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Weniger Ingenieure, weniger Wohlstand

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Deutschland mangelt es an Tüftlern. Jahrelang hatten Arbeitsmarktexperten darauf hingewiesen, dass Deutschland zukünftig ein Fachkräftemangel drohe. Jetzt ist das bei den Ingenieuren bittere Realität: 2009 fehlten mehr als 34.000 Ingenieure. Das bedeutet Wertschöpfungsverluste von rund 3,4 Mrd. Euro, wie eine jetzt veröffentlichte Studie des Vereins Deutscher Ingenieure e. V. und des Instituts der Deutschen Wirtschaft zu Köln zeigt. Ursache für diese Entwicklung ist vor allem der demographischen Wandel.

In den letzten fünf Jahren hat Deutschland durchschnittlich knapp 37.000 Erstabsolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums hervorgebracht –inklusive der ausländischen Studenten, die nach Studienabschluss dem deutschen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen. Insgesamt reichte dies noch nicht einmal aus, um die 36.000 Ruheständler zu kompensieren, geschweige denn den zusätzlich vorhandenen Expansionsbedarf zu decken. Und zukünftig wird die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften weiter drastisch steigen. Ab 2013 werden jährlich 33.800, ab 2018 dann 44.100 und schließlich ab 2023 sogar 48.300 neue Ingenieure benötigt, um die ausscheidenden zu ersetzen. Ohne beträchtliche Anstrengungen von Schulen und Universitäten, von Wirtschaft und Staat wird das nicht gelingen. Ein massiver Wohlstandverlust wäre die Folge.


Hier geht es zu weiteren Beiträgen zu diesem Thema:

Industrie verliert jährlich Milliarden – Berliner Morgenpost vom 20.04.2010

Ingenieurmangel wächst mit dem Aufschwung – Hamburger Abendblatt vom 20.04.2010

Ingenieurmangel kostet drei Milliarden Euro pro Jahr – Die Welt vom 20.04.2010

5 Kommentare zu “Weniger Ingenieure, weniger Wohlstand”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Gesamtmetall und Arbeitgeberverband, INSM erwähnt. INSM sagte: ÖkonomenBlog Weniger Ingenieure, weniger Wohlstand http://bit.ly/auze2u [...]

  2. Kammerjäger sagt:

    Den Ingenieurmangel gibt es nicht. Nach marktwirtschaftlichen Regeln kommt es auf dem Arbeitsmarkt entweder zur Arbeitslosigkeit, oder zur Markträumung bei entsprechend höheren Preisen. Der sogenannte “Ingenieurmangel” ist die eigentlich eine Mangel an Bereitschaft der Arbeitgeber marktgerechte Gehälter zu bezahlen.

    Ich bin selber studierter Ingenieur, würde aber diesen Ausbildungsweg nicht mehr wählen. Ich arbeite mittlerweile auch nicht mehr als Ingenieur, sondern als Unternehmensberater im betriebswirtschaftlichen Bereich.

    Die Tätigkeiten als Ingenieur sind härtere Arbeit, stärker fremdbestimmt, vom Risiko des Veralten des Wissens und damit von Alterdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt stärker betroffen. Obendrein haben die technischen Berufe weniger Karriereperspektiven als die Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich.

    Ökonomisch gesehen ist die Entscheidung gegen ein Ingenieurstudium völlig rational.

    Vielleicht kann Ökonomenblog einmal zu erklären versuchen, warum sich der berichtete Ingenieurmangel nicht in entsprechenden Gehaltsentwicklungen niederschlägt?

  3. Alle Jahre wieder kommt die gleiche Leier. Warum sind dann knapp 60 tausend Ingenieure arbeitslos? Warum werden ältere Ingenieure nicht eingesetzt? Warum werden keinerlei Weiterbildungen angeboten, um bestimmte aktuelle Ingenieurstätigkeiten umzulagern. Das kostet aber Geld und darum wird lieber gejammert.

  4. [...] Döttling beschreibt im ÖkonomenBlog mit der Titelzeile “Weniger Ingenieure, weniger Wohlstand” eine ganz andere Misere. [...]

  5. Achaz sagt:

    Zitat Döttling: “Ohne beträchtliche Anstrengungen von Schulen und Universitäten, von Wirtschaft und Staat wird das nicht gelingen. Ein massiver Wohlstandverlust wäre die Folge.”

    Letzteren kann man als sicher annehmen. Auch mit den og. beträchtlichen Anstrengungen wird es nicht gelingen, den Ingenieurbedarf vor allem qualitativ zu ersetzen. Dazu ein paar demographische Fakten:

    Bis in die 6oer Jahre hatte Gesamt-D um die 1,3 Mill. Geburten jährlich. Um 1990 waren es noch 900 000, im kommenden Jahrzehnt werden es um die 600 000 jährlich sein, immer vorausgesetzt es bleibt bei der Geburtenrate von 1,35 pro Frau, wie sie sich in D seit den 70er Jahren relativ konstant eingepegelt hat. Es erneuert sich also jede Generation nur zu ungefähr 2/3 ihres Bestandes. Individuell betrachtet ergibt sich daraus, dass ungefähr 50 % der nach dem 2. Weltkrieg Geborenen zu etwa gleichen Teilen kein oder nur ein Kind hat, nur 10 % haben mehr als 2
    Der beschriebene Prozess ist als demographische Implosion bekannt.

    Erfahrungsgemäß ist der Anteil der naturwissenschaftlich und technisch Begabten und Interessierten relativ konstant so dass auch große Anstrengungen im Bildungswesen ein demographisch angepasstes Schrumpfen der Ingenieurzahlen letztlich nicht werden verhindern können.

    Die wenigen Nachwachsenden, und zwar nicht nur die Ingenieure, können gar nicht so über die Maßen produktiv sein, dass die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Standards, die wir gewohnt sind, zu halten wären. Die Altenlast und die Schuldenlast des Staates tun ein übriges.

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Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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