Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut. Bertholt Brecht, 1898-1956, deutscher Dramatiker, Lyriker

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Autowerke die Steinkohlezechen von heute?

Der Absatz neuer Autos in Deutschland hat viel Tempo eingebüßt. Im Rekordjahr 1999 wurden noch gut 3,8 Millionen neue Pkws auf die Straßen gebracht. Seit dem geht die Zahl der Neuzulassungen zurück. Im Jahr 2007 um fast 10 Prozent. Auch in 2008 hat sich die Absatzlage weiter verschlechtert – im Oktober 2008 wurden 8,2 Prozent weniger Neuwagen zugelassen als im gleichen Vorjahresmonat. Opel Deutschland schreibt seit Jahren rote Zahlen.

Was die deutsche Öffentlichkeit gerade in Sachen Opel erlebt, das erinnert doch in seinen Anfängen an die unendliche Geschichte der Steinkohleförderung seit den 1960er Jahren. Ein – zugegebenermaßen verdienter – Wirtschaftszweig, dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit unbestritten dauerhaft auf ein Minimum gesunken war, hat über Jahrzehnte Subventionen erhalten, die auf die Mitarbeiter bezogen deutlich über den Bruttolöhnen der Beschäftigten lagen. Es wird am Ende ein gutes halbes Jahrhundert an Steinkohlebeihilfen gegeben haben.

Was hat das alles mit Opel zu tun? Kurz gesagt: Eine Menge! Denn die Krise der Automobilindustrie ist keine Konjunkturkrise, auch wenn die Bundesregierung genau diesen Eindruck vermittelt. Weltweit bestehen erhebliche Überkapazitäten, die Marke Opel scheint gerade nicht wettbewerbsfähig zu sein, und es drängen Anbieter auf die Märkte, die eine ähnliche Qualität zu deutlich geringeren Preisen anbieten können. Diese Anbieter dürften sich nicht von einigen Milliarden für Opel abschrecken lassen und sich von den Weltmärkten zurückziehen. Sie könnten auch in Zukunft gerade auf dem Markt für Massenprodukte (sparsame Kleinwagen) eine ernsthafte Konkurrenz für europäische Autobauer darstellen.

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Sollte dieses Szenario eintreffen, so wären die im Raum stehenden 3,5 Mrd. Euro nur die ersten einer Vielzahl von Milliarden Steuergeldern, die Opel und sicherlich auch andere deutsche Autohersteller erfolgreich reklamieren werden. Das Muster ist bekannt. Mit Hinweis auf die bereits gezahlten Summen und die zahlreichen Beschäftigten und im Verbund mit den Ministerpräsidenten der Länder ließe sich der Bund trefflich erpressen. Auf diese Weise könnte die Lebensdauer relativ unproduktiver Unternehmen erhöht werden, möglicherweise auf Kosten der wettbewerbsfähigeren deutschen Autobauer. Diese verlören Marktanteile und würden vermutlich ebenfalls Milliarden fordern und erhalten. Der Strukturwandel auf dem Automarkt fände dann woanders, aber nicht in Deutschland statt. Deshalb kann den Mitgliedern der Bundesregierung nur geraten werden, das Thema Opel nicht im Wahlkampf zu verwenden und von einer Subventionierung abzusehen.


Zur Grafik: Der Absatz neuer Autos in Deutschland hat viel Tempo eingebüßt. Im Rekordjahr 1999 wurden noch gut 3,8 Millionen neue Pkws auf die Straßen gebracht. Seit dem geht die Zahl der Neuzulassungen zurück. Im Jahr 2007 um fast 10 Prozent. Auch in 2008 hat sich die Absatzlage weiter verschlechtert – im Oktober 2008 wurden 8,2 Prozent weniger Neuwagen zugelassen als im gleichen Vorjahresmonat. Opel Deutschland schreibt seit Jahren rote Zahlen.

  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

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  • Benjamin Fischer

    Zunächst einmal muss ich aus der “Bankenperspektive” sagen,dass 2009 ein sehr sehr düsteres Jahr wird.
    Das gilt nicht nur für den Finanzsektor, nein, es wird die komplette Weltwirtschaft umgarnen. Das ist sicherlich nichts neues. Man muss jedoch die Branchen differenziert betrachten.
    Wenn man mal die Autobranche, inkl. deren Zulieferer betrachtet, muss man sagen, dass meines Erachtens eine bis 2010 tief gehende Durststrecke bevorsteht. Die Frage, ob Unterstützungen seitens des Staates hilfreich oder sogar notwendig sind, ist mit Ja und Nein zu beantworten.

    Ja,weil die Autobranche einen großen Anteil am Gesamtexport Deutschlands hat und dadurch die binnenwirtschaftlichen Säulen gestärkt würden.
    Dabei tut sich sicherlich die Frage auf, wieviel notwendig ist, und ob man da nicht an ein Fass ohne Boden herantritt. Meine Meinung ist,dass eine staatliche Unterstützung nur dann hilfreich ist, wenn Sie für Investitionen und Arbeitsplatzsicherung in Deutschland beiträgt. Dafür ist eine Lösung bzw. Trennung von GM (zumindest in Teilen) der wichtigste Schritt.
    Man muss dabei auch bedenken,neben dem wirtschaftlichen Aspekt, dass dabei auch soziale Gesichtspunkte hinsichtlich Arbeitsplätze eine Rolle spielen und dabei auch immer individuelle Schicksale zu berücksichtigen sind.

    Ein NEIN gibt es natürlich auch.
    Die Steuergelder sind immens, die die gesamte Krise verschlingt.
    Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Leute, die die steuerlichen Knöpfe drücken, die RICHTIGEN sind und diese auch richtig betätigen.

    MFG Benjamin Fischer
    Baufinanzierungsberater

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