Was ökonomisch richtig und was politisch opportun ist, ist selten identisch. John Kenneth Galbraith,1908 - 2006, amerikanischer Ökonom, Sozialkritiker, Präsidentenberater, Romancier und Diplomat

4 Umwelt

Zwischenruf aus der Praxis: Staatliches Energiemanagementsystem

Der Staat regelt alles – das gilt erst recht beim Thema Strom. Mit zertifizierten  Energiemanagementsystemen werden Unternehmen staatlich vorgeschrieben, auf wie und wo Strom gespart werden sollte. Das kann nicht gut gehen. Ein Bericht aus der Praxis.

(mehr …)

Energie sparen ist wichtig, auch für Unternehmen. Wer würde dieser Aussage widerspre­chen? Niemand, sollte man annehmen. Ist doch der sparsame Umgang mit Ressourcen eine völlig normale Aufgabe des Unternehmens, um Kosten zu sparen. Doch wie soll das Energie-Sparen praktiziert werden? Unser Staat hat da eine klare Meinung. Er möchte den Unter­nehmen vorschreiben, wie sie das tun. Um in den Genuss des so genannten Spitzenaus­gleichs zu kommen, müssen die Unternehmen ein Energiemanagementsystem aufbauen.

Erinnern wir uns. 1999 wurde die Stromsteuer eingeführt und mit Wirkung ab 2013 ge­än­dert. Die Einnahmen aus der Stromsteuer verwendet der Staat zu 90 Prozent für die Senkung der Beiträge zur gesetzlichen Rente. Unter­nehmen, die dabei schlecht abschneiden – weil sie relativ viel Energie verbrau­chen und wenige Mitarbeiter haben, also viel Stromsteuer zahlen und wenig von der Senkung der Rentenbeiträge profitieren –, können durch den Spitzen­aus­gleich entlastet werden, aber nur dann wenn sie ein Energiemanagementsystem einführen und sich von akkreditierten Auditoren zertifizieren lassen.

Das Energiemanagement ist genau geregelt. Denn es ist durch eine internationale Norm definiert, die ISO 50001. Darin wird detailliert vorgeschrieben, wie das Unternehmen Energie sparen muss. Es wird geregelt, wie die strategischen und operativen Ziele zu definieren sind, wie die Maß­nahmenpläne zu gestalten sind und ebenso die Planung, die Umsetzung und das Betreiben des Systems, das Überwachen und Messen von Anlagen. Die Dokumentations­pflichten sind erheblich. Wer die Zertifizierung in der Praxis erlebt, empfindet sie als ziemlich formalistisch und büro­kratisch. Es wird mehr gefragt „Werden Maßnahmen definiert?“ als „Wie sinnvoll sind die Maßnah­men, die definiert werden?“. Nun, gewiss ist auch etliches Sinnvolles dabei, das will ich nicht abstreiten. Es gibt aber viele Ungewissheiten. Wie soll man ein Energie-Einspa­rungs­ziel für das nächste Jahr objektiv definieren? Was heißt -1,5 Prozent? Bei dem einen Unternehmen wächst der Umsatz, beim anderen sinkt er. Wenn ein Unter­nehmen mehrere, unterschiedlich energieintensive Produkte fertigt, wie berücksichtigt man dann im Wert für das Gesamtunter­nehmen die veränderten Anteile der Produkte am Umsatz? Fragen über Fragen. Wer mit dem Thema nicht vertraut ist – und das sind viele –,  kann übrigens Berater engagieren, die sich in der Auditierung auskennen, eventuell weil sie selber Auditoren sind.

Die Auditoren und das Zertifizierungsaudit kosten einiges an Geld, auch erheblicher interner Aufwand fällt an: für Energie­mana­ge­ment-Beauftragte, interne Audits, Schulungen, Frei­stellungen und anderes mehr. Ein mittleres Unternehmen ist da schnell bei 20.000 bis 30.000 Euro Gesamt­kosten im Jahr. Zwar gibt es für kleine Unter­neh­men ein vereinfachtes Verfahren, doch die volkswirt­schaft­lichen Kosten des Energiemanagementsystems liegen gewiss bei mehreren zehn Millionen Millionen.

Mittlerweile ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem auch für die Entlastung bei der EEG-Umlage Voraussetzung. Das Bedenkliche am Energiemanagement ist, dass der Staat den Unternehmen unter Androhung, den Spitzenausgleich zu verpassen, vorschreibt, wie sie ihre Arbeit zu machen haben und dass sie sich zertifizieren lassen müssen. Mag sein, dass Politi­ker sich gut in der Öffentlichkeit präsentieren können, wenn sie verkünden: „Ich habe diese und jene Maßnahme zum Energiesparen durchgesetzt.“ Aber letztlich ist das ein unnötiger Eingriff in die Autonomie der Unternehmen. Mit dem gleichen Recht könnte sich der Staat in das Sparen bei anderen Unternehmensressourcen einmischen und ein entspre­chendes Managementsystem plus Auditierung vorschreiben.

