Der Staat muss Gärtner sein und darf nicht Zaun sein, wenn er Wachstumspolitik betreiben will. Angela Merkel, *1954, erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

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Bad Bank für den Übergang

Abschreibungen der Banken

Die Finanzkrise hält uns weiter unter Spannung. Eine neue Abschreibungswelle der Banken rollt bereits. Die Wertberichtigungen auf Forderungen sowie die Abschreibung auf Wertpapiere führen dazu, dass sich das Eigenkapital der Banken verringert und entsprechend auch deren Fremdkapital reduziert werden muss. Dadurch wird das Potential der Banken für die Vergabe von Krediten immer geringer. Der Ruf nach einer gezielten Antwort des Staates wird deshalb immer lauter. Von Seiten der Banken wie von Vertretern des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) wird die Notwendigkeit einer „Bad Bank“ thematisiert. Faule Kredite oder toxische Wertpapiere könnten so aus den Bankenbilanzen ausgelagert werden. Deren Bilanzen wären auf einen Schlag vom Ballast fauler Papiere befreit. Der Blick auf das zukunftsorientierte Geschäft würde wieder frei, die Kreditvergabe könnte wieder in Gang kommen. Sicherlich ist dieser Weg mit erheblichen Anreizproblemen verbunden. Besonders die Preisfindung der toxischen Papiere wird sich als schwierig erweisen, da sich auf dem Markt kaum Käufer für diese Papiere finden lassen und so eine entsprechende Bewertung nicht möglich ist. Nichtsdestotrotz sollte über das Instrument der Bad Bank nachgedacht werden, anstatt es kategorisch abzulehnen. Denn hier kann ein Schirm mit großer Kraft aufgespannt werden, der später wieder ganz verschwinden kann.


Zur Grafik: Nach einer Umfrage der Bankenaufsicht müssen die Banken im Jahr 2008 mindestens 300 Milliarden Euro Abschreibungen vornehmen – in der Branche kursieren Zahlen bis zu einer Billion Euro. Die Grafik zeigt die Abschreibungen deutscher Banken in 2007.

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Die Bad Bank soll nun die Papiere aufkaufen und so den Banken aus Steuergeldern deFacto die Differenz aus Kaufpreis und Scheingewinn erstatten. Aus Buchverlusten werden so reale Staatsschulden. Absurd.

    Das der sonst geschätzte Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft

    Für eine Bad Bank eintritt, ist nur aus seiner Interessenslage als Vertreter der deutschen Wirtschaft zu verstehen, die sich um ihre Kreditversorgung sorgt. Wenn die Bilanzen der Banken insgesamt verkürzt werden, ist dies aber nicht notwendigerweise der Fall. Denn letztlich werden Luftnummern ausgebucht, die es auf beiden Seiten der Bilanz gibt. Wenn die Deutsche Bank den Eigenhandel einstellt, kann sie das hier eingesetzte Kapital eben auch besser für Kredite einsetzen.
    s.a.:http://fdog.wordpress.com/2009/01/23/die-banken-konnen-sich-nur-selbst-retten/#more-7311

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  • Sehr geehrter Herr Prof. Hüther,

    vor dem Hintergrund Ihres persönlichen Werdeganges und in Anbetracht der Institutionen, denen Sie angehören, liest sich Ihr Artikel sehr interessant. Man kommt quasi aus dem Stauen nicht mehr heraus, welche “neuen” Erkenntnisse hier dem Leser offeriert werden.

    Wieso ist denn eigentlich nach Ihrem Dafür-halten ein Eingreifen des Staates erforderlich? Der Markt kann die Problem in der Volkswirtschaft viel besser lösen als der Staat.

    Warum also soll der Steuerzahler für enttäuschte Renditeerwartungen der Banken/Unternehmer aufkommen? Das ist doch gerade die “zerstörerische Kraft des Kapitals”, die hier gerade zu beobachten ist. Diese soll doch als reinigendes Gewitter wirken, damit in der Folge dann wieder ein vernünftiges Handeln Platz greift.

    Wenn man dieses reinigendes Gewitter nun künstlich unterbindet, wird der Marktwirtschaft dann nicht ein wesentliches Element geraubt?

    Und was halten Sie von den Äußerungen Jim Rogers, der sich explizit gegen ein Eingreifen des Staates in der Finanzkrise ausspricht? Die inkompetenten Unternehmer verlieren ihre Unternehmen. Diese werden von den kompetenten Unternehmern weitergeführt, die offensichtlich ihr Geschäft besser verstehen.

    Es ist ja nicht so, dass die Kreditvergabe an Unternehmen aufhören würde, nur weil Deutsche Bank und Commerzbank und wie sie alle heißen insolvent sind. Das Geschäft würde dann von gesunden Marktteilnehmern übernommen, die dann auch keine Probleme hätten, ihre Kunden mit Krediten zu versorgen.

    Die Sparer müssten keine Sorgen haben, da auch bei diesem Modell die Spareinlagen über den Rettungsschirm abgesichert sind.

    Somit würden die Verluste diejenigen zu tragen haben, die die entsprechenden Risiken eingegangen sind und der Steuerzahler würde von unverantwortlichen Belastungen verschont, die moralisch nicht zu rechtfertigen sind.

    Für Ihre Antwort danke ich im Voraus.

    Ihr Kuchentester

  • Jens

    Ein Problem liegt ja auch darin, dass viele der problematischen Wertpapiere nach wie vor zu hoch bewertet sind (Stichwort Hauspreise – nur ein Beispiel). Übernimmt die Bad Bank die Wertpapiere zu überhöhten Preisen, bliebt der Steuerzahler letztendlich auf einem gigantischen Verlust sitzen, denn die Preise, zu denen die Wertpapiere momentan noch in den Bankbilanzen stehen, wird man wohl kaum wieder bei einem Verkauf erzielen können.

    Übernimmt die Bank Bank die Wertpapiere mit einem saftigen Bewertungsabschlag, bleibt das Problem mit den Milliardenabschreibungen für die Banken weiter bestehen.

    Insofern ist die Bad Bank nicht wirklich hilfreich.

    Gruß