Solidarität ist möglich
Wenn wir in diesen Tagen, 20 Jahre nach dem Mauerfall, auf die Aufbauleistungen in den neuen Bundesländern schauen, drängt sich zwangsläufig die Frage auf: wie geht’s weiter mit dem Soli? Nicht, dass es im Osten nichts mehr zu tun gäbe. Aber der Aufbau von Infrastruktur und die Angleichung der Lebensverhältnisse sind weitgehend abgeschlossen. „Wenn man dies alles zusammennimmt, haben wir zwischen Rostock und Suhl jeden Anlass, stolz zu sein“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck dazu.
Der abrupte Schwenk von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft war für viele nicht immer leicht – in der Gesamtschau aber sehr erfolgreich. Stück für Stück kann sich der Staat jetzt aus der Finanzierung des Angleichungsprozesses zurückziehen. Das schrittweise Auslaufen der Solidarpakt II-Transfers ist bereits beschlossene Sache. Warum aber soll der Solidaritätszuschlag dann noch in voller Höhe den Steuerzahlern auf der Tasche liegen? Übrigens in West und Ost gleichermaßen. Bereits heute werden nicht einmal mehr 80 Prozent aus dem Soli-Aufkommen (Steuereinnahmen 2009 etwa 12 Mrd. Euro) in den Aufbau Ost investiert (Solidarpakt 2009 etwa 9,5 Mrd. Euro). Mit dem Rest werden längst andere Staatsausgaben finanziert. Und auf frei verfügbare Steuereinnahmen will kein Finanzminister wehrlos verzichten. Im Gegenteil: Viele behaupten, der Staat sei pleite und Steuersenkungen seien nicht möglich. Die Zahlen belegen aber das Gegenteil: noch nie hatte der Staat so viel Geld wie in diesen Jahren. Er müsste einfach mal etwas weniger ausgeben. Sparen könnte er bei den Subventionen (momentan 58 Mrd. Euro), beim Umsatzsteuerprivileg der Deutschen Post (0,5 Mrd. Euro) oder bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (Einsparpotential 36 Mrd. Euro). Wenn der Staat weniger ausgibt, könnte er dann auch endlich einmal Solidarität mit seinen Steuerzahlern üben.


“Die Zahlen belegen aber das Gegenteil: noch nie hatte der Staat so viel Geld wie in diesen Jahren.”
2009 Wirtschaftskrise und sinkende Steuern tauchen sogar in diesem Diagramm auf.
Einsparungen:
“Vergabe öffentlicher Aufträge” – weniger Einnahmen bei Firmen, da die Aufträge zurückgehen
“Umsatzsteuerprivileg”
würde ich mitgehen
“Subventionen”
Müssen immer diffenrenziert betrachtet werden. Was als Einsparmaßnahme fehlt sind die Bankenrettungspläne. Wie werdend die refinanziert?
“Steuersenkungen seien nicht möglich”
Durch die wirtschaftliche Lage würde ich dem zustimmen. Es gibt außerdem keine Belege, dass mit Steuersenkungen die Wirtschaft angekurbelt wird. Es stimmt zwar, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, aber der Staat nicht. In der Summe sind die Investitionen die gleichen.
Hier mal einen Link zum Thema Steuern
http://www.cbpp.org/cms/?fa=view&id=692
“Wenn der Staat weniger ausgibt, könnte er dann auch endlich einmal Solidarität mit seinen Steuerzahlern üben.”
Der Staat gibt doch für die Steuerzahler aus. Ich weiß nicht was das mit Solidarität zu tun hat Leistungen in Bildung, Straßen, Sicherheit, Umwelt, etc. zu kürzen und dafür 30 Euro im Monat zu sparen.
@ chriwi: “Ich weiß nicht was das mit Solidarität zu tun hat Leistungen in Bildung, Straßen, Sicherheit, Umwelt, etc. zu kürzen und dafür 30 Euro im Monat zu sparen.” – na ja, ich kenne viele Familien mit Kindern, die gerne 30 Euro im Monat mehr in ihrer Tasche hätten. Weil sie über dieses Geld dann individuell verfügen und es selbst sinnvoller einsetzen können (z.B. für Bildung, Förderung oder gute Freizeitbeschäftigung), als es der Staat tut.
@medorf
Menschen die 30 Euro Soli zahlen werden diese ganz sicher nicht nötig haben, da sie genug verdienen. Der Punkt den du ansprichst zeigt eigentlich schon die Ganze Farce an der Geschichte. Man kann sein Geld individuell und frei Einsetzen und verwendet es dann für Bildung zum Beispiel, weil das Bildungssystem nicht genug Geld hat man seinen Kindern aber eine bessere Ausbildung gönnen will. Das heißt es wird auf der einen Seite gekürzt und man muss dann halt selber zahlen. Warum nicht wie in Großbritannien? Da sind Museen zum Beispiel kostenlos (nicht alle Bereiche aber die meisten).
Man muss immer abwägen ob man Ende die gleichen Leistungen für den gleichen Preis kriegt. Das ist halt schwierig zu überblicken. Man sieht halt nur das Minus auf dem Lohnzettel und nicht was man alles bekommt. Ich glaube nämlich kaum, dass man mit 30 Euro weit kommen würde, bei Bildung und Freizeit. Viele Vereine werden zu recht gefördert, Museen und Theater ebenfalls. Es ist eben nicht ganz so einfach.
Leider vergessen. Kann vom Moderator auch gerne ans Ende gehängt werden. Wenn man schon 30 Euro mehr will, warum nicht mal wieder die Löhne erhöhen
http://3.bp.blogspot.com/_nDfdUOz_F9Q/So-9A7mO1FI/AAAAAAAAAB0/OC_uuL2j7Vw/s400/20080410_03.gif
@ Chriwi:
“Es stimmt zwar, dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, aber der Staat nicht. In der Summe sind die Investitionen die gleichen.”
Quantitativ haben Sie wohl recht, aber es geht doch darum, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Wenn eine Familie 50 Euro für einen Kinobesuch ausgibt, kann man sicher sein, dass diese Ausgabe für die Familie lohnend war, sonst hätte sie sie nicht getätigt. Wenn statt dessen die 50 Euro wegbesteuert und damit Theaterkarten subventioniert werden, damit der Herr Minister mit Gattin nicht ganz so viel für die Vorführung des “Jedermann” hinblättern muss, bezweifle ich, dass dies für oben genannte Familie den selben Wert hat.
Eine aktuelle Studie zu dem Thema
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,645335,00.html
@toby
“Quantitativ haben Sie wohl recht,”
Wirtschaftspolitisch wird aber genau das gemacht. Es wird von einer Tasche in die andere geschoben und am Ende passiert gar nichts. Wenn wir die Steuern allgemein senken hat der Herr Minister zwar keine subventionierten Karten mehr, aber was stört es ihn wenn er dafür deutlich weniger Steuern zahlen muss.