7 Arbeitsmarkt

Arbeit heute und morgen: Vorstellungen von der Zukunft der Arbeit

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat längst begonnen. Aber sie bereitet den Beschäftigten kaum Sorgen. Im Gegenteil: die klare Mehrheit sieht darin für sich vor allem Vorteile. Noch wichtiger: Drei Viertel sehen sich den künftigen Anforderungen gut gewachsen. Ob der Gesetzgeber deshalb besser die Füße stillhalten sollte, darüber wurde heute in Berlin diskutiert. Im Folgenden die Kurzfassung der großen Deutschlandbefragung des Instituts für Demoskopie Allensbach (Umfrage in GrafikenUmfrage in Text plus Grafiken, gesamte Umfrage online lesen).  (mehr …)

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Die große Mehrheit der Berufstätigen ist weit überwiegend zufrieden mit der eigenen beruflichen Situation. Diese außerordentlich hohe Arbeitszufriedenheit ist bemerkenswert, da ein Großteil der Berufstätigen in den letzten Jahren nicht nur eine große Veränderungsdynamik am eigenen Arbeitsplatz erlebt hat, sondern 45 Prozent der Berufstätigen auch davon berichten, dass die Arbeitsbelastungen bei ihnen persönlich in den letzten Jahren gestiegen sind. Arbeitnehmer in Führungspositionen bilanzieren überdurchschnittlich oft, dass sich ihre Arbeitsbedingungen verändert und sich ihre Belastungen verstärkt haben.

Gebeten, die Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz zu beschreiben, berichten die Berufstätigen vor allem, dass der Arbeitsdruck in den letzten Jahren bei ihnen gestiegen ist und sie heute mehr leisten müssen. Knapp jeder Zweite bilanziert zudem einen zunehmenden Zeitdruck, jeder Dritte, dass die Arbeit anspruchsvoller und komplizierter geworden ist. Im Trendvergleich wird jedoch deutlich, dass die Bilanz heute positiver ausfällt als noch vor einigen Jahren: Aufgrund der guten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind die Ängste und Sorgen der Arbeitnehmer zum Teil deutlich zurückgegangen. Bemerkenswert ist, dass trotz der guten Konjunktur auch andere Aspekte, wie der Arbeitsdruck oder die Komplexität von Arbeitsabläufen, weniger kritisch bewertet werden. Da die Auslastung vieler Unternehmen in konjunkturell guten Zeiten aufgrund der positiven Auftragslage in aller Regel besonders hoch ist, steigt normalerweise auch die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter an. Dies ist aktuell jedoch nicht der Fall. Es zeigt sich, dass die Digitalisierung ganz wesentlich zu einer Erleichterung von Arbeitsabläufen beiträgt und daher die Mehrarbeit als weniger belastend wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren.

Die Zukunft der Arbeit wird von den Berufstätigen eher ambivalent gesehen. Die überwältigende Mehrheit der Arbeitnehmer rechnet damit, dass in der Arbeitswelt von morgen der Leistungsdruck und die Anforderungen an die Arbeitnehmer steigen werden. Gleichzeitig rechnet eine Mehrheit der Berufstätigen aber auch mit einer zunehmenden Automatisierung von Arbeitsprozessen. Diese Erwartungen im Hinblick auf die allgemeine Entwicklung der Arbeits- und Berufswelt stehen dabei in einem deutlichen Kontrast zu den Erwartungen, wie sich der eigene Arbeitsplatz in den nächsten Jahren verändern wird. Für das eigene Arbeitsumfeld gehen die meisten Arbeitnehmer von weit weniger Veränderungen aus. So gehen zwar 79 Prozent ganz allgemein von zunehmenden Automatisierungsprozessen in der Berufswelt aus, aber nur weniger als jeder Dritte erwartet, dass am eigenen Arbeitsplatz immer mehr Arbeiten von Computern und Maschinen übernommen werden. Die Vorstellung, dass Arbeitsplätze immer unsicherer werden, teilen 60 Prozent der Berufstätigen ganz allgemein, aber nur 22 Prozent im Hinblick auf den eigenen Betrieb. Dass man zukünftig immer mehr Arbeiten von zu Hause oder unterwegs aus erledigen kann, vermuten 55 Prozent ganz allgemein, aber nur 17 Prozent für den eigenen Arbeitsplatz. Genauso verhält es sich mit der Erwartung, dass die Anforderungen an die Berufstätigen steigen und sich der Leistungsdruck erhöhen wird: Auch hier befürchten Arbeitnehmer weit weniger Veränderungen der eigenen beruflichen Situation als sie dies für den Arbeitsmarkt ganz allgemein erwarten.

Auch wenn die Berufstätigen der Zukunft der Arbeits- und Berufswelt mit gemischten Gefühlen entgegenblicken, sieht sich die große Mehrheit von ihnen den anstehenden Veränderungen und Herausforderungen gut gewachsen. Dies hängt ganz wesentlich mit der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung zusammen. Keine andere Entwicklung verändert die Arbeitswelt zurzeit so gravierend wie die Digitalisierung und Vernetzung von Arbeitsabläufen und -prozessen. Mehr noch als die allgemeinen Veränderungen registrieren die Berufstätigen, dass sich ihre Arbeit durch das Internet und andere digitale Technologien verändert hat: 43 Prozent aller Berufstätigen haben den Eindruck, dass sich ihre berufliche Tätigkeit durch die Digitalisierung stark oder sogar sehr stark verändert hat. Doch nicht alle Berufsgruppen sind von den Veränderungen in gleichem Maße betroffen. Die Digitalisierung verändert qualifizierte Jobs wesentlich stärker als einfache Tätigkeitsbereiche.

