Wenn keine Notwendigkeit für ein Gesetz besteht, besteht die Notwendigkeit, kein Gesetz zu erlassen. Baron de Montesquieu, 1689 - 1755, französischer Schriftsteller und Staatstheoretiker

14 FinanzmarktSozialesSteuern und Finanzen

Die nächste Runde für Hayek und Keynes

Wer ist Friedrich August von Hayek? John Maynard Keynes dürften momentan zumindest alle kennen. Beide Ökonomen trugen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts einen erbitterten wissenschaftlichen Kampf aus. Überzeugungen können unterschiedlicher nicht sein. Keynes meinte: der Staat müsse lenkend in den Markt eingreifen. Konjunkturzyklen mit Steuergeld bekämpfen. Hayek war anderer Auffassung: der Staat soll sich aus dem Marktgeschehen heraus halten und lediglich einen Ordnungsrahmen vorgeben. Die erste Runde ging an Hayek. Denn nach dem New Deal und der daraus resultierenden Staatsverschuldung der USA verstaubten Keynes Lehren die nächsten 80 Jahre in den Schubladen der Universitätsbibliotheken. Erst die Krise hat Keynes Theorien wieder an die Oberfläche gespült. Plötzlich sind wieder alle Keynesianer – wirklich alle? Der Kampf geht in die nächste Runde.

  • Keynesianer

    Bereit der ordoliberale Alexander Rüstow sagte über Hayek und Mises, daß sie in Spiritus eingesetzt ins Museum gehören. Das war immerhin einer der geistigen Väter der sozialen Marktwirtschaft. Das war drastisch ausgedrückt aber mit dem Museum hatte er RECHT! Die NEUE soziale Marktwirtschaft mag das wieder anders sehen. Aber Hayek wir auch hier zweckentfremdet!

    Sind wir jetzt alle Keynesianer?
    Nein!

    Keynes wird nur gerne mißbraucht und dann diffamiert!
    http://www.keynes-gesellschaft.de/

  • Markus

    @ Keynesianer

    Warum sich aufregen über diesen “Ökonomenblog”-Beitrag? Die INSM-Leute zeigen damit nur ihre große Unkenntnis über Keynes und den Keynesianismus.

    Aber wie heißt es doch so schön:
    “Wer nichts wird, wird Wirt, und wer gar nichts wird, wird Volkswirt.” ;-)

  • Keynes Lehren verstaubten nicht Achtzig Jahren in Schubladen – das ist eine ziemliche Geschichtsklitterung. Vielmehr waren sie in der Nachkriegszeit in vielen Ländern höchst einflussreich, siehe auch diesen Artikel in der Time aus dem Jahr 1965, der den berühmten Satz enthält „We are all Keynesians now.“ Erst die Stagflation der 70er Jahre hat den Keynesianismus in den Augen vieler diskreditiert.
    Den Schlusssatz des Vorposters kann ich aber gerne unterschreiben – für Keynes und Hayek. Beide waren größere Denker als viele ihrer Epigonen, und ihre Namen und Ideen wurden als Etikett für vieles missbraucht.

  • Ludwig von Mises

    @ Hollerbusch; Keynes wird immer wieder hervor geholt, wenn es mal nicht so läuft. Der Grund ist recht simpel: für Hayek wirken Krisen bereinigent, Ineffizienzen verschwinden quasi. Deswegen sollte die Politik nichts unternehmen, denn politische Staatseingriffe stören die natürliche Bereinigung. Aber nichts zu tun, bei steigender Arbeitslosigkeit, ist für die Politik schwer. Stattdessen legt man Konjunkturpakete auf. Folge: Überkapazitäten und Ineffizienten bleiben erhalten. aber die Politik hat die Wähler scheinbar erst einmal beruhigt. Geld ausgeben macht den Staat süchtig. Nach jeder Krise steigt die Staatsschuld. Irgendwann ist aber das Ende der Fahnenstange erreicht. Und dann wirds dunkel. Deswegen: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende mit Keynes

  • Ludwig von Mises

    und übrigens: nicht die Keynes Politik hat die USA 1930 aus der Krise geholt. Die hat nur die Staatsschuld erhöht. Konjunkturfördernd hat sich die massive militärische Aufrüstung im 2. Weltkrieg erwiesen.

