Inflationen sind wie Diktaturen. Wenn sie erst einmal an der Macht sind, wird es um so schwieriger, gegen sie anzukämpfen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

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Schuld ist die Staatsschuld

Die Kreditversicherungen auf griechische Staatsanleihen machen lediglich einen Bruchteil aus. Nicht die Spekulanten sind schuld an der Krise des Euros. Vielmehr sind es die hohen Staatsdefizite

Mit 750 Milliarden Euro hat die europäische Gemeinschaft ein bisher einmaliges Rettungspaket geschnürt. Gezielt will man damit den Spekulationen gegen den Euro einen Riegel vorschieben. Aber mit den Grabenkämpfen Staat gegen Markt sägt man an einem Grundpfeiler der europäischen Integration – der Marktwirtschaft.

Fakt ist: weder sind die Spekulanten Schuld am Kursverfall des Euros, noch an der prekären Situation Griechenlands. Die wahre Ursache der Euro-Krise liegt auf der Hand. Schuld sind einzig und alleine die riesigen Schuldenberge, die durch mangelnde Haushaltsdisziplin aufgehäuft wurden. Der Handel mit Kreditrisiken (CDS) macht sichtbar, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit griechischer Kredite inzwischen eingeschätzt wird. Steigt der CDS-Spread, zeigt das, dass Risikoverkäufer und Risikokäufer das Ausfallrisiko höher einschätzen. Doch anstatt sich zu besinnen und Haushaltsdisziplin zu wahren, will man lieber wegschauen und denkt nun laut darüber nach, den Handel mit Kreditrisiken einzuschränken oder gar ganz zu verbieten. Sicherlich gibt es auch wenige Investoren, die mit der Euro-Schwäche Gewinne maximieren. Es spricht aber vieles dafür, dass der Druck der vergangenen Tage vor allem aus den Verkäufen von Versicherungen, Pensionsfonds und Banken resultiert, die die Risiken für sich und ihre Kunden minimieren wollen. Grund dafür ist der Vertrauensverlust gegenüber dem Euro aufgrund der hohen Schulden. Das hat nichts mit Marktversagen, sondern mit Staatsversagen zu tun.

Dass Spekulationen schädlich seien, wird immer gerne behauptet, den Beweis dafür ist man aber bis jetzt schuldig geblieben. Was wir brauchen ist mehr Transparenz, insbesondere über Transaktionen, die nicht über Börsen abgewickelt werden. Dann kann offen gelegt werden, wer in einem hohen Maße offene Positionen hält. Systemische Risiken können so rechtzeitig erkannt werden. Eine Transaktionssteuer, wie sie immer wieder von neuem diskutiert wird, ist nicht angebracht – denn dafür zahlen würde der Sparer.

  • Autor

    Prof. Dr. Th. Hartmann-Wendels

    ist Direktor des Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Bankbetriebslehre sowie Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität zu Köln.

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  • Alles hat zwei Seiten, so auch Kredit.

    Was hätten die Anleger mit ihrem Kapital gemacht, wenn die Staaten keine Neuverschuldung eingegangen wären? Offenbar war der Zins, den die Staaten bieten, oberhalb der Rendite, die direkte Sachinvestitionen geboten hätten.

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  • “Eine Transaktionssteuer, wie sie immer wieder von neuem diskutiert wird, ist nicht angebracht – denn dafür zahlen würde der Sparer.”

    Wenn ich deutlich unter einem Prozent an Steuern für den Einkauf einer Aktie zahle, schadet das mir als Sparer kaum, allerdings schadet es dem Nanosekundencomputerhandel.

    Vernachlässigt wird auch gerne vom Autor, dass ettlich Staatsschulden durch die Rettung der Sparer (Finanzkrise) erzeugt wurden. Wieso allerdings der Tag Inflation dabei ist erschließt sich mir nicht.

  • Kammerjäger

    “Fakt ist: weder sind die Spekulanten Schuld am Kursverfall des Euros, noch an der prekären Situation Griechenlands.”

    Natürlich sind die Spekulanten schuld daran. Wer hat denn unter ignorieren der allgemeinen bekannten Tatsachen den Griechen das Geld geliehen?

    Wieso rechtfertigt ein Solvenzproblem eines so kleinen Landes eine Euroschwäche? Was ist mit den USA und den Problemen in Kalifornien, Arizona, Florida, Illinois, Michigan, Nevada, New Jersey, Oregon, Rhode Island und Wisconsin und obendrauf der Fannie Mae, riesigem Haushaltsdefizit, grassierender Arbeitslosigkeit und internationaler Wettbewerbsschwäche?

    Die Spekulation auf gegen Euro ist eine reine Spekulation darauf, dass der Herdentrieb der Spekulanten eine Weile gegen den Euro läuft, und keine fundamentale Schwäche.

    Demokratiegefährdend hingegen sind nicht die Insolventen Griechen, sondern die Banken, die ihr Privileg zum Geldschöpfen dazu nutzen, Spekulation zu finanzieren, und wenn diese schiefgehen, die Steuerzahler in Sippenhaft zu nehmen. Demokratiegefährdend ist das Unterlassen einer umfassenden Regulierungen der Finanzmärkte, da sind kleineren Renditen für die Sparer ein marginales Problem.

    Die Regulierung ist alternativlos, um es mit den Worten unserer Kanzlerin zu sagen. Solange die (deutsche) Wirtschaftstheorie aus ihren alten Denkschulen nicht herauskommt, muss man schwarz sehen für die Zukunft.

  • Martin Eitel

    Auch andere von der herrschenden Meinung unabhängige Ökonomen wie z.B. der Analyst und Volkswirt der deutschen Quirin-Bank, Claus Vogt, die nicht das sonst weithin übliche Geschwätz bezüglich der bösen Spekulanten verbreiten, haben in letzter Zeit völlig zutreffend darauf hingewiesen, dass nicht die bösen Spekulanten die entscheidende Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise sind, sondern diese nur die für sie günstige Situation zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Für die Wirtschafts- und Finanzkrise sind im Wesentlichen vielmehr zwei Entwicklungen maßgeblich, ohne die die Spekulanten ihre teilweise umstrittenen Geschäfte nicht bzw. nicht in dem Umfang wie geschehen hätten betreiben können. Die notwendige Bedingung für die Krise ist nicht nur, wie in letzter Zeit von manchen Politikern eingeräumt wurde, die verantwortungslose Schuldenwirtschaft in vielen europäischen Staaten und den USA, sondern insbesondere auch die falsche Zinspolitik der führenden Notenbanken, allen voran der US-amerikanischen mit den Herren Greenspan und Bernanke und die Überschwemmung des Marktes mit viel und viel zu billigem Geld. Wenn Geld einen angemessenen Preis hätte, also Kredit nicht fast zum Nulltarif zu haben ist, wirkt das – worauf Vertreter der sogenannten österreichischen Schule hingewiesen haben – der Bildung von Blasen wie auf dem Immobilienmarkt und auch der Spekulation entgegen, weil höhere Zinsen weniger zu solchen überwiegend fremdfinanzierten Transaktionen einladen.