Während Veränderungsprozesse meist mit Skepsis verbunden sind, gilt dies für die Digitalisierung nicht. In der Summe ist die Mehrheit der Berufstätigen überzeugt, dass für sie die Vorteile der Digitalisierung überwiegen: 54 Prozent der Berufstätigen sehen für sich persönlich beruflich mehrheitlich Vorteile; lediglich für 9 Prozent überwiegen die Nachteile. Das positive Gesamtfazit resultiert ganz wesentlich auch daraus, dass viele Arbeitnehmer die positiven Auswirkungen der Digitalisierung im eigenen beruflichen Umfeld erfahren haben. So hat jeder zweite Berufstätige die Erfahrung gemacht, dass durch den Einsatz digitaler Technologien viele Abläufe im Betrieb schneller geworden sind. Knapp jeder Vierte betont auch die gestiegene Effektivität.

Für die nächsten Jahre erwartet jeder Dritte infolge der Digitalisierung der Arbeitswelt für sich persönlich weitere gravierende Auswirkungen. Allerdings macht sich nur eine Minderheit der Berufstätigen ernsthaft Sorgen, den eigenen Arbeitsplatz aufgrund der technologischen Entwicklungen zu verlieren.

Die Untersuchung stützt sich auf 1.437 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre, davon 827 Interviews mit Berufstätigen. Die Interviews wurden im April 2016 durchgeführt.

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  • Autor

    INSM Redaktion

    Hier schreibt die Redaktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

  • steinweg

    Warum sagt niemand, dass, wenn alles effektiver und druckvoller wird, er auch mehr ab haben will ? Warum spricht niemand von den effektiven Erträgnissen der Arbeit ?

  • Stagnierende Löhne und ein Renteneintritt nach dem Tod wären schwer zu vermitteln, wenn man den Menschen die Fähigkeit gibt ihren Teil des Ertrags einzufordern. Das ist nicht die Aufgabe einer Lobbyorganisation wie der INSM. Dort ist alles was gut für die Unternehmen ist automatisch gut für alle anderen.

  • Mordred

    lustige umfrage. einfach mal ein paar denkanstöße dazu, man vergleiche dazu prof. Gunter Dück:
    – alles, was der konsument leichter und bequemer via internet erledigen kann, steht jobmäßig auf der kippe. sog. flachbildschirmrückseitenberatung: reisen, banking, versicherungen, immobilien…
    – die automobilbranche und alles, was damit verwoben ist, kann einpacken. man kombiniere einfach autonomes fahren mit Uber: via app ordert man ein passendes kfz wann und wo man will. ein eigenes braucht man nicht mehr. taxifahrer, zugfahrer und lkw-fahrer werden nicht mehr benötigt bzw. rechnen sich nicht. autoversicherungen können einpacken, weil keine unfälle mehr gebaut werden. oder sie werden den kunden zwingen, nicht mehr selber zu fahren, weil so die unfallquote gesenkt wird. und gleichzeitig kann man so den auslastungsgrad der vorhandenen kfz erhöhen -> es werden insgesamt wesentlich weniger benötigt.
    – outsourcing von einfachen bürojobs oder gleich kompletter wegfall durch automatisierung der auftragsbearbeitung von anfang bis ende.

    das sind nur ein paar billige beispiele, die so schon momentan umgesetzt worden sind oder gerade umgesetzt werden. entweder man kann mehr als das internet oder man wird zu prekariat. das gilt quasi für alle branchen. und das gilt selbst wenn, wie dan chris richtig anmerkt, die löhne mit der produktivität angemessen mit steigen. denn alleine der messbarkeit wegen und aus sicherheitsgründen wird mensch aus den arbeitsprozessen rausgedrängt werden.

  • Zugführer fallen unter Umständen nicht so schnell weg. Sie sind unter anderem an Bord, falls etwas passiert, z.B. ein Zug bleibt mitten auf der Strecke stehen. Sie kontrollieren auch die Strecke auf Schäden, etc. Das alles lässt sich nicht so einfach automatisieren. Es ist eben mehr als nur das Fahren, was oft vergessen wird.

  • Mordred

    ok. aber an der grundsätzlichen tendenz / idee ändert das ja nichts.
    wobei für dein szenario braucht es imho keinen zugführer mit derzeit hoher qualifikation. nen billigerer, etwas höher qualifizierter schaffner sollte da schon reichen.

    habe gerade nochmal den artikel gelesen. wirklich zum schreien^^
    man könnte meinen, der wäre vor 15 jahren geschrieben worden.

  • Kann schon sein. Vielleicht will man aber auch besser qualifiziertes Personal haben, welches sich dann noch um andere Dinge kümmert. Mich stört an der Diskussion, dass sie vieles ausblendet. Bei Flugzeugen wird es auch nicht sobald dazu kommen, dass sie autonom ohne Piloten fliegen. Die Piloten sind als redundantes System zum Autopiloten an Bord. Ein redundantes System ohne Mensch ist sehr teuer und komplex.
    Das Druckmittel Automatisierung wird allerdings bestehen bleiben. Wir müssen also unsere Idee der Wohlstandsverteilung über Erwerbsarbeit hinterfragen.

  • Mordred

    dem stimme ich 100% zu.