Jeder sollte wissen: Je kleiner die Schritte, desto mehr Schritte muss er machen. Horst Köhler, *1943, Bundespräsident AD

5 FinanzmarktSteuern und Finanzen

Eigenkapital fördern statt Kreditklemme beklagen

Anträge für KFW-KrediteWie kann in Deutschland eine Kreditklemme verhindert werden? ÖkonomenBlog-Autor Prof. van Suntum sieht in speziellen Konjunkturkrediten mit negativen Kreditzinsen eine mögliche Lösung. Für den Abgeordneten des Bundestags Frank Schäffler  ist dagegen die steuerliche Ungleichbehandlung von Fremd- und Eigenkapital ursächlich für die drohende Kreditklemme.

Derzeit wird viel über die Kreditversorgung der Wirtschaft diskutiert. Die “Kreditklemme” sei das Hauptproblem, heißt es. Zur Lösung des Problems sollen die Notenbanken direkt Kredite vergeben oder die Banken sollen bei mangelndem Eigenkapital “zwangskapitalisiert” werden. Auch die KFW als “Allzweckwaffe” wird wieder ins Spiel gebracht. Die “totschlagende” Hand des Staates ist allgegenwärtig.

Krisenursache ist die extensive Geldpolitik der Notenbanken. Dies hat eine Kredit- und Investitionsblase produziert, weil Kredite vergeben wurden, die nicht aus Erspartem, sondern aus purer Geldschöpfung bestanden haben. Ein auf Pump finanzierter Aufschwung war die Folge. Seit dem Jahr 2008 wird dieser künstliche Boom nun korrigiert. Die sich derzeit ankündigende Kreditklemme ist nur ein Bestandteil dieser Korrektur.

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Vergeben Banken Kredite an Unternehmen, prüfen sie das Eigenkapital sowie die laufenden Einnahmen und Ausgaben. Bricht der Zahlungsfluss ab, ist die Bank nach dem Kreditwesengesetz verpflichtet, mehr Sicherheiten, also Eigenkapital vom Kunden einzufordern. Geschieht dies nicht, muss die Bank entweder das Kreditvolumen reduzieren oder im schlimmsten Fall sogar den Kredit fällig stellen. Deshalb sind die Appelle von Steinbrück und Co. zur verstärkten Kreditvergabe durch die Banken ein Aufruf zum Rechtsbruch.

Wenn Umsätze um 40 Prozent und mehr einbrechen, sind vor allem Reserven wichtig. Wer in der aktuellen Krise darüber verfügt, ist gut dran. Dies gilt auch für die Banken, denn Krise der Banken ist eine Eigenkapitalkrise. Im Verhältnis zur Bilanzsumme gingen die privaten Geschäftsbanken mit einer Eigenkapitalquote von unter 2 Prozent im Jahr 2007 in die Krise, die gesamte Branche mit unter 5 Prozent. Künftige Kreditausfälle oder Wertberichtigungen auf das Vermögen lassen das Eigenkapital dann sehr schnell abschmelzen.

Elemente der Substanzbesteuerung sind pures Gift für die Unternehmen. Ob sie “Zinsschranke” oder “Hinzurechnung bei der Gewerbesteuer” heißen, am Ende zahlen Unternehmen auf Kosten Steuern und vermindern daher die ohnehin schwache Eigenkapitalbasis. Das Gegenteil ist notwendig.

Wer heute als Unternehmer eine neue Maschine kauft und diese Investition mit einem Bankkredit finanziert, kann die Schuldzinsen als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Finanziert er sie dagegen mit Eigenkapital, ist dies nicht möglich. Die Fremdfinanzierung ist daher bereits aus steuerlichen Gründen verlockender, wird aber in Krisenzeiten zum Damoklesschwert. Die Unternehmensbesteuerung in Deutschland ist nicht finanzierungsneutral. Ganz im Gegenteil, sie fördert die Fremdfinanzierung zu Lasten der Innenfinanzierung und schädigt daher den Substanzerhalt von Unternehmen und gefährdet Arbeitsplätze. Viel besser ist es, gerade die Selbstfinanzierungskräfte der Unternehmen zu stärken.

Eine steuerliche Gleichstellung von Kreditfinanzierung und der Finanzierung aus Eigenkapital nicht nur ein wichtiger Schritt für die Neutralität des Steuerrechts, sondern auch ein große Hilfe für die Wirtschaft in der aktuellen Situation.