Fazit: Jedes Unternehmen wird sich im eigenen Interesse um die effiziente Nutzung der Ener­gie bemühen und braucht nicht den Staat als Nachhilfelehrer. Wenn das Unter­nehmen externes Know-how braucht, kann es Berater anheuern. Ein Unternehmen, das seine Haus­aufgaben nicht macht, wird im Rahmen unserer Marktwirtschaft sanktioniert, nämlich vom Wettbewerb. Und dabei sollte es bleiben.

Keinen Ökonomen-Blog-Post mehr verpassen? Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, und abonnieren Sie unseren WhatsApp-Nachrichtenkanal oder unseren RSS-Feed.

  • Autor

    Dr. Henning Wagner

    kommentiert Wirtschaftsthemen aus seiner jahrelangen Erfahrung im internationalen Automotivegeschäft. Zuletzt in der Position als kaufmännischer Geschäftsführer, befasst er sich mit Strategie, Finanzen, Einkauf, Personal und Logistik.

    Alle Beiträge

  • Kammerjäger

    Das Fazit ist natürlich dogmatisch-naiver Unfug. Betriebswirtschaftlich ist ein Unternehmen daran interessiert, möglichst viele seiner Kosten zu externalisieren. Es ist Aufgabe des Staates, diese Externalisierung, die den Menschen und den anderen Unternehmen schadet, zu unterbinden.

    Verzicht auf Regulierung bedeutet hier, das nicht die Unternehmen, die effizient Leistung erbringen, im Wettbewerb bestehen, sondern diejenigen, die am unverfrorensten ihre Kosten zum Schaden aller auf andere abwälzen.

    Verzicht auf Kontrolle bedeutet in diesen Kontext zudem, dass nicht die ehrlichen, sondern die Kriminellen im Wettbewerb bestehen.

    Ist es das, was der Autor uns hier empfehlen will? Das wir die kriminellen und ineffizienten Unternehmen im Wettbewerb fördern?

    Der Diesel-Abgasskandal von VW lässt grüßen.

  • Ich muss dem Autor teilweise beipflichten. Diese unsäglichen Zertifizierungen bringen nichts. Sie kosten nur Geld. Man weißt quasi die Strukturen / Methodiken nach. Beim Diesel würde man nachweisen, dass man die Messsysteme hat und nach einer Norm messen kann. Das diese Messung ungeeignet interressiert nicht.
    Einfacher ist es daher in meinen Augen, die Kosten für Energie anzuziehen. Die Ausnahmeregelungen müssen weg. Parallel dazu kann man ein Investitionsprogramm auflegen, welches es den Unternehmen ermöglicht Energie zu sparen. Die hohen Kosten und das Angebot sie zu senken, sind in meinen Augen weniger kontrollintensiv. Man spielt quasi in der BWL Strategie der Unternehmen.

    Das der reine Wettbewerb das Problem lösen wird, ist in meinen Augen ebenfalls absurd. Will man als Staat, dass Unternehmen Energie sparen, muss der Rahmen gesetzt werden. Das kann man gut argumentieren, da in den aktuellen Energiepreisen nicht im Ansatz die Kosten für die Umweltzerstörung, Menschenleben aufgrund von Verschmutzung und Rückbaukosten für Atomkraftwerke eingespeist sind.

  • Hallo Dan Chris, Unternehmen haben ja schon selbst ein Interesse Energie zu sparen, weil Energie eben Kosten verursachen. (HIr)

  • Das stimmt allerdings nur, wenn die Kosten zum Sparen von Energie geringer sind als die Kosten der Energie selbst. Das ist genau mein Punkt. Wenn die Politik will, dass Unternehmen Energie sparen, dann müssen die Kosten so hoch sein, dass sich Investitionen lohnen.

    Das ist ein Fehler der in der Politik immer wieder gemacht wird. Man dämpft durch die Rahmenbedingungen die Lohnkosten, senkt die Unternehmenssteuern und wundert sich dann, dass die Produktivitätssteigerung sinkt und Investitionen ausbleiben. Es wird dabei der einfache Punkt vergessen, dass Investitionen Risiko sind und Geld kosten. Einen Roboter kann man nicht kündigen, einen Mitarbeiter schon.

    Auf die Energie übertragen. Bei schlechter Auftragslage, sinkt der Verbrauch und die Kosten automatisch. Die neue Halle mit der extra Isolation steht aber immer noch da. Mich erstaunt, dass die INSM so simple Zusammenhänge nicht begreift.