Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal. Roman Herzog, 1934-2017, Alt-Bundespräsident

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Griechensoli mehr als fragwürdig

Die Rettung Griechenlands würde Deutschland mit 8,4 Milliarden Euro belasten. Deutschland zahlt damit den größten Anteil am griechischen Rettungspaket.

Die drohende Staatspleite scheint vorerst abgewendet. Nach wochenlangem Bangen kann Athen jetzt aufatmen: Am vergangenen Wochenende eröffneten die Euroländer Griechenland für 2010 bilaterale Kredite in Höhe von 30 Milliarden Euro. Damit könnten die Helenen fast ihren gesamten Finanzbedarf – etwa 32 Milliarden Euro – für dieses Jahr decken. Diese Zusicherung hat die Märkte erst einmal beruhigt. Ob damit das Gröbste überstanden ist, lässt sich jedoch nicht eindeutig sagen. Angesichts der schwachen griechischen Wirtschaft und dem riesigen Schuldenberg ist Skepsis nach wie vor angebracht.

Bedenken über den richtigen Weg stellen sich aber auch noch an anderer Stelle. Der Zinssatz für mögliche Notkredite der EU-Länder an Griechenland liegt bei 5 Prozent. Am freien Markt müssten etwa 7 Prozent aufgebracht werden. Griechenland wird durch niedrige Zinsen subventioniert – zu Lasten der europäischen Gemeinschaft. Dabei hätte die Lösung viel einfacher ausfallen können. Ein striktes Einhalten der Regeln hätte dem Euro am meisten geholfen. Die Regeln verbieten eine europäische Hilfe. Zur Not hätte der IWF einspringen müssen. Stattdessen hat sich die Politik verzettelt und zu lange nach einer Haltung gesucht. Vor allem für Deutschland kann das nun teuer werden.


Weitere Informationen zur griechischen Tragödie finden Sie im INSM Griechenland-Dossier

''Jetzt hängt Deutschland drin'' Sueddeutsche-Online vom 13.04.2010
Teure Hilfe für Griechenland” Rheinische Post-online vom 13.04.2010

  • Autor

    Prof. Dr. Michael Hüther

    ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Stephan

    Mal wieder neo-liberale Propaganda von einem VoWi Prof. Das letzte Mal als ich auf meinen Schirm geschaut habe, hat die Finanzagentur einen Bobl-Tender über 7 Milliarden angekündigt mit Koupon 2,25%. Herr Hüther 5,00 – 2,25 = ? Das nennt man auch ein gutes Geschäft. Besser so als andersrum. Und wenn die Hellenen pleite gehen. Dann schaut’s sowieso schlecht aus. Denn die deutschen Banken halten ca. 42 Milliarden an griechischen Schulden. Dann heisst es wieder TBTF. Das Gros der deutschen VoWi Profs gehört fristlos entlassen!

  • Keynesianer

    “Angesichts der schwachen griechischen Wirtschaft und dem riesigen Schuldenberg ist Skepsis nach wie vor angebracht.”

    Wieso, wir geben doch gerne unseren Exporten Kredite mit!
    Makroökonomischen Zusammenhänge werden ignoriert und Ungleichgewichte auch. Wichtig ist immer schön fleißig weiter exzessiven Export um jeden Preis und die Binnenkaufkraft dafür in den Wind schießen!

    Griechenland braucht noch viele U-Boote mehr und wir müssen dafür halt enorm Feta und Olivenöl abnehmen! Alternativ können wir unseren Exporten Geld und Kredite mitgeben bis es irgendwann BUMM macht!

    Wäre einmal schön, wenn Herr Prof. Hüther sein Blickfeld erweitert!

  • Ludwig von Mises

    @ Keynesianer
    ganz davon abgesehen, dass ich das für den falschen Weg halte, wie soll denn das Exportmodell Deutschland beendet werden? Die Währung können wir nicht aufwerten. Bleiben nur noch die Löhne. Und die verhandeln die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern. Da hält sich der Staat momentan größtenteils noch raus.

  • keynesianer

    @ Ludwig von Mises

    Das Problem mit den Staat, der wir ja alle sind, ist einfach Dogmatismus. Wir haben keinen Absolutismus!

    Die Deregulierung des Arbeitsmarktes und Hartz-IV etc. drücken die Löhne. Es gibt schon Möglichkeiten gegenzusteuern.

    Wir könnten aber auch einmal über das Modell einer ICU nachdenken.