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Mindestlohn verheißt nichts Gutes

Frankreich und der Mindestlohn: Über 18 Prozent der Jugendlichen sind ohne Job.

Gegen die Einführung flächendeckender Mindestlöhne habe ich auf diesem Blog schon mehrfach argumentiert. Wenn allerdings der Vorsitzende der IG BCE, Hubertus Schmoldt, via Handelsblatt ebenfalls die Stimme dagegen erhebt, muss da wohl was dran sein. Schmoldt sagt zurecht: Eine staatliche Lohnfestsetzung passt nicht zum deutschen System. Bei uns gibt es unabhängige Tarifvertrags-Parteien, die im Auftrag von Arbeitnehmer und Arbeitgeber eigenständig den Lohn aushandeln. So sollte es besser auch bleiben.

Und doch wurden zum Jahresbeginn in mehreren Branchen gesetzliche Mindestlöhne eingeführt. Die daraus resultierenden Folgen sind noch nicht genau bezifferbar. Fest steht jedoch, dass die betroffenen Branchen Stellen streichen mussten und müssen. Dies gilt umso mehr in Krisenzeiten. Dabei ist die Funktionsweise, wie Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten, recht simpel: Könnte die Politik eine flächendeckende Lohnforderung von 7,50 Euro umsetzen, müssten in Westdeutschland die Löhne von 11 Prozent der Beschäftigten angehoben werden, im Osten sogar von 21 Prozent. In einzelnen Branchen können Arbeitnehmer aufgrund unzureichender Qualifikation nicht die geforderten 7,50 Euro erwirtschaften. In erster Linie sind also die Jobs Geringqualifizierter bedroht – ausgerechnet jene Gruppe, die ohnehin von der Rezession schwer getroffen sind. Wer das Ergebnis flächendeckender Mindestlöhne vorgeführt haben will, muss nicht weit reisen. Bei unserem Nachbarn Frankreich bleibt vor allem jungen Menschen der Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund von Mindestlöhnen versperrt. Mit dem eindeutigen Resultat, dass dort mit 18 Prozent die Jugendarbeitslosigkeit doppelt so hoch ist wie bei uns – ein Szenario, auf das wir besser verzichten sollten.

So außergewöhnlich es auch auf den ersten Blick sein mag, dass sich ein Gewerkschafts-Chef öffentlich gegen Mindestlöhne positioniert: Letztlich will er doch nur für die Gewerkschaften das Tarifmonopol auf Branchenebene zementieren. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, größtmögliche Flexibilität für Tarifvereinbarungen auf Unternehmensebene zu erhalten. Denn in den Betrieben vor Ort können die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern besser zusammenfinden, als dies einheitlich für das ganze Land möglich ist.

10 Kommentare zu “Mindestlohn verheißt nichts Gutes”

  1. Ich frage mich immer warum nicht das Land

    mit dem niedrigsten Steuern,
    mit den niedrigsten Löhnen,
    mit dem schlechtesten Sozialsystem,

    …nicht das reichste Land der Erde ist.

    Wo alle Reichen der Welt sich sammeln.
    Wo es die beste Infrastruktur der Welt gibt.
    Wo es das beste Bildungsystem der Welt gibt.
    Wo es die besten Fachkräfte der Welt gibt.
    Wo es den besten Schutz geistigen Eigentums der Welt gibt.
    Wo es die beste Sicherheit auf den Straßen gibt.
    Wo es die stärkste politische Stabilität gibt.
    Wo der Konsum am meisten boomt.

    Ja, die Erde ist eine Scheibe! Wer etwas anderes behauptet ist ein Ketzer!

    DIE ERDE IST EINE KUGEL!

    Man sollte sich noch ein paar andere Statistiken anschauen, die von der Lobbyorganisation INSM und deren vermeintlich unabhängigen Experten Experten nicht angeboten werden.

    Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch von Thomas Zinn, “die Keynessche Alternative” Google macht´s möglich!

