Geld ist die Garantie dafür, daß wenn wir etwas wollen, wir es in Zukunft haben können. Auch wenn wir im Moment nichts brauchen, sichert es die Möglichkeit, einen neuen Wunsch zu befriedigen, wenn er auftaucht. Aristoteles, 384-322 v. Chr., griechischer Philosoph

4 Soziales

Krankenkassenbeiträge steigen und erhöhen die Gesamtbelastung der Steuerzahler

Im Nachgang seines Beitrags zu den gesetzlichen Krankenkassen haben Markus Hessler zahlreiche Rückmeldungen erreicht. Diese nimmt er zum Anlass, das Thema vertiefend zu betrachten. (mehr …)

Es wurde darauf verwiesen, dass es aus volkswirtschaftlicher Sicht und für den Arbeitnehmer irrelevant sei, ob der Krankenkassenbeitrag vor oder nach Berechnung des Bruttolohns abgezogen wird. Hier ist eine Klarstellung notwendig: Kurzfristig ergibt sich für den Arbeitnehmer ein kleiner Unterschied, der aber spätestens bei der nächsten Gehaltsrunde wieder nivelliert wird. Ausführlicher wurde der Zusammenhang zum Beispiel hier erklärt. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es ebenfalls irrelevant, wo der Abzug stattfindet.

Die wahren Probleme wieder zu einer Gleichverteilung der Krankenkassenbeiträge zurückzukehren, liegen in dem abnehmenden Anreiz, die Krankenkasse aufgrund von Beitragsunterschieden zu wechseln, der geringeren Transparenz der tatsächlich entstehenden Kosten für die Krankenversicherung und dem generellen Problem der Wirtschaftlichkeit der Krankenkassen.

Der abnehmende Anreiz zum Krankenkassenwechsel begründet sich dadurch, dass er Einspareffekt durch den Wechsel zu einer günstigeren Krankenkasse erstmal geringer ist. Nehmen wir an, eine Versicherte (Bruttolohn 3000 Euro) wechselt von der Techniker Krankenkasse (Zusatzbeitrag 1,0 Prozent) zu der hkk (Zusatzbeitrag 0,59 Prozent) würde die Ersparnis derzeit zunächst 12,30 Euro pro Monat betragen. Bei Rückkehr zum paritätischen System betrüge die Ersparnis nur die Hälfte.

Faktisch ist aber die Ersparnis schon jetzt geringer, da im Gegenzug die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer steigen. Dadurch würde die Ersparnis in unserem Beispiel auf 7,91 Euro im Monat sinken. Im paritätischen System wäre es natürlich wieder weniger. Da wird sich manche Versicherte fragen, ob sich der Wechsel überhaupt noch lohnt.

Die geringere Transparenz liegt darin begründet, dass ohnehin nur ein Teil der Gesundheitskosten auf der Lohnabrechnung sichtbar wird. Die Zuschüsse aus dem allgemeinen Steueraufkommen und die Arbeitgeberbeiträge werden nicht direkt sichtbar.

An dem Grundproblem ständig steigender Gesundheitskosten kann die Diskussion um die Bezahlung ohnehin nichts ändern. Um aber die Anreize zum Wechsel und die Transparenz wieder zu erhöhen würde es sich anbieten, einen alten Vorschlag wieder aufzugreifen: Warum sollten die Krankenkassenbeiträge nicht komplett aus dem (dann höheren) Bruttolohn bezahlt werden? Der Arbeitgeber würde die gesparten Krankenkassenbeiträge als Bruttolohn an den Arbeitnehmer überweisen.

Zunächst würden die Krankenkassenkosten dadurch für den Arbeitnehmer transparenter und außerdem würden unterschiedliche Krankenkassenbeiträge mittelfristig die potenzielle Ersparnis durch einen Wechsel zu einer günstigeren Kasse und damit die Anreize zu einem solchen Wechsel erhöhen.

