Staatsbürgerliche Freiheit ist solange eine Illusion, als sie nicht auch auf die wirtschaftlichen Grundfreiheiten der Freizügigkeit von Kapital und Arbeit, des Rechtes auf Privateigentum und auf Sicherung ehrlichen Gewinnes gegründet ist. Alfred Müller-Armack, 1901 - 1978, deutscher Nationalökonom, Kultursoziologe

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Verschleuderbremse beim Arzt

Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung sind seit 1991 stärker gestiegen als die beitragspflichtigen Einkommen pro Versicherten.ÖkonomenBlog-Podcast Folge 7  – mit Dr. Joachim Pimpertz

Schwarz-gelb plant die Gesundheitsprämie, bei der der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung eingefroren wird. In die Kalkulation für den neuen VW Polo müssen damit nicht mehr die steigenden Gesundheitskosten eingepreist werden. Für viele das entscheidende Argument für den avisierten Systemumbau.

Ein anderes Argument wiegt keinen Deut leichter: Mit der Prämie hat Gesundheit zum ersten Mal einen einheitlichen und festen Preis, funktioniert wie eine echte Prämie und nicht – wie bisher – wie ein Quasi-Steuersystem. Was einen Preis hat, kann auch verglichen werden. Damit läßt sich viel Geld im immer teurer werdenden Gesundheitssektor (siehe Grafik) einsparen. 

Preissignal nennen das Ökonomen wie Dr. Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Die Prämie könnte ein Startpunkt hin zu einem echten Kostenmanagement sein, ohne an der Qualität zu knappen. Kassen könnten mit differenzierten Policen in einen Wettbewerb um Versicherte treten und mit Ärzten über Preise für bestimmte Leistungen verhandeln – mit klaren Effekten auf der Ausgabenseite. Hören sie Jochen Pimpertz im Ökonomenblog-Podcast.

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Folge 7 mit Dr. Jochen Pimpertz: Verschleuderbremse beim Arzt


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  • chriwi

    “Was einen Preis hat, kann auch verglichen werden. Damit läßt sich viel Geld im immer teurer werdenden Gesundheitssektor (siehe Grafik) einsparen.”

    Was??? Ich möchte mal wissen auf welchen empirischen Daten diese unsinnige Aussage beruht. Strom hat einen Preis und wird auch immer teuerer. Mir fehlt da irgendwie die Möglichkeit der freien Wahl. Die ist nämlich nicht zwangsläufig gegeben.

    Nächster Punkt. Eine feste Kopfprämie ist eine Kostenverteilung zu lasten derjenigen die schon sehr wenig verdienen. Klar die Nebenkosten sinken. Aber für wen den lieber Autor? Sicher nicht für diejenigen die in Niedriglohnbereich arbeiten, oder im unteren Mittelstand leben. Wo ist denn da die Leistung die sich lohnen soll? Wenn man den heutigen Mittelwert auf alle gleichmäßig aufteilt wie sollen alle entlastet werden? Das ist eine Mathematik die nur der Autor versteht.
    Nächster Punkt. “Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung eingefroren wird. In die Kalkulation für den neuen VW Polo müssen damit nicht mehr die steigenden Gesundheitskosten eingepreist werden.” Als ob VW nicht von einem guten Gesundheitssystem profitieren würde. Man kann sich ja mal überlegen wie die Krankentage durch eine qualifizierte Behandlung reduziert wurden. Warum VW nicht beteiligen?

    Herr Pimpertz erzählt etwas von Wettbewerb, erklärt aber nicht warum die Preise für Medikamente in Deutschland deutlich höher sind und warum sich der Markt nicht für Apotheken öffnene lässt. Das sind offenen Frage. Warum muss es zig gesetzliche Krankenversicherungen geben und warum werden nicht alle ihrem Einkommen entsprechend beteiligt? Offen lässt er auch, ob das System zu teuer ist. Denn sieht man genauer hin erkennt man sehr schnell, dass wir uns ein Gesundheitssystem leisten können für das über 5 Millionen Menschen die einzahlen könnten dieses nicht tun. Hätten alle vernünftig bezahlte Arbeit, wäre das System durchaus bezahlbar. Aber das sind natürlich für die Wettbewerbsfanatiker keine Aussagen die zählen. Billiger, Billiger, Billiger!!
    Wie man dabei die Qualität gleichmäßig hochhalten soll ist mir persönlich ein Rätsel. Denn die Kosten sind in vielen Bereichen gesunken, die Gesamtkosten aber gestiegen, viele Menschen im Bereich der Pflege und der Gesundheit arbeiten am Limit und/oder werden schlecht bezahlt.

    Einen letzten Punkt. Wieso sollte jemand mehr arbeiten, wenn er durch die Senkung der Lohnnebenkosten schon mehr Geld erhält? Widerspricht das nicht der ökonomischen Vernunft?