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Bankbilanzen entgiften!

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Zu Beginn des Jahres 2010 verbinden sich mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung Hoffen und Bangen. Die Hoffnung, dass sich die im ersten Halbjahr 2009 vollzogene Trendwende der Konjunktur fortsetzen werde und die leichte Erholung weitergehe, nachdem die Wirtschaft zuvor dramatisch eingebrochen war. Und das Bangen, dass die Labilität der Erholung angesichts einer schwierigen Liquiditätslage der Unternehmen nicht zu einem erneuten Absturz führen möge. 

Die Trendwende kam früher und stärker als von den meisten Beobachtern vor Jahrsfrist erwartet. Dies zeigt die Robustheit unseres Wirtschaftssystems und sollte allemal Anlass zur Zuversicht sein. Aber trotz der Belebung wird 2010 das kritische Jahr der Krisenbewältigung sein. Vor allem im ersten Halbjahr wird sich erweisen, ob der eingeschlagene Pfad recht kontinuierlicher Expansion hält. Als besonders kritisch wird weiterhin die Gefahr einer Kreditklemme bewertet, obgleich diese Befürchtung bisher nicht durch einen entsprechenden gesamtwirtschaftlichen Befund gestützt wird. Nach Vorlage der im Schnitt schlechten Ergebnisse der Industrieunternehmen für das Jahr 2009 ist eine ratingbedingte Verschlechterung der Kreditkonditionen zu erwarten. Inwieweit dies im Zusammenspiel mit dem immer noch kränkelnden Finanzsystem zu umfänglichen Finanzierungsengpässen führt, wird sorgsam zu beobachten sein. Der von der Bundesregierung berufene Kreditmediator mag dabei in dem einen oder anderen Fall ausgleichend wirken. In jedem Fall hilfreich wäre aber eine durchgreifende Entgiftung der Bankbilanzen über ein wirklich funktionierendes, das heißt entsprechend überarbeitetes Bad Bank-Gesetz.

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  • Keynesianer

    Dan sollte man die Banken, die wackeln verstaatlichen. Das Rating steigt dadurch und die Refinanzierung wird günstiger. Man sollte aufhören das aus einem ideologischen Dogmatismus heraus zu betrachten. Später kann man, wenn gewisse Dinge sichergestellt sind, Banken wieder privatisieren. Wer Marktwirtschaft will, die das überlegenen System ist, der sollte auch dem Staat zugestehen daß er nicht die teuerste Lösung wählt und unnötig Steuergelder verschwendet. Verstaatlichung ist tatsächlich die günstigste und sparsamste Lösung. Diese ganzen teuren ideologiebedingten Taschenspielertricks helfen nicht weiter. Was sich in der Krise zeigt ist, daß weder der Staat noch privat besser wirtschaften insoweit es Hasardeure sind. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren ist keine Lösung. Privatbanken, wo ja die Gewinne privatisiert werden, sollten nicht “to big to fail” sein. Sonst droht, daß Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.

  • Kritiker

    Oho, was bedeutet denn das Sozialisieren der Verluste und das Privatisieren der Gewinne von Banken? Genau, Subventionen, wenn nicht gar fieser Sozialismus für Banken! Und der Steuerzahler soll dafür weiter haften, während er bei Arbeitslosigkeit darum bangen muss, dass die Bank den Kredit für sein Häuschen kündigt? Zuversicht und Trendwenden lassen sich übrigens nicht herbeischwätzen, Herr Hüther. Man könnte meinen, man sei bei einem Scharlatan mit Glaskugel auf dem Jahrmarkt, aber nicht bei einem Wissenschaftler…

Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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