  • Keynesianer

    @ Ludwig von Mises

    Ich wende mich gegen eine Reduzierung von Keynes! Keynes war nicht Mister Spending! Die Darstellung im Video ist GROTTENSCHLECHT!
    Das was momentan läuft hat mit Keynes auch nur noch ansatzweise etwas zu tun!
    http://www.keynes-gesellschaft.de/

    Was Mises und Hayek angeht, so gibt es eine klare Aussage eines der geistigen Väter der sozialen Marktwirtschaft!

    Alexander Rüstow meinte in einem Brief an Röpke, daß Hayek und Mises “in Spiritus gesetzt ins Museum” gehören “als eines der letzten
    überlebenden Exemplare jener sonst ausgestorbenen Gattung von Liberalen,
    die die gegenwärtige Katastrophe heraufbeschworen haben”.

    Heute wird Rüstow aus politischer Motvation von Hayek-Anhängern neben Hayek gestellt und dann wird das mit sozialer Marktwirtschaft getitelt!

    So wird das Organisationsprinzip der Marktwirtschaft wieder zu einem üblen Ergebnis führen und man bringt es zu Unrecht in Verruf.

    Das alles aus einem Klientelinteresse bzw. aus einer dogmatischen Ideologie heraus!

  • Keynesianer

    @ Ludwig von Mises

    Richtig, einen globalen Nachfragemangel der durch eine Umverteilung von unten nach oben entstanden ist bei hoher Produktivität, wie ihn auch der US-Ökonom Stieglitz beschreibt, kann man auch zu “Überkapazitäten” umdefinieren. Tatsächlich aber können sich in Deutschland bereits viele keinen Opel leisten, die gerne einen hätten. Weltweit, hätten sehr viele Menschen einen Opel, können sich aber nicht einmal sauberes Trinkwasser leisten. Wir könnten viele Opel produzieren, wenn wir in den Schichten mit hoher Konsumquote etwas mehr Geld hätten. In den USA hat man versucht das Problem über billige Kredite zu lösen. Dies ist natürlich kein Weg.

    Man sollte zumindest einmal Probleme erkennen und nicht aus einer einzelunternehmerischen Sicht oder ideologischem Dogmatismus heraus ignorieren. Übrigens, der Abbau von Überkapazitäten heißt auch Abbau von Kaufkraft und Steigerung der Sozialausgaben durch Arbeitslosigkeit. Wir könnten noch viel mehr Opel verkaufen, da würde eher der Sprit knapp werden!

  • Markus

    Keynes’ Lehre wir heutzutage leider vielfach verkürzt und verzerrt dargestellt. Als ob Keynes nicht mehr zu bieten hätte als “antizyklische Fiskalpolitik” und “deficit spending”! Und als ob Keynes nicht gewußt hätte, daß ständiges Schuldenmachen “Sch…” ist! – In Krisenzeiten kann sich aber kein verantwortlicher Politiker hinstellen und den Hayek machen (“Krisen wirken bereinigend” und “Der Staat soll sich aus dem Wirtschaftsgeschehen gefälligst heraushalten”). Außerdem wird bei diesem wirtschaftsliberalen Purismus nicht beachtet, daß Krisen nicht aus heiterem Himmel entstehen, sie also meist durchaus verhinderbar gewesen wären. Wer würde bei gegenwärtiger Finanz- und Wirtschaftskrise daran wohl zweifeln? Dazu muß man weiter ausholen:

    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2009/07/10.mondeText1.artikel,a0055.idx,12
    Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe

  • Ludwig von Mises

    @ Keynesianer
    wieso heißt Abbau von Überkapazität auch Abbau von Kaufkraft? das was an der einen Stelle abgebaut wird, wird an anderer Stelle aufgebaut. Das ist Strukturwandel. Keynes Problem ist, dass er die politischen Akteure nicht als Menschen begriffen hat, deren Handlungen egoistisch sind. Für die politischen Protagonisten zählt nur die Erhaltung ihrer Macht. Deswegen darf man dem Staat auch nicht zu viel Geld in die Hand geben, denn er wird es ausgeben. Legitimiert wird das leider oft mit Keynes Theorien

    Was den Disput Hayek und Rüstow angeht, so hatten die beiden wirklich eine gänzlich andere Auffassung von sozialer Marktwirtschaft. Für Hayek war die Marktwirtschaft an sich schon sozial. Jedoch braucht jedes Spiel, auch die Marktwirtschaft, Regeln. Das genau war für Hayek die Aufgabe des Staates und legitimiert das soziale in dem Begriff.