  2. Nicht-Dogmatiker sagt:

    Es ist erstaunlich was die Lobbyorganisation INSM hier wieder verkaufen möchte!
    Mindestlohn Irland Stand 2008: € 8.65

    Es gibt noch weitere Schaubilder! Langzeitarbeitslosigkeit, Rentenvergleich (auch interessant), Arbeitnehmerentgeld in Kaufkrafteinheiten (Vergleich der Alt-EU Länder). Betriebswirtschaftlich gesehen sind häufig die Lohnstückkosten entscheidend. Es geht also darum wie hoch der Lohnanteil am Produkt ist. Bei anderen Tätigkeiten, die lohnintensiv sind besteht eh keine Abwanderungsgefahr (Briefträger etc.), …, …

    Warum leben eigentlich im Land mit den niedrigsten Löhnen nicht alle Reichen dieser Erde?
    Warum ist die Industrie aus Ländern noch nicht abgewandert, die ein höheres Lohniveau haben?

    Ganz so einfach wie es hier dargestellt wir ist es wohl nicht, oder?

  3. @Nicht-Dogmatiker
    Ich finde es auch komisch, dass fast alle EU Länder einen Mindestlohn haben und Deutschland nicht. Kaum eines beschwert sich. Die Jobs um die es geht müssen so oder so gemacht werden und können nicht abwandern. Eine Putzfrau muss hier in Deutschland putzen und muss das auch tuen. Wie sollten denn da die Jobs abgebaut werden. Das wird nur behauptet um die immensen Gewinnspannen beizubehalten. Hinzukommt, dass gerade in diesem Lohnsektor die Gehälter fast zu 100% ausgegeben werden. Damit wird zwangsläufig die Binnenkaufkraft gestärkt. Vielleicht gehen einige Jobs verloren, aber andere werden geschaffen.

    Sozial ist nicht was arbeit schafft, sondern arbeit von der man gut leben kann. Sonst wäre Sklaverei auch sozial.

  4. von den 21 OECD Staaten die einen Mindestlohn haben, haben 15 einen Mindestlohn unter 4 Euro (1,50 3,20 usw…). Könnten wir hier auch einführen, das würd nichts machen. Weitere Fünf Länder haben zwar einen Mindestlohn in der Höhe wie es der DGB fordert (7,50) und höher. Diese Länder haben jedoch gar keinen Kündigungschutz und einen sehr fleixiblen Arbeitsmarkt, der so nicht mit dem deutschen stark regulierten Arbeitsmarkt verglichen werden kann. Dann bleibt noch ein Land übrig und das ist Frankreich und die haben einen Jugendarbeitslosigkeit von 18%. Auf brennende Banlieus usw kann ich hier verzichten.

    Es ist in der Tat nicht so einfach.

    Aha, aber es kann viel weniger angeboten werden. Dann gibt es halt weniger Putzfrauen und weniger Frisöre und Sicherheitsleute. Diese Leute sind dann aber Arbeitslos und was erzähltst du denen dann? Das ihre Arbeit nichts wert sei und somit nicht existieren darf?! Natürlich werde nicht alle Arbeitsplätze verschwinden, aber vieles würde dann von Maschinen (da wo es geht) oder durch Schwarzarbeit ersetzt werden. Wir haben jetzt schon eine Umfang von Schwarzarbeit von 345 Milliarden Euro, dass entspricht einen Jobpotential je nach Schätzungen von 2 – 3 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen…diese würde mit einem Mindestlohn garantiert nicht weniger werden!

  5. Nicht-Dogmatiker sagt:

    Es sind immer die gleichen Geschichten, die aus ideologischen Gründen erzählt werden! Die Leute lassen sich aufgrund der Globalisierung dann in China die Haare schneiden!

    Nein, so einfach ist das nicht! Vor allem die Erde ist keine Scheibe sondern eine Kugel! Zusammenhänge werden von der INSM generell nicht dargestellt. Immer niedrigere Löhne fordern und die staatlich subventioniert. Die Folgeschäden werden ausgeklammert. Auch sie sind aus Statistiken herauszulesen. Da nimmt man die Jugendarbeitslosigkeit und bastelt etwas scheibar plausibel klingendes zusammen. Das mit den Dumpinglöhnen sollte man sich auch noch einmal im Alt-EU-Vergleich anschauen. Vor allem auch den deregulierten Ausnahmestatus bezüglich Zeitarbeit. Ansonsten gilt nämlich in Europa für Zeitarbeit der Grundsatz gleiche Arbeit = gleicher Lohn!
    Teilweise gibt es für Zeitarbeit sogar Zuschläge.

