Geld ist die Garantie dafür, daß wenn wir etwas wollen, wir es in Zukunft haben können. Auch wenn wir im Moment nichts brauchen, sichert es die Möglichkeit, einen neuen Wunsch zu befriedigen, wenn er auftaucht. Aristoteles, 384-322 v. Chr., griechischer Philosoph

- Ordnungspolitik

Digitalisierung – nicht ohne (Weiter-)Bildung 4.0

Digitalisierung ist in aller Munde. Ob im Arbeitsalltag, zu Hause oder in der Schule – die neuen Technologien und Entwicklungen werden weitreichende Veränderungen mit sich bringen. Dafür müssen die passenden Rahmenbedinungen geschaffen werden.

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Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt in Deutschland verändern. Manche Tätigkeiten werden verschwinden, während andere neu entstehen. Die Anforderungen an die Arbeitnehmer werden mit fortschreitender Digitalisierung steigen. Wie reagieren wir auf diese sich verändernden Rahmenbedingungen?

Digitalisierung in der Schule

Eine Antwort muss lauten, dass wir bereits in der Schule mit der Vermittlung digitaler Kompetenzen beginnen. Ein Musterbeispiel hierfür ist das kleine Estland, wo in der Grundschule das Fach “Programmieren” auf der Tagesordnung steht. Dadurch werden die Kinder schon im frühen Alter an die Digitalisierung herangeführt. In der weiterführenden Schule kann man darauf aufbauen und die Kompetenzen beziehungsweise das Wissen dementsprechend vertiefen. Im deutschen Bildungssystem wäre die Umsetzung eines solchen Ansatzes ein richtiger Schritt in die Zukunft.

Ergänzend sollte man in der Schule auch einen Fokus auf das Thema “Umgang mit (sozialen) Medien” legen. Dieser Schritt könnte eine präventive Maßnahme gegen Suchterkrankungen in diesem Bereich darstellen. Es ist nämlich festzustellen, dass sich ein Anstieg von Suchterkrankungen bei jungen Menschen immer mehr auf “Online-Sucht” oder “Internet-Sucht” zurückführen lässt. Deshalb: Bei allen Chancen der Digitalisierung sollte der richtige Umgang damit gelernt sein.

Digitalisierung am Arbeitsplatz

Wie können wir der Digitalisierung im Arbeitsleben begegnen? Es fängt damit an, dass wir in Deutschland eine neue Weiterbildungskultur brauchen. Dies bedeutet konkret, dass Weiterbildung in allen Betrieben und bei allen Arbeitnehmern zur Normalität werden muss. Was sich zuerst einmal harmlos anhört, ist in Wahrheit mit großen Veränderungen des Status Quo verbunden. Zurzeit ist die Situation nämlich folgende: Viele Arbeitnehmer, die Weiterbildung in Anspruch nehmen, weisen von vornherein ein höheres Qualifikationsniveau auf. Dagegen nutzen Geringqualifizierte, ältere Menschen und Arbeitnehmer kleinerer Firmen relativ selten Weiterbildungsangebote. Es gibt in Deutschland also einen “Weiterbildungsgap”.

Ein Erklärungsansatz: Kleinere Firmen haben häufiger das Problem, dass sie keine Kapazitäten besitzen, auf einen Mitarbeiter kurz- oder langfristig zu verzichten. Der organisatorische Aufwand, einen Ersatz zu suchen, ist für sie oft mit großen Mühen verbunden. Generell ziehen einige Arbeitgeber die Investition einer Weiterbildung in Zweifel. Es wird erwartet, dass viele Mitarbeiter früher oder später sowieso das Unternehmen verlassen. Warum sollten sie also noch Zeit, Mühe und Geld zusätzlich aufwenden?

Zwei Gruppen, bei denen Arbeitgeber selten den Sinn von Weiterbildung sehen, sind Geringqualifizierte und Ältere. Ein Grund hierfür ist, dass die Weiterbildung bei diesen Gruppen mehr Zeit in Anspruch nimmt und an einigen Stellen betreuungsintensiver ist. Bei älteren Arbeitnehmern wird vor allem das zukünftige Potenzial für das Unternehmen nicht gesehen –  frei nach dem Motto: “In 5-10 Jahren sind die doch sowieso in Rente!” Diese Einstellung werden wir uns im Angesicht des demografischen Wandels und der komplexen Herausforderungen der Digitalisierung nicht mehr leisten können.

(Weiter-)Bildung 4.0 – so könnte sie aussehen

Es bedarf mehr denn je einer präventiven und ausbalancierten Aus- und Weiterbildungskultur.

Folgende Vorschläge können hierbei helfen:

  1. Jeder Arbeitnehmer sollte in seinem Leben einige Jahre für Weiterbildung aufwenden dürfen.
  2. Die Ausbildung muss wieder attraktiver gestaltet werden, um den Bedarf an Fachkräften zu decken.
  3. Bund und Länder müssen ihre Zuständigkeiten sowie Angebote besser bündeln und das Thema Weiterbildung nach oben auf die politische Agenda setzen.
  4. Von Seiten der Politik und der Unternehmen müssen die Potenziale leistungsschwächerer Arbeitnehmer stärker in den Fokus genommen werden.
  5. Kleine und mittlere Unternehmen müssen logistisch und finanziell bei der Umsetzung von Weiterbildung unterstützt werden.

Wenn die oben genannten Vorschläge in die Tat umgesetzt werden, brauchen wir die Digitalisierung und deren Folgen für die Arbeitswelt nicht fürchten. Mit Hilfe einer präventiven Aus-und Weiterbildungsstrategie können vielmehr die Chancen dieser Entwicklung genutzt werden. Und wenn wir auch noch in der Grundschule digitale Grundkompetenzen vermitteln, dann wird Deutschland höchstwahrscheinlich zu den Gewinnern der Digitalisierung zählen.

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  • Autor

    Adrian Sonder

    ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag.