Wenn keine Notwendigkeit für ein Gesetz besteht, besteht die Notwendigkeit, kein Gesetz zu erlassen. Baron de Montesquieu, 1689 - 1755, französischer Schriftsteller und Staatstheoretiker

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Politik und Realität: Woran die Rentendebatte krankt

Höhere Renten für alle? Die große Koalition plant nach der Rente mit 63 und der Mütterrente weitere Leistungsausweitungen in der Rente. Dabei unterliegt sie einem großen Missverständnis.

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Noch keiner Rentnergeneration ging es besser als der heutigen. Dennoch ist pünktlich vor dem Wahlkampf eine Diskussion um die gesetzliche Rente entbrannt. Der weitere Sinkflug des Rentenniveaus müsse ein Ende haben, so die Forderung aus dem Arbeitsministerium. Regelmäßige Begründung: Es drohe sonst massenhaft Armut im Alter. „Die Rente muss für ein gutes Leben reichen“ proklamiert etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Von den Folgen für die  Beitragszahler einmal abgesehen, die eine Anhebung des Rentenniveaus zur Folge hätte, unterliegt diese Argumentation einem weit verbreiteten Irrtum.

Das Rentenniveau gibt an, wie sich die Renten eines Durchschnittsverdieners zum aktuellen Durchschnittslohn verhalten. Derzeit liegt es etwa bei 47,5 Prozent. Nach neuesten Prognosen sinkt das Rentenniveau – der demografischen Entwicklung geschuldet – bis zum Jahr 2035 unter 43 Prozent. Das klingt dramatischer als es ist: Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet nicht, anders als oft suggeriert wird, dass die Renten sinken, sondern nur, dass die Kaufkraft der Renten langsamer steigt als die Kaufkraft der Löhne.90 Prozent der Rentner werden 2030 sogar besser dastehen als heute, hat der Rentenexperte Prof. Axel Börsch-Supan berechnet. Legt man den aktuellen Rentenversicherungsbericht zu Grunde, wird der Durchschnittsrentner – selbst bei einer angenommenen Inflation von zwei Prozent – im Jahr 2029 mehr Kaufkraft in der Tasche haben, als der Durchschnittsrentner heute.

Gemeinsam mit privater und betrieblicher Vorsorge verhindert die gesetzliche Rente wirkungsvoll Armut im Alter. Heute sind gerade einmal 2,6 Prozent der über 65-jährigen auf Grundsicherung im Alter angewiesen und damit weit weniger, als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (8,9 Prozent). Der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums rechnet unter pessimistischen Annahmen langfristig etwa mit einem Anstieg der Grundsicherungsempfänger auf 5,4 Prozent.

Letztlich entscheidend aber ist: Die Anhebung des Rentenniveaus beseitigt in aller Regel keine Altersarmut, es würden die Falschen profitieren. Grundsicherung im Alter beziehen vor allem ehemalige Selbstständige, die nie rentenversichert waren, Langzeitarbeitslose und Erwerbsunfähige. Ein höheres Rentenniveau hilft diesen Menschen wenig bis gar nicht.

Besser wäre es freilich, das Übel an der Wurzel zu packen. Bei der Vermeidung von Altersarmut spielt der Zugang zum Arbeitsmarkt eine Schlüsselrolle. Bildung und Qualifizierung fördert die Integration in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus wäre eine Vorsorgepflicht für Selbständige ein sinnvoller Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut. Wichtig dabei ist, dass es den Selbständigen selbst überlassen bleibt, wie sie dieser Pflicht nachkommen. So bleibt die Rente demografie- und armutsfest zugleich.

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  • Autor

    Marc Feist

    ist Diplom-Volkswirt und verantwortet bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Grundsatzarbeit.

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  • Helmuth Schrickel

    Ich bei diesen Rechenwerk meine Rente auch mit berücksichtigt worden . Das Rentensystem mit der Rentenformel sollte doch einmal überdacht werden . Diese Formel garantiert die Auszahlung von Rentenpunkte mit einem Rentenwert . jedes Jahr wird die Rente neu berechnet und der Bruttoverdienst ist da der Schlüssel. Die Pension der Beamten werden anderes errechnet und das ist die richtige Lösung . Alles mal nehmen und am Ende mit der schwarzen Null malnehmen . Das jahrelange Tauziehen muss ein Ende finden . Eine staatliche Kontrolle ist ja ganz schön und auch Gut ,aber muss das alles nur die Einzahler bezahlen und die Errechner bekommen aus diesem Topf nur das Beste . Das Gesetzbuch SGB VI könnte schon lange anders aussehen ,doch der politische Wille ist nicht vorhanden . Die Leute die für das System sind und entscheiden sind ja gar nicht betroffen und die die rente bekommen haben keine Ahnung über diese Gesetze . Ein Rentner ist dann froh überhaupt noch von seiner Rente die Miete zu bezahlen . Aber dieser glaubt noch an die Obrigkeit und deren Endscheidungsvermögen . Jedes Jahr das gleiche Spiel es gibt mehr für Reiche und die armen Rentner werden die Sozialleistungen gekürzt . Ist eine Lebensformel für Rentner so schwer auszurechnen ,das ein Wissenschaftliches Gutachten jedes Jahr neu bezahlt werden muss und der Ärmste in Staat bekommt 5 Euro ,das reicht nicht einmal für ein Medikamentenzuzahlung . Hut ab vor soviel Geschenke für Leute die das Geld in Immobilien anlegen können .

  • Ein schönes Stück Propaganda.
    “Noch keiner Rentnergeneration ging es besser als der heutigen.”
    Woran machen sie das Fest? Zwar steigen die Renten. Aber die Lebenskosten steigen eben auch. Auch als Rentner muss man seine Miete bezahlen. Wenn man privat Krankenversichert ist, dann hat man es mit aktuell steigenden Beitragssätzen zu tun.

    “Derzeit liegt es etwa bei 47,5 Prozent. Nach neuesten Prognosen sinkt das Rentenniveau – der demografischen Entwicklung geschuldet – bis zum Jahr 2035 unter 43 Prozent. ”

    Genau das ist eben falsch. Die Entwicklung ist politisch gewollt. Man hätte die steuerliche Förderung der privaten Renten genausogut in die gesetzlichen Renten stecken können. Gleichzeitig hätte man den Betrag, der jetzt in die private Rente fließt in die gesetzliche stecken können. Am Ende wäre die Belastung geringer, die Kosten aber auch. Das Rentenniveau wäre deutlich höher. Das Fazit muss also lauten, dass politische Entscheidungen zu einer Absenkung des Rentenniveaus geführt haben. Gleichzeitig hat man eine instabile Komponente eingeführt. Wenn die privaten Renten nicht zahlen können, bzw. zusammenbrechen, dann springt der Staat ein. Aktuell haben einige massive Probleme, weil es eben geringe Renditen gibt.