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Shoppen für die Konjunktur?

Privater Konsum: Trotz Krise sind die Konsumausgaben der Deutschen in 2009 wieder gestiegen.

Ökonomen, Politiker, Gewerkschaften und Unternehmer wünschen ihn sich förmlich herbei: den exzessiven Konsum der Kunden. Denn die private Konsumnachfrage ist in allen Volkswirtschaften die wesentliche Größe für die Wirtschaftsentwicklung. Gerade haben wir den Kaufrauschmonat Dezember hinter uns gebracht, in dem die Kassen im Einzelhandel normalerweise klingeln wie nie. Trotzdem hielt sich nach meiner Wahrnehmung die Kaufwut diesmal im Rahmen, weil der statistische Durchschnittskonsument sein Geld derzeit doch lieber zusammen hält. Wer weiß, ob nicht erst im neuen Jahr die realwirtschaftliche Flaute auf die Arbeitnehmer voll durchschlägt. Und gerade in unsicheren Zeiten besinnen sich viele auf so altmodisch klingende Leitsätze wie „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!“.

Doch ist exzessiver Konsum wirklich das Gebot der Stunde im Kapitalismus. Sind nicht Sparen und Investieren die zwei Seiten der volkswirtschaftlichen Medaille? Denn alle privaten und öffentlichen Ausgaben müssen in der realen Welt unserer Volkswirtschaften erst einmal erwirtschaftet werden. Und ohne den Verzicht auf Gegenwartskonsum werden viele Menschen für das Alter nichts zurücklegen können. Dabei müssten wir alle doch wissen, dass ohne das „Entsparen“ im Alter Lebensstandardsicherung in alternden Gesellschaften unmöglich ist. Wer aber nicht anspart, weil er seine laufenden Einnahmen permanent voll konsumiert, der kann auch nicht „entsparen“. Weil die gesetzliche Rente für viele Menschen aber künftig nur noch für ein Leben an der Armutsschwelle reichen wird, schlägt deren mangelnde Konsumfähigkeit dann auch voll auf das Wachstumspotential der ganzen Volkswirtschaft durch. Denn die alten Jahrgänge werden auf absehbare Zeit die stärksten Kohorten in vielen Ländern sein.

Ob es uns passt oder nicht: Ohne Sparen im Privaten wie beim Staat, werden wir im Verschuldungsstrudel untergehen. Denn ob überschuldete Privathaushalte oder Staatshaushalte: Ständig müssen immer größere Einkommens- oder Steueranteile für die Zinsen und Zinsenzinsen des Schuldendienstes ausgegeben werden. Wer diesen Trend stoppen will, der muss den exzessiven kreditfinanzierten Konsum stigmatisieren. Weniger ist langfristig mehr! lautet für mich das neue Mantra in unserer marktwirtschaftlichen Ordnung.


Der Wirtschafts- und Finanzexperte Oswald Metzger gehörte von 1994 bis 2002 dem Deutschen Bundestag an. Eine Langversion seines Blogbeitrages finden Sie in der Samstagausgabe der Fuldaer Zeitung und im Internet.

4 Kommentare zu “Shoppen für die Konjunktur?”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Roger Otten, INSM erwähnt. INSM sagte: ÖkonomenBlog Shoppen für die Konjunktur? http://bit.ly/8w7Y56 [...]

  2. Eine Frage Herr Metzger. Wenn alle sparen, wer ist dann verschuldet? Um Investionen zu machen sollte wenigstens die Notwendigkeit bestehen. Niemand investiert in eine neue Fabrik, wenn schon nicht alles verkauft wird. Ist das nicht die Aussage von euch Experten zum Thema Automobilindustrie? Zu viel auf Halde produziert…
    Egal wie viel sie sparen, die aktuelle Generation muss immer die durchfüttern, welche Rentner, Kinder, Zinsfinanziert leben, etc.. Da können sie sich drehen und wenden wie sie wollen.

  3. Kritiker sagt:

    Das einzige ehrliche und sachlich richtige Wort, das Herr Metzger jemals gesprochen hat, lautet “Einspruch”. Das hat er dann gleich für Buch, Blog und nahezu jeden Artikel in irgendwelchen Mini-Gazetten verwurstet. Wie kann man eigentlich jemanden, der ohne Politik bei Hartz IV gelandet wäre und nie einen Ausbildungs- oder Studienabschluß erreicht hat, als “Wirtschafts- und Finanzenexperten” bezeichnen? Bloß weil er absondert, was diejenigen,die ihn bezahlen, hören wollen? Das ist doch nicht ernstzunehmen!

  4. Lieber Herr Metzger,

    Ihnen und allen hier ein glückliches neues Jahr.

    Bei aller berechtigter Kritik an Konsum, möchte ich festhalten, dass die Konsumenten in 2009 die einzigen waren, die den Kopf behalten haben und eine noch schlimmere Krise verhindert haben.

    Hätten die Leute mit Vertrauen so gegeizt wie unsere Banker, hätten wir den “Laden” dicht machen können.

    Mit freundlichem Gruß,

    FrankS

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Der Autor:

Oswald Metzger

ist Buchautor und ausgewiesener Haushalts- und Finanzexperte. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

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