Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut. Bertholt Brecht, 1898-1956, deutscher Dramatiker, Lyriker

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Technologiestandort in Gefahr

Für den Arbeitsmarkt verfügbare Ingenieure gibt es immer weniger. Schon jetzt kann die Nachfrage nicht mehr gedeckt werden. In naher Zukunft droht ein IngenieurmangelVon Dr. Vera Erdmann und Prof. Dr. Axel Plünnecke

Noch im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts dominierten die ökonomischen Stimmen, die Deutschlands Zukunft im Dienstleistungssektor sahen. Ähnlich wie Großbritannien sollte sich auch Deutschland darauf einstellen, dass der Industrieanteil an der gesamten Wertschöpfung kontinuierlich zurückgehen würde. 20 Jahre später erscheint nicht der Industriesektor, sondern die These von seinem Niedergang anachronistisch. Deutschlands Stärke liegt nach wie vor in der Industrie. Seit Mitte der 90er Jahre konnten der Verbund von Industrie und industrienahen Dienstleistungen seinen Anteil an der gesamten Wertschöpfung deutlich steigern. Nach wie vor besteht eine weltweite Nachfrage nach hochwertigen deutschen Industrieerzeugnissen. Die Herausforderung für die deutschen Unternehmen kommt aus einer Richtung, die man angesichts der aktuellen Diskussionen um den Finanzmarkt Deutschland nicht aus dem Auge verlieren sollte: der stetig wachsende Fachkräftemangel – insbesondere bei Ingenieuren.

Zwar weist Deutschland derzeit im europäischen Vergleich nach Finnland den höchsten Anteil von Ingenieuren an allen Erwerbstätigen aus. Doch dieser Vorteil droht in naher Zukunft verloren zu gehen – denn die deutschen Ingenieure sind vergleichsweise alt. Zudem ist die Zahl der Ingenieurabsolventen relativ zur Größe des Arbeitsmarktes in vielen EU-Ländern deutlich größer als in Deutschland. Deutschlands Geschäftsmodell ist in Gefahr. Will Deutschland aber auch zukünftig damit erfolgreich sein, herrscht dringender Handlungsbedarf: Die Bundesländer müssen an den Hochschulen zusätzliche Kapazitäten schaffen, um den Doppeljahrgängen an Abiturienten ein ingenieurwissenschaftliches Studium zu ermöglichen. Auch eine effizientere Nutzung der Mittel für Bildung ist unumgänglich. Zudem muss das Potential der bildungsfernen Schichten besser erschlossen werden. Dazu ist es notwendig das Angebot an frühkindlicher Bildung zu erweitern. Geschieht hier nichts, wird dies die gegenwärtige Stärke des Technologiestandorts Deutschland schon in naher Zukunft gefährden.

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Tim

    Wieviel Prozent der Industriewertschöpfung ist denn heute noch klassische Industriewertschöpfung? Forschung & Entwicklung, Marketing, Vertrieb, Logistik – das sind doch alles Dienstleistungsbereiche, die innerhalb eines Industrieunternehmens zur Wertschöpfung beitragen. Wenn man unbedingt will, kann man das ja gern volkswirtschaftlich unter “Industrie” fassen, aber ergibt es auch Sinn?

  • bommel

    1. Was muss der Nachfrager machen, wenn sich das zu erwerbende Gut verknappt ? Richtig, mehr zahlen! Problem gelöst.

    2. “Dazu ist es notwendig das Angebot an frühkindlicher Bildung zu erweitern.”

    Haben Sie dazu eine international anerkannte Studie mit N> 10000 um zu belegen oder wenigstens nahezulegen, dass frühkindliche Bildung einen messbaren, positiven Effekt auf die geistige Entwicklung von Kindern bzw. Jugendlichen erbringt ?

  • Nixda

    Haben Sie schon einmal davon gehört, dass man in Großbritannien die Gehälter auch “Compensation” nennt?

    Das Problem ist das Marktversagen des Arbeitsmarkt. Die gezahlten Gehälter entsprechen weder (1) der Wertschöpfung der jeweiligen Tätigkeit, (2) den notwendigen Ausbildungsinvestitionen, (3) dem Angebot / Nachfrageverhältnis auf dem Arbeitsmarkt, (4) den Anforderungen an die Tätigkeit, (4) dem mit dem Beruf verbundenen Risiko der Arbeitslosigkeit, (5) den Karriereperspektiven oder (6) der gesellschaftlichen Anerkennung des Berufes.

    Unter den gegebenen Gehaltsstrukturen ist es völlig rational keine Ingenieurwissenschaften zu studieren, sondern mit einem BWL Studium in die Finanzbranche zu gehen. Ein gesunder Arbeitsmarkt würde einen Ingenieur besser bezahlen Manager – von einem Managermangel habe ich nämlich noch nichts gelesen. (Möglicherweise würde der nicht einmal schaden)

    “Dazu ist es notwendig das Angebot an frühkindlicher Bildung zu erweitern.”
    –> Dazu hat der hessischen Ministerpräsident ja gerade Vorschläge gemacht. Warum allerdings eine besser ausgebildete Jugend eine nicht-rationale Berufsentscheidung treffen sollte, ist mir doch unklar.