Das Gut Freizeit hat den Vorteil, daß es steuerfrei ist - noch! Clemens August Andreae, 1929-1991, österreichischer Nationalökonom

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Risiko in Bankbilanzen entschärfen!

Wie ein Bericht der amerikanischen Bankenaufsicht OCC jetzt darlegt, schlummern in den Bilanzen der fünf größten US-Banken ungeahnte Risiken in Höhe von 200 Billionen Dollar, darunter allein 15.500 Milliarden Dollar Kreditderivate.

Endlich will die Bundesregung in den Bankbilanzen aufräumen. Sie sind das eigentliche Problem dieser Finanzkrise, die entstand, weil zu viel Geld ausgeliehen wurde – für überbewertete Immobilien, für überbewertete Kredite und für überbewertete Kreditausfallversicherungen (CDS). Wie ein Bericht der amerikanischen Bankenaufsicht OCC jetzt darlegt, schlummern in den Bilanzen der fünf größten US-Banken ungeahnte Risiken in Höhe von 200 Billionen Dollar, darunter allein 15.500 Milliarden Dollar Kreditderivate (siehe Tabelle). Für diese Papiere gibt es derzeit keinen Markt. Würde eine der fünf großen US-Banken zahlungsunfähig und damit als Kontrahent anderer Banken ausfallen, bräche das ganze Finanzsystem zusammen – AIG und Lehman Bros. lassen grüßen. Unglaublich, dass die US-Bankenaufsicht es jetzt zulässt, dass diese Pleitebanken im ersten Quartal 2009 wieder Gewinne schreiben, indem sie die Bilanzregeln manipulieren dürfen: Verluste werden in 2008 zurückgebucht, Risiken schön gerechnet. Das ist die beste Art, die Rezession zu verlängern. Deshalb müssen nun endlich die Fakten auf den Tisch, auch in Deutschland: So schreibt das Bundesfinanzministerium in seinem heutigen Bericht, dass 20 deutsche Banken den Nominalwert ihrer toxischen Papiere gegenüber der Bafin auf 158 Milliarden Euro beziffert hätten, die Bafin gehe dagegen von einem Maximalvolumen in Höhe von 853 Milliarden Euro aus. Ob der einfache Steuerzahler mit einer ähnlichen „Bilanzwahrheit“ beim Finanzamt durchkäme? Manche Politiker haben noch nicht begriffen, dass es bei dieser Krise auch um das Vertrauen in den Staat geht.


Wo ist das ganze Geld geblieben? Eine Erklärung in Grafiken bietet Zeit Online.

  • Adlib

    Selbst wenn die Banken die Bilanzen frisieren dürfen: Am Ende müssen die Ausfälle irgendwie beglichen werden. Es ist erstaunlich, wie kurzsichtig die Politik da agiert und wie wenig Mut sie beweist. Hoffen wir, dass die trügerischen Gewinnmeldungen der US-Banken die Politik nicht zu sehr in Sicherheit wiegen.

  • Nicht-Dogmatiker

    Wurde den Banken in Deutschland nicht auch eine andere Bilanzierung eingeräumt? Das deutsche Bilanzrecht war doch da deutlich konservativer und strenger. Dieses verstehe ich an diesem Artikel nicht.

  • Nicht-Dogmatiker

    @ Adlib, die Bilanzierungsregeln aufweichen schafft Bonität ohne Kosten!
    Zumindest schafft es dies scheinbar.

  • Adlib

    @ Nicht-Dogmatiker: Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin nicht für eine Aufweichung der Bilanzregeln, sondern komplett dagegen. Was ich nicht verstehe: Das deutsche Bilanzrecht hat den Banken erlaubt, Schatteninstitute außerhalb der Bilanzen zu führen. Die spanische Bankenaufsicht hat das verboten. Kommt es also eher auf die Bilanzregeln an, oder eher auf die Institutionen, die deren Einhaltung überwachen?

  • hennig manfred

    Ich habe heute Ihren Artikel über die Renten gelesen und finde,was Sie sagen ist eine Unverschämtheit sondergleichen.Weswegen werden eigentlich die Pensionäre nicht mit einbezogen,die das ganze Leben auf Kosten der Steuerzahler schmarotzen,Seminare besuchen und während Ihrer Pension auch noch Urlaubsgeld und kostenlos Viagra beanspruchen.Aber ich kann mir schon vorstellen,weshalb Sie das nicht ansprechen,Sie sitzen ja auch auf diesem Ast,den Sie sich natürlich nicht selbst absägen wollen.
    Ich finde es wirklich stark,das Leute,die das ganze Leben hart gearbeitet haben und Politiker,Beamte,Manager und sonstige Abzocker unterhalten haben,jetzt auch noch weniger bekommen sollen,ihr anderen aber alle aussen vor bleibt.