Steigende Gesundheitskosten sorgen zusätzlich für eine weitere Steigerung der Steuer- und Abgabenlast der Bürger. Je nach Beispielrechnung unterscheidet sich die Steuer- und Abgabenlast. Schon in den herkömmlichen Vergleichen, bei denen direkte Steuern und Abgaben Berücksichtigung finden, gehört Deutschland immer zur Spitzengruppe. Berücksichtigt man jedoch weitere indirekte Steuern und Abgaben – wie Mehrwertsteuer, Verbrauchssteuern auf Benzin, Strom etc., die stetig steigenden Abgaben für die Energiewende, Kommunalabgaben usw. – dürfte Deutschland weltweit Spitze sein. Bei den drei Beispielhaushalten, für die das Deutsche Steuerzahlerinstitut die Steuer- und Abgabenlast berechnet liegt die Belastung der Bruttolöhne zwischen 48,6 und 62,3 Prozent.

Eine Reduktion der Gesundheitskosten, für die die Monopolkommission einkommensunabhängige Krankenkassenbeiträge mit steuerfinanziertem Sozialausgleich sowie ein Selbstbeteiligungsmodell vorgeschlagen hat, würde somit direkt auf eine Reduktion der extrem hohen Steuer- und Abgabenbelastung der Bürgerinnen und Bürger einzahlen.

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  • Autor

    Dr. Markus A. Hessler

    studierte, lehrte und forschte in Bochum, Hagen und Hamburg. Er arbeitet aktuell als Strategieberater für Digitalisierung, Strategieentwicklung, Marketing-Management, Finance und Projektmanagement und lehrt in betriebs- und volkswirtschaftlichen Schwerpunkten an verschiedenen Hochschulen.

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  • “48,6 und 62,3 Prozent.”
    Es wäre hilfreich auf die Quelle zu verweisen nicht auf das Institut. Erst dann kann man diese kritisch hinterfragen. Ich persönlich halte diese Abgabenlast für nicht repräsentativ. Wenn man davon ausgeht, dass der Medianlohn irgendwo bei 25000 Euro liegt, dann sollte die Belastung deutlich unter den 48% liegen und zwar für 50% der Bevölkerung. Am oberen Ende wird es im Übrigen wieder weniger. Da greift faktisch nur noch der Spitzensteuersatz.

    Eine Reduktion der Gesundheitskosten könnte man meiner Ansicht dadurch erreichen, dass man weniger Ökonomie ins System steckt. Warum?
    Man fordert von Krankenhäusern Gewinne zu machen. Also werden möglichst teurer Behandlungen gewählt, wenn die Möglichkeit besteht.
    Man fordert von Krankenkassen Gewinne zu machen. Also wird versucht junge gesunde Menschen in die Kasse zu locken. Dabei werden sinnlose Angebote wie Homöopathie angeboten, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist, aber junge Akademiker anspricht.
    Man erlaubt Pharmaunternehmen auf Basis öffentlich geförderter Forschung die Preise zu bestimmen. Man könnte hier durchaus die Patentrechte abändern.

    Das heißt von allen wird Gewinn und Bereicherung gefordert und dann wundert man sich über steigende Kosten. Das ist aber merkwürdig. Irgendwo müssen die Gewinne herkommen. Sie kommen aus dem Geldbeutel der Versicherten.

    Ich würde im Übrigen gerne mal eine Belastungsanalyse von privat Versicherten Menschen sehen (in verschiedenen Altersklassen, mit und ohne Kinder). Gerade die Versicherung von Kindern muss mit eingerechnet werden. Klar zahle ich x% in die gesetzliche Kasse. Mein Kind ist mitversichert. Damit reduzieren sich meine Kosten. Eine seriöse Analyse muss also die Haushaltsbelastung darstellen.

