Klimawandel: Diskussion erwünscht
Spätestens mit dem Scheitern der Kopenhagener Klimakonferenz hätte man erwarten können, dass die Bundesregierung ihre Haltung zum Thema Klimaschutz grundlegend überdenkt. Aber weit gefehlt. Nach wie vor wird eine offene Debatte in Deutschland durch Denkverbote behindert. In anderen Ländern werden die als „objektive Wahrheit“ verkündeten Verlautbarungen des Weltklimarates in frage gestellt. Die Sorge über den Wohlfahrtsverlust und die Wettbewerbsnachteile infolge von ausufernden Ausgaben für Klimaschutzmaßnahmen wird offen thematisiert. Und in Deutschland?
Da versucht die Bundesregierung sich weiter als umweltpolitischer Musterknabe zu präsentieren. Schon in Kopenhagen gehörte Deutschland zu den ambitioniertesten Klimarettern: Eine CO2-Reduktion um bis zu 30 Prozent wurde in Aussicht gestellt. Die USA und Kanada waren da bescheidener: Sie wollten ihre Emissionen um 4 respektive 3 Prozent senken, während sich Australien sogar eine Steigerung um 10 Prozent vorbehält. Nun will die Bundesregierung gar eine Reduktion um bis zu 40 Prozent bis zum Jahre 2020 erreichen. Was aber wären die Folgen? Das Klima hat nichts davon, denn die deutschen Anstrengungen sind in die Vorgaben der EU eingebunden, die sich aber nicht geändert haben. Fakt ist: Das globale Klima kann nur durch ein engagiertes Engagement aller Staaten beeinflusst werden. Dazu benötigen wir einen globalen Zertifikatehandel. Anderseits ist sicher: Wir riskieren Wertschöpfung und Beschäftigung. Zeit die ideologischen Scheuklappen abzulegen und das Thema Klimaschutz tabulos zu diskutieren.
Zur Grafik: Während Deutschland seine CO2 Emissionen bis zum Jahr 2020 um rund 40 Prozent reduzieren möchte, sind die Ziele der Australier weit weniger ehrgeizig. Der Zielkorridor erlaubt eine Reduktion um 13 Prozent als auch eine Steigerung von bis zu 10,8 Prozent.


“Wir riskieren Wertschöpfung und Beschäftigung”
Warum? Werden keine neuen Technologien entwickelt und vertrieben. Sind wir nicht unabhängiger von Öl als andere Staaten, wenn wir effinzientere Systeme entwickeln. Ich sehe das Risiko nicht.
“ideologischen Scheuklappen ”
Geben sie das bitte auch an ihre Kollegen aus dem Wirtschaftsbereich weiter.
“Klimaschutz tabulos zu diskutieren”
Absolut richtig.
Betreff: Klima und Energie!
Das Einhalte der 2°C-Grenze und der Ausstieg aus der Atomenergie sind m.E. nicht miteinander vereinbar.
Die jährliche Mindestreduktion des CO2-Ausstoßes, die weltweit erforderlich ist, um die 2°C-Grenze zu halten, beträgt etwa 2,25%. Deshalb dürfte man im Jahre 2030 weltweit noch 18 Gt CO2 ausstoßen und 2050 noch 12 Gt, d.h. der weltweite Ausstoß muss bis zum Jahre 2030 um 40% und bis zum Jahre 2050 um 60% (Bezugsjahr 2007) gesenkt werden. Im Jahre 2030 leben auf der Erde bereits 7,8 Milliarden, 2050 schon 9,1 Milliarden Menschen. 2030 käme demnach auf jeden Erdenbürger eine maximal zulässige Emission von 2,3 Tonnen CO2, 2050 wären es für jeden Einzelnen nur noch 1,3 Tonnen. Deutschland mit z.Zt. hoher Emission muss seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 68% und bis 2050 um 88% reduzieren.
Fährt man 2030 ein 8-Liter Auto, so reicht die erlaubte Emission (in Deutschland) gerade noch für rund 20000 km Autofahrt pro Jahr. Im Jahre 2050 wären es für jeden nur noch 7200 km, sonst nichts mehr, was Kohlenstoff emittiert, ob Heizung, Licht, die Flugreise, die Industrieproduktion oder Nahrungsmittelerzeugung. Auch Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken gibt es dann natürlich nicht mehr.
Eine detaillierte Berechnung reiche ich Ihnen gerne nach.
Dr.Jürgen Selle