Eine Schuldenbremse für die Euro Länder?
Nachdem Griechenlands finanzielle Situation vorerst stabilisiert wurde, machen sich an den Finanzmärkten nun Zweifel an der Stabilität Portugals breit. Immer deutlicher zeigt sich, dass die finanziellen Turbulenzen in Griechenland kein Einzelfall waren. Um Griechenland zu retten, wurde der im Maastrichter Vertrag festgelegte Haftungsausschuss umgangen. Keinesfalls sollte dies zum Normalfall werden. Vielmehr muss die Europäische Union Wege finden, damit zukünftig solche heiklen Rettungsmanöver tunlichst vermieden werden können. Aber wo sollte die EU ansetzen?
Während dem Konvergenzprozess einer Volkswirtschaft bis zum Beitritt in die Währungsunion hohe Aufmerksamkeit geschenkt wird, fehlt danach eine angemessene Kontrolle. Die tiefe Sorge um die Beherrschbarkeit der Staatsfinanzen und die Debatte über die Möglichkeiten von Staatsbankrotten zeigen, dass die Regeln des Maastrichter Vertrags und des Stabilitäts- und Wachstumspakts nicht ausreichen. Staaten müssen sich verlässlicher und selbst disziplinieren. Eine Antwort ist die Einführung von verfassungsrechtlich verankerten Schuldenbremsen. Man mag über die Ausgestaltung der deutschen Schuldenbremse streiten, doch ihr Wert liegt zweifellos in der besonderen Glaubwürdigkeit durch die Verankerung in der Verfassung.
Brüssel zwingt Portugal zu radikalerem Sparkurs – FTD.de vom 14.04.2010

Meine Erwartung: Verfassungsmäßig verankterte Schuldenbremsen dürften wahrscheinlich nicht funktionieren. Zu viele Ausnahmeregelungen, Einzel- und Notfälle dürften solche Regeln aushebeln.
Das ist die bittere Erkenntnis daraus, wie bisher die Finanzkrise gehandhabt wurde.
Die beste Schuldenbremse ist immer noch die Bonität: Wer weiss, dass er kein Geld mehr bekommt, wenn er die Eigenkapitalquoten unterschreitet, übt automatisch Disziplin.
Indem Verschwendung belohnt und Rechnen mit spitzem Bleistift bestraft wird, schalten die Entscheidungsträger den ökonomischen Sachverstand aus.
Ein Unternehmer oder ein Staat, der vorsorgt und nachhaltig wirtschaftet, muss erleben, wie “Sunnyboy-Unternehmen” und “Sunnyboy-Staaten” zuerst von überdurchschnittlichem Wachstum profitieren und dann – obwohl eigentlich schon Pleite – mit Steuergeldern gerettet werden.
Ja, ich bin ein Freund von Insolvenzverfahren. Auch bei den großen Schuldnern.
Sie haben geschrieben:
>…. dass die finanziellen Turbolenzen ….
Ein schöner Freud’scher Verschreiber:
Wer den Turbo einlegt, ist schneller in Unfälle verwickelt und verbraucht mehr Ressourcen als jemand, der umsichtig fährt und den nächst höheren Gang schon bei niedrigen Drehzahlen einlegt.
Anm. d. Redaktion: Fehler korrigiert. Danke für den Hinweis
Die Schuldenbremse kann schon positive Effekte bringen. Sie zwingt die Euroländer die Maßstäbe für die Verschuldung fest. Sie hat zwar negative Folgen, denn die Möglichkeit der Investitionen wird eingegränzt.
Außerdem wird der Handungsspielraum des Staates gemindert.