Wieso soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat? Angela Merkel, *1954, erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

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Studiengebühren wirken positiv

Die Zahl der Studienabschlüsse ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Im Jahr 2008 haben mehr als 300.00 Studenten ihr Studium erfolgreich abgeschlossen

Studiengebühren  schrecken nicht vom Studium ab. Gegner dieser neuen Finanzierungsform hatten befürchtet, dass Studiengebühren eine Flucht der Studenten in gebührenfreie Bundesländer auslöse. Eine aktuelle Studie des DIW zeigt das Gegenteil: So ist die Wahrscheinlichkeit, dass Studienanfänger ihr Studium im heimischen Bundesland aufnehmen wollen, in Ländern mit Gebühren nur um zwei Prozent geringer als in Ländern ohne Gebühren. Auffällig ist, dass vor allem Abiturienten mit schlechten Noten eine gebührenfreie Uni wählen, während die Abiturienten mit Abiturnoten von 1,0 bis 1,5 – trotz Gebühren – eher im Heimatland bleiben. Die Gebührenländer profitieren damit doppelt: Einmal durch zusätzliche finanzielle Mittel, zum andern durch den Zulauf von Studenten mit besserer Abiturnote.

  • Andreas Heil

    Die Verallgemeinerung und einseitigste Interpretation der Mediziner-Daten aus der DIW-Studie spricht mal wieder Bände für die Art und Weise, wie die INSM bei Anschein von Seriosität das genaue Gegenteil fabriziert.

    Interessant ist aber schon die Chuzpe, mit der offensichtlich angenommen wird, dass die Rezipienten dieses Blogs die verlinkte Studie entweder gar nicht erst anklicken oder wenigstens nicht verstehen.

    Und solange die allermeisten Studiengebühren nicht höher sind, als die einsparbaren Wohnungskosten für auswärts Studierende, liegt die Fragwürdigkeit der Betrachtung ohnehin auf der Hand, wenn man aus solchen Daten Kaffeesatz liest.

    Ich wundere mich nur immer wieder, dass sich Wissenschaftler dafür hergeben, na ja, in Zeiten des universitären Drittmittelwohlfühlfaktors vielleicht auch nicht. Aber hier ist’s ja “nur” der Chef und der wird schließlich genau dafür bezahlt. Vielleicht solltet ihr den Metzger mal wieder ranlassen, der bietet wenigstens immer zusätzlich eine gehörige Prise Humor, wenn auch meist unfreiwillig.

    Beste Grüße
    Andreas Heil

  • chriwi

    Ein wesentlicher Punkt warum die besseren Noten im Gebührenland wurde als Möglichkeit ausgeschlossen . Eltern mit Geld haben Kinder mit besseren Noten. Bei gleicher Leistung existiert diese Ungleichheit.
    Über die Qualität des Studiums sagen Gebühren im übrigen erst einmal gar nichts. Denn wenn im Gegenzug die staatliche Förderung reduziert wird, bleibt die Qualität gleich.

    Ein weiterer Punkt ist der Folgende. Wieso freut man sich, dass Studenten nebenher arbeiten müssen und/oder Kredite aufnehmen müssen? Wurde nicht hier im Blog die Bildungsoffensive verlangt? Warum nicht mehr staatliche Gelder bereitstellen und eine möglichst billige Bildung für alle garantieren. Das würde das Niveau deutlich erhöhen, da nicht die Besten im Studium vorne sind und nicht diejenigen wo die Eltern Geld haben. Denn die Analyse steht aus.

  • ramin

    Die Art wie hier argumentiert wird ärgert mich mitlerweile etwas. ich schaue mir extra diesen Blog an, da mich das gehaltlose geschwafel meiner vwl studierenden mitbewohnerin neugierig gemacht hat – und jetzt sowas. es muss zwar nicht immer eine exakte Rechnung sein, aber zumindest eine plausible rechtfertigung der behauptungen wäre doch schön. eine zwingende begründung mag vielleicht in der wirtschaftswissenschaft schwer zu erreichen sein, aber zumindest sollte der Inhalt der entsprechenden Studie nicht so einseitig dargestellt werden – insbesondere wenn sich dort auch ein dramatisch anderer kontext abzeichnet. die argumentation hat wirklich keinerlei substanz. vielleicht bessern sie ja nach?

