Unternehmer wird man nicht in fünfzig oder fünfhundert Wochen. Um Unternehmer zu werden, braucht es eine Nacht, neun Monate und vierzig bis fünfzig Jahre Erfahrung. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

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G20: Keine schlechte Bilanz

Auf dem G20 Gipfel wurde das Fundament für eine neue Weltwirtschaftsordnung gegossen.

Was die Staats- und Regierungschefs gestern in London auf den Weg gebracht haben, kann sich sehen lassen. Immerhin hatten sie nicht weniger als eine historische Herkulesaufgabe zu meistern. Die Finanzkrise hat aufgezeigt, an welcher Stelle die Märkte an ihre Grenzen stoßen, wenn die Rahmenbedingungen falsch gesetzt sind: Zu niedrige Zinsen, faule Kredite, Haftungs- und Regulierungslücken, zu laxe Bilanzierungsregeln und eine mangelhafte internationale Koordination. Auf diesen Baustellen hat der G20-Gipfel jetzt das Fundament für eine neue, zeitgemäße Weltfinanzordnung gegossen.

Wer hätte noch vor einem guten halben Jahr gedacht, dass Reformen möglich werden, an denen sich manche Regierungen wie die deutsche jahrelang die Zähne ausgebissen haben. Jetzt sollen alle wichtigen Finanzinstitutionen stärker reguliert und beaufsichtigt werden. Dazu gehören auch die Hedgefonds, deren Kontrolle bis gestern am Widerstand der USA und Großbritanniens gescheitert war. Auch beim Thema Steueroasen ging es jahrelang nur in kleinen Trippelschritten vorwärts. Jetzt hat man endlich einen großen Satz gemacht, selbst wenn hier auf Dauer noch mehr nötig ist. Mit der Aufwertung des Financial Stability Forums zum neuen Financial Stability Board wird eine hoffentlich schlagkräftigere internationale Finanzaufsichtsbehörde geschaffen. Der Internationale Währungsfonds wird durch die Aufstockung seiner Finanzmittel handlungsfähiger gemacht, und es wird eine grundlegende Reform angemahnt. Bahnbrechend ist, dass der IWF-Direktor in Zukunft nicht mehr automatisch allein von den Europäern bestimmt werden kann, sondern nach Qualifikation ausgewählt wird.

Mit den Ergebnissen des Gipfels steht das Fundament, bis zum Richtfest werden die einzelnen Nationalstaaten aber noch Sonderschichten einlegen müssen: Jetzt geht es darum, die Absichtserklärungen von London in nationales und europäisches Recht umzusetzen. Dabei darf staatliche Kontrolle und Regulierung aber nicht zu einer Belastung für ein freies, marktwirtschaftliches Finanzsystem werden. Denn bei einer schrägen Statik, gerät auch die neue Finanzarchitektur wieder ins wanken.


Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln kommentiert den G20-Gipfel heute im Handelsblatt. Prof. Dr. Michael Hüther sieht die größten Aufgaben jetzt in der Verantwortung der Nationalstaaten: „Die Bankenaufsicht muss gestärkt werden und die Bad-Bank Frage muss beantwortet werden. Bei beiden Themen hat die Bundesregierung noch reichliche Hausaufgaben zu erledigen.“

  • Autor

    Jürgen Matthes

    ist Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den ökonomischen Aspekten der Globalisierung.

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  • Adlib

    Schön und gut, dass sich die Regierungschefs auf strengere Regulierungen geeinigt haben. Was alle guten Absichten aber nicht aus der Welt schaffen werden, ist das Problem, dass sich Politiker mit Fachthemen nie wirklich auskennen werden. Und noch schlimmer: auf die eigens angeheuerten Berater nicht hören. Wenn ich mir im aktuellen Spiegel das Interview mit dem ehemaligen Kieler Wirtschaftsminister Werner Marnette durchlese wird mit angesichts der unfassbaren Verhaltens von Regierungschef Carstensen schlecht. Wer will solche Ahnungslosigkeit (offenbar gepaart mit Großmannsucht) je wirkungsvoll beaufsichtigen?

    Beaufsichtigt werden können immer nur formale Prozesse und Organisationsstrukturen. Was unter der Oberfläche passiert (bspw. die Drohungen, die Carstensen gegen Marnette offenbar geäußert hat) wird man nie beaufsichtigen können. Letzten Endes kann es für Carstensen und Co. nur heißen: Marsch, zurück auf die Schulbank!

  • Nicht-Dogmatiker

    Es sind lediglich Nebelkerzen, viel Rauch der gut vermarktet wird und wenig Substanz! Eine Internationale Clearing Union mit einer neuen globalen Leitwährung, wie sie Keynes gefordert hat wäre wichtig gewesen. Was ist herausgekommen aus der Aktion? Weihrauch als Balsam für die Seele des empörten Volkes! Es gibt also ein WEITER SO!

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