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Schere schließt sich

Die Schere zwischen arm und reich schließt sich

Angeblich “kippt” die Gesellschaft und die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Armut ist aber in der aktuellen Wirtschaftskrise dramatisch zurückgegangen. Zumindest wenn man sie in der hirnrissigen Art und Weise misst wie das auch in Deutschland üblich ist, nämlich als Anteil derjenigen, die weniger haben als die Hälfte des Durchschnitts. Wenn aber die Reichen auf einmal ärmer werden, sinken der Durchschnitt und der Anteil derjenigen, die weniger haben, ebenfalls. Mit wahrer Armut und Sorge um das nackte Überleben hat das, was heutzutage in Deutschland als Armut kolportiert wird, nicht das Mindeste zu tun. Über diese DGB-Armut können die wirklich Armen dieser Welt nur lachen. Anders als die wahre Armut lässt sich auch die vom DGB und seinen Claqueuren in den Medien beklagte Wohlstandsarmut spielend leicht beheben – wir nehmen den Reichen ihre Mehrverdienste weg, dann haben alle das Gleiche, und die Armut ist verschwunden.

Prof. Dr. Walter Krämer, Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik Technische Universität Dortmund.


Ein gängiges Klischees auf der Titelseite, aber falsch: Die Finanzkrise vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich nicht, sondern verkleinert sie, da besonders die Besserverdiener unter dem Absturz der Aktien- und Immobilienkurse leiden.

7 Kommentare zu “Schere schließt sich”

  1. [...] Deutliche Worte zur Propaganda der Lobby der Tarifarbeitsplatzinhaber findet Walter Krämer im ÖkonomenBlog. [...]

  2. Melanie Gatzke sagt:

    Die Schere zwischen arm und reich vergrößert sich also.
    Wen wundert das.
    Zitat:
    wir nehmen den Reichen ihre Mehrverdienste weg, dann haben alle das Gleiche, und die Armut ist verschwunden.–
    ———————
    Das ist schlichtweg Unfug.
    Es geht nicht darum , dass alle gleich haben, sondern darum, dass alle Lebensgrundlagen haben. ihre Existenz bestreiten können.
    Da wird immer mit derselben Keule losgeschlagen, “machen wir alle gleich”, das ist Populismus und eine Verdrehung der Tatsachen.
    Es geht nicht um Gleichmacherei. Natürlich muß Leistung belohnt werden.
    Aber, das bedeutet doch nicht, dass einige wenige den erwirschafteten Gewinn zum größten Teil abschöpfen und der Rest der Belegschaft bekömmt die Almosen, zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben.
    Auch für die Belegschaft gilt, Leistung muß sich lohnen, sie stehen am Fließband und erwirtschaften und prodzuieren.
    Also , haben sie auch Anspruch auf einen existenzsichernden Lohn.
    Von 1 Million Gewinn kann nicht die Vorstandschaft 900 000 abschöpfen– Gehälter und Boni– die restlichen 100 000 verteilt man an die Arbeiter— ich habe das jetzt überspitzt dargestellt.
    Die Manager können eben nur soviel bekommen, wie nach Abzug der Kosten für alle zur Verfügung steht.
    Das sind in vielen Betrieben eben keine Multimillionengehälter. Es sei denn, man nimmt sich das einfach ohne Rücksicht auf Verluste. So gehen die Volkswirtschaften ebenfalls kaputt. Wir sehen es doch täglich.
    Wer zahlt denn die Differenz — vom Einkommen zu den Lebenshaltungskosten. Doch wieder der Steuerzahler– über Hartz 4 Aufstockung. Also bezahlen die Bürger eben noch mehr Steuern.
    Das ist volliger Unfug.
    Also , schwingen sie bitte nicht mehr die Keule von der Gleichmacherei, als Gegenargument für nicht gerechtfertigte Dampinglöhne.
    Wer arbeitet, soll davon leben können, sonst kann er sich gleich auf die faule Haut legen.
    Kommen sie jetzt auch nicht mit dem Argument, manche Arbeit sei nicht mehr wert.
    Das mag sein, aber das trifft nur für Personen mit Erwerbsminderung aus Gründen irgendwelcher Behinderungen zu. Hier ist es gerechtfertigt, dass der Staat zuzahlt.
    Wir sollten endlich in der Lage sein, das ganze differenziert zu betrachten.
    Immer wenn Existenzsicherung gefordert wird, kommt die unsägliche Aussage: Dann machen wir doch alle gleich. So ein Blödsinn.