  • lukas

    Viele Gebührenländer erlassen ja Studenten mit guten Noten ihre Gebühren…

  • hoefer

    Ich empfehle, einfach die DIW Studie nachzulesen. Wer’s nicht glaubt, hier die zentrale Passage:
    “Die Wahrscheinlichkeit, dass Studienanfänger ihr Studium im heimischen Bundesland aufnehmen wollen, sinkt in Gebührenländern um rund zwei Prozentpunkte. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des DIW Berlin. „Vor allem Abiturienten mit schlechten Zeugnissen weichen den Gebührenländern aus“, sagte DIW-Finanzexpertin Nadja Dwenger. „Studienanfänger mit sehr guten Abiturnoten schrecken die Studiengebühren dagegen kaum ab.“ http://www.diw-berlin.de/de/diw_01.c.342312.de/themen_nachrichten/studiengebuehren_gebuehrenfreie_laender_sind_doppelte_verlierer.html

    Damit ist die Kernaussage meines Blogbeitrags wohl klar belegt: Studiengebühren schrecken nicht vom Studium ab. Gebührenländer profitieren doppelt: Einmal durch zusätzliche finanzielle Mittel, zum andern durch den Zulauf von Studenten mit besserer Abiturnote.

  • Adlib

    Durch die Wiederholung eines Mantras wird das auch nicht wahrer. Die Betrachtung bleibt bestenfalls oberflächlich. Denn: Wenn eine Uni Studienanfänger mit besserer Abiturnote anzieht heißt das noch lange nicht, dass das auch die besseren Studierenden werden. Punkte wie persönliche Entwicklung, sich ausprobieren, Neues entdecken – all das kommt in dem implizierten Modell des effektiven Turbo-Studenten nicht mehr vor.

    Klar: Es ist offensichtlich, das Gebühren nur wenige vom Studium abhalten. Das Lern- und Studienmodell das sich hinter den Gebühren verbirgt, wird dadurch trotzdem nicht besser. Bildung ist ein Feld, in dem sich Effizienz denkbar schlecht in Zahlen ausdrücken lässt. Eine Uni, die hohe Absolventenzahlen hat, muss noch lange keine gute Uni sein. Ein Student mit exzellenten Noten, muss noch lange kein heller Kopf sein. Ich empfehle, schon etwas genauer hinzuschauen. Denn niemand hat etwas davon, wenn universitäre Bildung stromlinienförmig wird und Absolventen hervor bringt, die sich in ihrem Denken zu sehr gleichen. Querdenker sind es, die uns voran bringen. Nur muss man ihnen auch den Raum und die Zeit geben, mal quer zu denken. Im hier implizierten Modell ist das kaum noch möglich. Und wenn es doch mal einer macht – wird’s teuer.

    Mal ganz davon abgesehen, dass sich der Kommentar von Max Höfer in den letzten Sätzen so liest, als könnte die schlechteren Abiturienten eh keiner brauchen. Die Qualität eines gesellschaftlichen Bildungssystems drückt sich aber nicht nur darin aus, dass die Besten gefördert werden, sondern darin, dass die “durchschnittliche” Masse auch mitgenommen wird. Was Höfer hier insinuiert, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

  • Studiengebühren können einem das Leben schon schwer machen. Ich musste in eine andere Stadt ziehen, habe zudem also noch Mietkosten, Lebenshaltungskosten, etc. Und dazu noch ein geringes Bafög. Schön, wenn Studis noch bei ihren Eltern wohnen können. Aber ich sehe das an meiner Uni, da wohnt fast niemand mehr zu Hause und muss gucken, wie er jeden Monat einigermassen über die Runden kommt.