Diese Gleichstellung kann durch den steuerlichen Abzug der Verzinsung des Eigenkapitals, wie sie der Heidelberger Steuerökonom Manfred Rose in seinem Konzept der „Einfachsteuer” vorschlägt, erreicht werden. Dies würde direkt die Eigenkapitalbildung anregen und damit auch die Kreditfähigkeit der Unternehmen verbessern.

Der Zeitpunkt ist auch steuerpolitisch ideal: Der wirtschaftliche Einbruch wird das Aufkommen der Körperschaftsteuer und die veranlagte Einkommensteuer ohnehin einbrechen lassen. Gegenüber 2008 werden nach der aktuellen Steuerschätzung diese Steuern im Jahr 2010 um 40 Prozent auf rund 29 Milliarden Euro zurückgehen. Eine Reform der Unternehmensbesteuerung ist daher jetzt viel leichter möglich.


Zum Thema Kreditklemme veröffentlichte der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler einen Gastbeitrag in der FTD.

Zur Grafik: Um einem möglichen Kreditengpass vorzubeugen vergibt die Förderbank KFW Kredite im Rahmen eines Sonderprogramms. Die Zahl der Anträge ist im laufenden Jahr kontinuierlich angestiegen. 

  • Autor

    Frank Schäffler

    war bis 2013 Abgeordneter der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

    Alle Beiträge

  • Pingback: INSM - ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM … | Finanzen und Kredite in Deutschland()

  • Die Banken zunächst einmal zu verstaatlichen ist die richtige Lösung auch wenn sie dogmatischen Ideologen und Lobbyisten nicht gefällt.
    Wir können und dürfen die Wirtschaft nicht gefährden!

    Was immer mehr Markt und weniger Staat angeht so möchte ich auf Alfred-Müller-Armack hinweisen, der als Vater der ECHTEN (alten) sozialen Marktwirtschaft gilt.

    Über Marktwirtschaft:

    “Sie ist nur ein überaus zweckmäßiges Organisationsmittel, aber auch nicht mehr, und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, der Automatik des Marktes die Aufgabe zuzumuten, eine letztgültige soziale Ordnung zu schaffen und die Notwendigkeiten des staatlichen und kulturellen Lebens von sich aus zu berücksichtigen.”

    -Alfred Müller-Armack

    „Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, und den ich mit meinen Freunden vertrete, fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.“

    – Alexander Rüstow ((ECHTER) ordoliberaler Ökonom)

    Daß nun in eigenartiger Anlehnung an die soziale Marktwirtschaft uns neue Ideen verkauft werden, die in Wirklichkeit uralt sind (vor Rüstow und Müller-Armack) und das der Drang immer wieder in die falsche Richtung geht ist bedauerlich.

    Nicht umsonst sagte der ordoliberale Rüstow über Hayek und Mises, daß in Spiritus eingesetzt ins Museum gehören!

    Die gigantische Schäden sind da und wir brauchen nun keine Ideologen und Lobbyisten!

  • spieker

    @Wundertüte:
    Sie haben recht, die Soziale Marktwirtschaft a la Erhard und Müller Armack ist auch eine Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise 1929f und ganz klar kein laizer-faire Kapitalismus. Einen neoliberalen Marktradiaklismus haben wir auch nicht in Deutschland, schon gar nicht nach 60 Jahren Sozialstaat. oekonomenblog-Autor Hartmann Wendels hat übrigens auf der insm homepage die alten und offenbar in der Finanzkrise immer noch aktuellen Grundsätze von Eucken und Erhard gut auf die Finanzkrise angewendet.
    http://www.insm.de/insm/Themen/Steuern-und-Finanzen/INSM-Dossier-Finanzkrise/Was-w-rde-Erhard-sagen.html

  • Pingback: Endlich ein halber Mitstreiter, der Finanzierungsklemme nicht nur auf Kreditklemme reduziert « Blick Log()

  • Peter Schütz

    Leider wird hier im INSM-Ökonomenblog soweit ich es durch die Eingabe des Suchbegriffs “Geldschöpfung” in Ihre Suchfunktion feststellen konnte nicht der Kern der Finanzkrise, nämlich die Geldschöpfung der Banken durch ein privates (geheimes) Bankenkartell behandelt. Schade!
    Da surfe ich doch lieber auf die Seiten von Bernd Senf (www.berndsenf.de), der blickt wenigstens durch.
    Ach ja: bin mal gespannt ob dieser Kommentar hier veröffentlicht wird :-)