Staatsbürgerliche Freiheit ist solange eine Illusion, als sie nicht auch auf die wirtschaftlichen Grundfreiheiten der Freizügigkeit von Kapital und Arbeit, des Rechtes auf Privateigentum und auf Sicherung ehrlichen Gewinnes gegründet ist. Alfred Müller-Armack, 1901 - 1978, deutscher Nationalökonom, Kultursoziologe

3 Steuern und Finanzen

Warum die Vermögensteuer nicht wieder erhoben werden sollte

Obwohl sie seit 20 Jahren in Deutschland nicht mehr erhoben wird, war sie nie richtig weg: Die Rede ist von der Vermögensteuer. Beinahe in jedem Bundeswahlkampf wird über die Besteuerung von Vermögen gestritten. Man muss also kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass die Vermögensteuer auch im Wahlkampf 2017 ein Thema sein wird. (mehr …)

Kürzlich hat der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erklärt, er unterstütze unter bestimmten Bedingungen die Einführung einer privaten Vermögensteuer. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat berechnet, dass der Staat mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 10 bis 20 Mrd. Euro rechnen könnte.

Die ökonomische Theorie besagt: Vermögen ist das auf die Gegenwart diskontierte Einkommen der Zukunft. So erhält eine Aktie ihren Wert durch die in der Zukunft erwarteten Erträge. Man kann also die Belastung durch eine Substanzsteuer wie die Vermögensteuer in eine Belastung von Erträgen umrechnen und umgekehrt. Es ist zu entscheiden, ob eine Einkommensteuer oder eine Vermögensteuer erhoben werden soll. Es verursacht unnötig hohe Kosten, neben einer Einkommensteuer eine Vermögensteuer zu erheben. Zudem bestehen erhebliche Zweifel, ob die Wiedererhebung der Vermögensteuer verfassungskonform wäre.

Davon einmal ganz abgesehen: Die Steuereinnahmen sprudeln wie nie zuvor. Fast 700 Milliarden Euro stehen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden in diesem Jahr zur Verfügung. Im Jahr 2020 dürfte das Steueraufkommen sogar die 800 Milliarden-Marke überschreiten. Geld ist also genug da. Warum also jetzt noch eine weitere Steuerquelle erschließen? Kein Euro fällt vom Himmel, sondern muss erwirtschaftet werden. „Jede Leistung des Staates beruht auf einem Verzicht des Volkes“. Dieser Satz Ludwig Erhards sollte beherzigt werden. Ohnehin ist die Belastung durch die Einkommensteuer – nicht zuletzt durch die „kalte“ Progression – hoch. Potentiale zur Entlastung der Einkommensteuerzahler sind vorhanden. Wer die Leistungs- und die Investitionsanreize nicht weiter schwächen will, sollte dafür sorgen, dass die Bürger wieder mehr von ihrem Lohn behalten dürfen.

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  • Autor

    Dr. Alfred Boss

    war langjähriger Wissenschaflter im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

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  • Falk

    Sorry, aber was ist denn das für ein Unsinn?
    Es geht um die Vermögenssteuer, also eine Steuer, die eben nicht vom Einkommen sondern vom Vermögen abgezogen wird. Und der Mann redet davon, dass mehr vom Lohn übrig bleiben soll.
    Und baut dafür ein theoretisches (!) Konstrukt drumherum.

  • “Die Steuereinnahmen sprudeln wie nie zuvor.”
    Der übliche Trick. Ob der Staat deutliche Mehreinnahmen hat oder nicht sollte man relativ zum BIP ansehen. Wenn die absoluten Steuereinnahmen jährlich um 2% steigen, die Ausgaben aufgrund höherer Löhne und Inflation auch um 2% steigen, dann ändert sich an der staatlichen Leistung gar nichts.
    Weiterhin kann eine Vermögenssteuer die Einkommen entlasten, indem die Einkommenssteuer gesenkt wird und / oder bestimmte Leistungen vom Staat erbracht werden. Der Punkt ist, dass man die extreme Vermögensungleichheit kaum durch eine Einkommenssteuer beheben kann. Das extreme Vermögen Einzelner kostet uns alle Geld.

  • Korrekt. Ich als grundsätzlich wirtschaftsliberal eingestellter Mensch verstehe überhaupt nicht, warum viele Wirtschaftsliberale eine Erbschaftssteuer so kategorisch ablehnen, hat Erben doch wirklich gar nichts mit dem Gedanken der Leistungsgerechtigkeit zu tun. In einer perfekten Welt sollte nach meinem Verständnis die Erbschaftssteuer, nach einem großzügigen Freibetrag, gegen 100% gehen, dafür im gleichen Maße die Einkommenssteuer gesenkt werden.

    Dann hätte jeder den Anreiz und die Berechtigung, in seinem Leben soviel Vermögen anzuhäufen wie er es eben vermag; aber mit seinem Tod würde dieses Vermögen der Gesellschaft zurückgeführt, die maßgeblich die Rahmenbedingungen für eben diesen Erfolg erst geschaffen hat.