  • @Mises dann frage ich mich wieso Rosevelt als Veräter aus den eingenen Reihen eingestuft wurde. Nach dem Krieg wurde die Politik beinbehalten und der mittlere Wohlstand war sehr hoch. Die Einkommensschere war deutlich kleiner als heute. Selbst wenn sie alles auf die Kriegswirtschaft schieben zeigen sie sehr deutlich, dass ein staatliches Konjunkturporgramm wirken kann. Hayek und von Mises glauben an den Markt und genau das ist der Punkt. Sie glauben. Der Markt ist Mensch gemacht mit all seinen Fehlern. Nun soll aufgrund der Masse der Fehler des Einzelnen keine Rolle mehr spielen, denn nur der stärkste setzt sich durch. Wenn alle die gleichen Mittel und Chancen hätten mag das vielleicht eine Zeit lang zutreffen. Aber spätestens wenn einige so viel verlieren, dass sie sich nichts zu essen mehr leisten können werden sie wohl kaum dem Markt gehorchen und sterben sondern sich essen stehlen. Spätestens dann sind die Marktgestze gebrochen.

  • Keynesianer

    @ Ludwig von Mises.
    Aber sicher hat Keynes die Menschen als Menschen betrachtet. Nur er hat ein differenziertes Menschenbild was auch psychologische Aspekte betrachtet, durchaus auch Egoismus. Er setzt nur nicht aus ideologischem Dogmatismus heraus ein absurdes und realitätsfremdes Menschenbild in eine absurden Modellwelt, die es so gar nicht geben kann.

    Wir wissen ja, daß dies bereits im real existierenden Sozialismus schief ging!
    Das eine Modell schläft ein, das andere Modell explodiert!

  • Norbert

    @Keynesianer

    Da kann man einmal sehen, wohin man kommt, wenn man von den Dingen nichts weiß.

    Was für ein absurdes Menschenbild hatten den Mises und Hayek? Absurd sind eher die Ideen des Herren Keynes und es zeigt sich nicht erst seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Keynes ist der Weg in die Knechtschaft :-)

  • Lösung der volkswirtschaftlichen Probleme:
    Verarmung der Bevölkerung
    Kinderarmut
    Staatsverschuldung
    Geld für Schulen und Bildung
    Geld für das Gesundheitswesen
    Arbeitslosigkeit
    Hartz IV
    Insolvenzen privat wie unternehmerisch
    Ladensterben
    Bankenkrise, Finanzkrise

    Verehrter Leser,

    Die Lösung ist eigentlich ganz einfach:
    Wir brauchen

    eine gesetzliche Begrenzung von
    inländischem
    Gewinn bringendem
    Vermögen
    bei natürlichen Personen.

    Mehr dazu unter http://www.meudalismus.dr-wo.de

  • mendorf

    @ Dr. Wo: also ehrlich, es tut mir schon ein wenig weh, solche Kommentare freigeben zu müssen. Aber wieso nicht. Muss jeder für sich selbst entscheiden, ob es was bringt, die gesammelte Gülle über die Marktwirtschaft auszuschütten. Das hilft aus meiner Sicht keinem weiter. Wer das Gewinnstreben von Menschen begrenzen will, führt uns geradewegs in die Armut und in gesellschaftliche Verwerfungen. Diejenigen, die einen starken Staat durch große Gewinne (und hohe Steuern) möglich machen, werden das Land verlassen und sich ein schönes Leben in Australien machen. Oder Kuba. Auch da geht es den Militärführern und der absolutistischen Oberschicht extrem gut – nur leider nicht den Menschen.