  • Hallo Dan Chris,

    die verlinkte Seite bietet beim näheren Hinsehen auch einige valide Zahlen. Zu dem Artikel verweisen wir gerne auf die Studie unter folgendem Link: http://www.steuerzahlerinstitut.de/files/20364/Bausteine_fuer_eine_Reform_des_Steuersystems_-_DSi_Schrift_1_-_November_2013b.pdf (kun)

  • Danke. Ich habe mir die Tabellen im Anhang angesehen. Es fällt folgendes auf. In die Belastung werden die Sozialleistungen mit eingerechnet. Da es Pflichtversicherungen sind kann man das sicher machen. Nehmen wir an, wir würdend ie Pflichtversicehrungen aufheben und jeder könnte sich freiwillig versichern, würde das System billiger? Sicherlich nicht. Denn es kommen dann auch Kranke zum Krankenhaus die nichtversichert sind und mitversorgt werden. Auch ein Vergleich mit anderen Ländern ist schwierig. Wenn die Krankenversicherungen dort privat organsiert sind, aber verpflichtend, müssten sie mit eingerechnet werden. Eine KfZ Haftpflicht wird nirgendwo bei Belastung eines Autofahres durch den Staat auftauchen.

    Was kann man noch erkennen?
    Die Einkommensbelastung ist konjunkturzyklusabhängig und schwankt seit Mitte der 70er um 50%. Mal etwas mehr mal etwas weniger. In der Zeit gab es die Widervereinigung und eine Wirtschaftskrise. Offensichtlich scheint der Wert weit weniger dramatisch als dargestellt.

    Die dargestellte Belastungsquote bezieht sich auf die Löhne. Da die Lohnquote an der Gesamtwirtschaftsleistung gesunken ist, heißt das, dass eine konstante Belastungsquote real eine Reduktion der Leistung darstellt.
    Zudem werden in die Rechnung wohl auch “Körperschaftsteuer und Grunderwerbsteuer einbezogen, also Posten, die die durchschnittlichen Arbeitnehmer kaum oder selten beträfen”
    Hier eine kurze Kritik zu Einkommensbelastungsquote
    https://de.wikipedia.org/wiki/Steuerzahlergedenktag#Kritik

    Mein Fazit
    Prüfe die Quellen die verwendet werden. Der Bund der Steuerzahler vertritt nicht alle Steuerzahler, sondern nur diejenigen an der Spitze. Er blendet grundsätzlich die Leistungensseite aus (was bekomme ich für Steuern und Sozialversicherungen). Es wird dramatisiert. Seriöse Analysen sehen anders aus.

  • Ralph Krachen

    Irrelevant ist es für den AN jedoch nicht, dass die paritätische Finanzierung aufgehoben wurde, jetzt wird nur noch der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent paritätisch finanziert. Der Zusatzbetrag, der allein von den Versicherten geschultert werden muss, wird sich stetig erhöhen, da bei den ges.KK.eine Kostenexplosion zu erwarten ist, die Zahl der Beitragszahler sich aber nicht erhöht. Hohe Beitragslast für den Arbeitgeber schaden dem Wettbewerb, aber nur den AN die Kosten aufzubürden schadet den Menschen, die sich immer weniger leisten können. Ja bei der Belastung des kleinen Mannes ist Deutschland spitze, nur das kann nicht unbegrenzt so weitergehen.

    Nun stellt sich für mich immer wieder die Frage, warum zahlen nicht alle in die gesetzliche Krankenkasse ein, wie Besserverdiener oder Beamte (Bei Beamten übernimmt 50%-100% der Krankheitskosten der Dienstherr).
    Auch stellt sich die Frage warum die Medikamente in D wesentlich teurer sind als anderswo?
    Warum sind Äzte die bestverdienensden Angestellten in Deutschland (Quelle:http://www.welt.de/wirtschaft/article135993759/Diese-Jobs-bringen-in-Deutschland-das-meiste-Geld.html).
    Es scheint so, dass deutsche Lobbyisten ganze Arbeit leisten, zulasten des deutschen Michels.