  3. [...] geben), der “Stimme der ökonomischen Vernunft” (wo es zumindest mich schon schüttelt) ist zu einem Magazin-Cover (Bild) aus Köln zu lesen: “Ein gängiges Klischees auf der Titelseite, aber falsch: Die Finanzkrise vergrößert die [...]

  4. chriwi sagt:

    @Melanie
    Genau das ist das Denkproblem das viele haben mit denen man diskutiert. Statt es etwas gerechter zu machen fürchten sie lieber um ihre 100000 Euro. Denn immer sind es die anderen die auf meinen Kosten leben.

    Einen schönen Kommentar findest du hier
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/803/481276/text/

    Nun zu Herrn Krämer. Als Professor an einer Universität muss man sich natürlich über Altersarmut und Jobverlust unglaublich kümmern. Arm zu sein heißt nicht nur hungern. Es heißt auch zum Beispiel Ausschluss aus dem sozialen Leben oder Verlust der Freiheit. Denn wer kein Geld hat ist nicht frei. Aber von oben herab lässt sich das natürlich nicht so leicht erkennen. Außerdem stelle ich ihnen die Frage wieso ein höherer Lohn, Rente oder Sozialleistung ungerecht ist in ihren Augen und die Marktprinzipien zerstört. Allerdings ist es scheinbar okay wenn Porsche 100 Millionen an seine bald Ex Vorstandsvorsitzenden gibt als Abfindung. Nur hat er fast den Konzern auf dem Gewissen und die Folgen zahlen die Arbeitnehmer und auch der Staat denn Entlassungen wird es geben. Das nennt sich dann wohl Marktgesetz. Alle die viel haben lassen sich Allimentieren und Absichern bis es nicht mehr geht, aber den ärmeren der Gesellschaft verkaufen sie den unbedingten Strukturwandel und die Leistungsgesellschaft. Genau das sind Probleme Herr Professor und nicht das arme in Deutschland nicht Hungern.

  5. Der Artikel des Ökonomen erschüttert mich zutiefst… die “armen” Reichen.
    Nun ist die Finanzkrise Schlud, dass es den Reichen schlechter geht. Ja Ja… der liebe Geiz und das Steben nach noch mehr Geld, und zwar so viel, dass man es sein Lebtag nicht mehr Verkonsumieren kann ist doch die Triebfeder.
    Die durch die Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer abgeschöpften Gewinne, die nicht in die Realwirtschaft flossen und eine daraus entstehende Spekulationsblase sind doch die Probleme gewesen. Da haben sich unsere vermögenden Freunde doch selbst ein Bein gestellt, indem sie in die Finanzmärkt gingen, weil sie keine “bessere” Anlageform fanden. Ich sag mal selbst schuld!
    Und jetzt zu jammern…. na also Herr Ökonom… das muss doch nicht sein.
    Ich möchte gern sehen, wie der Herr Prof. Dr. von 354 Euro im Monat lebt.
    Aber das wird nicht passieren, weil Professoren der Unis ja Beamte sind und ne ruhige Kugel schieben.
    Zu behaupten, dass die Schere zwischen arm und reich zusammengeht mag rechnerisch stimmen, dennoch müssen die “armen” Reichen nicht in der Suppenküche Schlage stehen! Und die Auferstehung der Suppenküchen im viertreichsten Land der Erde ist schon ein Armutszeugnis für die Reichen!!!!
    Über den Armutsvergleich mit der dritten Welt braucht man wohl nichts sagen, weil auch unsere Deutschen “armen” Reichen von der Armut der dritten Welt profitieren.

    Es ist doch ein Segen, was uns die Neoklassik beschert…. Ups Ironie ist wohl fehl am Platze….

  6. Traurig, dass gerade Herr Walter Krämer sich zu so einem dämlichen Artikel hinreißen lässt.
    Gerade er als Statistik Professor sollte doch wissen, dass die Armut gar nicht an einem ominösen “Durchschnittseinkommen” gemessen wird, sondern am Medianeinkommen (sprich, 50% haben mehr, 50% der Bevölkerung haben weniger Einkommen) – und für dieses ist es (fast) gänzlich unerheblich, ob ein Milliardär in die Millionen abrutscht.
    Das Herr Krämer gegen die Schere von Arm und Reich “argumentiert” (wirkliche Argumente findet man ja nicht) ist nicht zu erklären, da – wiederum gerade er – Begriffe wie Gini-Koeffizient und Medianeinkommen (und deren Entwicklung in den letzten 10-20 Jahren) kennen sollte.

  7. [...] machen. Die Reichen verlieren ja viel mehr durch die Krise, da ist Häme nicht angebracht, sondern Freude darüber, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich so auf wundersame Weise [...]

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Der Autor:

Prof. Dr. Walter Krämer

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