fragen an…” beantworten die Botschafter Fragen rund um die Marktwirtschaft. In diesem Post: Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). (mehr …)

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1) Herr Hüther, warum setzen Sie sich für die Soziale Marktwirtschaft ein?

Soziale Marktwirtschaft ist die ökonomische Übersetzung von Freiheit und Verantwortung, sie ist das passende Wirtschaftssystem zu unserer demokratischen Ordnung. Für die Soziale Marktwirtschaft einzutreten, bedeutet für Freiheit, Chancen und fairen Ausgleich zu werben.

2) In welcher Verfassung befindet sich aktuell die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland?

Ordnungspolitik, die auf die Sicherung der ökonomischen Effizienz und Gerechtigkeit zielt, findet als gesamthafter Ansatz nicht statt. Bedenklich ist vor allem, dass die Politik zunehmend ein Menschenbild der Unmündigkeit ihrer Programmatik und ihren Handlungen zugrunde legt. Das führt zu Bevormundung und Einschränkung von Freiheit. Freiheit heißt aber auch Freiheit zur Unvernunft.

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3) Wenn Sie den Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft ändern könnten: Was würden Sie konkret tun?

Die Wirtschaftspolitik braucht einen Leitstern, und das ist der mündige Bürger in allen seinen Handlungszusammenhängen. Daraus ergeben sich Gestaltungsorientierungen beispielsweise für die Bildungspolitik, die Sozialpolitik und den Verbraucherschutz.

4) Welche drei Bücher über die Soziale Marktwirtschaft empfehlen Sie?

Immer noch lesenswert Adam Smith „Die Theorie der ethischen Gefühle“, Walter Eucken „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ und Wilhelm Röpke „Jenseits von Angebot und Nachfrage“.

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  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

  • Bernd Scherf

    Das klingt ja alles sehr schön. Und das Buch von Walter Eucken würde ich auch wärmstens empfehlen. Es stellt sich aber die Frage, wie Eucken wohl auf die gegenwärtige Wirtschaftsordnung reagieren würde. Er warnte immer vor der vermachteten Wirtschaft als Ergebnis einer Laissez-faire-Gesinnung. Kartelle, die sich bei Ausschreibungen absprechen, Gewinnverschiebungen innerhalb der Konzerne um den größten Gewinn in Niedrigsteuerländern anfallen zu lassen und ein Handelsabkommen, bei dem Unternehmen Staaten auf entgangene zukünftige Gewinne verklagen können, hätten nicht seinen Beifall gefunden. Ich vermute, dass der gegenwärtige Zustand seine wütenden Proteste gefunden hätte. Er würde auch gegen diejenigen zu Felde ziehen, die Laissez-faire betreiben und das Lob auf den Marktmechanismus als Lippenbekenntnis üben. Ich empfehle auch ein Buch: Wilhelm Meyer, Grundlagen des ökonomischen Denkens, Tübingen 2002.

  • JoWo

    Der Gemeinwohlökonomie sollte mehr Raum gegeben werden. Auf Europäischer Ebene wird dieses Wirtschaftsmodell seit 2015 breit diskutiert, seit März 2015 läuft das GIVUN an der Uni in Kiel und Flensburg. Mit dem Modell der Geminwohlökonomie findet eine wirtschaftliche Neuorientierung statt, die noch viele Überraschungen bringen wird.