Der Griff in die Staatskasse entspricht nicht den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns, des redlichen Bürgers. Paul Kirchhof, *1943, ehem. Bundesverfassungsrichter

4 OrdnungspolitikSteuern und Finanzen

Rekordwachstum an den Unis

Die Entwicklung der Anzahl der Studienbeginner.

Veränderungen machen vielen Menschen Angst. Gefahren werden dann oft überschätzt und die Chancen immer unterschätzt. In der Bildung scheitern Reformen, weil Anpassungsprozesse politisch zerredet werden.

Die Einführung von Studiengebühren ist über Jahre blockiert worden – und noch immer proklamieren einige Parteien: kostenlose Bildung von der Wiege bis zur Bahre. Warum eigentlich? Mit Studiengebühren schrecke man junge Menschen vom Studium ab. Chancengerechtigkeit sei in Gefahr.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt aber: die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Zum Glück. Denn wir brauchen in Deutschland nicht weniger, sondern mehr Studierende. Und der Trend geht genau in diese Richtung. 2008 – Rekordwachstum an den Hochschulen: 386.800 neu eingeschriebene Studierende. So viele, wie noch nie. In einigen Bundesländern fließen die Studienbeiträge komplett in die Hochschulen. Das ist der einzig richtige Weg, um nicht nur Quantität zu erhöhen, sondern auch Qualität zu verbessern. Ganz offensichtlich wird hier – wieder einmal – die Gefahr einer Veränderung deutlich überschätzt, die Chancen dafür sehr unterschätzt. Schade!

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • chriwi

    Die Schlussfolgerungen sind in meinen Augen nur bedingt richtig. Der Anstieg bei den Studenten begann als die Doppeljahrgänge starteten.
    http://wiki.zum.de/Doppeljahrgang
    Der Effekt wird größer sein.

    Die Chancengerechtigkeit ist dennoch gefährdet. Denn jemand ohne Schulden oder jemand mit Schulden. Wer hat den leichteren Start? Vor allem weil sie Herr Döttling garantiert kostenlos hätten studieren können.

  • Pingback: Tweets die INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) » Blog Archiv » Rekordwachstum an den Unis erwähnt -- Topsy.com()

  • Es wäre sinnvoller, substanzielle Studiengebühren mit großzügiger Stipendienvergabe zu koppeln. Die Massenunis produzieren keine wettbewerbsfähige workforce…

  • RaMo

    Der Rückgang der Piraterie ging mit einer Klimaerwärmung einher – ergo: Piraten sind gut fürs Klima…
    Wie sieht das Verhältnis zwischen Studienanfängern und Abiturienten aus? Aus welchen gesellschaftlichen Kreisen rekrutieren die Universitäten ihre Studenten und wie hat sich dieses Bild verändert?
    Wenn Sie dafür argumentieren, Menschen die eh in der Regel unterhalb des Existenzminimums leben, weiter zu belasten, dann tun sie das wenigstens gründlich.