    Was ich übrigens nett finde ist wenn die INSM immer die Globalisierung bringt. Theoretisch könnte man in Deutschland Protektionismus betreiben, eine Zentralverwaltungswirtschaft etc.. Nichts überkommt uns. Ob dies sinnvoll wäre einzuführen ist eine andere Sache. Nur die Darstellung es “überkäme” uns die Globalisierung ist Unsinn.
    Man könnte auch eine Internationale Clearing Union machen, daß wäre einmal eine sinnvolle Architektur. Es überkommt uns nur etwas, weil die uralte “laissez-faire” Ideologie sich immer wieder und immer mehr durchzusetzen scheint. Dann sollte man endlich offen sagen was man möchte!
    Es geht um Ideologien, nicht einmal darum geht es! Es geht um Lobbyismus!

  6. spieker sagt:

    @chriwi
    Sozial ist nicht was arbeit schafft, sondern arbeit von der man gut leben kann. Sonst wäre Sklaverei auch sozial
    die Alternative ist nicht Sklaverei, das ist Polemik, sondern Kombilöhne, also niedirge Marktlöhne kombiniert mit staatlihenZuschüssen. Wer in Ostthüringen nicht 7,50 Euro Stundenlohn für den Friseur zahlen kann/will, läßt sich eben schwarz die Haare schneiden. Hundertausende Einfachjobs gehen kaputt, wenn (hohe) Mindestlöhne eingeführt werden. So wie die Bauhelfer in Berlin nun geschlossen vor dem Fernseher beim Bier und Hartz IV sitzen, weil sie von Mindestlöhnen über 10 Euro einfach wegrationalisiert wurden und nun den Job eben billige, unkontrollierte(bare) Bautrupps aus dem Osten erledigen. Das ist eben die Realitätsverweigerung von Gutmenschen, die jedem eine Arbeit versprechen, von der man gut leben kann, aber nicht sagen, wer das für die ungelernten Hauptschulabbrecher etc. zahlen soll. Die schicken chriwi & Co lieber in die perspektivelose Arbeitslosigkeit. Sozial ist das nicht.

  7. @Wolf
    345 Milliarden an Schwarzarbeit??? Da möchte ich gerne mal die Definition der Scharzarbeit sehen und die Quelle dazu. Das entspricht etwa 17% des gesamten BIP pro Jahr und das erscheint mir ein wenig viel.

    Und zu dann gibt es halt weniger…

    Wird die Fläche der Firmen kleiner die geputzt werden müssen? Gibt es weniger Köpfe zu scheren oder weniger Gebäude zu bewachen? Sicher würde sich etwas ändern, aber die Nachfrage ist dennoch da. Hinzukommt, dass in manchen Bereichen wo der Mindestlohn greifen würde die Lohnkosten einen geringen Anteil haben.

  8. Ehrlich gesagt, beim Mindestlohn bin ich unentschieden.

    @ Chriwi: Natürlich bleiben die zu putzenden Flächen gleich und auch die Zahl der zu bewachenden Gebäude nimmt nicht ab. Und natürlich werden nicht alle Beschäftigten wegen des Mindestlohns entlassen. Aber es wird wohl so sein, dass die Firmen weniger Niedriglohnjobs schaffen, als sie es jetzt tun. Und das heißt nun mal, dass viele Leute auf die Straße gesetzt werden.

  9. Nach Schätzung des deutschen Bundesministeriums der Finanzen von 2006 schädigt die Schattenwirtschaft (umfasst alle illegalen wirtschaftlichen Tätigkeiten, darunter auch Schwarzarbeit) die Bundesrepublik jährlich um 70 Milliarden Euro. Die Schattenwirtschaft liege bei 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung, d. h. 345 Milliarden Euro.

    Ja es gibt weniger Köpfe zu scheren, weil ich meinen nicht für 20 Euro scheren lassen würde. Würde mir das halt schwarz besorgen…Und das wird bei vielen Brachen so sein. Die Leute die noch einen Job haben es gut, jedoch die vielen, vielen die keinen mehr haben stehen außen vor. Hauptsache es wurde ein “gerechter” (wer zur Hölle bestimmt das?) Lohn durchgedrückt…

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Der Autor:

Dr. Oliver Knipping

ist Vorstandsvorsitzender des Instituts für Unternehmerische Freiheit in Berlin.

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